DJ: BÖRSEN-AUSBLICK/DAX hoch - Obwohl alles auseinander bricht
Von Michael Otto Denzin
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Auf Erholungskurs dürfte der deutsche Aktienmarkt in
der kommenden Woche gehen. Nachdem die globalen Aktienmärkte in den letzten
Tagen am Gängelband der Devisenmärkte hingen, dürfte von hier aus auch die
Entspannung ausgehen. Händler hoffen auf Interventionen aus Japan. Am
übergeordneten Bild dürfte diese kurzfristige Erholung allerdings nichts
ändern. Die überraschend gute Berichtssaison mit ihren Null-Reaktionen selbst
bei erhöhten Prognosen zeigte schon, wohin der Weg geht. Händler rechnen weiter
mit einer Fortsetzung der nervösen Marktumgebung. "Kurze Trends und schnelle
Stimmungs- und Meinungswechsel werden das Bild weiter prägen", sagte ein
Händler. Per Saldo dürfte dies noch bis zum üblichen Ende des Sommerlochs zum
US-Feiertag "Labor Day" am 6.September anhalten.
Als Quelle aller Probleme hatten Händler die immer geringere Zinsdifferenz
zwischen Dollar und Yen ausgemacht. Nachdem die US-Notenbank die Märkte mit
ihrer gesenkten Wachstumsprognose für die USA schockierte, kündigte sie erneut
Anleihenrückkäufe an, um die Zinsen noch weiter zu drücken. Die US-Zinsen
nähern sich damit japanischen Verhältnissen und ließen den Dollar einbrechen.
Den Yen trieben sie damit auf ein neues 15-Jahres-Hoch. Händler setzen nun
darauf, dass japanische Notenbank und Regierung dieser Yen-Aufwertung nicht
mehr tatenlos zusehen werden.
Schließlich zeigten sich spürbare Folgen schon bei der Abschwächung der
Auftragseingänge für den japanischen Maschinenbau. Im Juni legten sie
saisonbereinigt nur noch um magere 1,6% zu, obwohl Analysten von einem Anstieg
um 5,5% ausgegangen waren. Die erhofften Interventionen Japans dürften dann
auch den Euro-Dollar-Kurs beruhigen und die Aktienmärkte von ihren Ängsten
erlösen.
Für eine Erholung spricht auch der überbordende Pessimismus. "Am Markt ist es
kaum noch möglich, Bulle zu sein", sagte ein Händler. Die Marktteilnehmer seien
einem Kreuzfeuer schlechter Nachrichten ausgesetzt. Selbst von Seiten der
Markttechniker ist derzeit nur noch Negativ-Vokabular zu hören. So die
"Kopf-Schulter-Formation" an den US-Märkten, überall "Fehlausbrüche" und ganz
aktuell ein Weltuntergangsszenario in Form des "Hindenburg-Omens". Derart viel
Pessimismus und Panikmache ist eine gute Grundlage für eine Erholung.
Die Entspannung dürfte aber nur kurzfristiger Natur sein. Das
Auseinanderbrechen bisher vertrauter Preis-Relationen dürfte in allen
Anlageklassen und Konjunktur-Indikatoren weitergehen und an den Börsen für
kräftige Verwerfungen sorgen. Typische Beispiele sind die geringen Aufträge der
japanischen Maschinenbauer und die simultane Auftrags-Hausse der deutschen.
Daneben meldete Deutschland einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im
zweiten Quartal um 2,2%, während gleichzeitig Griechenland einen Einbruch um
3,5% erlitt.
Anleger sollten sich daher darauf einstellen, dass die Themen einer Woche in
der nächsten schon Makulatur sein können. Ebenso schnell kann die Begründung
für den Aufwärtstrend einer Aktie in der nächsten Woche für ihren Abwärtstrend
gut sein. Die Märkte dürften damit nervöser und volatiler werden, die Trends
immer kürzer. Auch die Anlagefavoriten dürften schneller wechseln, die Renditen
per Saldo geringer ausfallen.
Praktiker haben sich darauf bereits eingestellt und ihre Anlageplanung an
diese Marktumgebung angepasst. "Niedrigeres Potenzialwachstum, stärkerer
Gleichlauf der Konjunktur bei kürzeren Wirtschaftszyklen, mehr Regulierung und
langfristig höhere Risikoaversion", beschrieb der im Vorstand der Union Asset
Management Holding für das Portfoliomanagement zuständige Jens Wilhelm schon
vor Wochenseine Erwartungen.
Unter den Terminen der kommenden Woche finden sich nur wenige mit Potenzial.
Im Fokus stehen dürfte am Montag das japanische BIP zum zweiten Quartal und der
Empire State Manufacturing Index aus den USA. Am Dienstag stehen in Deutschland
die Konjunkturerwartungen mit dem ZEW-Index im Blick und die US-Baubeginne. Am
Donnerstag wird mit Spannung auf die US-Frühindikatoren und den
Philadelphia-Fed-Index gewartet. Die Berichtssaison ist hingegen fast vorbei.
Unter den Blue Chips in Europa veröffentlichen überwiegend Österreichs
Unternehmen.
-Von Michael Otto Denzin, Dow Jones Newswires; +49 (0)69-29725 218;
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August 13, 2010 10:50 ET (14:50 GMT)
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