Telekomwerte werden zu sicheren Häfen


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Hartkore_Diab.:

Telekomwerte werden zu sicheren Häfen

 
24.09.01 19:50
Aus der FTD vom 24.9.2001  
FTD-Aktienumfrage: Telekomwerte werden zu sicheren Häfen
Von Ina Bauer, Frankfurt

Die Terroranschläge auf die USA haben Telekomwerte zu sicheren Häfen gemacht und in der Branche eine leichte Kurserholung ausgelöst. Dieser Strategiewechsel wird in der jüngsten FTD-Aktienumfrage deutlich, an der sich europäische Banken beteiligt haben.



Nicht nur defensive Werte wie Versorger, Energiekonzerne und Versicherer sind weiterhin vorn, sondern auch die Deutsche Telekom. Während die Aktie bei der letzten Runde noch auf Platz 24 lag, gilt sie jetzt als Top-Kaufempfehlung im Dax.

"Derzeit schichten Investoren Geld in diese Branche um, obwohl die alten Probleme wie Aktienüberhang und Verschuldung meist noch nicht gelöst sind", sagte David Scully, Leiter Equity Sales in Deutschland von JP Morgan, am Freitag in Frankfurt. "Auf kurze Sicht betrachten Fondsmanager Telekomwerte als sichere Häfen, weil diese Unternehmen 60 bis 70 Prozent ihrer Gewinne im traditionellen Festnetzgeschäft machen, das als rezessionsunempfindlich gilt." Außerdem wird davon ausgegangen, dass künftig weniger geflogen wird und mehr Geschäfte über das Telefon abgewickelt werden. Auch dürfte die US-Nachfrage nach Mobiltelefonen kurzfristig steigen.



Nokia steigt auf


Angesichts der unsicheren Lage an den internationalen Aktienmärkten gehen die zwölf befragten Strategen kein Risiko ein und räumen in Europa Werten wie Eon, TotalFinaElf, der Deutschen Post und der Allianz die besten Kurschancen ein. Einziger Ausreißer: Der finnische Telekomausrüster Nokia, der bei den Top-Kaufempfehlungen im Stoxx 50 Platz vier belegte und damit im Vergleich zur August-Runde um fünf Plätze aufgestiegen ist.


Im Vergleich zur letzten Umfrage haben die Strategen an ihrer Dax-Prognose festgehalten. Sie erwarten in den nächsten drei Monaten einen Anstieg von 9 Prozent. Allerdings hat der Dax seit der letzten Umfragerunde knapp 27 Prozent verloren. Für den Stoxx 50 sagen sie bis Mitte Dezember einen Anstieg um 6,8 Prozent voraus, nach 10,2 Prozent im August.




Bei den Verkaufsempfehlungen für den Stoxx 50 ergibt sich ein klares Bild. Drei der fünf Verlierer sind Technologiewerte, die zwei anderen sind Banken. Der französische Telekomausrüster Alcatel und sein schwedischer Rivale Ericsson kämpfen mit Überkapazitäten. Philips hatte in der vergangenen Woche eine Gewinnwarnung für die Halbleitersparte herausgegeben. Die schlechten Konjunkturaussichten werden auch der Elektronik-Sparte zu schaffen machen. Ein sinkendes Verbrauchervertrauen belastet den Umsatz.


HSBC Holdings und Credit Suisse stehen stellvertretend für die Probleme ihrer Branche. Angesichts der unsicheren Lage an den internationalen Finanzmärkten bleiben die Geschäftsperspektiven der Branche düster. Den Umsatz- und Gewinneinbrüchen müssen die Banken mit entsprechenden Sparprogrammen begegnen - vor allem beim Personal.


Im Dax bleibt der Finanzdienstleister MLP eine Top-Verkaufsempfehlung. Obwohl die Aktie seit ihrem Dax-Aufstieg herbe Kursverluste einstecken musste, gilt sie bei Investoren wohl weiterhin als überbewertet. Ein weiterer Dax-Verlierer ist Lufthansa. Auf Grund der Terroranschläge erwarten Experten Umsatzeinbrüche. Vom 20. August bis 20. September hat die Aktie 46 Prozent ihres Wertes verloren. Der aktuelle Kurs ist nur gerechtfertigt, wenn das schlimmste Szenario eintreffen würde. Vermutlich erinnern sich die Investoren noch an den Golfkrieg Anfang der 90er Jahre, als der Aktienkurs die Erwartungen eines drastischen Umsatzeinbruches und Gewinnrückgangs reflektierte.

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