Aus der FTD vom 12.11.2001
US-Technologiebörse bekommt Konkurrenz
Von John Labate, New York
Auf die Nasdaq kommen nach dem Versiegen der Neuemissionen und dem Kursverfall bei den Technikaktien weitere Schwierigkeiten zu. Kleinere US-Börsen wollen der bedeutendsten Technologiebörse der Welt Konkurrenz machen.
Die American Stock Exchange, die Cincinnati Stock Exchange und die Boston Stock Exchange planen, den an der Nasdaq handelnden Wertpapierhäusern eigene Dienstleistungen anzubieten, um so ihre Liquidität zu erhöhen. Zum Teil sollen die Gebühren der Regionalbörsen unter denen der Nasdaq liegen. Die neuen Konkurrenten könnten der Technologiebörse so Gebühren in Millionenhöhe streitig machen. Die Nasdaq ist die mit Abstand umsatzstärkste und zugleich die am schnellsten wachsende Börse weltweit.
"Wir versuchen, ein lebensfähiges Konkurrenzmodell zur Nasdaq anzubieten", sagte der Präsident und Vorstandschef der Börse Cincinnati, David Colker. "Die Regionalbörsen wollen ihre Produktbasis erweitern." Da sei die Nasdaq ein offensichtliches Modell.
Harter Konkurrenzkampf erwartet
Die seit 166 Jahren bestehende Börse in Boston will in Kürze den Handel mit Nasdaq-Aktien ermöglichen. "Die größten Wertpapierhäuser an der Wall Street sehen es als Gelegenheit, einen Handel mit Nasdaq-Titeln auf einer Auktionsplattform einzuführen", sagte Brett Redfearn von der American Stock Exchange.
Es könnte jedoch ein harter Kampf werden für die potenziellen Nasdaq-Konkurrenten. Viele Händler könnten sich dagegen entscheiden, dem Nasdaq-Handelssystem den Rücken zu kehren. Derzeit bietet die Börse das größte Handelsvolumen für die bei ihr notierten Aktien, obwohl nur etwa 30 bis 35 Prozent des Handels mit diesen Papieren über die hauseigene Plattform läuft. Viele Geschäfte werden über andere elektronische Kommunikationsnetzwerke (ECN) oder in den Büros von Primärhändlern abgewickelt. Die ECN bieten den Wertpapierhäusern schon jetzt eine Alternative zur Nasdaq.
Nasdaq reagiert
Die Nasdaq schlägt zurück. Sie hat ein Rabattsystem eingeführt, bei dem die Gebühren mit den Handelshäusern geteilt werden, die das Nasdaq-System nutzen. "Nächstes Jahr werden Nasdaq-Aktien an einer Reihe von Orten notiert sein", sagte Nasdaq-Präsident Richard Ketchum. "Wir werden den Wettbewerb aggressiv angehen und dabei auf Gebühren und unsere Super-Montage-Handelsplattform setzen."
Nasdaq-Vertreter fügten hinzu, die bei ihr notierten Werte würden schon seit Jahren auch in Chicago gehandelt. Das habe dem Geschäft der Nasdaq aber nicht geschadet. Doch die Börse von Cincinnati hatte kürzlich einen Erfolg zu vermelden. Mit Island arbeitet künftig das zweitgrößte ECN mit der Börse zusammen. Island hat im vergangenen Jahr viele Millionen Dollar an die Nasdaq überwiesen, um aktuelle Kurse zu erhalten. Nun könnte ein Teil dieses Geschäfts nach Cincinnati gehen. Für Wertpapierhandelshäuser gibt es somit eine interessante neue Geschäftsoption.
Die Nasdaq ist ein lockerer Zusammenschluss Hunderter von Primärhändlern und ECN. Diese könnten alle auch anderswo handeln. Im kommenden Jahr wird es dazu noch mehr Möglichkeiten geben: Das ehemalige Nasdaq-Mutterunternehmen, die National Association of Securities Dealers, eröffnet ihre eigene Handelsplattform.
US-Technologiebörse bekommt Konkurrenz
Von John Labate, New York
Auf die Nasdaq kommen nach dem Versiegen der Neuemissionen und dem Kursverfall bei den Technikaktien weitere Schwierigkeiten zu. Kleinere US-Börsen wollen der bedeutendsten Technologiebörse der Welt Konkurrenz machen.
Die American Stock Exchange, die Cincinnati Stock Exchange und die Boston Stock Exchange planen, den an der Nasdaq handelnden Wertpapierhäusern eigene Dienstleistungen anzubieten, um so ihre Liquidität zu erhöhen. Zum Teil sollen die Gebühren der Regionalbörsen unter denen der Nasdaq liegen. Die neuen Konkurrenten könnten der Technologiebörse so Gebühren in Millionenhöhe streitig machen. Die Nasdaq ist die mit Abstand umsatzstärkste und zugleich die am schnellsten wachsende Börse weltweit.
"Wir versuchen, ein lebensfähiges Konkurrenzmodell zur Nasdaq anzubieten", sagte der Präsident und Vorstandschef der Börse Cincinnati, David Colker. "Die Regionalbörsen wollen ihre Produktbasis erweitern." Da sei die Nasdaq ein offensichtliches Modell.
Harter Konkurrenzkampf erwartet
Die seit 166 Jahren bestehende Börse in Boston will in Kürze den Handel mit Nasdaq-Aktien ermöglichen. "Die größten Wertpapierhäuser an der Wall Street sehen es als Gelegenheit, einen Handel mit Nasdaq-Titeln auf einer Auktionsplattform einzuführen", sagte Brett Redfearn von der American Stock Exchange.
Es könnte jedoch ein harter Kampf werden für die potenziellen Nasdaq-Konkurrenten. Viele Händler könnten sich dagegen entscheiden, dem Nasdaq-Handelssystem den Rücken zu kehren. Derzeit bietet die Börse das größte Handelsvolumen für die bei ihr notierten Aktien, obwohl nur etwa 30 bis 35 Prozent des Handels mit diesen Papieren über die hauseigene Plattform läuft. Viele Geschäfte werden über andere elektronische Kommunikationsnetzwerke (ECN) oder in den Büros von Primärhändlern abgewickelt. Die ECN bieten den Wertpapierhäusern schon jetzt eine Alternative zur Nasdaq.
Nasdaq reagiert
Die Nasdaq schlägt zurück. Sie hat ein Rabattsystem eingeführt, bei dem die Gebühren mit den Handelshäusern geteilt werden, die das Nasdaq-System nutzen. "Nächstes Jahr werden Nasdaq-Aktien an einer Reihe von Orten notiert sein", sagte Nasdaq-Präsident Richard Ketchum. "Wir werden den Wettbewerb aggressiv angehen und dabei auf Gebühren und unsere Super-Montage-Handelsplattform setzen."
Nasdaq-Vertreter fügten hinzu, die bei ihr notierten Werte würden schon seit Jahren auch in Chicago gehandelt. Das habe dem Geschäft der Nasdaq aber nicht geschadet. Doch die Börse von Cincinnati hatte kürzlich einen Erfolg zu vermelden. Mit Island arbeitet künftig das zweitgrößte ECN mit der Börse zusammen. Island hat im vergangenen Jahr viele Millionen Dollar an die Nasdaq überwiesen, um aktuelle Kurse zu erhalten. Nun könnte ein Teil dieses Geschäfts nach Cincinnati gehen. Für Wertpapierhandelshäuser gibt es somit eine interessante neue Geschäftsoption.
Die Nasdaq ist ein lockerer Zusammenschluss Hunderter von Primärhändlern und ECN. Diese könnten alle auch anderswo handeln. Im kommenden Jahr wird es dazu noch mehr Möglichkeiten geben: Das ehemalige Nasdaq-Mutterunternehmen, die National Association of Securities Dealers, eröffnet ihre eigene Handelsplattform.