"Wir halten wenig vom Outsourcen"


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"Wir halten wenig vom Outsourcen"

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14.10.04 12:11
"Wir halten wenig vom Outsourcen"Deutsche Weltmarktführer (16): Florian Langenscheidt fragt Dr. Bertram Kandziora, Vorstandssprecher und Vorstand Produktion und Materialwirtschaft der Stihl AG

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 10. 04 -Kettensägen, ob elektrisch angetrieben oder mit Verbrennungsmotor, tragen weltweit den Namen Stihl. Mit großer Fertigungstiefe gelingt es dem Unternehmen, den technischen Vorsprung nicht nur zu halten, sondern vor allem gegenüber Billigprodukten auszubauen. Den Wert der Marke sieht Bertram Kandziora, Vorstandssprecher des Unternehmens vor allem darin, dass sie beim Kunden mit positiven Grundwerten verbunden ist.

Welche Herausforderungen sehen Sie wirtschaftlich auf sich zukommen?
Kandziora: Die zunehmende Globalisierung bleibt eine zentrale wirtschaftliche Herausforderung, die Stihl schon seit Gründung des Unternehmens vor über 75 Jahren erfolgreich angegangen ist. Dank unserer internationalen Standort- und Vertriebspolitik erzielen wir einen Auslandsanteil am Umsatz von über 87 %. Weltweit nimmt die Wettbewerbsintensität weiter zu. Produkte aus Niedriglohnstandorten kommen vermehrt auf den Markt. Obwohl diese Produkte funktional und qualitätsmäßig nicht zu unseren direkten Konkurrenzprodukten gehören, sinkt dadurch auch das Preisniveau der Branche. Wir dürfen daher insbesondere in Deutschland bei den Arbeitskosten keine weiteren Schritte in die falsche Richtung machen. Doch nicht nur Unternehmen, Gewerkschaften und Arbeitnehmer müssen Antworten finden auf den stärker werdenden internationalen Wettbewerb, auch die Politik ist gefordert zu reagieren. Wir brauchen in Deutschland dringend ordnungspolitische Reformen und deutlich weniger Bürokratie. Wir sollten insgesamt zu einer Kultur der Selbstständigkeit finden und uns auf die Stärken der sozialen Marktwirtschaft besinnen. Nur so wird es möglich, weiterhin Arbeitsplätze auch in Deutschland zu sichern.

Welche Herausforderung sehen Sie im technologisch wissenschaftlichen Bereich auf sich zukommen?
Kandziora: Auch für den Technologiebereich gilt heute der weltweite Maßstab. Der Forschungsstandort Deutschland braucht leistungs- und wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen. Für die Unternehmen gilt es, Innovationen kostengünstig umzusetzen und Produktentwicklungen rasch an den Markt zu bringen. Bei Stihl nimmt Forschung und Entwicklung traditionell einen hohen Stellenwert ein, denn wir versprechen unseren Kunden optimale Funktionalität und kompromisslose Qualität auf höchstem Niveau. Für unsere Produkte werden die gesetzlichen Vorschriften bezüglich Abgas, Vibration und Schallemission permanent verschärft. Da unsere handgetragenen Produkte zudem leicht sein müssen und die dafür prädestinierte 2-Takt-Motorentechnologie nur wenige "Stellschrauben" bietet, müssen wir in unserem neuen Entwicklungszentrum am Standort Deutschland die neuesten Technologien und Erkenntnisse der Werkstofftechnik, Simulation, Berechnung und Prüf-standserprobung einsetzen, um diese Aufgabenstellungen zu bewältigen. Viele der daraus resultierenden Lösungen sind erst durch optimierte und neue Fertigungsverfahren, die an die Grenzen des Machbaren gehen, möglich. Unsere hohe Fertigungstiefe hilft uns natürlich, die Möglichkeiten der Fertigungstechnologie in Produktvorteile umzumünzen.

Welche Herausforderung sehen Sie im gesellschaftspolitischen Bereich auf sich zukommen?

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14.10.04 13:03

Kandziora: Eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Aufgaben liegt darin, unsere Sozialsysteme zukunftsfähig zu machen. Angesichts der absehbaren demographischen Entwicklung müssen vor allem Renten-, Gesundheits- und Pflegesysteme unter Berücksichtigung des zunehmenden medizinischen Fortschritts umgebaut werden. Wir alle können derzeit miterleben, wie schwierig es ist, einschneidende Reformen tatsächlich umzusetzen. Natürlich muss dabei ein ausgewogenes Verhältnis von Solidarität und Eigenverantwortung gefunden werden, damit unser Sozialsystem seinem Namen gerecht wird, auf der anderen Seite aber bezahlbar bleibt.

Wann startet in Ihrer Branche das virtuelle Unternehmen? Bedeutet: Einer hat die Idee und hält den Markennamen, andere übernehmen Konstruktion, Produktion, Vertrieb und Marketing.
Kandziora: Für Stihl ist das kein Thema. Im Gegenteil: Wir halten vergleichsweise wenig vom Outsourcen, sondern erhöhen eher noch unsere Fertigungstiefe. Produktidee, Konstruktion, Produktion, Vertrieb und Marketing liegen bei uns in einer Hand, so dass wir unser Qualitätsversprechen "Made by Stihl" umfassend sicherstellen können. Wir haben damit über Jahrzehnte hinweg gute Erfahrungen gemacht. Unsere Kunden können das bestätigen.

Wie wichtig sind Markennamen für einen Produkterfolg?
Kandziora: Die Marke Stihl hat für unsere Produkte ausschlaggebende Bedeutung. Die Familie Stihl steht voll und ganz hinter der Marke und bürgt seit über 75 Jahren für den exzellenten Ruf der Produkte. Stihl ist ein Synonym für große Innovationskraft, kompromisslose Qualität, höchste Zuverlässigkeit, Produktkomfort und Sicherheit. Eine gute Marke kreiert man nicht durch schlaue Werbekampagnen, sondern durch jahrzehntelange Investitionen in Produkte und Dienstleistungen, wie Stihl das getan hat. Der Lohn dieser Mühen ist dann, dass man es beim Verkaufen leichter hat, da der Markenname beim Kunden mit positiven Grundeigenschaften und Grundwerten verbunden ist.

Würden Sie noch einmal den gleichen Ausbildungsweg gehen wollen?

Kandziora: Auf jeden Fall würde ich wieder ein technisches Studium wählen. Anstelle einer Promotion bieten sich aber heute auch andere Zusatzqualifikationen an, insbesondere wenn man nicht den wissenschaftlichen, sondern den Managementbereich anstrebt. Mein Studium als Chemieingenieur hat mir grundlegende Ingenieurfähigkeiten vermittelt, auch wenn ich die Spezialkenntnisse meiner Vertiefungsrichtung im Berufsleben nie gebraucht habe. Die Promotion auf dem Gebiet der Montageautomatisierung hat schon deutlich besser zu meinem späteren Berufsweg gepasst. Aus meiner Sicht ist das ein weiterer Beleg dafür, dass Bildung zumindest zu einem gewissen Grad nur grundsätzliches Rüstzeug ist, das durch lebenslanges Lernen im Beruf ergänzt und weiterentwickelt werden muss.

Was ist Ihr Lieblingssport?
Kandziora: Am liebsten gehe ich segeln. Mindestens einmal im Jahr chartere ich mit Freunden eine Segelyacht, wobei unser bevorzugtes Ziel die Ägäis zur Meltemi-Zeit, also bei möglichst viel Wind ist.fl/rus
Serie wird fortgesetzt


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Das Unternehmen
Die Stihl Gruppe, die 1926 von Andreas Stihl in Stuttgart gegründet wurde, hat sich in über 75 Jahren von einem Zweimannbetrieb zu einem international tätigen Motorsägen- und Motor...
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Bertram Kandziora
ist seit 1. Februar 2002 bei Stihl . Er ist Sprecher des Vorstands sowie Vorstand Produktion und Materialwirtschaft der Stihl AG.
Zu seinem Verantwortungsbereich gehören die Produktionswerke ...
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