Schulden - ein Problem?

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Schulden - ein Problem? Nobody II
Nobody II:

Eichel kann schon was tun

 
28.11.04 13:00
#26
Das Zauberwort heisst Controlling.

Gelangen die Gelder die ich ausgeben will, auch dort hin wo sie hinsollen ? (siehe Solidarpakt - bis auf Sachsen konsoldieren alle Ost-Länder ihren Haushalt damit)

Wie bewerte ich die Auswirkungen meiner Gelder.
      Bsp: Steinkohle: Investitionssumme gegenüber Kaufkraft der Empfänger und Output
            aus Produktion
      Bsp: Bauern, analog Rechnung
   Ist die investierte Summe höher als die positiven Effekte, komme ich doch besser
   wenn ich einen Cut mache. Und bei der Steinkohle stehen trotz extremer
   Preisanstiege rote Zahlen in den Büchern und es werden nicht weniger Bergleute.

Und was generell fehlt, sind eine Bewertung von Risiken. Bislang wird nur stumpfsinnige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung gemacht. Sobald ein Unternehmer eine kritische Größe erreicht, muß er sich an einer Gläubierorientierten Buchhaltung messen lassen. Ein Staat mit ca. 300 Mrd € (Bund) Einnahmen muß dies nicht. Oder was denkt ihr, wie Eichels Haushalt aussähe, wenn der Rückstellungen für Pensionen, Infrastruktur usw. bilden müsste.

Aber dieser Punkt zählt zur Glaubwürdigkeit. Wenn man ehrlich ist, weist man diese Risiken aus. Aber so lügt man sich selbst in die Tasche (Stichwort: Aushöhlung Stabipakt).

Die Schulden sind ein, aber nicht das Problem. Schulden sind immer abhängig von der Gesamtzielstellung. Der Bund könnte z.B. Mautsystem über Schulden finanzieren, weil zukünftige Erträge die Zinsbelastungen überkompensieren können.

Aber da man keine vernünftige Bewertung von Chancen und Risiken betreibt, macht man Schulden nur um Löcher zu stopfen. Man weiß aber nicht mal welche Löcher gestopft werden, weil man bei dieser Buchführung immer nur ein großes Loch hat.

Mir kann doch keiner erzählen, dass wenn Eichel die Budgets für Rente oder BA reduziert, er das vernünftig begründen kann. Die schieben sich doch ihre Zahlen zurecht, damit auf dem Papier was Regelkonformes rauskommt.

Für mich sind Schulden nicht Schlimmes, wenn damit ein vernünftiges Gesamtkonzept realisiert werden soll, welches das Gesamte langfristig verbessert.

Schulden zu machen um den Status quo zu halten, kann nur funktionieren, wenn man zum Status quo Überrenditen erzielt. Und das ist bei unserem Staatssystem nicht möglich.

Da ich die Dimension aus Mangel an Zahlen nicht eindeutig bewerten kann, führe ich mal für mich scheinbar sinnvolle Beispiele für Schulden an:

Umstellung des Rentensystems auf Kapitaldeckung : Schulden zur Bezahlung der bislang aufgelaufenen Ansprüche aus Umverteilungssystem und der Beamtenpensionen

Umstellung der Krankenversicherung auf ein kapitalgedecktes und Inanspruchnahmesystem (analog der Autoversicherung)

Privatisierung der Arbeitslosenversicherung: Abgeltung der bislang bestehenden Arbeitnehmeransprüche

Abfindungszahlungen für die Auslösung von Beamtenstati.

Ich denke allein diese Punkte stellen bestimmt ca. 500-1000 Mrd € Schulden dar. Führen langfristig aber zu einer Besserstellung des Systems und können neben Einsparungen bzw. Kapitalisierungen von Vermögensgegenständen über Schulden finanziert werden.

Gruß
Nobody II
Schulden - ein Problem? kiiwii
kiiwii:

malaka, was hat karlchen falsch geschrieben?

 
28.11.04 13:36
#27
(übrigens: das Buch ist nicht von mir!!)


MfG kiiwii  

Schulden - ein Problem? 1723711
Schulden - ein Problem? Hartz5
Hartz5:

Epilog

2
30.11.04 07:37
#28
Lieber Karlchen, um so den Einstieg zu finden, wo ist der Unterschied zwischen einen Bankrott (im Sinne von zahlungsunfähig) und dem Angebot einer Teilzahlung? Das Ergebnis einer Teilzahlung oder einer Nichtzahlung ist das gleiche, der Anleger verliert Geld. Die Finanzpolitik des Staates ging nicht auf.

Also ist das Schuldenmachen doch keine gute Sache? Nun diese Frage muß sich jeder selber beantworten und dabei berücksichtigen, wie die Entwicklung der BRD und unseres Lebensstandards ohne die Schulden verlaufen wären.

Meine Ansicht hierzu lautet: Ohne Schulden geht es nicht. Die Schulden sind Ausdruck unseres hohen Lebensstandards. Sie sind das zusätzliche Schmiermittel, welches unsere Gesellschaft auf hohem Niveau hält und eine Garantie für soziale Absicherung. Aber, da mache ich mir nichts vor, dieser Weg muß irgendwann zum Kollaps führen.

Wie sähe nun die optimale Zahlungsunfähigkeit aus? Wir wachen eines morgens auf, schalten den Fernseher ein und unser Finanzminister erklärt sie mit bedröppeltem Gesicht. Da ist sie nun und was ist passiert? Der Staat ist schuldenfrei und Vermögende (Vermögen = Geld was über ist (nach meiner Definition)) haben den entsprechenden Gegenwert verloren. Die klaffende Lücke zwischen arm und reich wurde zu einem grossen Teil wieder geschlossen.

Das Ganze verläuft ähnlich dem Platzen einer Blase an den Finanzmärkten. Gestern waren noch die meisten guter Hoffnung und in Feierlaune und am nächsten morgen kommt das große Erwachen.

Bei der optimalen Zahlungsunfähigkeit bleibt aber das ganze Umfeld intakt. Die Unternehmen können weiter produzieren, die Infrastruktur ist erhalten geblieben und selbst unsere Sozialsysteme sind nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Hiermit auch die Warnung an alle, die meinen unser Rentensystem müßte auf Kapitaldeckung umgestellt werden. Es wäre ggf. eine Währungsreform nötig, die aber schon vorbereitet sein könnte. Logisch, daß die Psychologie eine Rolle spielt und deshalb mein Hinweis im Eingangsposting, daß jetzt ein besonnenes Vorgehen der Politik von Nöten ist. Es wird logischerweise auch erstmal wieder dauern, bis der Staat neue Schulden machen kann. Das Vertrauen muß erst wiedergewonnen werden (siehe Aktienmärkte).

Wie sähen die Alternativen aus?
1. Wir verzichten ganz auf das Schuldenmachen. Dann würde sich das freie Kapital andere Wege suchen. Diesen kann es nur direkt in der Wirtschaft finden. Die Auswirkungen, weil es ja vermehrt sein will, alleine auf die Löhne, kann man sich vorstellen. Die Kluft zwischen arm und reich wird dann irgendwann über eine gewaltsame Revolution stattfinden (siehe Geschichte).

2. Wir doktern an dem Problem rum, also die Sternstunde der Theoretiker. Ich habe schon im Eingangsposting darauf verwiesen, welche riesige Menge an Gütern zusätzlich produziert werden müßten, um diese dann auch noch zu jetzt marktüblichen Preisen zu verkaufen (Stichworte Preisfindung durch Angebot und Nachfrage), allein um die jetzigen Schulden Deutschlands abzubauen, daß das Gelingen vollkommen unrealistisch wird. Der jetzige Schuldenstand beläuft sich schon auf über 60 Prozent vom BIP.

Erstmal bedeutet es für uns eins. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Unser Lohnniveau wird sinken, die soziale Absicherung wird spürbar geringer ausfallen und unsere ganze Infrastruktur (Straßen, Schulen, Kitas etc.) verfällt wegen der Sparbemühungen des Staates so langsam (das alles erleben wir gerade). Wenn alles gut geht, dann muß der Staat anschließend gleich wieder Schulden aufnehmen, um all die verlorenen gegangenen Dinge wieder herzustellen. Wir wollen ja schließlich in der Zukunft nicht schlechter darstehen als heute.

Wenn díes wegen der Wechselwirkungen aber nicht funktioniert, dann werden wir entweder eine gewaltige Inflation erleben, oder massive Steuererhöhungen und dabei schlichtweg verarmen (also weit unter dem Stand von heute). Bei all dem geht der Staat trotzdem pleite, nur mit dem gewaltigen Unterschied, daß auch die Grundlagen zerstört werden. Wir werden etliche Jahre mehr brauchen, um das Tal der Tränen wieder zu verlassen.

3. Wir machen eine feindliche Übernahme, um unser operatives Ergebnis so zu verbessern. Erstens will keiner Krieg und zweitens ist die BRD dazu auch militärisch garnicht mehr in der Lage.

Nun aber zum Ende:
Ich habe im Eingangsposting auch behauptet, daß wir bis auf ganz wenige Ausnahmen keine Unis brauchen. Ich will damit nicht behaupten, daß Theoretiker nicht wichtig wären. Die Überlegungen eines Einsteins sind durchaus von Nöten, auch wenn sie bis heute kaum praktische Anwendung finden. Wenn Theorie aber zur Gefahr wird, wenn sogenannte Gelehrte und Experten ihre geistigen Ergüsse nur noch zur Selbstdarstellung zu Papier bringen, wenn eine Theorie die nächste jagt und sie sich gegenseitig widersprechen, dann blicken 98 Prozent der Menschen nicht mehr durch. Dann passieren fatale Dinge, die die überforderte Mehrheit zu Fehlreaktionen verleitet und diese fehleranfälligen Ergüsse für allgemein gültig erklärt und auch noch auf die Lehrpläne setzt.

Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Kostolany, da er uns meines Erachtens nicht die Wahrheit über sich gesagt hat. Aber er hatte eine besondere Gabe, nämlich er konnte fast das ganze wichtige Wissen über Marktwitschaft und Börse auf rund 70 Seiten verständlich erklären. Auch wenn man manche seiner Spitzfindigkeiten Vordergründiges verbergen, steht fast alles Wichtige über das Funktionieren in seinen Büchern. Und damit sein Verleger was zu drucken hat und der Leser für sein Geld auch einen gewissen Umfang hat, gibts sogar noch ein paar Anekdoten dazu. Kosto hat den entsprechenden Hintergrund und Kosto war ein Fuchs.

Und ganz zum Schluß noch ein kleiner Rat von mir. Wenn man gedanklich mal wieder festsitzt, irgendwie nicht weiterkommt, dann zumindest mal genau das Gegenteil von dem durchspielen, was vordergründig vernünftig erscheint. Das löst oftmals Denkblokaden und gibt neue Ansätze, auch wenn aus meiner Erfahrung die wenigsten den Mut aufbringen, die so gewonnenen Erkenntnisse auch in die Tat umzusetzen.

Ein hoffentlich interessantes Leben weiterhin.
Schulden - ein Problem? Reila
Reila:

Hartz5,

 
30.11.04 09:38
#29
immer wieder anregend, Deine Beiträge zu lesen, denen man anmerkt, dass Du stark von Kostolany beeinflußt bist. Aber das ist ja nichts Schlechtes.
Schulden - ein Problem? Schnorrer
Schnorrer:

Optimale Zahlungsunfähigkeit.

 
30.11.04 11:59
#30
Der Begriff ist mehr als genial.


zu Posting 28: ich stimme dir voll zu, Schulden machen ist wichtig, weil es einfach zuviel Geld gibt auf der Welt. Das muss irgendwo hin, Am besten in sichere Bundesanleihen, also in Staatsschulden. Und mit dem Geld, das in den Staat fließt, kauft er sich eine Polizei, eine Armee und Gefängnisse. Richter und Gesetzgebung, Beamte und Vollzugsorgane, die den ganzen Schwachsinn, den das mit überflüssigem Geld vollgepumpte Schwein namens Kapitalismus zur Verteidigung braucht.

Die optimale Zahlungsunfähigkeit ist erreicht, wenn das Kapital alles in Sachwerte umgeschichtet hat und der letzte Proletarier aus den Grundbüchern verschwunden ist.

Was ist aber die private optimale Zahlungsunfähigkeit?

Ich denke, das nennt man heute noch fälschlicherweise "Amoklauf". Anstatt Notwehr.
Schulden - ein Problem? kiiwii
kiiwii:

Amok-Posting?

 
30.11.04 12:26
#31

MfG kiiwii  

Schulden - ein Problem? 1725775
Schulden - ein Problem? Hartz5
Hartz5:

@Reila

 
30.11.04 16:30
#32
Das ich von Kostolany stark beeinflußt bin, möchte ich entschieden zurückweisen. Dann würde ich ihn ja in den Stand eines Gurus oder Allwissenden heben und dies steht auf dieser Welt keinem zu. Aber ich gebe zu, ich habe eine große Sympathie für Menschen, die auch schwierigste Dinge allgemein verständlich erklären und anschaulich darstellen können. Etwas was in der heutigen komplexen Welt leider zur Mangelware geworden ist und auf der einen Seite zu krassen Fehlentscheidungen führt und auf der anderen Seite Scharlatanen und Verführern Tür und Tor öffnet.

@schnorrer
Geld und Gold erhitzen die Gemüter und sind doch die größte Triebfeder im Vorwärtsdrang. Der Teufel Kapital und dessen Bekämpfung hat gerade in unseren Breiten Tradition, auch wenn bisher alle Versuche weltweit kläglich gescheitert sind. Muß wohl mit den hier verankerten theoretischen Ursprüngen zu tun haben, daß diese Gedankenwelt noch so präsent ist. Fehlende Anreize, die räumliche Begrenzung und die gedankliche Beschränkung waren und sind die Folgen. Und selbst bei einer weltweiten Ausdehnung, wäre vielleicht gerade mal die räumliche Begrenzung aufgehoben. Aber Ideologie in jeglicher Form ist sicher für die ein gangbarer Weg, die eine Führung und starke Hand brauchen. Hoffentlich gewinnen sie nicht die Oberhand, dann würden sie auch gleichzeitig ihren privaten Offenbarungseid leisten.
Schulden - ein Problem? DarkKnight

Dass die USA soviele Gefängnisse gebaut hat

2
#33
hat mich schon seit langem beunruhigt (siehe Posting 30), wenn also wirklich das Kriegsrecht verhängt werden sollte, werden sie diese auch brauchen: das werden die einzig sicheren Orte sein ...loooooooooool

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