Wahlfieber infiziert die Märkte

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Wahlfieber infiziert die Märkte moya

Wahlfieber infiziert die Märkte

 
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Wahlfieber infiziert die Märkte

von Jochen Steffens

Oh, la la. Was machen denn die Amis da? Haben Sie auch das Knacken gehört? Das war das Genick der Bullen und das tat ziemlich weh.

Der Freitag löschte alle Umkehrsignale aus, der Nasdaq100 gab die Gewinne der letzten drei Tage in einem Rutsch ab, der Dow, der sowieso in der letzten Woche durch Schwäche auffiel, schaffte mit einem Tief bei 9753 Punkte gar ein neues Jahrestief!

Der Dax flüchtete heute nach den Vorgaben aus den USA vom Freitag direkt tief in den Keller und versteckte sich zittrig hinter den Bärenfellen.

Was war geschehen? Einerseits wurde der schlechte Ausblick von Microsoft dafür verantwortlich gemacht, andererseits ließ das höher als erwartete Wachstum in China vermuten, dass der Ölpreis wieder weiter ansteigt - was er auch brav machte. Und als letzter Punkte wurde die Dollarschwäche genannt, die natürlich ebenfalls die amerikanischen Kurse belastet. Ich habe noch einen Punkt: Der Markt ist krank, er leidet an Wahlfieber.

Der schwache Dollar, der zu einer "unglaublichen" Rallye im Euro führte, ist wieder mal eine der Überraschungen. Etwas befremdlich ist, dass er genau an dem Tag einsprang und die Märkte belastete, als der Ölpreis offensichtlich ausgereizt war. Das ist schon etwas seltsam, fast schon zu perfekt, wie der Dollar den Ölpreis als marktbewegendes Moment ohne kleine Zwischenpause ersetzt hat. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Natürlich verhilft der schwächende Dollar auch wiederum dem Öl aktuell zu einem neuen Hoch. Würde man diesen Effekt herausrechnen, würde Öl schwächer notieren und würde Verkäufer anziehen. Nur, der "Konjunktiv"
hat an der Börse nichts zu suchen.

Ich denke, dass der Einbruch im Dollar (mein Euro/Dollar Chart zeigt eine fast senkrechte Linie nach oben), ein weiterer Effekt der Seitwärtsbewegung ist. Alles stürzt sich auf jeden neuen Trend. So geschieht es, dass jeder noch so kleine Trend in den Sekundärmärkten, sofort gnadenlos durch das Dorf geritten wird. Dabei ist es an sich nicht ratsam, in einer Zinserhöhungsphase (und in der befinden wir uns so lange, bis die Fed die erste Zinssenkung beschließt) auf einen schwachen Dollar zu setzten. Aber fundamentale Beweggründe "bewegen"
den Markt im Moment sowieso nicht.

Das Wahlfieber hat die Märkte erreicht. Nächste Woche Dienstag ist es dann so weit. Wann wir dann wirklich wissen, wer der neue Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, ist natürlich unklar - 4 Wochen später, vielleicht 6 Wochen später - manche munkeln wir wüssten bis heute nicht, wer wirklich aktuell der rechtmäßiger Präsident der USA sei. Dass es in der größten und (nach eigenem Empfinden) "demokratischsten" aller Demokratien bereits im Vorfeld zu "Wahlpannen" kommt, ist ein Zeichen dafür, wie sehr dieser Wahlkampf auch in den USA die Menschen polarisiert.

Die Märkte werden von diesem Wahlfieber eingefangen. Die Angst vor Terroranschlägen im Vorfeld der Wahl dürfte nur eins der Krankheitssymptome sein. Dabei gibt es nach Angaben der "Washington Post", entgegen der Mitteilung des Weißen Haus, keine konkreten Hinweise auf einen Terroranschlag vor den Wahlen. Die Zeitung berichtet, dass diese besagte Terrorwarnung von einem CIA Mitarbeiter erfunden worden sei.

Und noch immer weiß keiner, wer die Wahl gewinnen wird. Börsen hassen Unsicherheiten, und neigen dazu, solche mit Kursverlusten zu quittieren. Die Schwäche am Freitag hat meiner Meinung viel mit dem Wahlfieber in den USA zu tun. So kann es gut sein, dass auch diese Woche noch sehr durchwachsen wird.

Allerdings neigt die Börse dazu, neu entstande Sicherheit mit Kursgewinnen zu quittieren. Sobald ein Präsident gefunden wurde, könnte es ziemlich bullish werden. Also keine Sorge, gebrochen ist der Nacken der Bullen für einen Anstieg bis zum Jahresende noch nicht, nur angeknackst.

Und wir erinnern uns:

Am Freitag den 25.Oktober 1929, auch schwarzer Freitag genannt, ging die Nachricht von den New Yorker Kurseinbrüchen des Vortages (Black Thursday) um die Welt und führte zum weltweiten Börsencrash. Das nächste wirkliche Tief erreichte der Dow allerdings erst am 13.November 1929.


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