Wie jetzt?? Ötzi ?

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Wie jetzt?? Ötzi ? B Ghost
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Wie jetzt?? Ötzi ?

 
21.10.05 14:52
#1
SPIEGEL ONLINE - 21. Oktober 2005, 13:39
URL: 
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,380940,00.html

DNA-Test
 
Gletscherleiche ist Messner-Bruder

Neue Erkenntnisse zum Tod von Reinhold Messners Bruder: Die im August am Nanga Parbat gefundene Gletscherleiche ist DNA-Tests zufolge eindeutig der 1970 tödlich verunglückte Günther Messner. Doch der schon Jahrzehnte dauernde Streit um die Umstände seines Todes wird wohl weitergehen.

Innsbruck - Wissenschaftler bestätigten heute in Innsbruck nach einer DNA-Analyse von Gewebeproben des Toten, dass es sich bei der Leiche um Günther Messner handelt. Extrembergsteiger Reinhold Messner hatte die Untersuchung in der Hoffnung veranlasst, damit seine Version zu den Todesumständen seines Bruders zu untermauern. Dass ihm das damit gelingt, ist allerdings zweifelhaft. In den Augen seiner Kritiker dürfte die Identität des Toten nichts über die Todesumstände aussagen.

Günther Messner: Todesumstände ungeklärt
DPAGünther Messner: Todesumstände ungeklärt
Günther Messner war damals von der Besteigung des 8125 Meter hohen Nanga Parbat nicht zurückgekehrt. Um seinen Tod war ein heftiger Streit zwischen Reinhold Messner und ehemaligen Bergkameraden entbrannt. Vor zwei Jahren eskalierte er und mündete in mehrere Gerichtsverfahren. Messner hatte die Kameraden beschuldigt, sie hätten seinen Bruder und ihn nicht gesucht, als die beiden nicht vom Gipfel des 8126 Meter hohen Berges zurückkamen. Die Kameraden warfen Messner ihrerseits vor, er habe den Nanga Parbat vermutlich aus Ehrgeiz überschreiten wollen und Günther allein auf der Aufstiegsroute in Richtung Lager zurückgeschickt.

Es ist Freitag, der 26. Juni 1970, als die Brüder Reinhold und Günther Messner und der Kameramann Gerhard Baur 7000 Meter hoch in der sogenannten Rupalwand des Nanga Parbat im Himalaja stecken. Diese höchste Eiswand der Erde hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand bezwungen. Um 20 Uhr abends sehen die drei tief unter sich eine rote Leuchtrakete aufsteigen - das mit dem Basislager verabredete Signal für schlechtes Wetter. Der geplante Aufstieg zum Gipfel ist damit eigentlich abgesagt.

'Nanga
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In den Augen von Reinhold Messner bedeutet das Signal jedoch, dass er es trotzdem allein versuchen darf. So hat er es mit dem Leiter der Expedition Karl Maria Herrligkoffer vereinbart. Messner gilt als bester Kletterer unter den 18 deutschsprachigen Alpinisten dieser Expedition, und er ist zweifellos der ambitionierteste. In den Alpen hat er schon die waghalsigsten Touren in Rekordzeiten gemeistert, aber einen Achttausender auf einer neuen Route im Alleingang zu bewältigen - das sieht er als seine große Chance.

In der Nacht macht sich Messner auf den Weg. Nach seiner Version der Geschichte klettert er zügig nach oben, nach ein paar Stunden bemerkt er, dass ihm jemand gefolgt ist: sein Bruder Günther, zwei Jahre jünger, genauso ehrgeizig und ambitioniert, ist ihm auf eigene Faust, auf eigenes Risiko, ohne Absprache mit der Expeditionsleitung nachgestiegen.

33 Jahre im Eis

Erst Tage später trifft Reinhold Messner die anderen dann wieder. Da hat er nicht nur den Nanga Parbat bezwungen, sondern auch noch den Abstieg über die Diamirflanke gewagt, eine weitere Erstbegehung, und das innerhalb von zwei Tagen. Ein weiterer Weltrekord.

Doch Messner zahlte einen hohen Preis: Beim Abstieg kam sein Bruder Günther ums Leben. Begraben unter einer Eislawine liege er irgendwo dort oben, hatte Messner immer geglaubt. Wie genau es dazu gekommen war, konnte nie geklärt werden. Messner selbst hatte stets beteuert, er habe seinen Sinnen wegen des Sauerstoffmangels nicht trauen können, habe aber lange Zeit während des Abstiegs seinen Bruder hinter sich geglaubt. Der bereits geschwächte Bruder habe Angst davor gehabt, über den Aufstiegsweg durch die sogenannte Rupalwand wieder abzusteigen. Günther sei dann beim gemeinsamen Abstieg vermutlich von einer Eislawine erfasst worden, als er selbst den Weg ins Tal erkundete.

Abenteurer Reinhold Messner: Bruder nicht alleine gelassen
DPAAbenteurer Reinhold Messner: Bruder nicht alleine gelassen
Die ehemaligen Kameraden sahen aber auch nach dem Fund der Gletscherleiche keinen Beweis für Messners Version. Es sei nicht belegt, dass beide zusammen abgestiegen seien, sagte Mitbergsteiger Max von Kienlin. Ähnlich äußerte sich damals auch Albert Völkmann, Münchner Verleger von Messners Ex-Kamerad Hans Saler. "Ganz abgesehen davon, dass die Informationen zu dem Fund des Leichnams noch sehr vage sind, wäre damit lediglich bewiesen, dass Günther Messner irgendwo auf der Diamirseite umkam. Es ist nach wie vor unklar, wo und vor allem wie er verunglückte. Er könnte theoretisch auch nach einer Trennung der Brüder auf dem Rückweg zur Rupalseite im oberen Wandbereich noch auf der Diamirseite abgestürzt sein."

Ein Bergführer hatte die Leiche laut Messner in der Nähe des Diamir-Basislagers in 4600 Metern Höhe gefunden. Offenbar sei der Körper des toten Bergsteigers vor zwei Jahren mit den schmelzenden Schneemassen zum Basiscamp hinuntergetragen worden. Davor habe die Leiche 33 Jahre in etwa 7000 Meter Höhe gelegen.
 

© SPIEGEL ONLINE 2005
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Doch nicht rehabilitiert?

 
#2
DER SPIEGEL 43/2005 - 24. Oktober 2005
URL: 
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,381157,00.html

Affären
 
Eine Leiche, hundert Fragen

Von Carsten Holm

Nach der Identifizierung seines am Nanga Parbat gestorbenen Bruders hält sich Reinhold Messner für rehabilitiert - doch seine Kritiker hegen weiter Zweifel.

Messner mit dem Bergschuh seines Bruders: Rufmordkampagne vom Tisch?
AFPMessner mit dem Bergschuh seines Bruders: Rufmordkampagne vom Tisch?
Es hat ihn "viele schlaflose Nächte" und mehr als 100.000 Euro für Anwälte und Suchexpeditionen gekostet, nun glaubt er den Vorwurf einstiger Bergkameraden entkräftet, er habe seinen todkranken Bruder Günther 1970 am Nanga Parbat im Stich gelassen.

Reinhold Messner, 61, sitzt im Gerichtsmedizinischen Institut der Innsbrucker Universität vor Journalisten und fühlt sich rehabilitiert: Die DNA-Analyse einer Zehe lässt keinen Zweifel mehr daran, dass Skelettteile, die im August auf der Diamirseite des pakistanischen Berges gefunden wurden, zum Leichnam seines Bruders gehören.

Die "Rufmordkampagne" gegen ihn, behauptet der erfolgreichste Bergsteiger aller Zeiten vorigen Freitag, sei "jetzt vom Tisch". Nun wolle er mit dem Münchner Regisseur Joseph Vilsmaier ein Doku-Drama über das "Verbrechen" an ihm drehen, das "den Leuten die Augen öffnen" werde.

Der größte Teil des beabsichtigten Epos über den wohl hässlichsten Streit in der Geschichte des Alpinismus ist längst bekannt: Bei einer Buchvorstellung im Herbst 2001 hatte der Südtiroler seine frühere Crew vom Nanga Parbat ohne erkennbaren Grund massiv angegriffen. Einige Mitglieder von damals, so sein schlimmster Vorwurf, hätten vermutlich "nichts dagegen gehabt", wenn beide Messners umgekommen wären.

Der bayerische Kameramann Gerhard Baur, der in Chile lebende Abenteurer Hans Saler und der Münchner Max von Kienlin hatten daraufhin ihr jahrzehntelanges Schweigen über einige Merkwürdigkeiten gebrochen, die sich im Zusammenhang mit dem Tod von Günther Messner zugetragen hatten. So habe Messner zwei Teamkollegen, die unterhalb des Gipfels bis auf Rufnähe gefolgt waren, zugerufen, es sei "alles in Ordnung" - obwohl sein Bruder zu diesem Zeitpunkt längst in Lebensgefahr war.

Am 27. Juni 1970 hatten die Brüder Messner sich von ihrem Expeditionsteam gelöst und den Gipfel des 8125 Meter hohen Nanga Parbat als Erste über die Rupalwand, die höchste Eiswand der Erde, erreicht. Dabei wurde Günther Messner schwer höhenkrank. Aus purer Not, weil sich sein Bruder die Rückkehr ins Basislager über die Aufstiegsroute nicht mehr zutraute, wagten beide, so Reinhold Messner, den Abstieg über die unbekannte Diamirseite - ein Wagnis, das Messner weltberühmt werden ließ.

Bis zum Fuß der Diamirwand, auf eine Höhe von etwa 4700 Meter, will Messner seinen Bruder begleitet und ihn erst danach aus den Augen verloren haben. Günther Messner sei dann vermutlich in einer Eislawine umgekommen.

Doch Teamkollegen von einst zweifeln Messners Darstellung an. Die zentrale Frage der Fehde lautet: Bis wohin hat Messner seinen höhenkranken Bruder begleitet? Hat er ihn schon bald nach dem Gipfel allein gelassen, um durch den Abstieg über die Diamirwand zu Ruhm zu kommen? Warum sonst hatte er Tage später, als er völlig erschöpft wieder zur Mannschaft stieß, gefragt: "Wo ist Günther?"

Den Fundort des Leichnams auf einer Höhe von 4300 Metern sieht Messner nun als endgültigen Beweis dafür, dass er seinen Bruder bis zum Fuß der Abstiegswand begleitete. "Nur im untersten Teil der Wand ist es möglich, dass er ins Eis geriet", bekräftigt Messner in Innsbruck, weiter oben sei "nur Fels".

Doch für Expeditionsteilnehmer Gerhard Baur stellen sich auch nach dem Ergebnis der DNA-Analyse "hundert Fragen". Der Fundort sei "keineswegs ein endgültiger Beweis dafür, dass die Messners gemeinsam auf unter 5000 Meter hinabgingen". In dem Fall, so Baur, "hätte der fließende Gletscher die Leiche in den vergangenen 30 Jahren doch längst mehrere Kilometer weitergetragen".

Experten wie der baden-württembergische Expeditionsunternehmer Ralf Dujmovits, der zuletzt vor vier Jahren zehn Alpinisten über die Diamirflanke auf den Gipfel führte, stimmen den Messner-Kritikern zu. Es sei "genauso gut möglich", dass Günther Messner "kurz unterhalb des Gipfels abgestürzt und im abwärts fließenden Eis und Schnee auf die Höhe des Fundortes mitgetragen worden" sei. Über die Frage, wann sich die Brüder getrennt hätten, sage diese Stelle "nichts" aus.

Der Wahrheit könnte nun das Hamburger Landgericht näher kommen. Max von Kienlin, ein Gast der Expedition von 1970 und damals noch ein enger Freund Messners, hat in einem Buch über den Fall Tagebuchaufzeichnungen vorgelegt. Reinhold Messner, heißt es da, habe ihm unmittelbar nach der Überschreitung des Gipfels anvertraut, seinen Bruder bereits weit oben aus den Augen verloren zu haben.

Messner hat diese Aufzeichnungen als nachträgliche Fälschungen bezeichnet. Die Hamburger Richter, die über eine Klage Messners gegen Kienlins Buch entscheiden, haben im August ein Schriftgutachten in Auftrag gegeben, auf dessen Ergebnis sie jetzt warten.

In einer privaten Expertise für Kienlin schloss ein renommierter Gutachter "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" aus, dass die Notizen nach dem Herbst 2001 entstanden. Demnach wären sie niedergeschrieben worden, bevor der Streit begann.
 

© DER SPIEGEL 43/2005


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