Technischer Morgenkommentar

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Technischer Morgenkommentar bammie

Technischer Morgenkommentar

 
#1
Rein charttechnisch gesehen, können wir für die meisten der international wichtigsten Aktien-Indizes weiterhin unterstellen, dass sie sich noch in einer Ausgangslage befinden, von der aus neue Jahreshochs erreicht und eine mögliche Jahresendrallye gestartet werden könnte. Argumentativ möchten wir in diesem Zusammenhang auf die Tatsache hinweisen, dass überwiegend die jeweils errechneten Minimumkorrekturen (bezogen auf den jeweiligen sekundären Aufwärtstrend) noch immer nicht komplett ausgeschöpft bzw. unterschritten wurden und auch im Sinne der klassischen Dow-Theorie im Prinzip noch kein Umkehrsignal vorliegt.

Markttechnisch gesehen, ist das Thema dagegen vom Tisch. Hier können wir jetzt klipp und klar festhalten: aus dem vorangegangenen Bewegungsimpuls, der die Aktienmärkte Ende Oktober bis Mitte November trug, ist kein Folgeschub mehr zu erwarten. Dieser Impuls ist ausgelaufen.

In der Konsequenz werden für uns jetzt beide Seiten des Marktes wieder gleichberechtigt interessant, da sich aus der aktuellen Marktverfassung ein neuer Impuls ausbilden muss. Das heißt konkret – wir unterstellen, dass es aktuell keine zu präferierende Bewegungsrichtung gibt und wir jetzt wieder genauer auf Randaspekte achten müssen, welche nicht nur einen Impuls verstärken oder bremsen können, sondern ihn auslösen.

Die technisch kritischsten Börsenbarometer sind unserer Ansicht nach der britische FTSE (Nachrichten) 100, sowie der französische CAC 40 (Paris: Nachrichten) . In beiden Indizes wurden per gestern die jüngsten Reaktionstiefs unterschritten und per Schlusskurs bestätigt. Damit ist zumindest im Sinne der Definition die jüngst ausgebildete Konsolidierungs- und Schiebezone in ihrem Bestand gefährdet, wenn nicht sogar neutralisiert. Streng genommen bilden sich hier und jetzt sogar erste Ansätze zu einem abwärts ausgerichteten Bewegungsimpuls aus.

Gefährdet sind die unteren Bereichsgrenzen der aktuell noch gültigen Schiebezonen auch im DAX (Xetra: Nachrichten) , im EURO STOXX 50, sowie im MIB 30 (Mailand: Nachrichten) . Das technisch stabilste Bild innerhalb der Europa-Indizes zeigt unverändert der spanische IBEX 35 (Madrid: Nachrichten) . Hier liegt uns weiterhin ein hochdynamischer, chart- wie markttechnisch intakter Aufwärtstrend vor.

In den US-Märkten bahnt sich ein ähnlich kritisches, potentielles Umkehrbild an. Am "fortgeschrittensten" ist der Umkehrprozess im Dow Jones (Nachrichten) , hier steht die untere Bereichsgrenze der Konsolidierungszone bei 10432 Indexpunkten zur Disposition (ein nachhaltiges, per Schlusskurs bestätigtes Unterschreiten diesen Niveaus, wäre im klassischen Sinne als Verkaufssignal zu bewerten). Im S&P 500-Index definiert sich dieser kritische Bereich um 1167.

Vergleichsweise stabil, da bisher nur gering ausgebildet, aber im Ansatz ebenso kritisch: die Kursverläufe der beiden NASDAQ´s. Hier achten wir auf die Bereiche um 1543 im NASDAQ 100, bei dessen Unterschreiten die jüngste Schiebezone hinfällig wäre, ebenso auf die 2052 im NASDAQ Comp. mit dem gleichen Hintergrund.

An den asiatischen Märkten bleibt es unverändert kritisch, die Schere zwischen Nikkei (Nachrichten) 225 und HSI klafft unverändert auseinander. Während Hongkongs Index zwar ebenfalls Dynamik abbaut und an Kraft verliert, aber noch immer einen intakten Aufwärtstrend aufweist, so drückt sich der Nikkei 225 wieder in Richtung seiner Jahrestiefs (!). Hier definieren sich potentielle Unterstützungen in den Bereichen um 10690 und 10575 / 10545.

Als Fazit halten wir zunächst fest:

Nur von der Aktienseite aus betrachtet, relativieren wir unsere bisherige optimistische Erwartungshaltung mit Blick auf eine Jahresendrallye. In den Vorwochen definierten wir zwei Aspekte, an denen wir unsere Marktmeinung festmachten:

- einmal an der Tatsache, ob ein Bewegungsimpuls unter die jeweils errechnete Minimumkorrektur führt,

- zum anderen orientierten wir auf die Markttechnik. Wir unterstrichen, dass eine überaus kräftige Eintrübung der Markttechnik, selbst bei Erhalt aller übrigen Aspekte, zu einer kritischen Hinterfragung unserer, bis dahin optimistischen Marktmeinung führen würde.

Dieser Sachverhalt liegt nun vor.

In der praktischen Konsequenz beginnen wir dort, wo es noch möglich ist (DAX, EURO STOXX 50, MIB 30, NASDAQ´s), eventuell bestehende Long-Positionen im Umfang zu reduzieren bzw. abzubauen. Lässt man es darauf ankommen, sollte das Tief vom Montag der Vorwoche, welches in der Regel das jüngste Reaktionstief darstellt, der ultimative Stop-Kurs für Restbestände auf der Long-Seite sein. Im Grunde liegen diese Stops deutlich über Einstand, damit ist doch einiges an Ertrag gesichert.

(Randmärkte)

Sehen wir uns die Randmärkte an. Hier werden jetzt die nächsten Bewegungsimpulse für die Aktienseite "gemacht".

(Brent-Crude-Oil)

Nach der erneuten Erholung des Preises in Brent-Crude-Oil vom Montag, legte der Preis auch gestern weiter zu. Im Tageshoch wurde die 44.83 USD Marke erreicht, per Schlusskurs blieb nur noch ein Plus von 1,08 Prozent übrig. Dennoch, die 46 USD bleiben ein nicht unrealistisches Kursziel.

Bereits in der Vorwoche wiesen wir darauf hin, dass der unterstützende Aspekt des Öl-Preises im Grunde beendet ist. Diese Aussage gilt weiterhin.

(USD)

Der USD bleibt schwach und setzt diese Tendenz fort. Per gestern wurde ein neues Tief im realen Wechselkursverhältnis gegenüber dem EURO bei 1.3334 USD markiert. Unmittelbar vor einem neuen Jahrestief steht der USD gegenüber dem japanischen YEN. In beiden Fällen ist der laufende Trend intakt und hochdynamisch. Unterstützungen für die US-Währung lassen sich aus dem Kursverlauf heraus nicht herleiten.

(Bund)

Auf der Rentenseite erholte sich der Bund-Future im gestrigen Handelsverlauf leicht. Die übergeordnete Bewegungstendenz bleibt ein intakter Aufwärtstrend, der chart- wie markttechnisch bestätigt wird. Aktuell gilt folgender Widerstand: 118.48 – darüber lässt sich keine weitere potentielle Hürde mehr sinnvoll herleiten. Auf der Unterseite rechnen wir mit Unterstützung in den Bereichen um 117.39, darunter um 116.35 / 116.18.

Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Handelstag!

Uwe Wagner ist seit 2004 in einer auf Handelssystemen basierten Vermögensverwaltung tätig. Er ist Mitglied im Verband Technischer Analysten Deutschlands, Gründungsmitglied und Vorstand der Deutsche Gesellschaft für Technische Analyse und hält Vorträge über Technische Analyse und Optionspreistheorien.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.  


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