Was will die Fed?

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Was will die Fed?

 
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Was will die Fed?

von Jochen Steffens

So, mit der heutigen Fed-Sitzung wird sich aller Voraussicht nach entscheiden, ob der Markt nun nach oben ausbricht und damit in eine eher ungesunde Dynamik übergeht, oder ob es zu einer Konsolidierung kommen wird. Dazu die fundamentalen Fakten:

Preissteigerungen gehen zurück, Kernraten halten sich stabil

Die US-Inflationszahlen verbessern sich aufgrund des gefallenen Ölpreises deutlich, allerdings kommen die Kernraten (also die Inflationsraten ohne Energie und Lebensmittel) noch nicht nach. Das ist jedoch ein ganz normaler Faktor, die Kernraten reagieren zeitversetzt. Auf der anderen Seite kühlt sich das Wirtschaftswachstum in den USA etwas ab. Ein dritter Punkt ist, dass der US-Immobilienmarkt deutlich zurückgekommen ist.

Aus diesen Punkten kann man schließen, dass keine Notwendigkeit mehr besteht, die Zinsen weiter anzuheben. Das wird auch heute nicht passieren. Die viel wichtigere Frage ist, ob die US-Wirtschaft oder der US-Immobilienmarkt eventuell eine Stützung durch sinkende Leitzinsen braucht.

Die US-Wirtschaft wächst noch, die Kernraten sind noch stabil, der US-Immobilienmarkt stabilisiert sich gerade. Also somit sind keine Gründe zu erkennen, warum die Fed die Zinsen nun senken sollte.

Auf das Statement kommt es an

Wie immer, wenn keine Veränderung zu erwarten ist, kommt es auf einzelne Sätze im Statement der Fed an. Es stehen die US-Kongresswahlen an, und es sieht nicht gut aus für Präsident Bush und seine republikanische Partei. Die Fed ist insgesamt etwas konservativer ausgerichtet, Ben Bernanke von Bush ins Amt geholt. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Fed das Statement leicht variiert, so dass es sich auf den Aktienmarkt günstig auswirkt. Das ist keine „Verschwörungstheorie“, sondern gängige Praxis. Solche Spielchen kann der geneigte Politikinteressierte selbst hier in Deutschland erkennen, natürlich mit anderen Mitspielern.

Und natürlich wäre eine Unterstützung höchst unauffällig möglich. Die Fed kann einfach darauf hinweisen, dass die Inflationsgefahren deutlich gesunken sind, was schließlich stimmt. Und müsste dann nur noch etwas über den US-Häusermarkt sagen, was man mit viel gutem Willen als Hinweis auf eine mögliche Zinssenkung interpretieren könnte. Aber ich möchte das Thema jetzt nicht überstrapazieren, warten wir einfach ab.

Wann kommt die nächste Zinssenkung und seltsame Analysen

Für den Markt interessanter ist sowieso, ob es nach den Wahlen weitere Zinssenkungen geben wird und wenn ja, wann eine solche Zinssenkung kommt. Nun ist das Problem, dass einige besonders findige Analysten beobachten, dass sich das US-Wirtschaftswachstum zwar verlangsamt, aber die Kernraten nicht zurückkommen und das trotz sinkendem Ölpreis und trotz sinkendem US-Wachstum. Diese scheinbare Seltsamkeit verführt offenbar zu einigen höchst interessanten Schlussfolgerungen. Im Kern geht es darum, dass die Wirtschaft im Moment nicht so läuft wie früher und dass die Fed diesen neuen Aspekt berücksichtigen müsse!

Warum die Kernrate zeitversetzt auf den sinkenden Ölpreis reagiert

Natürlich hat die Globalisierung einiges verändert. Aber in diesem Fall geht es um etwas anderes. Wie gesagt, die Kernrate verändert sich zeitversetzt, das lässt sich einfach erklären:

Wenn die Ölpreise und Rohstoffpreise steigen, dann werden alle Faktoren eines Produktionsprozess bis hin zum Verkauf belastet. Die Produktionskosten steigen, nicht nur weil die Rohwaren im Preis anziehen, sondern weil auch Energiekosten für die Herstellung, für die Beheizung des Unternehmens, für den Stromverbrauch, für den Transport der Waren, für die Verpackung der Waren und, und, und ebenfalls ansteigen. .

Nehmen wir zum Beispiel das Verpackungsmaterial, dass natürlich auf Lager liegt. Hier wirken sich die höheren Preise erst dann aus, wenn neue Chargen erworben wurden. Oder die Frachtkosten: Hier werden natürlich Verhandlungen mit „Subunternehmern“ oder anderen Transportunternehmen geführt. Diese können die steigenden Benzinpreise erst bei den nächsten Verhandlungen auf das Unternehmen übertragen. Also auch hier werden sich die höheren Benzin-Kosten erst zeitversetzt auswirken.

Wie hin, so zurück

Wir konnten das erkennen, als die Ölpreise gestiegen sind. Zunächst veränderten sich die Preise (Erzeugerpreise, Verbraucherpreise), erst später stiegen dann auch die Kernraten an. Schon damals vermuteten einige , dass der Anstieg der Preise doch nicht so schlimm sei, die Kernraten seien doch noch nicht angestiegen. Das war natürlich nicht ganz richtig. Wie erwartet zogen nämlich später auch die Kernraten an.

Nun ist es das gleiche nur umgekehrt. Erst sinken die Preise (Erzeugerpreise, Verbraucherpreise), da hier direkt die Energiepreise z.B. Benzinpreise mit eingerechnet werden. Die Kernraten (ohne Energie und Lebensmittel) bleiben aus oben beschriebenen Verzögerungseffekten erst einmal stabil uns sinken dann später.

Ich frage mich, ob besagte besonders findige Analysten sich darüber bewusst sind, dass eine Zeitverzögerung in der Reaktion der Kernrate normal ist, sofern es im eine rohstoffgetriebene Inflation geht.

Fazit:

Die Kernraten werden sinken, zumindest wenn der Ölpreis nach der US-Kongresswahl nicht wieder dramatisch steigen sollte. Dann wird der Fed genug Luft bleiben, auch die US-Leitzinsen zu senken. Ob das nötig sein wird, hängt davon ab, wie sich die Wirtschaft und der US-Immobilienmarkt bis dahin entwickelt. Und das müssen wir beobachten und bewerten.

Ich bin gespannt, ob in dem heutigen Statement der Fed irgendetwas zu erkennen sein wird, dass diese hier dargestellten Thesen untermauert.

Setzen Sie auf die Profiteure eines wieder steigenden Ölpreises

Denken Sie aber daran, der Ölpreis wird im Umfeld oder nach den US-Kongresswahlen wieder steigen. Die US-Regierung hat den Zulauf in die strategischen Reserven gestoppt, das könnte sich nach den Wahlen wieder ändern. Besonders gefährlich wird es, wenn die Nordhalbkugel einen harten Winter erlebt.

Also bleibt der Fokus auf den Ölpreis gerichtet. Aus diesem Grund ist es ratsam, zur Diversifizierung einige Aktien im Depot zu haben, die auch von einem steigenden Ölpreis profitieren können. Hier sind Biokraftstofffirmen zu nennen, wie auch Solaraktien, aber auch die bekannten petrochemischen Unternehmen. Und so kann es sein, dass zum Beispiel der Boom der Solaraktien, der in diesem Jahr zwischenzeitlich wieder ganz schön unter die Räder gekommen ist, einen zweiten Frühling erlebt. Und natürlich wieder genau dann, wenn keiner mehr damit rechnet.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viele Mails ich im Frühling dieses Jahres zu den Solaraktien erhalten habe. Damals habe ich immer davor gewarnt, dass der Markt überhitzt sei. Einige Solaraktien haben sich seitdem halbiert. Jetzt erhalte ich keine Mails mehr. Ob das ein gutes Zeichen ist? Ob es jetzt schon ein guter Zeitpunkt ist, wieder einzusteigen, wer weiß?

Gruß Moya Was will die Fed? 2871093



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