Verflixter Oktober


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Verflixter Oktober

 
13.10.05 07:36
HANDELSBLATT, Donnerstag, 13. Oktober 2005, 07:02 Uhr


Wie jeden Herbst drohen der Wall Street Tiefschläge


Verflixter Oktober


Von Michael Maisch, Handelsblatt


Der Oktober gilt als der Monat des Schreckens an der Wall Street – nicht nur wegen Halloween, sondern vor allem wegen seiner düsteren Börsenhistorie. Sowohl der große Crash von 1929 als auch der Kurseinbruch von 1987 fielen in den Herbstmonat.


NEW YORK. Sieben seiner 15 höchsten Tagesverluste musste der Dow-Jones-Index in einem Oktober verkraften. Kein Wunder, dass vielen Investoren eine Gänsehaut den Rücken herunterläuft, wenn sich der Herbst nähert.

Alles nur Aberglaube? Ein Blick auf die vergangenen Tage lässt einen fast an böse Börsengeister glauben. Im dritten Quartal kletterte der S&P-500-Index noch um 3,5 Prozent. Das klingt nicht gerade viel, ist aber das beste Ergebnis seit 1997. Und immerhin musste der Markt die Folgen der Hurrikane „Katrina“ und „Rita“ verkraften.

Die US-Börsen sahen also ausgesprochen robust aus. Doch kaum begann der Oktober, stürzte eine Flut schlechter Nachrichten auf die Märkte ein. Zu „Rita“ und „Katrina“, den hohen Ölpreisen und der Angst vor einer plötzlichen Abkühlung der US-Konjunktur gesellte sich ein neues Gespenst: die Inflationsangst. Gleich mehrere Offizielle der US-Notenbank Fed warnten in der vergangenen Woche vor einer Rückkehr der Preissteigerungswelle.

Prompt setzten die Aktienkurse an der Wall Street zu einer tagelangen Talfahrt an. Die wichtigsten Indizes verloren in der vergangenen Woche bis zu drei Prozent. Die deutlichen Warnungen der Fed trafen den Markt so hart, weil viele Analysten im Sommer noch erwartet hatten, dass die Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus im Herbst abschließt und damit der Börse zu Kursgewinnen verhilft.

Dieses optimistische Szenario ist Makulatur. Inzwischen erwartet die Mehrheit der amerikanischen Volkswirte mindestens drei weitere Zinsschritte, was die Leitsätze mindestens auf 4,5 Prozent treiben würde. Schon fragen sich die ersten Analysten ängstlich, ob in diesem Jahr die traditionelle Jahresendrally ausfällt.

Noch hofft die Mehrheit der Aktienstrategen auf die Weihnachtszeit. Trotz aller Hiobsbotschaften sind in New York noch immer deutlich mehr zuversichtliche Stimmen als Kassandrarufe zu hören. Das wichtigste Argument der Optimisten: US-Aktien sind verglichen mit anderen Anlageformen wie Bonds und Immobilien günstig bewertet. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im S&P-500-Index derzeit bei etwa 14,5 und damit so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr.



Die Investoren scheinen der Börse derzeit nicht allzu viel zuzutrauen. Aber genau deshalb werden die Kurse steigen, meint Ajay Kapur, globaler Aktienstratege der Citigroup. Kapur sieht sogar eine „100-Prozent-Chance“ für Kursgewinne von zehn bis 15 Prozent am US-Markt in den kommenden zwölf Monaten. Grund: Die Investoren seien gemessen an den Bewertungen viel zu pessimistisch. Derzeit dümpeln die Indikatoren für die Zuversicht der Anleger auf dem tiefsten Stand seit über zwei Jahren.

Es gibt allerdings ein Problem: Nicht nur die Stimmung der Investoren hat sich verschlechtert, die Lage hat sich auch objektiv eingetrübt. Da sind nicht nur die neuen Inflationsängste, auch von den Unternehmen drohen unangenehme Überraschungen. Zwar erwarten die Analysten von der gerade angelaufenen Ergebnissaison für das dritte Quartal noch immer zweistellige Wachstumsraten für die Gewinne. Doch die Schätzungen für das durchschnittliche Ergebnisplus sind in den vergangenen drei Wochen kontinuierlich gefallen. Das spricht dafür, dass bei den Quartalszahlen noch die eine oder andere herbe Enttäuschung droht.

Die entscheidende Frage lautet: Wie viele Tiefschläge kann die Wall Street noch verkraften? Bevor sie tatsächlich einknickt. Die Widerstandskraft der Börse ist auf jeden Fall geschwächt. Die Anleger tun daher gut daran, die Qualität der einlaufenden Unternehmensergebnisse genau unter die Lupe zu nehmen.


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