TYCO verschwieg Akquisitionen in Höhe von $ 8 Mrd


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TYCO verschwieg Akquisitionen in Höhe von $ 8 Mrd

 
05.02.02 12:44
Bermuda (vwd) - Die Tyco International Ltd, Bermuda, hat in den vergangenen drei Geschäftsjahren rund acht Mrd USD für mehr als 700 Übernahmen ausgegeben, diese den Aktionären aber nicht angezeigt. Der US-Mischkonzern bestätigte damit Informationen des "Wall Street Journal" (WSJ) vom Montag. Die aufgedeckte Akquisestrategie werfe nun weitere Fragen zur Vollständigkeit der Finanzmitteilungen von Tyco auf, heißt es weiter. Obwohl der Konzern versichert habe, stets angemessen über Akquisitionen berichtet zu haben, erhielten die Tyco-Aktionäre vergangene Woche einen Brief mit Details über bislang unveröffentlichte Käufe im Jahr 2001.



So gab Tyco an, im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) insgesamt 4,19 Mrd USD in bar für Neuerwerbungen gezahlt zu haben, ohne die Aktionäre hierüber zu informieren. Damit verschwieg Tyco 37 Prozent aller Ausgaben für Neuerwerbungen in diesem Zeitraum. Unabhängig von diesem Rundschreiben erklärte Tyco unterdessen, im laufenden Geschäftsjahr rund 350 unangemeldete Akquisitionen unterzeichnet zu haben, wovon auf die zehn teuersten rund 1,27 Mrd USD entfallen seien.



CFO Mark Swartz erklärte dem WSJ weiter, dass der Konzern 1999/2000 rund 2,3 Mrd USD für 225 nicht mitgeteilte Übernahmen gezahlt habe, im Jahr davor rund 1,5 Mrd USD für 150 bis 175 Unternehmen. Swartz räumte ein, dass es für Investoren unmöglich sei, die Ausgaben für unangemeldete Geschäfte aus den Unternehmensunterlagen herauszufiltern. Tyco halte auch in Pflichtveröffentlichungen keine Informationen darüber bereit, welche Gelder für welche Akquisition aufgewandt wurden. Tyco hätte hierzu zu der in der Bilanz auftauchenden Gesamtsumme für Akquisitionen die Summe für unangemeldete Übernahmen addieren müssen.



Die zahlreichen kleinen Übernahmen seien laut Tyco nicht veröffentlicht worden, weil der Konzern durch sie nicht bemerkenswert gewachsen sei. Investoren hatten bereits vor einiger Zeit Tyco verschärft beobachtet, vor allem auf Grund der komplexen Buchhaltung des Mischkonzerns. Vor allem suchten sie Erklärungen für das rapide Anwachsen des Schuldenbergs. So hatten sich im vergangenen Geschäftsjahr die dem industriellen Segment zuzurechnenden Verbindlichkeiten mit 21,6 Mrd USD nahezu verdoppelt, trotz eines hohen Free Cash-Flows.



Analysten und andere Marktteilnehmer sind sich unterdessen uneins darüber, ob Tyco seine Mitteilungspflicht vernachlässigt hat oder nicht. Nach Einschätzung von Edward Ketz, Wirtschaftsprofessor an der Universität des Staates Pennsylvania, ist es insbesondere nach der Enron-Pleite wichtig, die Investoren gerade bei derart hohen Summen für unangemeldete Übernahmen direkt zu unterrichten. Er verlangt, dass Unternehmen ihre Geschäfte transparenter gestalten.



Einige Analysten hingegen halten diese Forderung für überzogen, da bspw Tyco dann nahezu jede Woche eine Transaktion mitteilen müsste. Zudem glaubten sie nicht, dass Tyco die kleineren Übernahmen verheimlichen wollte. Tyco hat in den vergangenen Jahren ihr Wachstum vor allem extern generiert. Der Umsatz des Konzerns stieg auf 36,4 Mrd USD im Jahr 2000/01 von 6,6 Mrd USD im Geschäftsjahr 1996/97.


vwd/DJ/4.2.2002/sap/mim

www.vwd.de/news/tdt/372663.html
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