winzigweich

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winzigweich hjw2
hjw2:

winzigweich

 
30.05.04 11:04
#1

Bills letztes Gefecht

Nach jahrelangen Prozessen geht Microsoft auf Schmusekurs. Widersacher werden mit Schecks ruhig gestellt. An der EU-Kommission könnte der Konzern scheitern

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Microsoft-Chef Bill Gates
Foto: dpa
 

Microsoft und sein Firmensitz waren für ihn "die Bestie aus Redmond" und "das böse Imperium". Sich selbst bezeichnete er als "Luke Skywalker". Fast 15 Jahre lang hatte Sun-Chef Scott McNealy seine Angriffe gegen das Unternehmen geflogen. Die größten Fans des Microsoft-Hassers sind nun zu seinen schärfsten Kritikern geworden. Ihr Vorwurf: McNealy ist zur dunklen Seite der Macht gewechselt. Eigentlich unvorstellbar, aber es stimmt.

Tatsächlich wirbelt Microsoft gerade die alten Fronten der Software-Branche durcheinander. Die Ikone des amerikanischen Kapitalismus verteilt Schecks, vergleicht sich mit Kontrahenten und unterzeichnet Kooperationen, als ginge es darum, sich die Welt zum Freund zu machen. Dieser Eindruck ist beabsichtigt. Denn das Software-Unternehmen bereitet sich auf seinen wichtigsten Kampf vor: gegen die Europäische Kommission. Bereits in wenigen Tagen will Microsoft gegen die jüngste Entscheidung aus Brüssel Berufung einlegen. Experten rechnen mit jahrelangem Tauziehen vor Gericht.

Das Treffen des Microsoft-Chefs Steve Ballmer mit dem Sun-Chef strotzte nur so vor Symbolik. Die Erzfeinde lächelten um die Wette. Und um es auch den Fotografen zu zeigen, tauschten sie als Zeichen der Versöhnung auch noch ihre Hockey-Trikots aus. McNealy: "Ich weiß, die meisten von Ihnen denken, das ist bizarr, er und ich hier zusammen."

Der Deal ist gerade einmal zwei Monate alt und kommt für Sun nach elf Verlust-Quartalen zum richtigen Zeitpunkt. Microsoft zahlt 1,6 Milliarden Dollar, damit McNealy seine Kartellrechts- und Patentklagen zurückzieht. Weitere 350 Millionen Dollar gibt Microsoft, um die Technologie des ehemaligen Kontrahenten zu nutzen. Künftig sollen sich die Produkte von Sun und Microsoft besser verstehen. Damit hat Bill Gates ein großes Problem weniger.

Zwei Wochen später kuschelte das Softwarehaus erneut. Diesmal schrieb Gates 440 Millionen Dollar auf einen Scheck - und beendete damit einen Patentstreit mit dem kleinen Software-Hersteller Intertrust Technologies. Die Philips- und Sony-Tochter entwickelte eine Technologie zur rechtmäßigen Nutzung digitaler Inhalte wie Musik und Videos. Seit 2001 sieht sich Microsoft mit dem Vorwurf konfrontiert, die Intertrust-Technologie in eigene Produkte eingebaut zu haben. Der Rechtsstreit hatte sich als Hürde bei Gesprächen mit Hollywood und mit den Musik-Labels herausgestellt. Wieder ein Problem weniger.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Microsoft mehrere Sammelklagen von Verbrauchern beigelegt und eine Entschädigungssumme von insgesamt mehr als einer Milliarde Dollar bezahlt. Auch das Abwenden der Windows-Monopolklage von zehn Bundesstaaten in den USA hat die Redmonder eine Milliardensumme gekostet. Weitere 750 Millionen Dollar legte Microsoft im vergangenen Jahr auf den Tisch, damit Time Warner seine Monopolklage nicht weiter verfolgt. Fast zwei Dutzend Fälle sind auf diese Weise in den vergangenen zwei Jahren beigelegt worden. Leisten kann sich der Konzern diese Zahlungen allemal. Auf mehr als 56 Milliarden Dollar haben sich die Barmittel angehäuft. Monatlich kommt eine Milliarde Dollar Gewinn dazu. Selbst der Sun-Vergleich hat den Quartalsgewinn nur geschmälert.

Microsoft hat gemerkt, dass Alleingänge gefährlich sein können, selbst wenn man die Macht dazu hat. Daher bemüht sich das Unternehmen jetzt darum, Patente zu teilen. Brancheninformationen zufolge verhandelt Steve Ballmer mit mehr als 100 Unternehmen in dieser Sache. Anfang des Monats haben Microsoft und Siemens ein Abkommen geschlossen, mit dem sie gegenseitig auf ihre Patente zugreifen können. Eine weitere Kooperation hat Microsoft mit dem deutschen Softwarehaus SAP geschlossen. Sogar mit Erzfeind Oracle kooperiert das Unternehmen jetzt. Künftig werden die Datenbanken von Oracle besser mit den Betriebssystemen von Microsoft zurechtkommen.

Freunde, wohin man blickt. Wäre da nicht EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Im März hat er dem Softwaregiganten kräftig auf die Finger gehauen. Selbst der persönliche Einsatz von Microsoft-Chef Ballmer in Brüssel konnte die Entscheidung nicht abwenden. Wegen Markt-Missbrauchs setzte die Europäische Kommission ein Bußgeld in Rekordhöhe von 497 Millionen Euro fest. Das zahlt Microsoft aus der Portokasse. Viel schwerwiegender sind die Auflagen aus Brüssel: Microsoft sollte innerhalb von 120 Tagen seine Schnittstellen offen legen und innerhalb von 90 Tagen eine Windows-Version ohne Media-Player anbieten. Das schmerzt schon mehr, denn Microsoft sieht sein Geschäft bedroht. Die Entscheidung der Kommission widerspricht nach Meinung von Microsoft der bisherigen Rechtsprechung, den wirtschaftlichen Realitäten und den Gepflogenheiten in den USA.

Trotz der Appeasement-Politik wird der Software-Konzern auch künftig noch kräftig streiten. Bei der Europäischen Kommission sind noch zwei weitere Fälle gegen Microsoft anhängig. Darüber hinaus kämpft auch noch Real-Networks gegen die Redmonder mit dem Vorwurf, Microsoft nutze sein Windows-Monopol aus, um unfair gegen den digitalen Media-Player von Real-Networks vorzugehen. Und nicht zuletzt hält Massachusetts als letzter US-Bundesstaat noch immer an seiner Monopolklage fest. Für Microsoft wäre es schon ein Fortschritt, wenn das Unternehmen Klagen schneller beilegen könnte, als neue hinzukämen.  Thomas Heuzeroth


Artikel erschienen am 30. Mai 2004

wams

winzigweich Reila
Reila:

Scher Dich raus

 
30.05.04 11:28
#2
und genieß das schöne Wetter!

Frohe Pfingsten.

R.
winzigweich hjw2

reila bin schon wech

 
#3


mit dem rad

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