Versunkene Stadt erregt die Gemüter

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Versunkene Stadt erregt die Gemüter

 
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Die Überreste der Stadt wurde etwa eine Meile vor der Küste nahe Poompuhar in der indischen Provinz Nagapattinam gefunden. Zu ihrer Zeit wohl Hafenstadt, liegt sie nun etwa sieben Meter Tiefe unter Wasser. In einer gemeinsamen Aktion wollen das Indian Naval Hydrographic Department (INHD) und der Archaeological Survey of India (ASI) den Ort genauer unter die Lupe nehmen. Die Stelle war schon im Jahre 2001 Ziel einer Expedition. Gesponsert vom britischen Channel 4, unternahm ein Team unter Graham Hancock Untersuchungen vor Ort. Die Ergebnisse waren, gelinde gesagt, erstaunlich. Hancock geht davon aus, dass die Strukturen älter sind als die indische Harappa-Kultur (vom vierten bis Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus). Seiner Ansicht nach sei die Stadt von einer bis zu 120 Meter hohen Flutwelle ins Verderben gerissen worden. Der Befund decke sich zudem mit Geschichten aus der tamilischen Mythologie. Hancock datiert die Katastrophe in einen Zeitraum zwischen 15.000 und 5000 vor Christus, die Stadt könnte demnach der Geburtsort menschlicher Zivilisation sein. Die Sache hört sich nicht nur ziemlich abenteuerlich an, sie ist es offenbar auch. Was der Unterwasserarchäologe und passionierte Atlantisforscher nämlich nicht liefert, ist eine Erklärung, wie er auf die Zahlen kommt.

Die Küstenregion um Tamil Nadu ist voll von versunkenen Städten, Tempeln und anderen Strukturen. Das National Institute of Oceanography untersucht mehrere Stellen im Golf von Bengalen, unter anderem in Mahabalipuram im Norden der Provinz. Dessen Ergebnisse sind auch in Zusammenhang mit Hancocks Thesen interessant. In vergleichbarer Tiefe und nicht viel dichter an der Küste untersuchten die Ozeanographen offenbar von Menschenhand geschaffene Unterwasserstrukturen. Sie kamen zu dem Schluss, dass es sich um die Überreste einer Gruppe von Tempeln handelt, von denen in schriftlichen Quellen berichtet wurde und die sich bis ins 8. nachchristliche Jahrhundert hinein verfolgen lassen. Grund für den Untergang der Tempel war nach dieser Version keine Flutwelle, Erdbeben oder ähnliche Katastrophe, sondern ganz banale Küstenerosion. Die Erklärung ist natürlich nicht so spektakulär wie eine 120 Meter hohe Flutwelle, macht dafür aber Sinn.

Immerhin bekam Hancock zuletzt prominente Unterstützung. Genforscher Spencer Wells fand im Rahmen einer Untersuchung in der Provinz etwas höchst Bemerkenswertes. Einige der Genproben von Leuten aus der Region weisen Sequenzen auf, wie sie so auch beim afrikanischen Frühmenschen vorkamen. Das ist eine ziemliche Überraschung. Wells schließt daraus, dass in der ersten Auswanderungswelle von Homo sapiens aus Afrika vor 60.000 Jahren nicht nur der Nahe Osten besiedelt wurde, sondern einige Gruppen bis nach Indien zogen, wo sie sich unabhängig entwickelten. Demnach wäre die Region eine der ältesten besiedelten Plätze außerhalb des schwarzen Kontinents. Das beweist zwar überhaupt nichts, ist aber interessant im Hinblick auf die Frage, wann die ersten, im weitesten Sinne urbanen Zentren entstanden. Je früher Menschen den Platz besiedelten, desto länger hatten sie Zeit, eine differenzierte Kultur zu entwickeln. Dass Indien eine der ältesten Hochkulturen entwickelte, ist schließlich unbestritten. Vielleicht hat Graham Hancock am Ende doch Recht, und die Wiege moderner Zivilisation stand auf dem Subkontinent.


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