Finger weg von Penny Stocks
19. Oktober 2011
Die Deutsche Börse räumt auf.
Gestern kündigte der Börsenbetreiber an, insgesamt 174 Aktien aus dem wenig regulierten Handelssegment Open Market, in dem viele sehr kleine Unternehmen notiert sind, rauszuwerfen.
Höhere Anforderungen
Bereits im Februar hatte die Deutsche Börse die Kriterien für eine Aufnahme in den Open Markt deutlich verschärft.
Seitdem dürfen nur noch Aktien aufgenommen werden, die einen Nennwert von mindestens 10 Cents je Aktie aufweisen und über ein Eigenkapital von 500.000 Euro verfügen. Zuvor hatte ein Grundkapital von 250.000 Euro für ein Listing ausgereicht.
174 Unternehmen fliegen raus
Insgesamt 570 Unternehmen, die zu diesem Zeitpunkt bereits im Open Market gehandelt wurden, setzte der Börsenbetreiber eine Frist bis Ende September, um die verschärften Voraussetzungen zu erfüllen.
Diejenigen, die die erforderlichen Unterlagen nicht eingereicht haben, droht nun das Delisting vom Open Market. 174 Aktien sollen am 15. November vom Kurszettel gestrichen werden.
Kleinanleger werden oft „abgezockt“
Hintergrund dieser Maßnahmen sind Kursmanipulationen, die gerade bei Penny Stocks gang und gäbe sind.
Immer wieder werden Aktienkurse durch unseriöse Börsenbriefe, Werbeanrufe oder Fax-Mitteilungen gepusht, um die Kurse nach oben zu treiben.
Dabei decken sich die Initiatoren dieser Push-Aktionen vorher mit Aktien ein, um dann Kasse zu machen, wenn die Kleinanleger mit ihren Käufen den Kurs nach oben treiben.
Die Folge: Meist fällt der Kurs anschließend wie ein Stein und die Kleinanleger, die den Empfehlungen gefolgt sind, sitzen auf hohen Verlusten.
Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Dennoch üben die „billigen“ Aktien auf Anleger oft eine besondere Faszination aus, weil die Chance einer schnellen Kursvervielfachung winkt.
Natürlich sind bei Penny Stocks schnelle Kurssprünge möglich – aber eben auch nach unten. Und unter den zahlreichen hochspekulativen Papieren, diejenigen herauszufiltern, die wirklich seriös sind und vor einem kräftigen Kurssprung stehen, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Selbst wenn keine Kursmanipulationen im Spiel sind, kann ich grundsätzlich nur vor der Investition in Penny Stocks warnen.
Wer an der Börse dauerhaft erfolgreich sein will, sollte von diesen Papieren seine Finger lassen.
Microsoft war nie ein Penny Stock
Nun könnten Kritiker einwenden, dass auch große Unternehmen vor vielen Jahren einmal als Penny Stock gestartet sind. Wenn Sie sich einen langfristigen Chart der Microsoft-Aktie anschauen, stellen Sie tatsächlich fest, dass der Kurs beim Börsengang im März 1986 bei 8 Cents notierte.
Allerdings stand der Aktienkurs damals nicht wirklich bei 8 Cents, sondern bei rund 23 Dollar.
Denn das Unternehmen führte zwischen 1987 und 2003 insgesamt 9 Aktiensplits durch, die natürlich im Chart berücksichtigt werden müssen, um den Kursverlauf nicht völlig zu verzerren.
Die Microsoft-Aktie war also niemals ein Penny Stock.
Finger weg von Penny Stocks
Deshalb meine klare Empfehlung: Finger weg von Penny Stocks. Den Chancen stehen hier unkalkulierbare Risiken gegenüber. Zudem ist gerade bei sehr kleinen Werten die Gefahr von Kursmanipulationen groß.
Wer vernünftig anlegen will, macht deshalb einen großen Bogen um die billigen Aktien. Und wer unbedingt ein Spielchen wagen möchte, ist im Casino besser aufgehoben.