US-Druck auf Journalisten

Beiträge: 3
Zugriffe: 225 / Heute: 1
US-Druck auf Journalisten soulsurfer
soulsurfer:

US-Druck auf Journalisten

 
31.03.03 16:37
#1
„Terroristen und Spione“

„Das waren die schwersten 48 Stunden meines Lebens“, berichtet der Korrespondent des israelischen Fernsehens, Dan Semama. „Die Amerikaner haben uns wie Hunde behandelt. Sie warfen uns vor, Terroristen und Spione zu sein. Entsprechend haben sie uns behandelt.“ Er gab nicht preis, von wo aus er Jerusalem anrief.

Fast stündlich hatte Semama von Irak nach Hause telefoniert. Doch seit Mittwoch klingelte das Telefon nicht mehr bei dessen Lebensgefährtin in Tel Aviv. Im israelischen Rundfunk und Fernsehen kamen plötzlich keine live-Berichte mehr von Semama, einem Meister der kleinen Anekdoten, die den Alltag des Krieges im Irak verständlicher machten.

Semama und sein israelischer Kollege Boaz Bismuth, beide im Besitz französischer Pässe, versuchten sich auf eigene Faust im Irak durchzuschlagen. Die Amerikaner hatten beiden verweigert, sich „einbetten“ zu lassen und bei den Truppen mitzufahren. „Wir fuhren im eigenen Wagen mit Louis Castro, dem Korrespondenten des portugiesischen Fernsehens, und seinem Kameramann. Mit der amerikanischen Kolonne gelangten wir bis kurz vor Nasarija.“ Der Sandsturm wurde immer schlimmer. Amerikanische Soldaten rieten ihnen, nicht weiterzufahren. Sie hätten die Anweisung erhalten, auf alles zu schießen, was sich bewegt.

„Während wir zwischen den amerikanischen Truppen festsaßen, kamen plötzlich Soldaten mit vorgehaltenem Gewehr, um uns festzunehmen.“ Die Soldaten behaupteten, dass die Journalisten „gefährlich“ seien. Sie mussten ihre Hemden ausziehen, weil die Amerikaner glaubten, dass sie Sprengstoff bei sich trügen.

„Ihr verratet den Irakern, wo wir stehen“, sagten die amerikanischen Soldaten und bedrohten die Journalisten mit entsicherten Gewehren. Die Amerikaner beschlagnahmten ihre Handys und die Autoschlüssel. 38 Stunden lang mussten die vier Presseleute im Auto ausharren. Ihre amerikanischen Bewacher verboten ihnen, miteinander zu sprechen. „Wir zeigten ihnen unsere amerikanischen Presseausweise, aber das interessierte sie nicht“, berichtet Semama weiter. Die Männer wurden gefesselt. Auf dem Weg zum Hubschrauber, der sie nach Kuwait bringen sollte, sei der portugiesische Reporter geschlagen worden.

„Was mich ganz besonders irritierte, war das Verhalten der zahlreichen amerikanischen Kämpferinnen. Nicht weit von uns wurden einige hundert irakische Kriegsgefangene festgehalten. Die Soldatinnen hörten nicht auf, die irakischen Männer zu hänseln. Und wenn sie sich in die Wüste begaben, um ihre Notdurft zu verrichten, lachten die Soldatinnen laut und fotografierten die Männer. Das war eine schreckliche Erniedrigung für die Männer. Ich identifizierte mich richtig mit den irakischen Gefangenen.“

Semama sagte weiter, dass die Amerikaner offenbar massiv versuchen, alle selbstständigen, nicht-eingebetteten Journalisten festzunehmen und aus Irak auszuweisen. Sie wollten keine unabhängige Berichterstattung, sondern die totale Kontrolle über alle Bilder und die Berichte.

Ärger mit den Amerikanern hatten auch schon „eingebettete“ Journalisten bekommen, darunter die Korrespondentin der Jerusalem Post Caroline Glick. Die gebürtige Amerikanerin war zusammen mit den Truppen zu einer geheimen Chemiefabrik bei Nadschaf gelangt, die angeblich als Zementfabrik getarnt war. Sie hatte daraufhin berichtet, möglicherweise die von den Amerikanern gesuchte „rauchende Pistole“ gefunden zu haben, eine Fabrik, in der Massenvernichtungswaffen hergestellt und gelagert würden. Am nächsten Tag kam ein lautstarker Rüffel aus dem Pentagon. Die Angaben seien nicht verifiziert worden. Experten müssten erst prüfen, ob in der Fabrik tatsächlich Massenvernichtungswaffen produziert worden seien. Die israelische Journalistin darf allerdings weiter mit den amerikanischen Truppen mitfahren.

Pech hatte Phil Smucker vom Christian Science Monitor. Er habe live bei CNN Angaben über den Standort der Truppen gemacht. "Wir befinden uns etwa 100 Meilen südlich (von Bagdad) auf der Hauptstraße. Es ist eine Autobahn im Bau. Sie führt zwischen dem Tigris und dem Euphrat nach Bagdad.“ Der Moderator bei CNN unterbrach das Gespräch mit dem Korrespondenten in Irak und kommentierte: „So genau wollen wir es ja gar nicht wissen.“

Der Kommandeur der 1. Marinedivision kannte keine Gnade. Der Journalist habe das Leben der Soldaten akut gefährdet. Ohne seine Familie anrufen zu dürfen, wurde er nach Kuwait eskortiert und erhielt ein Verbot, erneut Irak zu betreten.

Ulrich Sahm, Jerusalem
US-Druck auf Journalisten vega2000
vega2000:

@soulsurfer

 
31.03.03 16:40
#2
Hast du eine ID bei ebay unter dem selben Namen ?

US-Druck auf Journalisten 990303
US-Druck auf Journalisten soulsurfer

nö,

 
#3
hat mal bei dem gekauft - hoffe du warst zufrieden ?!


Talkforum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--