Nie zuvor waren die Steuereinnahmen in Deutschland so hoch. Die deutsche Politik muss jetzt handeln und das Land fit für die Zukunft machen. Die "Welt am Sonntag” hat einen Masterplan entworfen.
Angela Merkel ließ es an deutlichen Worten nicht fehlen. Athen müsse schleunigst "die notwendigen Anstrengungen unternehmen", ließ die Kanzlerin den griechischen Regierungschef Antonis Samaras wissen, als der am Freitag im Bundeskanzleramt vorstellig wurde. Heißt: Das malade Land im Südosten der Euro-Zone, das am Tropf nicht zuletzt des deutschen Steuerzahlers hängt, solle endlich seine Staatsfinanzen sanieren, solle endlich seine wirtschaftliche Strukturen modernisieren. "Worte müssen Taten folgen", belehrte Merkel ihren Kollegen.
Und daheim? Da sollte allein schon das Schicksal Griechenlands und anderer überschuldeter Krisenländer Mahnung genug sein, endlich für eine nachhaltige Sanierung der eigenen Staatsfinanzen zu sorgen. Da sollten schon die zwei- bis dreistelligen Milliardenlasten, die auf den deutschen Steuerzahler zukommen, wenn die Euro-Krisenländer ihre Hilfskredite nicht zurückzahlen, Grund genug sein, so rasche wie gründlich Vorsorge zu treffen.
Zumal die Gelegenheit günstiger ist denn je. Viele deutsche Unternehmen strotzen vor Kraft, sind international wettbewerbsfähig wie selten zuvor. Populistische Gruppierungen wie die Linkspartei schwächeln, sachorientierten Debatten steht eigentlich wenig im Weg.
Mehr noch: Konjunkturaufschwung und Beschäftigungsboom sorgen für sprudelnde Staatseinnahmen, im ersten Halbjahr wurde die Rekordsumme von 3,25 Milliarden Euro pro Tag kassiert; währenddessen kann Finanzminister Wolfgang Schäuble denkbar billig Schulden aufnehmen, weil internationale Investoren bereit sind, dem deutschen Fiskus Geld quasi zum Nulltarif zu leihen.
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