Thema desTages - deutsch sein

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Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Thema desTages - deutsch sein

 
08.07.03 15:22
#1
Ich bin froh, daß ich kein Deutscher bin
Denn deutsch sein ist 'ne Quälerei
Ich bin froh, daß ich so'n halber Ami bin
Denn halb Ami sein bedeutet halbwegs frei zu sein

Mit Deutschen macht man gerne Späße,
Deutsche haben Neid und Häme
Für Deutsche gibt's nicht viel zu lachen
Weil Deutsche zuviel ernste Sachen machen

Deutsche haben schrecklich fette Bäuche
Saufen Bier und haben Spießer-Bräuche
Deutsche fressen gerne Schweine
Denn sie kennen nur das eine...

Deutsche sind meist Sesselfurzer
Drum ham Deutsche 'nen dicken Po
Und von der ganzen Bürokratenscheiße
Rennen Deutsche oft aufs Klo

Deutsche ham's auch schwer mit Frauen
Denn Deutsche sind nicht angesagt
Drum müssen Deutsche auch Karriere machen
Mit Kohle ist man auch als Deutscher gefragt

Ich bin froh, daß ich kein Deutscher bin
Denn deutsch sein ist 'ne Quälerei
Ich bin froh, daß ich so'n halber Ami bin
Denn halb Ami sein bedeutet halbwegs frei zu sein

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Thema desTages - deutsch sein DarkKnight
DarkKnight:

@lutzfurz: danke für die Info, künftig darf ich

 
08.07.03 18:11
#17
Dich also als "Rübennase" bezeichnen?
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

maxperformance

 
08.07.03 18:11
#18
der typ der posting 1 umgetextet hat übt z.z. 2 berufliche tätigkeiten aus, was im durchschnitt ca. 70 stunden/woche in anspruch nimmt. er hat weder dem deutschen staat noch der allgemeinheit jemals auf der tasche gelegen, obwohl immer kräftig einzahlend, weil ihm dieser gedanke zuwieder ist.  
selbst während einer kurzen phase der arbeitslosigkeit hat er gar auf jegliche staatliche unterstützung verzichtet, und das ist, bitte glaube mir, in diesem komischen deutschen bürokratenstaat mit echtem aufwand verbunden. desweiteren spendet er einen gewissen anteil seiner einkommen für gute zwecke.
kurzum: er ist voll und ganz für sich selbst verantwortlich ohne auf kosten der allgemeinheit zu leben und fühlt sich gut dabei - es macht ihn sogar stolz.  
ist das ok?  
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Dark Knight

 
08.07.03 18:17
#19
wer oder was ist Zit? i dont have any zit at all (zu deutsch: ich habe keine pickel).
Thema desTages - deutsch sein DarkKnight
DarkKnight:

@Schwachmat, sorry, ich habe Dich verwechselt

 
08.07.03 18:23
#20
Zit war ja nur zur Hälfte Ami, die andere Hälfte Deutsch, die nächste Hälfte Ossi und die vorletzte Hälfte fernöstlich.

Was aus der letzten Hälfte geworden ist, weiß ich nicht.
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

You're welcome Dark Knight,

 
08.07.03 18:35
#21
eine Verwechslung kann jedem mal passieren.
By the way: 2 Hälften = 1 Ganzes => 5 Hälften = 2,5 Ganze
Das würde bedeuten, das dieser Pickel eigentlich 2,5 Pickel ist. Korrekt?
Bitte korrigiere mich, falls diese Behauptung falsch ist. Ein durchschnitts-Amerikaner hat schließlich nur einen IQ von 7 (Knäckebrot hat 11).  
Thema desTages - deutsch sein Major Tom
Major Tom:

Weshalb steht ihr nicht auf,

 
08.07.03 18:39
#22
wenn die Nationalhymne gespielt wird, weshalb singt ihr nicht mit, sobald dies in einem feierlichen Rahmen geschieht? Doch bestimmt nicht wegen der Juden; das erscheint mir eher eine liebgewonnene Ausrede dafür zu sein, dass es in Deutschland keinen goldenen Mittelweg geben kann, zwischen "verschämter Peinlichkeit" und "überzogenem Nationalstolz" - oder (bewusst provokante Frage)?

Die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach laßt uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand.
Blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland.

Die Nationalhymne des Staates Israel

haTikvah - Die Hoffnung
Kol od baLewaw p’nimah,
Nefesh jehudi homi’ah.
U’l'fa’atej Misrach kadimah
Ajin le’Zion zofi’ah.
Od lo avdah Tikvatejnu,
HaTikvah bat Shnot alpajim,
"L'hijot Am chofshi be’Arzejnu
Erez Zion v’Jirushalajim".

Ich verstehe euer Problem nicht; die Juden/Israelis haben absolut nichts dagegen, wenn die dt. Nationalhymne gespielt/gesungen wird und sie verlangen auch nicht, dass ihr euch noch "287 Generationen" schämen müsst. Ich habe beide Hymnen schon des öfteren mitgesungen, wo ist euer Problem? Der Verweis

Zitat Anfang.
an die Juden, und dafür daß wir 287 Generationen immernoch uns dafür schämen müssen, was damals passiert ist!
Zitat Ende.

ist m. E. nur eine liebgewonnene Ausrede, aber wofür?

Major Tom
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Senhor josse

 
08.07.03 18:53
#23
Danke für Dein Mitleid. Es braucht Dir aber keineswegs leid zu tun nur weil irgend einer wildfremden Person ins Gehirn geschissen wird. Das geschieht täglich millionenfach, und all das Leid könntest du gar nicht ertragen.
Die Problematik beim ins-Hirn-scheißen liegt meist darin, daß die Scheißer anschließend vergessen umzurühren.
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Noch etwas provokantes gefällig?

 
08.07.03 19:04
#24
  www.germanystinks.com/

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Thema desTages - deutsch sein Immobilienhai
Immobilienhai:

das mit der hymne ist ne echte krux.

 
08.07.03 19:13
#25
die thommies zum beispiel sind auch ziemlich wild auf ihre hymne, ich war damals bei der wm-quali gegen england im wembleystadion dabei. und da wird dir ziemlich anders wenn 40.000 mann auf einmal aus voller kehle "god save the queen" singen. als unsere hymne angekündigt wurde, haben die engländer gnadenlos gepfiffen. soviel zum thema stolz sein, jedes andere land darf stolz auf seine hymne sein, aber uns ist das geschichtlich verboten. vielleicht hät sich das geändert, wenn nach 1945 eine andere hymne gewählt hätte, aber so bleibt immer "deutschland, deutschland über alles" in den köpfen, und genau das wird auch im ausland assoziiert wenn unsere hymne erklingt.

was meinst du was hier im märz in kanada los war, in der NHL ist es ja üblich das die Hymnen beider Teams vor dem Spiel gespielt werden. ich war in montreal beim spiel gegen die philadelphia flyers einen tag nach beginn des irak-krieges. die us-hymne und alle spieler die mitgesungen haben wurden gnadenlos ausgebuht. spieler beider teams haben sich während des hissens der us-fahne demonstrativ umgedreht. und bei "oh canada" tobte die halle.
Thema desTages - deutsch sein maxperformance
maxperforma.:

@schwachmat

 
08.07.03 19:58
#26
hätte nicht gedacht, dass du das ding selbst umgetextet
hast. mein beileid zu deinen lyrischen fähigkeiten.

wegen deinen sozialstaatlichen wohltaten kann ich nur hoffen,
dass dir bald das bundesverdienstkreuz verliehen wird
oder ein plätzchen in der rürüp-kommission zuteil wird.
deutschland braucht mehr derartige halbamerikaner!


gruß Maxp.
Thema desTages - deutsch sein damelo
damelo:

Ein Deutsches Lied

 
08.07.03 20:12
#27
Deutsch sein,
Niemandem sagen,
Nur Angst vor Fragen,
Scham für mein Land.

Stolz sein, ist mir verboten,
ich bin hier geboren,
mich trifft keine Schuld.

Ich sing ein deutsches Lied,
ich sing ein deutsches Lied,
und will es keiner hören,
ich sing ein deutsches Lied.


Gute alte NDW-Zeit, eine etwas weniger bekannte Gruppe: NICHTS
Platte war "Tango 2000".

Hab ich noch immer als LP im Schrank, nun auch auf CD gebrannt.
Heute aktueller denn je zuvor, und noch immer gut für einen, der in der NDW-Zeit aufgewachsen ist.

Damelo
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Danke Max,

 
08.07.03 20:14
#28
ich weiß Mitgefühl sehr zu schätzen.
Wer ohne Mitgefühl lebt, stirbt ohne Liebe.
Mitgefühl ist die Ehrfurcht eines Kindes vor der natürlichen Welt und seine Liebe zu allem, was darin lebt.
Mitleid mit anderen spiegelt die Liebe wieder, die in der eigenen Seele weilt.
Es erfordert Kraft, am Mitgefühl festzuhalten, denn wenn es unter Druck kommt, vergeht es schnell.
Wer seinen Willen, anderen zu helfen, testet, wird feststellen, daß sich das Mitgefühl in seinem Gemüt wie ein Waldbrand verbreitet.

Und noch was:
Deutschland braucht keine halbamerikaner!
Weißt Du was Deutschland wirklich braucht?
Deutschland braucht sich selbst! Nur das, nicht mehr, nicht weniger!
So wie alle Menschen sich selbst brauchen.
Thema desTages - deutsch sein redbull
redbull:

www.bigboots.us

 
08.07.03 20:35
#29
Lustig....grenzt an Realsatire :-)

...aber vermutlich leider ernst gemeint.
Thema desTages - deutsch sein Kritiker
Kritiker:

Zur Erinnerung:

 
08.07.03 21:52
#30
Hoffmann von Fallersleben dichtete im Jahre 1841 das Deutschlandlied.
Sicher habt Ihr es gewußt. Doch heute entsteht oft der Eindruck, daß manche glauben, es sei von Goebbels oder Hitler oder dergleichen.
7 Jahre später - 1848 wurde in diesem Geist der Grundstein für das demokratische Deutschland gelegt. Der Gedanke des Liedes war die Erkenntnis, daß für einen Deutschen sein Land über Alles geht. Nach 1945 wurde diese Zeile absichtlich umgedacht und die Interpretation gegen uns verändert.
Nestbeschmutzen und Selbstverleugnung war angesagt - und hat sich bis heute leider erhalten. Unsere derzeitigen Politiker sind das beste Beispiel dafür.
Es wird Zeit für eine neue Generation.
Wir Deutsche sind auch nicht schlechter als die anderen auf der Welt!
Wir brauchen uns weder schämen noch verstecken! Also Kopf hoch beim Deutschlandlied und singt aus Überzeugung:
Deutschland, Deutschland über alles in der Welt!
So habe ich es noch gelernt, und dabei bleibt es! - Basta! - Kritiker.
Thema desTages - deutsch sein Major Tom
Major Tom:

@Kritiker

 
08.07.03 22:23
#31
Lies einmal in aller Ruhe #25 durch; ein guter Beitrag wie auch in gewisser Weise deiner, bis zu dem Verweis auf die 1. Strophe - btw: "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt,"; willkommen im 21. Jahrhundert und ein schönes Leben noch!

Major Tom

PS "Es wird Zeit für eine neue Generation."; jau, du bist damit doch nicht gemeint - oder?
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Mein obiger Text sollte bewußt provozieren

 
09.07.03 13:36
#32
Es ist für mich nicht nachvollziehbar wie jemand auf etwas Stolz sein kann, was er selbst nicht geschaffen hat. Somit ist auch nicht nachvollziehbar wie man ausschließlich aufgrund der Angehörigkeit einer bestimmten Nationalität stolz sein kann.
Und dies gilt für alle Nationalitäten.
Oder ist man Stolz auf etwas das Andere schaffen?
Ein Phänomen: es gibt Menschen die mit Stolz auf Kosten anderer leben.

Bei einem kürzlichen Streifzug mit einigen californiacated musicans durch Deutschlands Nachtleben fragten die mich mehrmals, warum sovieles hier so amerikanisch anmutet, und ob wir nichts Eigenes hätten, ausser Eisbein + Sauerkraut und die nach american mainstream rock klingenden Scorpions...
Genau darauf wollte ich hinaus, als ich schrieb, Deutschland braucht sich selbst und muß sich selbst finden. Doch dazu bedarf es Bewußtsein, welches zunehmend vernebelt wird...
Die gleichen Musiker sprachen mich desweiteren quasi standardmäßig auf die deutsche Nationalhymne und der nach George Orwell's "1984" anmutenden Stophe "Deutschland über alles in der Welt" an.
"What the hell" soll man auf eine solche Frage antworten?
Was steht hier eigentlich über alles in der Welt?
Für eine Beantwortung dieser Frage wäre ich Euch sehr dankbar, denn es will mir einfach nicht einleuchten, wie man über der Welt stehen kann, wenn man nicht einmal zu sich selbst gefunden hat.

Die "neue Generation" jedenfalls, so mein sicheres Gefühl, ist weiter davon entfernt sich jemals selbst zu finden, als dies je zuvor irgend eine andere Generation war.  
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Demütigung oder Solidarität

 
09.07.03 13:38
#33
Anliegend noch ein interessanter Artikel aus der süddeutschen Zeitung:

Demütigung oder Solidarität

Für Amerika wäre es eine Tragödie, wenn Europa sich nicht gegen Washington behaupten würde / Von Richard Rorty

Wie in amerikanischen Zeitungen zu lesen war, stammt von Präsident Bushs Beraterin für Nationale Sicherheit die Parole, Russland werde verziehen, Deutschland ignoriert und Frankreich bestraft werden. Gleichgültig, ob Condoleezza Rice wirklich diese Worte gebraucht hat – sie drücken die Haltung der Bush-Regierung gegenüber den Staaten aus, die sich nicht an der Koalition gegen den Irak beteiligt haben. Ein Dissens anderer Länder mit Washington wird vom Weißen Haus nicht als respektable Meinungsverschiedenheit behandelt, sondern als Weigerung von Schurken und Narren, sich von Weisen, Weitsichtigen und Wohlmeinenden führen zu lassen.

Rice (die ehemalige Rektorin meiner Universität) ist ein sehr kultivierter und gebildeter Mensch – um so unwahrscheinlicher ist es, dass sie von europäischen Regierungen in derart simplen Mustern denkt. Aber ihre Ansicht, dass es Amerika obliegt, die absolute Kontrolle über die internationalen Angelegenheiten auszuüben, stimmt mit jener Parole überein, die ihr in Amerikas Presse zugeschrieben wird. Vermutlich denkt sie, man müsse Leute wie Joschka Fischer und Dominique de Villepin, auch wenn beide weder Narren noch Schurken sind, öffentlich demütigen, um eine stabile Weltordnung zu gewährleisten. Denn diese Stabilität setzt voraus, dass Amerikas hegemoniale Stellung unbezweifelt bleibt.

Beängstigender noch als der schikanöse Ton, den Präsident Bushs Berater anschlagen, ist allerdings die Tatsache, dass die europäischen

Regierungschefs und Außenminister in ihre schlechten, alten Gewohnheiten zurückfallen. Sie wetteifern miteinander um die Gunst Washingtons. Nach so vielen Jahrzehnten der Abhängigkeit tun sich Europas Führer sehr schwer damit, den Erfolg ihrer Außenpolitik nicht mehr daran zu messen, wie freundschaftlich ihr Verhältnis zur imperialen Großmacht ist. Machen sie aber so weiter, wird es für Washington ein Leichtes sein, sie gegeneinander auszuspielen, ja sie dahin zu bringen, wie Schulkinder um das Wohlwollen des Lehrers zu wetteifern.

Jürgen Habermas und Jacques Derrida fordern, Europa müsse „sein Gewicht auf internationaler Ebene und im Rahmen der UN in die Waagschale werfen, um den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten auszubalancieren“.
Sollten sich die Staatsmänner „Kerneuropas“ die Forderung von Habermas und Derrida zu eigen machen und konzertiert auf ihre Unabhängigkeit von Washington hinwirken, wird die US-Regierung alles Erdenkliche tun, um die öffentliche Meinung in Amerika gegen sie zu mobilisieren. Die Weigerung, Amerikas doktrinäre Autorität anzuerkennen, wird von den meisten amerikanischen Medien als Zeichen moralischer Schwäche gesehen. Und Washington wird alle Kräfte aufbieten, um die EU-Mitglieder zu entzweien und zu verhindern, dass die Courage Kerneuropas der übrigen EU zum Vorbild wird.

Denn das Letzte, was Washington will, ist ein Europa, dessen Einigkeit und Selbstsicherheit es befähigt, die amerikanische Hegemonie in Frage zu stellen. Wenn also die Bürger und Regierungen Kerneuropas so handeln, wie Habermas und Derrida es erhoffen, wird Washington jeden Trick anwenden, sie wieder auf Kurs zu bringen, das heißt: bereitwillig, wie früher, sich das Votum ihrer Länder in der UN von den Entscheidungen von Rice und ihren Kollegen im National Security Council vorschreiben zu lassen. Denn Bushs Beratern schwant, dass sie niemals in der Lage gewesen wären, die amerikanische Öffentlichkeit für eine Zustimmung zum Krieg gegen den Irak zu
gewinnen, hätte die EU zusammengehalten – hätten also die Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten einmütig und lautstark Bushs Abenteurertum zurückgewiesen.

Wenn aber die Bürger und die Regierungen Europas jetzt nicht die Stunde nutzen, wenn sie sich nicht konsequent gegen den amerikanischen
Unilateralismus wenden, so wie sie es am 15. Februar manifestiert haben, dann wird wohl Europa nie wieder eine entscheidende Rolle bei der künftigen Gestaltung der Welt spielen. Die Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, der Benelux-Staaten, Italiens und Spaniens können die Entscheidung nicht aufschieben: Entweder akzeptieren sie die demütigende Bevormundung, die Washington ihnen aufzuerlegen hofft, oder sie befreien sich daraus, indem sie außenpolitische Initiativen ergreifen, auf die Washington mit fassungsloser Empörung reagieren wird.

Für Amerikaner, die entsetzt waren von der Willfährigkeit ihre Mitbürger (wie auch der Demokratischen Partei), Bushs Krieg gegen den Irak gutzuheißen, wäre es eine Tragödie, wenn sich die europäischen Staatsmänner dem amerikanischen Unilateralismus fügen würden. Denn wenn Washington Deutschland in der Tat dazu bringt, darum zu betteln, nicht ignoriert zu werden, und Frankreich, darum zu betteln, von der Strafe verschont zu bleiben, dann wird es das nächste Mal, wenn ein US-Präsident sich wieder zu einem aufregenden militärischen Abenteuer entschließt, keinen ernstzunehmenden Gegendruck aus dem Ausland mehr geben. Die blamablen Folgen des letzten Aufstandes gegen Washington vor Augen, werden europäische Regierungen ihre Vertreter in der UN kaum noch anweisen wollen, neue amerikanische Initiativen in Frage zu stellen.


Der Tag wird kommen

Der Standpunkt der Bush-Regierung, eine auf Dauer gestellte Pax Americana, deren Bedingungen allein von Washington diktiert werden, sei die einzige Hoffnung der Welt, schließt ein, dass die USA niemals erlauben dürfen, dass ihrer militärischen Macht die Stirn geboten wird. Explizit niedergelegt ist dieser Anspruch in dem Memorandum „Die nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten“, in dem es unmissverständlich heißt, dass „unsere Truppen stark genug sein werden, potentielle Widersacher davon abzuhalten,
eine militärische Aufrüstung in der Hoffnung zu betreiben, die Macht der Vereinigten Staaten zu übertreffen oder mit ihr gleich zu ziehen“.

Gut möglich, dass künftig selbst Präsidenten, die von den Demokraten
aufgestellt sind, diesen Anspruch auf permanente Hegemonie auch auf ihr Panier schreiben werden. Ja, der einschüchternde Ton, den die Regierung Bush anschlägt, könnte der Ton sein, zu dem sich alle kommenden amerikanischen Präsidentschafts-Kandidaten gezwungen sehen, um „stark“ und „entschlossen“ genug zu erscheinen, den „Krieg gegen den Terrorismus zu führen“ (eine Wendung, die von nun an als Entschuldigung für alles herhalten wird, was die amerikanische Regierung anstellen möchte). Selbst Männer wie Senator Kerry und Gouverneur Dean (die wahrscheinlichsten Kandidaten für die demokratische Präsidentschaftskandidatur im kommenden Jahr) werden sich womöglich diesem Druck beugen, obwohl sie verstehen, was Präsident Bush nicht versteht, dass nämlich kein Imperium ewig besteht. Beide sind vorausschauend genug, um zu wissen, dass die wirtschaftliche und militärische Überlegenheit Amerikas zwangsläufig vergänglich ist, so wie sie gewiss auch vorausschauend genug
sind, um zu ahnen, dass das Beharren auf dauerhafter militärischer
Vorherrschaft früher oder später auf eine Konfrontation mit China, Russland oder beiden hinausläuft – eine Konfrontation, die in einem Atomkrieg enden könnte. Aber dieses Wissen reicht möglicherweise nicht aus, um sie zu einer Richtungsänderung der amerikanischen Außenpolitik zu bewegen.

Folglich läuft es allein auf die Europäische Union hinaus, einer Alternative zu Washingtons Projekt einer dauerhaften Pax Americana den Weg zu bahnen. Zerbrechlich, wie die Regime in Russland und China noch immer sind, müssen sich deren Machthaber zu sehr auf die Sicherung ihrer eigenen Macht und auf innenpolitische Problemen konzentrieren, um sich Fragen über den bestmöglichen Kurs für die Welt als Ganzes zu stellen. Ihre Abneigung gegen Washingtons Arroganz wird stillschweigend bleiben. Und sie können es sich leisten zu warten, bis ihre eigene Zeit kommt – der Tag, an dem sie Washington eröffnen, dass sie seiner militärischen Macht Paroli bieten können. Wenn Amerika sich der Erkenntnis verweigert, dass dieser Tag früher
oder später kommen wird, und wenn Europa keine Anstrengung unternimmt, ein alternatives Konzept der Weltordnung vorzulegen, dann wird wohl alles beim alten bleiben. Dann werden wir früher oder später jene Konstellation wiederbeleben, die im Kalten Krieg vorherrschte – Nuklearmächte, die jeweils die andere Seite dazu herausfordern, ihre Raketen als erste einzusetzen.

In gut einem Dutzend Länder werden die Regierungschefs bald den Finger auf dem roten Knopf haben. Zu glauben, Washington könne all diese Machthaber für immer durch Abschreckung in Schach halten, wäre töricht, doch diese Torheit scheint sich durchzusetzen. „Die nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten“ erwähnt nirgends das Ziel einer nuklearen Abrüstung, sondern nur die Nichtweitergabe atomarer Waffen. „Nichtweitergabe“ bedeutet, dass nur Regime, die Amerikas Hegemonie anerkennen, ein Recht auf den Besitz
nuklearer Waffen haben. Das Dokument will weismachen, dass sich die Gefahr einer nuklearen Konfrontation mit dem Ende des Kalten Kriegs aufgelöst habe. Geht es danach, werden amerikanische und russische U-Boote, von denen jedes mit genügend Sprengköpfen ausgestattet ist, um zehn Metropolen zu zerstören, nurmehr für Generationen auf dem Grunde des Ozeans schlummern.

In der Zeit vor der Bush-Regierung pflegten amerikanische Staatsmänner
zumindest Lippenbekenntnisse dafür abzugeben, dass die Pax Americana nur ein Übergangszustand auf dem Wege zu besseren Verhältnissen sei. Die meisten von ihnen waren sich bewusst, dass die amerikanische Hegemonie eine Hilfskonstruktion war, die funktionieren musste, bis etwas Dauerhafteres möglich werden würde – etwas wie eine vetofreie UN, die als globales Parlament fungieren würde, ausgestattet mit einer ständigen militärischen Friedenstruppe und fähig, eine weltweite Abrüstung durchzusetzen. (Einen republikanischen Ex- Außenminister hörte ich einmal intern äußern, zugunsten der nuklearen Abrüstung würde er einen beträchtlichen Anteil amerikanischer
Selbstbestimmung hergeben.) Für Bush und seine Berater jedoch ist die
Vorstellung einer solchen erstarkten UN geprägt von nutzlosem Idealismus, gleichbedeutend mit einer Weigerung, sich der Realität zu stellen, ein romantischer Rückzug in eine Traumwelt.


Absurde Träume träumen

Wenn die Projekte einer neuen internationalen Ordnung, Ergebnis einer
Übereinkunft der Regierungen Kerneuropas, irgendeinen Nutzen haben sollen, dann werden sie von jenem Idealismus geprägt sein müssen, den aufrecht zu erhalten Amerika offenbar unfähig geworden ist. Die EU wird der Welt eine Vision der Zukunft aufzeigen müssen, auf die Washington mit verächtlichem Spott reagieren wird. Sie wird Vorschläge unterbreiten müssen zur Umarbeitung der UN-Charta und zur Führungsrolle der UN in einem weltweiten Atomabrüstungs- Programm. Sie wird Träume träumen müssen, die Realpolitikern absurd vorkommen. Aber, wie Habermas und Derrida betonen, einige der jüngsten Träume Europas sind bereits wahr geworden. Sie haben Recht, wenn sie erklären, dass Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine
Lösung zur Überwindung des Nationalstaates gefunden hat. Die Europäische Union – so wie sie ist, sogar schon vor der Ratifizierung einer gemeinsamen Verfassung – ist bereits die Umsetzung dessen, was die Realpolitiker für eine müßige Fantasie hielten. Wenn das Bewusstsein, Bürger eines europäischen Gesamtstaates zu sein, im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts ebenso tiefe Wurzeln schlägt, wie es im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts das Bewusstsein von Amerikas Bürgern tat, wird sich die Welt auf gutem Wege zu einer globalen Föderation befinden. Eine solche Föderation hat man seit
Hiroshima als einzige langfristige Lösung des Problems erkannt, das
Atomwaffen erzeugen.


„Warum“, fragen Habermas und Derrida, „sollte sich Europa ... nicht auch der weiteren Herausforderung stellen, eine kosmopolitische Ordnung auf der Basis des Völkerrechts gegen konkurrierende Entwürfe zu verteidigen und voranzubringen?“ Ja, warum eigentlich nicht? Es könnte nichts weniger als die Welt retten, es könnte leisten, was der amerikanischen Politik verwehrt ist. Amerikas „nationale Sicherheitsstrategie“ kann Desaster bestenfalls hinauszögern. Sie kann die Dinge nur für ein oder zwei weitere Generationen am Laufen halten. Wenn es je einen Zeitpunkt geben sollte, an dem die
öffentliche Meinung Politiker zwingen muss, idealistischer zu sein, als ihnen angenehm ist, dann ist jetzt dieser Zeitpunkt gekommen. Aus all den Gründen, die Habermas und Derrida nennen, sind die Bürger Kerneuropas in der besten Position, einen solchen Druck auszuüben.

Wenn der 15. Februar, wie Habermas und Derrida hoffen, als „Geburt einer europäischen Öffentlichkeit“ verstanden wird, als der Anfang des neuen Bewusstseins einer gemeinsamen europäischen Identität, würde dies jedermann eine neue Vorstellung davon geben, was politisch möglich ist. Ein solches Aufblühen neuer idealistischer Selbstdefinierung würde ein Echo in der ganzen Welt auslösen, in den Vereinigten Staaten und China ebenso wie in Brasilien und Russland. Es würde uns aus der Sackgasse holen, in der wir zur Zeit gefangen sind. Es ist, soweit ich sehen kann, so ziemlich das Einzige, was diese Wirkungsmacht haben könnte.

Bushs Apologeten in den amerikanischen Medien werden den Appell von Habermas und Derrida lediglich als ein erneutes Beispiel für den neiderfüllten und ressentimentgeladenen Antiamerikanismus abtun, der bei europäischen Intellektuellen periodisch wiederkehrt. Ein solcher Vorwurf würde jeder Grundlage entbehren. Beide Männer haben von ihren zahlreichen und ausgedehnten Besuchen in den USA profitiert und ein tiefes und gründliches Verständnis der politischen und kulturellen Leistungen Amerikas gewonnen. Sie sind sich sehr wohl der welthistorischen Rolle Amerikas als erster der großen konstitutionellen Demokratien bewusst, und auch dessen, was Amerika
vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg für Europa geleistet hat. Sie erkennen an, dass es der idealistische Wilsonsche Internationalismus in den Vereinigten Staaten war, der schließlich zur Schaffung der Vereinten Nationen geführt hat. Sie wissen, dass die unilateralistische Arroganz der Bush-Regierung einen Unglücksfall darstellt, der historisch durchaus kontingent ist – weder unvermeidlich noch Ausdruck von etwas, das tief und untilgbar in der amerikanischen Kultur und Gesellschaft eingebettet ist.

Sowohl in Europa als auch in Amerika gibt es viele Millionen Menschen, die klar erkennen, dass Amerikas Anspruch auf permanente Hegemonie trotz allem, was es für die Sache der menschlichen Freiheit geleistet hat, ein schrecklicher Fehler ist. Amerikaner, denen dies bewusst ist, brauchen alle Hilfe, die sie kriegen können, um ihre Mitbürger davon zu überzeugen, dass Bush ihr Land auf einen falschen Weg geführt hat. Die Konsolidierung der Europäischen Union zu einer starken, unabhängigen Macht in der Weltpolitik würde von diesem Teil der öffentlichen Meinung in Amerika nicht als Ausdruck eines ressentimentgeladenen Antiamerikanismus gewertet, sondern als eine
völlig angemessene und unbedingt willkommene Reaktion auf die Gefahr, welche die derzeitige Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik für die Welt darstellt.
Thema desTages - deutsch sein Kritiker
Kritiker:

Zu Richard Rorty:

 
09.07.03 14:37
#34
Der Drehpunkt der Welt war 15oo Jahre lang Rom. anno 1815 war es Wien.
Vielleicht wird er jetzt Paris, Peking oder wieder London - oder Zürich?
Washington wird er nie! Und das wurmt die USA-ler.
Ihre "Nation" ist eine Folge-Kolonie von ausgewanderten Europäern und hat sich als Volk selbst noch nicht gefunden.
Nachdem alle Indianer tot sind, kommen jetzt andere dran.
Die Schweiz ist seit 1500 ein Freistaat, hat sich an keinen Kriegen mehr beteiligt und nicht provozieren lassen; und ist trotzdem einer der modernsten Staaten der Welt.
Das beweist: Man kann die Dinge auch an sich vorbeilaufen lassen.
Bush irrt, wenn er meint, Europa wäre auf seine Gnaden angewiesen. Wir haben tausende von Jahren ohne USA gelebt und wir werden weitere tausen d ohne sie leben können.
Ob allerdings die USA ohne Europa leben können, ist fraglich.
Sichger, Ich bzw. wir haben nicht viel Zeit, aber Europa hat viel Zeit - und China  sowie Rußland noch viel mehr.
Als Europäer denken wir in anderen Zeitabschnitten wie ein Amerikaner.
Deshalb sollten wir ihnen verzeihen, denn sie müssen noch viel lernen.
Habt Ihr Putin beobachtet, als er Bush im Kreml empfing? Er saß ihm gegenüber wie ein Zar, der einen Kurier anhört. Bush war im Kreml wie ein Leutnant, der ein paar Wegelagerer besiegt hatte.
Europa ist so viel anders, das wird ein echter Ami nie verstehen. Lassen wir sie austoben und spielen, die brauchen das, wir haben uns ausgetobt; wir brauchen es nicht mehr. - Kritiker.
Thema desTages - deutsch sein DarkKnight
DarkKnight:

@Kritiker: feiner Beitrag, erinnert mich irgendwie

 
09.07.03 18:03
#35
an Konfuzius (sinngemäß):

"Wenn Du einen Krieg gewinnen willst, setze Dich an einen Fluß und warte, bis die toten Feinde vorbeischwimmen".

Früher habe ich das nicht verstanden, jetzt dämmert es mir langsam ..
Thema desTages - deutsch sein Mentor_deluxe
Mentor_deluxe:

70 Stunden die Woche arbeiten

 
09.07.03 18:11
#36
aber nachmittags und abends nichts anderes im sinn, im board zu prahlen wie unabhängig man sei und wieviel man arbeiten müsse...aber für ariva und protzereien hat man immer zeit, was?

Schmachmat, sorry, aber Posting 1 ist grüne Hühnerscheisse!
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

Absolut

 
09.07.03 20:00
#37
vom feinsten Kritiker, darauf wollte ich hinaus!


Ein anderes weises Sprichwort sagt: "Wenn Du einen Freund hast und er hat Hunger, gib ihm einen Fisch zum Essen. Wenn Du Deinen Freund liebst, zeig ihm wie man Fische angelt."


Mentoro deluxe: Posting Nr. 1 ist grüne Hühnerscheiße und das soll es auch sein! Immerhin ist etwas kleines daraus entstanden. Nimmst Du das ernst, bist du geschockt, betroffen...?
Thema desTages - deutsch sein Schwachmat
Schwachmat:

ps

 
09.07.03 20:13
#38
Verrate einem Amerikaner beispielsweise niemals, undzwar NIENIEMALS, daß es in Deutschland Menschen gibt, deren Namen Ernst Haft lautet und übersetze diesen Namen bloß nicht.
Es würde das Bild noch weiter verzerren...
Thema desTages - deutsch sein Spanier
Spanier:

Lasse dir deinen Stolz nicht nehmen!

 
09.07.03 21:10
#39
Die Frage nach dem Nationalstolz stellt sich nicht, sie ist selbstverständlich.

Es wird Zeit,dass wir in aller Offenheit ein unverkrampftes und liebevolles Verhältnis zu unserem Land zeigen dürfen.
Was man liebt, darauf kann man auch stolz sein, und diesen Stolz wird man doch noch unverkrampft zeigen dürfen.


Wer sein Land liebt, ist noch lange kein "Nazi", oder Brauner was einige offensichtlich niemals begreifen werden, nein er ist ein Patriot.

Wir sollten lernen das eigene Land zu lieben, aber nicht die anderen verachten.



Thema desTages - deutsch sein Kritiker
Kritiker:

@ DarKnight & Schwachmat:

 
09.07.03 21:50
#40
Vielen Dank für Eure Zustimmung. Den Konfuzius muß ich mir merken, der ist gut; der mit dem Fischen könnte von Indianern sein - auch gut.
Daraus ergibt sich, man soll seinen Kindern nicht zuviel Geschenke machen, sondern ihnen zeigen, wie man selbst etwas erreicht. Bis zum nächsten mal - Kritiker.
Thema desTages - deutsch sein JoBar

Wenn ich mich so durch Posting 33 scrolle, dann

 
#41
steigt in mir der Gedanke auf: Wird wohl demnächst jemand auf die Idee kommen die ungekürzte Bibel-Ausgabe per cut and paste hier einzubringen?

Hoffentlich nicht!

J

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