Welche Inflation? Und ein "Danke!"

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Welche Inflation? Und ein

Welche Inflation? Und ein "Danke!"

 
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Welche Inflation? Und ein "Danke!"

von Jochen Steffens

Erinnern Sie sich noch an Ende 2003, als wir die These vertreten haben, dass die Fed vor einer Deflation warnt, um eine Inflation durchs Hintertürchen einzuleiten. Eine Technik, die schon einige Male in der Weltgeschichte funktioniert hat. Sie scheint auch dieses Mal zu funktionieren, das aktuelle Thema ist Inflation, von Deflation redet keiner mehr, die damaligen Diskussionen sind vergessen.

Nun warnt die Fed vor Inflation. Wir wissen, dass diese hauptsächlich durch die hohen Energie- und Rohstoffpreise getrieben ist, und es sieht so aus, als wolle die Fed nun durchs Hintertürchen aktuell wieder eine deflationärere Politik forcieren, um irgendwann wieder eine weitere Phase der lockeren Zinspolitik einzuleiten.

US-Verbraucherpreise schlechter und doch besser

Heute wurden die mit größter Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise veröffentlich. Ein wichtiger Indikator, wie es um die Inflation wirklich bestellt ist. Es gab Vermutungen, die Fed habe nur so massiv gewarnt, weil die Zahlen sehr schlecht seien und sie den Markt vor einem Schock bewahren wollte. Das konnte ich mir nicht vorstellen und das bestätigt sich heute auch nicht. Zwar sind die Verbraucherpreise heute um 1,2 % angestiegen, erwartet wurden 0,9 - 1,0 %, das ist der stärkste Anstieg seit 25 Jahren!

Allerdings ist die Kernrate, bereinigt um Nahrungsmittel und Energie, lediglich um 0,1 % angestiegen! Erwartet wurde ein Anstieg von 0,2 % -
0,3 %.

Der Teilbereich Energie stieg um satte 12 %!

Wie ich sagte, es ist und bleibt eine schlichte energie- und rohstoffpreisgetriebene Inflation. Eine gewisse Inflation begleitet immer einen wirtschaftlichen Anstieg, wäre also kein Problem. Der aktuelle massive Anstieg und die damit verbundenen Sorgen kommen hier aber hauptsächlich vom Öl und Gas.

Höhere Zinsen kontraproduktiv

Diese Inflation ist nicht durch höhere Zinsen zu bekämpfen, weil man damit die Unternehmen von zwei Seiten in Bedrängnis bringt. Erstens müssen sie die höheren Energiepreise bezahlen und können das offensichtlich nicht eins zu eins auf die Verbraucher umwälzen, was die Gewinnmargen schrumpfen lässt, und zweitens, verlieren sie bei höheren Zinsen auch die Möglichkeit, sich billig Geld zu besorgen.

Das gleiche gilt für die Verbraucher, die müssen die höheren Energiepreise bezahlen und haben somit weniger Geld zum konsumieren.
Wenn man ihnen dann auch noch die Chancen billiger Kredite nimmt, dann wird es auch für den Konsum heikel.

Vielleicht erkennen Sie, wie unlogisch das alles ist. Ich bleibe dabei und sehe mich zunehmend durch die letzten Zahlen bestätigt, der ganze Wind der Fed zielt auf die langfristigen Zinsen und damit auf den Immobilienmarkt ab.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fed so dumm ist und auf diese Form der Inflation mit massiven Zinserhöhungen reagiert, so wie es der Markt gerade einpreist. Hier wird der Rentenmarkt geschockt, um bald die Zinspolitik lockern zu können. Nur bis das die Märkte begreifen ... Ich bin gespannt, damals mit der Deflation hat es auch etwas gedauert.

Es muss noch einmal wiederholt werden:

Aber ich werde auch nicht müde, zu betonen, der Markt kann auch in den Geburtswehen einer ganz anderen Nachricht stecken. So etwas wie, General Motors meldet Insolvenz an, Bush will auf einmal alle Defizite in den USA auf Null bringen, massive Steuererhöhungen oder was weiß ich. Da ich kein Hellseher bin, bleibt diese Option als Warnung im Hinterkopf, wird aber nicht als Szenario im persönlichen Börsenhandel umgesetzt.

Wir müssen leider weiter abwarten, was die Märkte aus dieser Zahl machen. Da noch einige wichtige marktbewegende Zahlen heute anstehen, auf die ich hier nicht mehr rechtzeitig eingehen kann, mehr dazu Montag und weiter unten, unter US-Konjunkturdaten.

Gestern wurden übrigens erste deutliche Umkehrsignale bei den US-Indizes generiert, schaun wir mal, ob sie bestätigt werden.

Der Weg des größten Schmerzes

Das idealtypische Szenario wäre allerdings: Nun eine kurze Gegenbewegung nach oben, dann noch einmal ein Einbruch unter die Tiefs von gestern, Dow vielleicht unter die 10.000 Punkte, alle Bullen sind dann nachhaltig und zutiefst verschreckt. Dann startet die eigentliche Aufwärtsbewegung. Im Moment muss man aber auch damit rechnen, dass der Markt einfach jetzt dreht. Bevor es drüben in den USA richtig bullish wird, muss allerdings noch einiges an Wegstrecke nach oben zurückgelegt werden. Sie können und sollten also mit weiteren Longpositionierungen gelassen abwarten, bis die Amis deutlichere bullishe Signale generieren. Wenn meine These stimmt, dann haben Sie Zeit genug.

Zu einem ganz anderen Thema:

Überraschend viele E-Mails

Ich möchte mich hiermit für die überraschend vielen E-Mails zu dem Investor's Daily von Dienstag ("Schluss mit der Depression") bedanken.
Leider werde ich kaum die Zeit finden, alle zu beantworten. Deswegen diese Zeilen:

Ich will und kann gar nicht verhehlen, dass es mich sehr gefreut hat, von Ihnen so deutlich positiven Zuspruch zu erhalten. Natürlich motiviert das, weiterhin für Sie neue Ideen, Möglichkeiten, Szenarien, zu entwerfen, entdecken, beschreiben, aber auch wieder zu verwerfen und zu widerlegen.

Besonders hat mich gefreut, dass Sie es offenbar (entgegen diverser
Ansichten) doch zu schätzen wissen, dass ich eben nicht eine lineare Meinung vertrete, sondern Sie miterleben lasse, wie auch ich mit den Märkten kämpfe, mal unsicher bin, mal sicher bin und doch häufig genug vom Mainstream abweichende Meinungen vertrete, die sich zum Glück oft genug als richtig, aber auch sicher mal als vollkommen falsch herausstellen.

Ich bin wirklich positiv überrascht, derart viele Leser zu haben, die bereit sind, sich kontrovers mit der Materie Börse auseinander zu setzen. Leser, welche die Fähigkeit haben, auch mal über den Tellerrand zu schauen, sich zwischenzeitlich mit fast schon abstrus anmutenden Thesen zu beschäftigen, aber bei all diesen Gedankenspielereien nie den Bezug zur Realität zu verlieren.

Ebenso hat mich gefreut zu lesen, dass es auch vielen anderen Menschen so geht wie mir, die dieser Weltuntergangsstimmung so langsam nichts mehr abgewinnen können (egal, ob sie gerechtfertigt ist oder nicht) und Taten der Depression vorziehen.

Das sollte uns doch allen etwas Mut machen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Jochen Steffens

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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Der Umsatz im Einzelhandel ist um 0,2 % gestiegen. Erwartet wurde ein Umsatzanstieg um 0,3 bis 0,7 % nach zuvor -1,9 % (revidiert von

-2,1 %).

Ohne die Autoverkäufe ist der Einzelhandelsumsatz um 1,1 % geklettert.

Erwartet wurde hier ein Plus von 0,5 bis 1,3 % erwartet nach zuletzt

+1,0 %.

Diese Zahlen sind hingegen etwas enttäuschend, allerdings ist hier ein Anstieg zu erkennen, das ist schon mal positiv.

Die Industrieproduktion ist um 1,3 % gefallen. Erwartet wurde lediglich ein Rückgang um 0,3 bis 0,5 % nach zuvor +0,2 % (revidiert von +0,1 %).

Das schmeckte den Märkten so gar nicht. Ich kann leider nicht beurteilen, wie weit das mit den Hurrikans zu tun hat. Aber es wäre ein weiterer Grund die Zinserhöhungen auszusetzten.

Auch die Kapazitätsauslastung ist leicht gesunken und liegt bei

78,6 %. Erwartet wurde aber eine Auslastung von 79,4 bis 79,5 % nach zuvor 79,8 %.

Enttäuschend war jedoch der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan, der bei unerwartet niedrigen 75,4 Zählern notierte.

Erwartet wurde der Index bei 80,0 bis 81,0 nach zuvor 76,9. Das schickte die Märkte noch einmal richtig in den Keller.

Nun bin ich gespannt, was die Märkte daraus machen!

Gruß Moya Welche Inflation? Und ein Danke! 2170933



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