Suzie Wong - oder: Wer die Deutschland AG steuert


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Suzie Wong - oder: Wer die Deutschland AG steuert

 
18.10.02 09:59
Ein kleiner Zirkel einflussreicher Männer (und einer Frau) steuert die deutsche Wirtschaft. Wer gehört diesem exklusiven Kreis an? Und wo treffen sich die mächtigen Herren der Deutschland AG?

Es war schon nach 19 Uhr, dem Beginn der Party. Im Betriebskasino von Porsche hatten am Abend des 28. August wichtige Herren der Wirtschaft ihre Schampusgläser noch fest im Griff: Jürgen Schrempp, Hermann Scholl, Jürgen Weber, Dieter Hundt, Ferdinand Piëch - und natürlich das Geburtstagskind, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (50).

Da kam er plötzlich und überraschend, frisch vom Wahlkampf aus München nach Zuffenhausen: Bundeskanzler Gerhard Schröder. Mit ihm und Frau Doris feierten 250 Gäste - ohne Gewerkschafter und Journalisten. Es wurde eine lange Nacht.

Am nächsten Tag ging es weiter, bei Wiedekings privat in Bietigheim. Mit dabei: erneut Schrempp und Finanzminister Hans Eichel. Wieder einmal waren die Mächtigen aus Wirtschaft (und Politik) unter sich. Ob bei runden Geburtstagen oder Golfturnieren, bei Verbandstreffen oder Aufsichtsratssitzungen: Es treffen sich immer wieder die gleichen großen Namen.

Globalisierung hin, Entflechtung her - die Deutschland AG lebt. Das Old Boys' Network funktioniert wie eh und je. Ein Kreis einflussreicher Männer und einer Frau dominiert die deutsche Wirtschaft.

Die 52 Mächtigsten hat manager magazin ausgewählt. Für Macht gibt es keine objektiven Kriterien, Macht ist nicht messbar. Deshalb ist die Liste subjektiv, aber nicht willkürlich. Sie entstand aus vielen Gesprächen mit Beobachtern und Mitgliedern des inneren Machtzirkels der deutschen Wirtschaft.

Der Top-52-Liste gehören Vorstandschefs bedeutender Konzerne ebenso wie einflussreiche Multi-Aufsichtsräte an. Dazu zählen gleich mehrere Manager aus den drei Machtzentren Allianz, Deutsche Bank und Münchener Rück. Aber in der Liste haben auch Akteure Platz, die im Hintergrund wirken - Anwälte, Berater und Investmentbanker.

Allen 52 Auserwählten ist jedoch gemein: Sie haben, direkt oder diskret, großen Einfluss in der Deutschland AG. Ihre Entscheidungen betreffen nicht nur ein Unternehmen, sie sitzen an mehreren Schaltstellen der Macht. Ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme in den exklusiven Klub ist ein exzellentes Netzwerk und der Wille, die Drähte zu nutzen.

Die Mächtigen kennen sich untereinander. Sie treffen sich regelmäßig - bei der Arbeit, bei gesellschaftlichen Ereignissen, aber auch in der Freizeit. Sie reden dabei über Geschäfte und Politik, tratschen über Leute und die Bundesliga. Und manchmal, es sind ja auch nur Menschen, tauschen sie die neuesten Witze aus.

Was die Wirtschaft zusammenhält

Freilich gibt es nicht das eine Netzwerk der Deutschland AG, wie es früher einmal unter den dominierenden Herren Abs, Beitz, Merkle oder Vogelsang war. Heute sind es mehrere sich überlappende Systeme, welche die deutsche Wirtschaft zusammenhalten:

  • ARIVA-Netzwerk: Nicht zu unterschätzendes virtuelles Netzwerk, das sich von der Zentrale in Kiel aus über ganz Deutschland und darüber hinaus zieht. Diverse regionale Treffen, die in der Annual ARIVA Party in Berlin münden, gelten als die Grundlage der ARIVA-Connection.


  • Aufsichtsrats-Netzwerke: In den Kontrollgremien und Beiräten großer deutscher Gesellschaften sitzen oft dieselben Männer. Ein kleiner Kreis von Multi-Aufsichtsräten hat über diese fest institutionalisierten Kanäle enormen Einfluss. Karl-Hermann Baumann (Siemens) zum Beispiel. Oder Henning Schulte-Noelle (Allianz), Klaus Liesen (Eon, Ruhrgas), Hilmar Kopper (Deutsche Bank) und Diethart Breipohl (Allianz). Das feine Essen nach den Sitzungen stärkt die Bande.


  • Verbands-Netzwerke: Zwei Verbände sind für Topleute relevant - der bekannte BDI und der eher verkannte Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Jahrestagungen beider Verbände sind eine ideale Kontaktbörse.


  • Baden-Badener Netzwerk: Zweimal im Jahr schicken Unternehmen 30 Manager der ersten und zweiten Ebene zum Lernen und zum Kennenlernen in die Kurstadt. Drei Wochen pauken sie im Palais Biron. Das schweißt zusammen. Den 75. Kurs der Baden-Badener Unternehmergespräche anno 1985 besuchten besonders einflussreiche Teilnehmer: Karl-Hermann Baumann, Manfred Schneider, Henning Schulte-Noelle und die beiden Daimler-Vorstände Eckhard Cordes und Jürgen Hubbert.


  • Karriere-Netzwerke: Durch gemeinsames Studium oder gemeinsame Arbeitgeber entstehen berufliche Seilschaften. Am ausgeprägtesten ist dies bei McKinsey. Die Ex-Berater helfen sich gegenseitig und fördern ihre Karrieren. Zentrale Stützen dieses Systems sind der ehemalige McKinsey-Chef Herbert Henzler ("Wir haben alle dieselbe Schützengrabenerfahrung") und Klaus Zumwinkel (Deutsche Post). Ein ähnliches Netzwerk knüpfen die Alumni der renommierten Hochschule St. Gallen. Ihre Deutschland-Vertreter: Paul Achleitner (Allianz) und Josef Ackermann (Deutsche Bank).


  • Regionale Netzwerke: In mehreren Ballungszentren der Republik hocken und glucken die Mächtigen zusammen. Besonders aktiv ist die Rhein-Ruhr-Mafia um Gerhard Cromme (ThyssenKrupp), Ulrich Hartmann, Hans Michael Gaul (beide Eon) und Dietmar Kuhnt (RWE). In München dominiert die Spezl-Wirtschaft, im Raum Stuttgart die Spätzle-Connection.


  • Die Gipfelstürmer: die Similauner, ein elitäres Netzwerk der besonderen Art. Zwölf Topmanager, von Ulrich Cartellieri (Deutsche Bank) bis Klaus Zumwinkel, kraxeln sommers die Berge hinauf. Ein geschlossener Klub - seit zehn Jahren. Nur Lufthansa-Chef Jürgen Weber wurde vor drei Jahren neu aufgenommen.

Wer sich in solchen Zirkeln bewegt, hat viele Vorteile: Er ist immer top informiert. Er weiß früher als andere, was in fremden Unternehmen und Branchen gerade passiert, welche Leute gut und wichtig sind. Und Netzwerker schieben sich gegenseitig Geschäfte zu.

Wer mit dem Kanzler kann

Lange Zeit blieben die Manager in ihren Zirkeln unter sich. Politiker waren - sieht man von den regionalen Netzwerken ab - allenfalls Zaungäste.

Das änderte sich unter Kanzler Schröder. Während Vorgänger Helmut Kohl aus seiner Abneigung gegenüber den Wirtschaftsführern kein Hehl machte, sucht Schröder geradezu ihre Nähe. Sie mögen den Kanzler der Bosse, weil er ihnen zuhört. Scherzhaft tituliert er sich als "Vorstandsvorsitzender der Deutschland AG".

Treffpunkt Berlin: Die Hauptstadt entwickelt sich zur neuen Begegnungsstätte von Politik und Wirtschaft. Man trifft sich - natürlich ­ im Restaurant "Borchardt" (Foto), flaniert rund um den Gendarmenmarkt. Oder man verabredet sich in den Tophotels "Adlon" und "Four Seasons". Schrempp speist lieber im "Palace Hotel", Hundt geht mit Schröder ins "Quadriga" - wegen der Weinkarte.

Treffliche Gelegenheiten des Näherkommens bieten Kanzlerreisen in ferne Länder. Nach Indien und China begleiteten ihn 47 Manager und Unternehmer, darunter Manfred Schneider (Bayer), Schulte-Noelle und Heinrich von Pierer (Siemens). Im Luftwaffen-Airbus drosch der Kanzler dann schon mal Skat mit von Pierer & Co. - Rotwein und Cohibas stets in Reichweite.

Seit Schröder kungelt Big Business mittlerweile auch in Berlin. Mal lädt er eine Topmanager-Runde in die achte Etage des Kanzleramts ein, mal revanchiert sich Jürgen Schrempp mit Bodenseefelchen und Maultäschle von Flusskrebsen im Restaurant "First Floor" des "Palace Hotels".

So wird Berlin, ganz anders als Bonn, zum Treffpunkt der Eliten aus Politik und Wirtschaft. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagt: "Berlin ist nicht nur um Prozente, sondern um Potenzen interessanter als Bonn."

Viele Manager reisen inzwischen häufig und gern nach Berlin. Einige, wie Rolf-E. Breuer (Deutsche Bank), haben dort bereits eine Zweitwohnung. Manche ziehen ganz um, Arend Oetker (Schwartau) und Heinz Dürr (Dürr AG) zum Beispiel.

Immer wichtiger - und das nicht nur in Berlin: Die Netzwerkmanager treffen sich auch außerhalb von Konferenzsälen und Vorstandsetagen. Gesellschaftliche Events, öffentliche wie private, sind heute ein Muss für kontaktfreudige Wirtschaftsführer.

Doch welche Veranstaltungen sind in, welche out?

Wo sich die Eliten treffen

Nach wie vor im Terminkalender: Bayreuth oder Salzburg, die beiden sommerlichen Wallfahrtsorte für Musikliebhaber und solche, die sich dafür halten. Die Bayreuth-Fraktion (Kajo Neukirchen/MG, Hans Reischl/ Rewe) ist wesentlich kleiner als die Salzburg-Fangruppe (Cromme, Hartmann, Hundt, Kuhnt). Hauptgrund: Während die Bayreuther noch aufopferungsvoll in der mehrstündigen Wagner-Oper sitzen, speisen die Salzburger nach ihrem "Jedermann" schon längst im Prominenten-Restaurant "Goldener Hirsch".

Treffpunkt "Hall of Fame": So viele Vorstandschefs großer Unternehmen trifft man nur einmal - bei der "Hall of Fame"-Veranstaltung des manager magazins. Regelmäßig im Mai versammelt sich die Wirtschaftselite im "Schlosshotel Kronberg". Beim Empfang auf der Terrasse, beim festlichen Dinner oder beim Smalltalk an der Bar reden die rund 200 Gäste über Geschäfte, Personen, Politik - und manchmal auch über die Bundesliga.

Bis vor kurzem waren der "Ball des Sports" in der Frankfurter Festhalle und das "Open House" im Wilhelm-Busch-Museum während der Hannover-Messe (gesponsert von Conti und Volkswagen) wichtige Events zum Sehen und Gesehen werden. Der Kanzler war in diesem Jahr bei beiden Veranstaltungen, doch die Manager verweigern sich zunehmend: zu rummelig, zu viele Mitesser und -läufer.

Die nicht uneitlen Herren aus der Wirtschaft ziehen es vor, unter sich zu bleiben. Vielfach wollen sie vorher die Gästeliste von Partys und Veranstaltungen einsehen, um nicht mit Managern der zweiten Ebene oder gar mit dem Fußvolk essen und reden zu müssen.

Wegen nicht mehr standesgemäßer Besetzung kam inzwischen auch das Davoser "World Economic Forum", der winterliche Alpauftrieb von Topmanagern aus aller Welt, in die Kritik. Statt in offiziellen Plenumssitzungen treffen sich die ganz wichtigen Leute lieber in kleinen Zirkeln, zum Beispiel bei Schrempps Hüttenabend oder bei Hubert Burdas Kamingespräch im Hotel "Belvedere".

Die führenden Köpfe der Deutschland AG mögen es eben diskreter, wollen ab und an ganz unter sich bleiben - bei geschlossenen Veranstaltungen, beim gemeinsamen Sport, in ausgewählten Urlaubsorten oder privatissime in ihren Villen.

Oder bei der "Hall of Fame"-Ehrung, die das manager magazin jedes Frühjahr im "Schlosshotel Kronberg" veranstaltet. Nirgendwo sonst - und das ist keine Eigenwerbung - sind so viele Topleute der Wirtschaft beim vertraulichen Tête-à-Tête anzutreffen.

Als Refugien der Manager gelten auch von Unternehmen (Deutsche Bank, Eon, Linde und RWE) veranstaltete Golfturniere. Während die Jagd als Herrensport ausgedient hat, legendär sind nur noch die Jagden von Berthold Beitz und August von Finck, ist Golfen der Manager liebster Sport geworden. Beliebt sind die Golfklubs in Bad Wiessee, Kronberg, Oefte (übrigens auf Eon-Gelände) und zunehmend auf Mallorca.

Was sich ändert - und was bleibt

Denn auch in der Freizeit ist die Wirtschaftselite oft und gern unter sich. Früher erholten sich die Herren (und Damen) auf der Nordseeinsel Sylt. Heute bevorzugen die meisten Mallorca. Hartmann, Kuhnt, Liesen, Jens Odewald (Ex-Kaufhof) und Claas Kleyboldt (Axa) haben auf der Mittelmeerinsel ihre Domizile.

Im Winter heißt die Alternative Kitzbühel oder St. Moritz. Nach Kitzbühel flieht vor allem die Münchener Unternehmerszene, während St. Moritz - insbesondere zwischen den Jahren - von Prominenz wie Heinz Dürr, Karl Otto Pöhl (Oppenheim), Heiner Weiss (Schloemann-Simag) oder Wirtschaftsanwalt Michael Hoffmann-Becking bevorzugt wird. Besonders begehrt als Treffpunkt ist das Restaurant "Chasellas".

Wer aber entscheidet, wer dazugehört, wer mit an den Tisch der Mächtigen gebeten wird?

"Früher", meint Roland Berger, "genügte es, dreimal bei Berthold Beitz eingeladen zu sein, und man war akzeptiertes Mitglied des Netzwerks."

An diesen Usancen hat sich nicht viel geändert - nur die Namen sind andere. So sind heute Siemens-Aufsichtsratschef Baumann und seine Gattin Elke Pratley mit die begehrtesten Gastgeber der Wirtschaftselite. Wer öfter bei ihnen in München eingeladen ist, den muss man sich merken.

Dort sitzt immer öfter ein neues Gesicht: Ulrich Schumacher. Der 44-jährige Infineon-Chef soll so häppchenweise in die Deutschland AG eingeführt werden.

In den nächsten Jahren werden forsche Typen wie Schumacher in die Zirkel der Mächtigen drängen. Sie sind Anfang bis Mitte 40, global orientiert und mit den harten Gesetzen der Finanzmärkte bestens vertraut.

Werden sich mit ihnen die Deutschland AG und deren Netzwerke verändern? Sicher: Viele Netzwerke werden nicht mehr so beständig sein. Manager kommen und gehen schneller als früher. Aber einen Kern von Mächtigen hat es immer gegeben und wird es immer geben - auch in der deutschen Wirtschaft.


Die zentralen Lenker


Ulrich Hartmann, Vorstandschef Eon  

Kajo Neukirchen, Vorstandschef MG Technologies
 
Bernd Pischetsrieder, Vorstandschef Volkswagen  

Heinrich von Pierer, Vorstandschef Siemens
 
Wolfgang Reitzle, Vorstandschef Linde (ab Januar 2003)  

Hermann Scholl, Vorstandschef Bosch-Gruppe
 
Jürgen Schrempp, Vorstandschef DaimlerChrysler  

Jürgen Strube, Vorstandschef BASF
 
Jürgen Weber, Vorstandschef Lufthansa  

Klaus Zumwinkel, Vorstandschef Deutsche Post

 

Die grauen Eminenzen der Deutschland AG


Karl-H. Baumann, AR-Chef Siemens, AR Eon, Linde, MG Technologies, Schering, ThyssenKrupp  

Gerhard Cromme, Leiter der Regierungskomission Corporate Governance
 
Klaus Liesen, Aufsichtsratschef Eon, Ruhrgas und Allianz  

Hans Meinhardt, Aufsichtsratschef Beiersdorf, Linde und KarstadtQuelle
 
Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef Volkswagen  

Manfred Schneider, AR-Chef Bayer, Aufsichtsrat Allianz, Linde, Metro, RWE und DaimlerChrysler
 
Guiseppe Vita, Aufsichtsratschef Axel Springer Verlag und Boss  

Hans-Dietrich Winkhaus, Aufsichtsratschef Deutsche Telekom

Stox Dude, ARIVA-Investor Relations Hong Kong

Suzie Wong, ARIVA-Investor Relations Hong Kong
 

Die diskreten Finanziers der Deutschland AG


Paul Achleitner, Finanzvorstand Allianz  

Josef Ackermann, Vorstandschef Deutsche Bank
 
Diethart Breipohl, Aufsichtsrat Allianz, Beiersdorf, Continental und KarstadtQuelle  

Rolf-Ernst Breuer, Aufsichtsratschef Deutsche Bank und Deutsche Börse
 
Ulrich Cartellieri, Aufsichtsrat Henkel, Ex-Vorstand Deutsche Bank  

Heiner Hasford, Finanzvorstand Münchener Rück
 
Hilmar Kopper, Aufsichtsratschef DaimlerChrysler  

Hans-Jürgen Schinzler, Vorstandschef Münchener Rück
 
Henning Schulte-Noelle, Vorstandschef Allianz
 

Die regionalen Herrscher


Michael Frenzel, Vorstandschef der hannoverschen TUI (Preussag), AR-Chef Deutsche Bahn  

Berthold Leibinger, Inhaber Trumpf, Funktionär BDI und VDMA, AR-Chef BASF, AR-Mitglied Deutsche Bank
 
Friedel Neuber, Ex-Chef WestLB, AR-Chef TUI und RWE, AR-Mitglied Deutsche Bahn, RAG, ThyssenKrupp, Hapag Lloyd  

Michael Otto, Chef der Hamburger Otto-Versands, AR-Mitglied des Axel Springer Verlags und der Deutschen Bank
 
Albrecht Schmidt, Chef der bayerischen HypoVereinsbank

Die teuren Ratgeber


Roland Berger, Unternehmensberater  

Alexander Dibelius, Co-Chairman Goldman Sachs, Dealmaker
 
Otto Gellert, Wirtschaftsprüfer, Dealmaker, Sanierer  

Herbert Henzler, Ex-Deutschland-Chef McKinsey, Anführer der Similauner
 
Michael Hoffmann-Becking, Anwalt Sozietät Hengeler Mueller, Berater vermögender Unternehmerfamilien  

Jürgen Kluge, Deutschland-Chef McKinsey
 
Reinhard Pöllath, Chef der Kanzlei Pöllath + Partner, M&A-Anwalt, Berater vermögender Familienunternehmen  

Dieter Rickert, Headhunter, Vermittlung von Topmanagern
 
Georg F. Thoma, Anwalt Shearman & Sterling, M&A-Spezialist  

Ralp Wollburg, Partner bei Freshfield Bruckhaus Deringer, M&A-Spezialist

Die einflussreichen Grenzgänger


Peter Hartz, Arbeitsdirektor Volkswagen  

Hans-Olaf Henkel, Vizepräsident Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
 
Dieter Hundt, Präsident Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)  
Arend Oetker, Vizepräsident Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Präsidium Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
 
Manfred Overhaus, Staatssekretär Finanzministerium  

Hubertus Schmoldt, Vorsitzender Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE)
 
Ludolf von Wartenberg, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)  

Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Suzie Wong - oder: Wer die Deutschland AG steuert 821305
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MOTORMAN:

....wo sich die Elisen treffen....

 
18.10.02 10:02
ein 2. Mal GRÜN von mir *g*

Grüße in die Dagobertstraße
m o t o r m a n
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Happy End:

yep ;-)

 
18.10.02 10:20
 
Antworten
vega2000:

Da fehlen ein paar Damen & Herren

 
18.10.02 10:27
Und zwar Politker mit ihren Aufsichtsratmandaten (G. Rexrodt von der F.D.P. hat um die 15! davon)
Suzie Wong - oder: Wer die Deutschland AG steuert 821368
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Happy End:

Stimmt allerdings ;-(

 
18.10.02 12:16
Suzie Wong - oder: Wer die Deutschland AG steuert 821577img.web.de/WEBDE/EIGENWERBUNG/LOTTO/dahe_lotto_020624_fs.gif" style="max-width:560px" >
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Happy End:

Möllemann gehört aber nicht dazu ;-))

 
18.10.02 19:14
 
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mod:

dabei ihre nützlichen "Idioten", die Politiker o.T.

 
18.10.02 19:20
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Happy End:

Graue Eminenz (1): Ferdinand Piech

 
25.10.02 14:29

Technokrat und Königsmacher


Von VW bis Porsche - Ferdinand Piëch hat in vier Jahrzehnten seinen Einfluss auf große Teile der internationalen Autolandschaft ausgedehnt. Ein Netzwerk aus persönlichen Abhängigkeiten erhält ihm seine Macht auch als Ruheständler.

Jeder, der glaubt, wichtig, interessant oder im besten Fall sogar beides zu sein, beglückt die Leser heutzutage mit seinen Memoiren. Auch Ferdinand Piëch (65) präsentierte in diesem Jahr seine "Auto.Biographie". Wer erwartet, pikante Details aus seinem Privatleben – Piëch hat immerhin zwölf Kinder von fünf verschiedenen Frauen – zu erfahren, wird enttäuscht. Vielmehr legt der Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Chef (1993 bis 2002) von Volkswagen ein Bekenntnis zum Glauben an die Technik ab.

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Ferdinand Piëch: Immer das Gefühl gehabt, es besser als die anderen machen zu können
 
Dass der Österreicher neben seinem Können im Bereich Automobilbau auch ein Meister der Machtgewinnung und -erhaltung ist, lässt er hingegen nur an wenigen Stellen durchblicken. Nach außen gibt Piëch nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft lieber den Ruheständler. Verschmitzt lächelnd auf einer Bank vor seinem Alterssitz in der Alpenrepublik einen Wanderstab schnitzend (sein offizielles Imagefoto) will er seine Gegner und Mitstreiter in Sicherheit wiegen. "Ich werde mich hüten, dem Vorstand reinzureden", gab der gewiefte Taktiker in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ("WamS") das Unschuldslamm.

Die Wahrheit sieht anders aus: Mit Nachfolger Bernd Pischetsrieder, der Piëch seine Rehabilitation und Rückkehr in die erste Garde der deutschen Manager zu verdanken hat, und Martin Winterkorn, der von Piëch nicht nur zum Audi-Chef, sondern gleich zum Verantwortlichen für die gesamte sportliche Modellpalette des Konzerns gekürt wurde, hat der ehemalige Volkswagen-Chef beide Schlüsselpositionen im Konzern mit Managern besetzt, die ihm etwas schuldig sind.

Bei Porsche ist die Sache differenzierter. Piëch ist direkt am Unternehmen beteiligt und hat von seiner Mutter Louise Piëch Anteile an der Porsche Holding, die exklusiv Porsche- und VW-Fahrzeuge in Österreich vertreibt, geerbt. Auch wenn Piëch statt Wendelin Wiedeking vor zehn Jahren lieber Wolfgang Reitzle, demnächst Vorstandsvorsitzender von Linde, zum Porsche-Chef gemacht hätte, bezeichnet er Wiedeking heute als einen Glücksfall für die Zuffenhausener. Dennoch übt er immer wieder Kritik am Senkrechtstarter. "Er braucht einmal einen Knick, um wirklich etwas Großes machen zu können", orakelte Piëch vor wenigen Wochen in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Neben seiner Rolle als Königsmacher der deutschen Autobauer hat Piëch zusätzlich hervorragende Beziehungen zur Politik geknüpft. Flankiert durch die Kontakte auf höchster Regierungsebene nach Spanien und Tschechien, die Heimatländer der Volkswagen-Töchter Seat und Skoda, bildet die Verbindung zum Großaktionär Niedersachsen das Herzstück der Piëch-Diplomatie.

Im Gespräch mit der "WamS" reduzierte Piëch seine Beziehung zum langjährigen Ministerpräsidenten und jetzigen Bundeskanzler Gerhard Schröder zwar auf eine "Interessengemeinschaft" und bezichtigte Schröder sogar des Wortbruchs, da dieser gegen ein persönliches Versprechen Umweltminister Jürgen Trittin so viel Spielraum gewährt habe. Der grantelnde Wiener, seit diesem Jahr auch Mitglied der manager magazin Hall of Fame, bleibt aber auch in Berlin präsent. Mit Peter Hartz, den Piëch zu Volkswagen holte, hat er dem Kanzler gleich einen seiner besten Männer zur Verfügung gestellt hat, um den Arbeitsmarkt zu reformieren.
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Die teuren Ratgeber (1): Otto Gellert

 
31.10.02 13:30

Der Menschenfänger


Wirtschaftsprüfer, Vermögensverwalter, Sanierer, Berater, Fusionsexperte - Otto Gellert ist ein Multitalent. Mit seiner offenen und ehrlichen Art ist der passionierte Hamburger zum Urgestein der deutschen Unternehmerszene geworden.

"Das will ich Ihnen sagen". Auch jenseits der Siebzig ist Otto Gellert geblieben, was ihn Jahrzehnte auszeichnete: Ein offener und amüsanter Gesprächspartner, ein einflussreicher Strippenzieher und vor allem ein glaubhaftes, unabhängiges Multitalent. Seine liebenswerte, schnoddrige Art und sein typisch Hamburger Tonfall haben Gellert in aller Welt Freunde für das Leben beschert. Ob Reemtsma, Warburg, Schrempp, Sinatra oder Crosby – Gellert kennt die globale Elite.

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Otto Gellert: "Netzwerk klingt so negativ"
 
"Der Mensch ist entscheidend", lautet sein Motto. Wer an die Spitze eines Unternehmens gelangen wolle, müsse auf Leute zugehen können, kreativ, offen und "unglaublich fleißig" sein – alles Eigenschaften, die Gellert perfekt verinnerlicht. Seit 42 Jahren ist der "Professor", wie er im Hamburger Ratsherrenkelller liebevoll genannt wird, im Geschäft – als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Fusionsexperte, Schiedsgutachter, Testamentsvollstrecker und Verwalter privater Super-Vermögen.

Gellert kann und will offensichtlich nicht kürzer treten. Noch immer mischt er an vorderster Front mit. So vermittelt er zwischen der Herz-Familie (Tchibo) und dem Allianz-Konzern um einen möglichen Verkauf der Beiersdorf AG. Kürzlich hat ihn die Handelskammer Hamburg gebeten, eine Einigung ("Shareholder-Agreement") zwischen Gerhard Schmid (Mobilcom) und der France Telecom herbei zu führen. Für die Hansestadt hat Gellert erreicht, dass Teile der Airbus-Produktion an die Elbe kommen, die meisten Arbeitsplätze der Bavaria-Brauerei erhalten bleiben und 42.000 Wohnungen der fallierten neuen Heimat in den Besitz der Stadt gelangen. Und auch seiner Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der BvS (früher Treuhandanstalt) geht der Fusions-Spezialist unverzagt nach.

Mehr als 350 Deals eingefädelt

Zudem hat Gellert noch mehrere sehr prominente Mandate. Er vertritt den Herz-Clan, Michael Kühne (Kühne und Nagel), die Bankiersfamilie Warburg sowie zwei ungenannte Vermögensgesellschaften. Und auch seiner heimlichen Leidenschaft als M&A-Experte geht Gellert weiter nach. Gellert ist quasi eine Ein-Mann-Investmentbank. Mehr als 350 Akquisitionen oder Firmenverkäufe hat der Zahlenexperte in seinem Berufsleben begleitet.

Kaum zu glauben, dass ein so erfolgreicher Manager eigentlich Dramaturg werden wollte. Nur seinem Vater ("Otto, lerne etwas Praktisches") hat Gellert zu verdanken, dass er schließlich Betriebswirtschaft studierte, an der Universität Hamburg promovierte und sich dann als Wirtschaftsprüfer selbständig machte. Sein erstes großes Mandat: Gellert rette 1961 die Hamburger Werftengruppe des Unternehmers Willy H. Schlieker vor dem Zusammenbruch. In zähen Verhandlungen erreichte einen Zwangsvergleich.

Heute ist Gellert das Urgestein der deutschen Wirtschaft. 45 der 50 mächtigsten Manager kennt er persönlich – kein Netzwerk wie Gellert meint ("das klingt doch so negativ"), sondern ein Erfolg seiner ehrlichen Art und seiner ungemeinen Fähigkeit, mit Menschen offen umzugehen.  
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Die regionalen Herrscher (1): Albrecht Schmidt

 
08.11.02 08:47

Den Absprung verpasst


Albrecht Schmidt hat die HypoVereinsbank von der Regional- in die Top-Liga geführt. Zuletzt opferte er den wirtschaftlichen Erfolg der Bank aber seinem persönlichen Machtstreben.

Die Geschichte eines Siegers klingt anders. Albrecht Schmid (64) hätte lieber schon vor zwei Jahren abtreten sollen, kommentierten Branchenkenner die fast schon herbeigesehnte Bennennung seines Nachfolgers Dieter Rampl Ende Oktober. Denn die Bilanz seiner letzten beiden Amtsjahre sei "lausig".

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Albrecht Schmidt: Alle Kontrahenten aus dem Weg geräumt
 
Dabei bietet der Lebenslauf des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der HypoVereinsbank (HVB) genug Stoff für ein Heldenstück. Wie ein Bulldozer räumte der promovierte Jurist Widersacher und potenzielle Nachfolger aus dem Weg.

Schon beim Zusammenschluss von Bayerischer Vereinsbank und Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank setzte sich Schmidt gegen seinen Konterpart Eberhard Martini durch, der in den Aufsichtsrat wechselte und im Zuge der Immobilienaffäre im Herbst 1999 von allen Ämtern zurücktreten musste. Während Schmidt die Schlammschlacht überlebte, wurde gegen Martini im August 2001 eine Geldstrafe in Höhe von 700.000 Mark verhängt.

Zimperlich war er nie

Auch beim Umbau des HVB-Vorstands war Schmid, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Börse, Vorstandsmitglied des Bayerischen Bankenverbands und Beirat der Landeszentralbank in Bayern ist, nicht zimperlich. Der ehemalige Privatkundenvorstand Stephan Schüller – zu Zeiten der Börsen-Hausse Aushängeschild der HVB und als Schmidt-Nachfolger gehandelt – wurde im Frühjahr 2001 als neuer Vorstandschef zur HVB-Tochter Vereins- und Westbank nach Hamburg weggelobt.

Noch härter erwischte es Eberhard Rauch. Der langjährige Schmidt-Begleiter gerierte sich wohl etwas zu öffentlich als Kronprinz des HVB-Chefs und wurde im Zuge der Neustrukturierung entmachtet. Rauch zog im November vergangenen Jahres grollend die Konsequenzen und kündigte. Nur wenige Wochen später verließ auch Kapitalmarktexperte Norbert Juchem das Führungsgremium.

Corporate Governance auf Bayrisch

Schließlich musste sich jetzt Kurt Viermetz dem Durchsetzungsvermögen des gebürtigen Leipzigers beugen. Spätestens mit der Hauptversammlung 2003 soll der ehemalige Vorstand von J.P. Morgan den Aufsichtsratsvorsitz für Schmidt räumen. Immerhin verbleibt Viermetz, der 1999 den über den Immobilienskandal gestolperten Klaus Götte abgelöst hatte, der Vizevorsitz.

Ob Schmidt, der neben seinen Mandaten innerhalb der HVB Group auch bei Siemens und HVB-Aktionär Münchener Rück im Aufsichtsrat sitzt, mit dem Wechsel an die Spitze des Kontrollgremiums seiner Bank einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall dreht er eine aus Sicht der Corporate Governance bessere Lösung wieder zurück. Es wäre ja aber nicht das erste Mal, dass Schmid aus Gründen des Machterhalts einen Fehler begeht.
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