Wie leicht kann ich blau machen?

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Wie leicht kann ich blau machen? vega2000

Wie leicht kann ich blau machen?

 
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Text: philipp-mattheis  Foto: Kay Lehmann 

Wie leicht kann man in München blaumachen? Ziemlich leicht, wenn man den richtigen Arzt kennt. Zwei Besuche bei Frau Dr. M.



Versuch 1: privat versichert
Das letzte Mal war ich während meines Zivildienstes bei Dr. M. in Behandlung. Das ist Jahre her, aber alles sieht genauso aus wie in meiner Erinnerung. Ein Mädchen wartet. Zwei junge Männer in weiten Hosen unterhalten sich über ihre Schuldentilgung, der eine erwähnt immer wieder das Wort „Stadelheim“. Als eine ältere Frau die Praxis betritt, bietet ihr einer der beiden seinen Platz an. Sie kennen sich von einem früheren Besuch. Nach über einer Stunde bin ich an der Reihe. Die Terassentür im Behandlungszimmer ist geöffnet, es ist kühl. Dr. M. trägt ein Kopftuch und spricht mit schriller Stimme. Medizinische Geräte gibt es nicht. Die ganze Situation hat etwas Unwirkliches, Skurriles. Die Helferin fragt nach meiner Versicherungskarte. „Sind Sie schon einmal hier gewesen?“
„Ja, ist aber schon etwas länger her.“
„Haben Sie keine andere Karte?“
„Nein“
„Das ist schlecht, wir können hier keine Privatpatienten behandeln. Wissen Sie, wir sind ja von der Universität angestellt.“ Dr. M. rät mir, zu einem Kollegen von ihr zu gehen. Dass ich überarbeitet sei und gemobbt werde, soll ich ihm sagen, und dass ich von ihr komme, dann wisse er Bescheid.

Bei den Münchner Unikliniken ist Dr. M. unbekannt. Bei der Bayerischen Landesärztekammer will man aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben. Weshalb ein Arzt keine Privatpatienten behandelt, kann sich hier niemand erklären.
„Nicht gerechtfertigte Atteste werden selten verfolgt“, sagt Dr. Kaplan. „Die Schule oder der Arbeitgeber müsste ja beim Arzt anrufen und sich beschweren. Der Arzt ist dann beim nächsten Mal skeptischer und stellt das Attest nicht sofort aus.“ Folgt eine offizielle Beschwerde bei der Ärzteaufsicht, kann diese eine Rüge erteilen. Nur, wenn ein solcher Missbrauch eindeutig nachweisbar ist, muss der Arzt mit einer Strafe rechnen. Aber nur in Ausnahmefällen kann ihm auch die Approbation entzogen werden. Dr. Kaplan kann sich nicht erinnern, dass dies in den letzten zehn Jahren vorgekommen sei. Wir besuchen Dr. M. eine Woche später noch einmal:

Versuch 2 – gesetzlich versichert
Ich erzähle, dass ihre Adresse ein Geheimtipp von Freunden sei. Dass ich seit drei Tagen bei meinem Praktikumsplatz fehle und dringend eine Bescheinigung brauche. Sie fragt nicht nach meinem Wohlbefinden, sondern nur: „Wie lange wollen sie denn noch krank sein?“
„Eine Woche?“ Ich traue mich nicht, höher zu pokern. Als die Sprechstundenhilfe nach meiner Krankenkassenkarte greift, fasse ich Mut. „Gehen auch zwei Wochen?“ Die Frauen beraten sich kurz und prompt habe ich eine Eierstockentzündung. „Weil da niemand so genau nachfragt.“ Aber dann ändern sie ihre Meinung: Eine Blinddarmreizung scheint ihnen überzeugender. Dr. M. gibt mir noch die Symptome meiner Krankheit auf den Weg: Übelkeit, Brechreiz, Schwindel. „Für neugierige Kollegen“, sagt sie und bittet mich, meinen Besuch nicht an die große Glocke zu hängen. Wäre doch schade, wenn so viele kämen, dass die Praxis schließen müsste, nicht wahr?

Vorsicht, lesen gefährdet ihre Dummheit


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