Schnabel dummdreist: "Nur vorgezogene Umsätze"

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Schnabel dummdreist:

Schnabel dummdreist: "Nur vorgezogene Umsätze"

 
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Prozessauftakt - Ein Zahlendrechsler und sein Richter
 

Das Luftschlösschen Comroad hatte fast nur auf dem Papier Erlöse. Deswegen muss man aber kein schlechtes Gewissen haben, befindet Ex-Unternehmenschef Schnabel. Es seien eben vorgezogene Umsätze.
Von Hans v. der Hagen

     

Richter Wolf-Stefan Wiegand hat kein leichtes Spiel. Der Raum ist klein, die Luft stickig, das Licht trübe, die Akustik zum Verzweifeln. Und vor ihm, im Saal B166/I des Münchner Landgerichts I, sitzen Bodo und Ingrid Schnabel.

Beide angeklagt wegen Kursbetrugs, Insidervergehens und gewerbsmäßigen Betrugs bei der Firma Comroad. Sie sollen mit Hilfe fingierter Rechnungen die Umsätze Comroads in schwindelerregende Höhen getrieben und ganz erheblich von den dadurch bedingten Kurssteigerungen der Aktien profitiert haben.

Bodo Schnabel, Ingenieur, Comroad-Gründer, zunächst Aufsichtsratsvorsitzender und später dann Vorstandschef, hat nicht vor, auf die Fragen des Richters groß zu antworten. Statt dessen verliest er eine seitenlange Erklärung.

Der Inhalt entpuppt sich als tadellos unergiebig: Wiegand muss immer wieder nachfragen, tiefer bohren und Schnabel ermahnen, zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung zu nehmen.

Der Beschuldigte, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, wirbt unverdrossen für Comroad — bei der er nach wie vor Hauptaktionär ist — beschuldigt die Staatsanwaltschaft, sich nicht einmal getroffene Abmachung gehalten zu haben, zeigt auf, dass er seiner Firma aktuell aus der „mehr als 100 Jahre alten Zelle“ kaum eine Hilfe sein könne — und daher Comroad und den Aktionären ein beträchtlicher Schaden entstehe.

Gewiss, es habe Probleme in der Buchhaltung gegeben. Dies habe auch immer wieder zu Diskussionen geführt — schon 1999 habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG den Jahresabschluss zunächst nur eingeschränkt testieren wollen.

Und ja, die von ihm verfassten Ad-hoc-Mitteilungen mit wichtigen Unternehmensnachrichten für die Börse hätten nicht die korrekten Umsatzzahlen enthalten. Keineswegs sei aber nachgewiesen, dass daraus ein Schaden entstanden sei, dass allein die Ad-hoc-Mitteilungen zu Kurssteigerungen geführt hätten: Auch an anderen Tagen sei schließlich der Kurs gestiegen.

Allein die Zukunft zählt

Die Umsätze, auch die mit der Hongkonger Gesellschaft VT Electronics Limited, scheinbar der Hauptgeschäftspartner Comroads, seien nicht frei erfunden gewesen, sondern hätten sich an den Auftragszahlen orientiert. Es seien demnach „vorgezogene Umsätze“ gewesen. Sie hätten, räumt Schnabel ein, später korrigiert werden müssen. Das sei indes nicht geschehen, in der Hoffnung, sie später durch echte Erlöse ersetzen zu können.

Er habe ein „gutes Gewissen“, „nie“ habe er die Absicht gehabt, die Aktionäre zu täuschen. Allenfalls sei er der „heiligen Dreifaltigkeit“ des Neuen Marktes erlegen. Die habe geheißen: „Zukunft, Zukunft, Zukunft“. Soll sagen: So ganz genau hat es in der Boomphase der Wachstumsfirmen keiner wissen wollen, die Banken nicht, die Aktionäre nicht und er selbst irgendwie auch nicht.

Eine Frage, vielleicht die entscheidende, steht nach Verlesung der Erklärung im Raum und Wiegand spricht sie aus, will es ganz genau wissen: „Was sind vorgezogene Umsätze?“ Schnabel blockt ab, seine Verteidiger ebenfalls: Die Erklärung des Angeklagten „soll nicht nachträglich verwässert werden“.

Wiegand mahnt Schnabel zu Vernunft, erinnert an dessen weitgehendes Geständnis im April, bringt das mögliche Strafmaß von vielen Jahren Haft ins Spiel, lockt mit einem Nachlass — und erinnert daran, dass es bei einer früheren Firma von Schnabel ebenfalls zu Unregelmäßigkeiten kam. Den Angeklagten ficht das nicht an.

„Objektiv und subjektiv richtig“

Ganz anders Ingrid Schnabel: Sie räumt in einer durch den Anwalt verlesenen Erklärung ein Verschulden ein. Die sie betreffenden Anklagepunkte der
Staatsanwaltschaft seien „objektiv und subjektiv richtig“.

Auf Geheiß ihres Mannes habe sie die falschen Rechnungen erstellt und geahnt, dass etwas nicht stimmte — es aber versäumt, ihren Mann, „dem ich vertraute“, auch nur ein einziges Mal zur Rede zu stellen. Auch als Aufsichtsratsmitglied sei sie nicht eingeschritten.

Wiegand muss wiederum nachbohren, mühsam jedes Detail ans Tageslicht fördern und Ingrid Schnabel zu Antworten herausfordern:

Ja, in der frühen Phase des Unternehmens, als Comroad noch nicht börsennotiert war, sei sie Vorstandsvorsitzende gewesen, „aber nur auf dem Papier“. Die Rechtsanwälte hätten das so empfohlen. Tatsächlich habe sie, die gelernte Bürokauffrau, meist von zu Hause aus gearbeitet, als Sachbearbeiterin.

Ja, sie sei später in den Aufsichtsrat gewechselt, sei dann aber in den Sitzungen des Gremiums stets „der Mehrheit“ gefolgt.

Nein, es habe keine Korrespondenz zwischen Comroad und der Hongkonger Firma gegeben, die darauf hätte hinweisen können, das es die VT Electronics tatsächlich gab.

So geht es weiter. Und eines ist am Ende des ersten Prozesstages klar: Die Hoffnung auf eine rasche Lösung in dem Comroad Prozess ist gestorben. Am kommenden Mittwoch, Buß- und Bettag, ist die nächste Verhandlung.
 

Quelle: http://www.sueddeutsche.de



Mein Senf dazu: In die Regierung mit dem Mann. Der belügt die anderen wie sich selbst und glaubt anscheinend auch noch felsenfest, was er sagt...



Viele Grüße

Schnabel dummdreist: Nur vorgezogene Umsätze 853575

MadChart





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