Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann,

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Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, Karlchen_I
Karlchen_I:

Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann,

 
09.06.04 21:09
#1
Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, 1534475


Ihr durchaus strebsames und naturschönes Land musste bei seiner Präsentation hier in Deutschland in den letzten Jahren herbe Rückschläge einstecken. Ihr Vorgänger als Botschafter der Conföderation der helvetischen Kantone, der Herr Thomas Borer hat ja nun gerade dazu das Image Ihres Landes Schaden genommen hat. Gleichwohl: Wir haben über ihn und die Schweiz hier in Berlin herrlich lachen können.

Bisher dachte ich, dass das ein für Ihr Land ein unglückliches, singuläres Versehen gewesen wäre, das auf eine einmalige Falschauswahl der Schweizer Bundesregierung zurückzuführen ist. Aber nun kommen mir doch Zweifel. In einem angesehenem deutschen Börsen-Forum tauchen ihre Staatsbürger und in ihren Staat Eingewanderte auf, die durchaus in der Tradition Ihres Vorgängers stehen, und die somit gewiss nicht im Interesse Ihres Landes handeln.
Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, effektenjaeger
effektenjaeger:

*lol*

 
09.06.04 21:17
#2
Endlich mal einer mit Esprit! Weiter so!
Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, ottifant
ottifant:

Nett

 
10.06.04 13:15
#3
aber die von Dir angesprochenen, nerven nur!!
Die Skandalpuppe war mal ganz lustig, aber auf Dauer ....
Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, Reila
Reila:

Also ich fand den Borer gut.

 
10.06.04 13:27
#4

 

 

Käsefondue mit Spareribs

Die Schweizer Botschaft in Berlin ist ein Familienbetrieb, spezialisiert auf gute Laune und Party-Catering.

Unter allen Staaten Europas ist die kleine Schweiz (41 Tausend Quadratkilometer Land, sechs Millionen Bürger und eine Million Gastarbeiter) ein Hort der Unschuld und der Wohlfahrt. Es gibt keine Vergangenheit, derer Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, 1535124 sich die Menschen schämen müssten, keinen Terrorismus, mit dem die Polizei nicht fertig wird, keine Identitätskrise, die nach einer öffentlichen Debatte schreit. Der Schweizer Franken ist stabil wie der Bundesrat, die Regierung der Schweiz, die seit 4o Jahren in derselben Zusammensetzung agiert, völlig unabhängig vom Ausgang der Wahlen. Die Berg- und Seilbahnen werden tiptop gewartet, sogar die Naturkatastrophen finden lieber in Italien und in Österreich statt. Die Schweizer sind fest davon überzeugt, dass es ihre Fahrrad-Armee war, die das Land vor einer Nazi-Invasion bewahrt hat, so wie sie daran glauben, dass sie in einer Demokratie leben, weil die 26 Kantone und 2929 Gemeinden eigene Einkommens- und Vermögenssteuer erheben.

Nur einmal in ihrer jüngsten Geschichte erlebte die Schweiz eine echte Krise: als bekannt wurde, dass sich Schweizer Banken möglicherweise an "namenlosen Konten" jüdischer Flüchtlinge und dem bei ihnen deponierten "Nazigold" bereichert haben könnten. Da wurde von der Regierung flugs eine "Taskforce" gegründet und der junge Diplomat Thomas Borer zum Einsatzleiter ernannt. Der hatte nämlich bereits in Washington gearbeitet und eine Braut heimgebracht, wie sie die meisten Schweizer nicht einmal aus dem Kino kennen, eine dralle Südstaaten-Blondine namens Shawn Fielding, die 1993 zur Miss Dallas und 1994 zur Miss Texas gewählt wurde.

Wann immer der Chef der "Taskforce" vor die Kameras trat, seine   Verlobte stand immer neben oder hinter ihm, sagte kein Wort und  mobilisierte die ungelebten Begierden der Schweizer.  Es wurde ihr hoch angerechnet, dass sie ihre Sinnlichkeit in den Dienst eines Landes stellte, deren Bewohnern immer wieder nachgesagt wird, dass sie sich ungeschlechtlich durch Zellteilung vermehren.

Thomas Borer wiederum erledigte seinen Job so gut, dass er mit dem Posten des Schweizer Botschafters in der Bundesrepublik  belohnt wurde. Nun könnte man  fragen: Wozu braucht die Schweiz in Deutschland eine Botschaft? Genügt es nicht, dass die großen Schweizer Firmen bereits Vertretungen unterhalten? Was kann ein Botschafter leisten, das die Repräsentanten von Nestle, Bankverein und Hoffmann La Roche nicht leisten können?

Vieles, wenn er die richtige Frau an seiner Seite hat, eine amerikanische Schönheitskönigin, die zu einer Buchpräsentation in der "Bar jeder Vernunft" ziemlich entkleidet ankommt und am Schweizer Nationalfeiertag die Schweizer Nationalhymne "derart sinnlich ins Mikrofon" haucht (Berliner Morgenpost), dass die Festgäste an den berühmten Auftritt von Marylin Monroe zu Kennedys Geburtstag erinnert werden. So was kommt in Berlin gut an, wo bisher die Unternehmersgattin Ulla Klingbeil mit ihren Hüten die Grenzen der Extravaganz bestimmte. Eine amerikanische Schönheitskönigin, die aus der Ferne Anna Nicole Smith ähnelt und  immer so aus dem Ausschnitt guckt, als käme sie gerade von einem Rodeo in El Paso,  zählt zu Recht zu den großen Attraktionen rund ums Brandenburger Tor. Shawne Borer-Fielding gilt nicht nur als "die aufregendste Gestalt der Berliner Society" (Bild), "der glamouröse Höhepunkt jeder Hauptstadt-Party", sie ist auch, sagt ihr Mann, "ein ganz wichtiger Teil des Teams 'Botschafter Borer-Fielding'", denn: "Sie ist sehr hübsch. Wenn ich mit ihr irgendwo hingehe, bemerkt mich ohnehin niemand." Das allerdings muss dem Botschafter irgendwann doch so gestunken haben, dass er eine Dienstreise in die Schweiz dazu ausnutzte, um endlich allein bemerkt zu werden. In einem Satireprogramm des Schweizer Fernsehens - so etwas gibt es! - äußerte er sich unfein über den deutschen Rockmusiker Klaus Meine, Sänger bei den Scorpions. Grund waren Fotos, auf denen Shawne auf dem Schoß des Musikers saß und mit ihm knutschte.  "Das ist für mich überhaupt kein Problem", versicherte Borer, er wisse, dass der Musiker viel lieber Männer als Frauen auf seinem Schoß halten würde. "Solche Details muss man kennen." Nach der Sendung sprach Borer von einem "Fehler",der ihm "peinlich" wäre. Doch auch die Entschuldigung war nicht frei von Zweideutigkeiten: "Mein Auftritt ging leider nach hinten los." Inzwischen finden auch die Schweizer ihren Berliner Mann lustiger als es die Schweizer Verfassung erlaubt. Bei ihm drohe die Gefahr, "dass die Diplomatie zu einem Zweig der Unterhaltungsindustrie verkommt", warnte ein sozialdemokratischer Abgeordneter. Das  Berner Außenministerium bestätigte, Borer dürfe zu den Vorfällen bis auf weiteres nicht mehr selbst Stellung nehmen. Und auch die Frau des Botschafters schweigt. "Die geht kaum noch vor die Tür, sie war nicht einmal bei der AIDS-Gala", sagt Shawns Friseur Udo Walz, der das "Team Borer-Fielding" in die Berliner Gesellschaft eingeführt hat.

In Berlin geht die Angst um, Shawn und Thomas könnten die Stadt nach nur 14 Monaten wieder verlassen. Die Vorstellung, mit Ariane Sommer und Georgia Tornow allein gelassen zu werden, ist den Hauptstädtern ein Gräuel. "Für Berlins Partygesellschaft wäre es eine Katastrophe!" klagte Bild vorsorglich und flehte: "Bitte, bitte sexy Shawne! Bleib mit deinem Mann bei uns in Berlin!"

Denn Berlin braucht, wie die Schweiz,  Glanz und Glamour.  Und wenn es eine Mischung aus Käsefondue im Smoking  mit Spareribs im Abendkleid ist.

Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, Reila
Reila:

Text in #4 geklaut bei Henryk Broder. o. T.

 
10.06.04 13:33
#5
Sehr geehrter Herr Dr. Werner Baumann, Rigomax

Der Borer hatte Geist und Humor.

 
#6
Seine Rede bei der Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst" an ihn (schon ein paar Jahre her) war die beste seit langem. Und daß Rignier ihn fertigmachen wollte, kann man Boerer kaum vorwerfen. Immmerhin hat Ringier für die Falschbehauptungen ganz schön bluten müssen.

Er war manchen Leuten halt ein bißchen zu unkonventionell.
Und manche Spießer regen sich auch heute über ihn auf.
Sollen Sie. Das kann er ab.



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