Russischer Staatskonzern Gazprom greift nach Yukos

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Russischer Staatskonzern Gazprom greift nach Yukos moya
moya:

Russischer Staatskonzern Gazprom greift nach Yukos

 
01.06.04 20:07
#1
Mit TNK-BP hat auch der zweite Erdöl-Riese Ärger mit dem Kreml - Magnaten fürchten Enteignung von Unternehmen

Moskau -  Die Pläne des Kreml, den privatisierten russischen Ölsektor unter staatliche Kontrolle zu stellen, nehmen konkrete Gestalt an. Der staatliche Erdgasmonopolist OAO Gazprom erwägt den Kauf von Vermögenswerten des größten Erdölkonzerns Yukos. "Sollten Aktiva von Yukos zu für Gazprom akzeptablen Bedingungen versteigert werden, wird die Holding an einer solchen Auktion teilnehmen", sagte Vlada Rusakowa, Chefin der strategischen Entwicklungsabteilung von Gazprom.

Gazprom, weltgrößter Erdgasproduzent, fördert rund zehn Mio. Tonnen Erdöl pro Jahr. Yukos wird 2004 rund 90 Mio. Tonnen Öl produzieren. Bis Ende des Jahres will Gazprom eine eigene Ölgesellschaft gegründet haben. Die dafür nötigen Vermögenswerte, Ölfelder wie Förderlizenzen, will der Konzern offenbar von Yukos. Die noch zu gründende Gazprom-Ölgesellschaft soll mehrheitlich vom Staat kontrolliert sein, aber auch Anteile an die Börse bringen.


Yukos steht, nachdem eine Steuernachforderung für das Jahr 2000 in Höhe von 2,8 Mrd. Euro rechtmäßig ist, vor der Insolvenz. Alle Aktiva des Konzerns sind eingefroren, weitere Steuernachforderungen für 2001 bis 2003 dürften folgen. Dazu erklärte nun noch die Appellationsinstanz des Arbitragegerichts die Übernahme des fünftgrößten russischen Ölkonzerns Sibneft durch Yukos 2003 für unrechtmäßig. Der Erwerb des Aktienpakets in Höhe von 57,5 Prozent sei nichtig.


Wird Yukos zahlungsunfähig, könnten Firmenanteile zwangsversteigert werden. Die Marktkapitalisierung von Yukos liegt gegenwärtig bei rund 18 Mrd. Euro. Der Konzern verfügt über die weltweit viertgrößten Ölreserven.


Das Vorgehen gegen Yukos sieht aus wie eine Strafaktion mit dem Ziel der Enteignung. Yukos-Besitzer Michail Chodorkowskij, politischer Gegner von Präsident Wladimir Putin, sitzt seit vergangenem Oktober in Untersuchungshaft, ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.


Dass zumindest ein Teil der Erdölbranche wieder dem Staat überlassen werden soll, bestätigte Putins Wirtschaftsberater Andrej Illarionow. "Es geht nicht um eine Rücknahme der kompletten Privatisierung", um dann einzuschränken: "Natürlich kann es sein, dass einzelne Vermögenswerte umverteilt werden."


Die hochgradig nervöse Ölbranche blickt nun auch auf die Zukunft des russisch-britischen Joint Ventures TNK-BP. So drohte Sergej Oganesjan, Chef der Föderalen Energieagentur, dem Konzern die Lizenz für Samotlor, das größte Ölfeld Russlands, zu entziehen. Eine Mrd. Tonnen Erdöl, das entspricht der russischen Ölförderung für zweieinhalb Jahre, birgt dieses sibirische Vorkommen. "Der Entwicklungsplan muss eingehalten werden. Und wenn eine Gesellschaft das nicht macht, dann muss ihr eben die Lizenz weggenommen werden", sagte der Topbeamte.


Die Nervosität wäre bei den Eignern von TNK-BP - darunter die Oligarchen Viktor Wechselberg und Michail Friedman - geringer, wenn sie nicht wüssten, dass Oganesjan keine Privatmeinung vertritt, sondern wohl mächtige Fürsprecher im Kreml hat. Das belegt auch, wenn sich nun zugleich der russische Inlandsgeheimdienst FSB für die ausländischen Topmanager von TNK-BP interessiert. Die Angst geht in der Rohstoffbranche um, es könnte wieder verstaatlicht werden, was Mitte der neunziger Jahre einigen wenigen zu Gute kam. "Loans-for-Shares", Kredite im Tausch für Aktienpakete, hieß 1995 die Zauberformel, die aus Millionären über Nacht Milliardäre machte.

Umgerechnet 1,8 Mrd. Dollar liehen russische Oligarchen damals dem Staat. Der hinterlegte Anteile der staatlichen Rohstoffkombinate. Der Staat bediente den Kredit nicht, die Anteile fielen über fingierte Auktionen an die Oligarchen. Es waren Schnäppchen: Sibneft, heute rund 14 Mrd. Dollar wert, kostete damals 100,3 Mio. 78 Prozent der Yukos-Aktien, heute 17 Mrd. Dollar wert, waren für 309 Mio. Dollar zu kaufen. 38 Prozent an Norilsk Nickel, heute mit einer Marktkapitalisierung von 13 Mrd. Dollar, kosteten 150,1 Mio. Dollar.
Russischer Staatskonzern Gazprom greift nach Yukos Sitting Bull

Apropos Norilsk Nickel

 
#2
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