Verona Feldbusch

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Verona Feldbusch calexa

Verona Feldbusch

 
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Sexgöttin, Luder oder Dummchen der Nation? Weit gefehlt. Verona Feldbusch zeigt als Chefin der Verona’s Dreams AG ein anderes Gesicht - das der cleveren Geschäftsfrau.

Ihr schmales Kinn stützt sie geziert auf Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand. Den Kopf hat sie leicht in den Nacken gelegt. So wirkt ihr Profil besser. "Ich springe gern ins kalte Wasser", sagt sie und schlägt die Beine elegant übereinander, "wenn ich mir einigermaßen sicher bin." Sie ist berühmt für solche Sätze, die an der Sinngrenze kratzen. Ihre eigenwillige Grammatik hat es seit "Hier werden Sie geholfen" in den allgemeinen Sprachschatz geschafft. Aber jetzt geht es nicht um Sprache, nicht um Werbung. Es geht um Geld: Verona Feldbusch präsentiert ihre Geschäftsstrategie.

Die Frau, die in so viele Rollen schlüpfen kann, spielt diesmal nicht das selbstironische Luder, die souveräne Unwissende oder die verruchte Unschuldige. Verona gibt die Vorstandsvorsitzende der Verona’s Dreams AG (VD). Seit November 2002 betreibt das zwei Jahre zuvor gegründete Unternehmen so genannte Shop-in-Shop-Bereiche mit Dessous, Bademoden und Nachtwäsche. 120 Filialen von Karstadt, Hertie und Wertheim sind bereits bestückt.

Es lastet die Feldbusch nicht aus. Ihre Schmuckkollektion vertreibt sie unter anderem über den Home-Shopping-Fernsehsender QVC - dafür tritt sie höchstpersönlich vor die Kamera. Sie weiß um ihre Wirkung auf der Mattscheibe: "Nach der ersten Sendung war das Kontingent für den Sender restlos ausverkauft."

Das Markenprodukt Verona Feldbusch geht blendend. Für 2002 meldet Verona’s Dreams einen "guten siebenstelligen Umsatz". Für das laufende Geschäftsjahr peilt sie eine Steigerung auf "10 Mio. Euro plus X" an. Dazu soll eine Kooperation mit T-Online beitragen. Über einen gemeinsamen Online-Shop sollen Produkte mit dem Verona-Feldbusch-Label sowie Dienste wie Klingeltöne für Handys und SMS-Geburtstagsgrüße des Showstars vertrieben werden. Mobile Marketing nennt man so etwas. Der letzte Schrei. Und wer den Markt nicht jetzt besetzt, gehört schon bald zu den Verlierern.

Verona Feldbusch hat das erkannt. Mit 34 Jahren spielt sie die Rolle ihres Lebens - als kühl kalkulierende Geschäftsfrau. "Eine Entwicklung, die langfristig und strategisch von ihr geplant wurde", sagt Tatjana Detloff, Leiterin des Society-Ressorts beim Magazin "Gala". Und so erscheint sie bis ins Detail einstudiert und abgewogen zwischen Aufsichtsratssitzung und der Besprechung mit ihren Vorstandskollegen zum Interview im dunklen Nadelstreifen-Anzug, dezent geschminkt und perfekt frisiert.

Sie ist eine Frau der Metamorphosen. Ein paar Verwandlungen hat die Feldbusch schon hinter sich gebracht. Zuerst musste sie sich aus der Namenlosigkeit kämpfen. Dabei half ihr exotisches Äußeres, das Ende der 80er, Anfang der 90er voll im Trend lag. Mit der zweiten Veränderung hat sie die Showbranche erobert "und es als Erste geschafft, sich selbst zur Marke zu machen", urteilt Society-Expertin Detloff.

Die nächste - alles entscheidende Metamorphose der Feldbusch ist voll im Gang. Der Kokon des Dummchens der Nation wird abgestreift und heraus soll die seriöse, die reife Feldbusch schlüpfen. Für diese Rolle übt sie eifrig. Jüngst bei einem Empfang von T-Online auf der Computermesse Cebit sah man sie mit den Top-Managern der IT-Industrie reden - von Firmenlenker zu Firmenlenker.

Die Feldbusch gehört zu den bekanntesten Personen der Nation - Umfragen zufolge weit vor Alice Schwarzer und sogar dem Bundeskanzler. Wer ihr zuhört, gewinnt den Eindruck, dass dies ihr Lebenselixier ist. Denn sie arbeitet hart an sich und ihrer Karriere und dem Horror, in die Bedeutungslosigkeit zurückzufallen. "Schon als 14-Jährige habe ich meiner Mutter, den Freundinnen und allen in meiner Straße klar gemacht, dass ich mal Modedesignerin werde." Davon erzählt die Feldbusch schon seit Jahren. Den bunten Blättern und auch den Talkmastern im Fernsehen. Und die Edelfedern der Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazine nehmen es gerne auf. Alle arbeiten sich an ihr ab - multimedial. TV-Plauderer Johannes B. Kerner pusht mit ihren Auftritten in seiner Sendung regelmäßig die Quote. Fernseh-Proll Stefan Raab besingt sie in ihrem Beisein als "Wichsvorlage", welcher Vorstandsvorsitzende kann das schon von sich behaupten?

Dabei fing alles so beschaulich an, in einer Seitenstraße in Hamburg: der Rutschbahn. Klingt eher nach Ab- denn nach Aufstieg. Die Universität ist zwar um die Ecke, "aber die habe ich nie besucht", sagt Feldbusch trotzig. Anfang der 90er beschäftigt sie sich lieber mit ihrem Traum, zusammen mit ihrer Freundin Sonja Kurz. Die beiden eröffnen das Modeatelier "Immerschön Design". Im Souterrain auf der Rutschbahn 38. Sie ist zu der Zeit 22 und hat bereits eine fünfjährige Modelkarriere hinter sich. Nicht zu unterschlagen eine Popkarriere als Leadsängerin ihrer Band "Chocolate". Für "Ritmo de la Noce" erhält sie gleich die Goldene Schallplatte. "Everybody Salsa" folgt und ist ebenfalls ein Top-Hit. Nebenbei wird sie 1990 zur Miss Hamburg gekürt, 1992 gleich noch einmal. 1993 wird sie Miss Germany, im Jahr darauf Miss Intercontinental World und 1995 Miss American Dream.

Berühmtheit erlangt sie dadurch noch lange nicht. Dazu bedarf es der Ehe mit Dieter Bohlen. Nach ein paar Wochen ist zwar alles aus, aber gerade das ist im öffentlichen Bewusstsein hängen geblieben. In Wirklichkeit dauert der Prozess fast ein Jahr: "Immer wieder getrennt, vertragen, getrennt, vertragen." Bis die Scheidung kommt. Und die macht Feldbusch endgültig berühmt.

Bohlen lästert - und die am 30. April 1968 in La Paz als Tochter einer bolivianischen Friseurin und eines deutschen Technikers geborene Hamburgerin sammelt die Sympathiepunkte ein. Sie moderiert im Fernsehen ein Erotik-Magazin und versucht sich als Talk-Masterin. Iglo bringt mit ihrer Hilfe den Blubb in den Spinat. Schön, aber ein doch sehr vergänglicher Ruhm.

Was also unterscheidet Feldbusch von Zlatko & Co? Sie ist tüchtig, sagen Menschen, die sie näher kennen. "Weil sie eine eiserne Disziplin hat", sagt Geschäftspartner Klaus Harisch.

Verona’s Dreams ist so etwas wie ein Scharnier. Die Firma bedient das Feldbusch-Image vom sexy Glamour-Girl mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und führt zugleich in eine Zukunft, in der die Feldbusch wie selbstverständlich Nadelstreifen-Kostüme tragen kann. "Wenn ich Glück habe, gehöre ich zu den Frauen, die mit 50 immer noch so aussehen wie Iris Berben", sagt sie. Sehr sexy, aber ohne jede Not, sich als Dessous-Model fotografieren zu lassen.

Ein Imagewandel steht an. Einer, den sie noch übt. Nur bei wirklich ernsthaften Gesprächen, sagt sie, "oute ich mich als Unternehmerin". Bis zum Herbst will sie gemeinsam mit VD-Aufsichtsratschef Klaus Harisch drei Pilotläden mit eigener Produktpalette in München, Ulm und Düsseldorf eröffnen. "Ich plane die Geschäftsleitung dieser Shops mit ehemaligen Gewinnerinnen von Schönheitswettbewerben zu besetzen" - vorausgesetzt, die Ex-Missen verfügen über genügend Erfahrung im Einzelhandel. Die Herstellung des Sortiments übernimmt nach Auskunft von Harisch der Karstadt-Konzern, der auch die Logistik für die neuen VD-Läden sicherstellt.

Es bieten sich also jede Menge Gelegenheiten, um die Rolle als Geschäftsfrau zu perfektionieren. Doch Verona Feldbusch wird die meisten davon wohl erst einmal ausschlagen. Sie übt derzeit eine neue, noch wichtigere Rolle ein: werdende Mutter.

So long,
Calexa
www.investorweb.de


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