FRK-Kabelkongress erfolgreich
11.11.2004
Der 7. FRK (Fachverband Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen) Kabelkongress war erfolgreich. Er fand am 09.November 2004 als Branchentreffen erneut wieder im Leipziger Globana Trade Center statt. Auch der Geschäftsführer des anderen Kabelverbandes ANGA, Peter Charissé, war anwesend.
Insgesamt hat der FRK jetzt 106 Mitglieder. Verbandschef ist der Kabelexperte Peter Labonte. Der 7. FRK Kabelkongress gab es interessant Workshops, Vorträge und Diskussionen. Alle relevanten Branchenthemen standen auf der Agenda. Abgehandelt wurden unter anderem die Themen Gema, die KDG Kartellamtsentscheidung, Kabelchancen für innovative Mittelständler, das Thema DVB-T, das Thema Kabelrecht, Digitalangebote für unabhängige Netzbetreiber, Informationen für die Wohnungswirtschaft, das Thema Lokalfernsehen und natürlich fehlten auch nicht die Themen der gesamten Technik rund um das Kabel.
Interessant war eine Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Boxenstrategie“. Das Eröffnungsreferat hielt Anett Klose-Hofmann, Geschäftsführerin des Kabelnetzbetreibers KCR in Hessen. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Heinz-Peter Labonte. An der Podiumsdiskussion nahmen teil: Peter Lepper von TechniSat, Dr.Heiko Kieser von TechnoTrend, Frau Martina Rotenbeck, Geschäftsführer von Eutelsat VisAvision GmbH, Köln, Dr.Stephan Königfeld von Decimus, einer Tochtergesellschaft von Primacom, Dr.Hans-Hennig Arnold von RTL Television sowie von der Wohnungswirtschaft Alexander Rychter (BFW) und Dr.Claus Wedemeier (GDW).
Heinz-Peter Labonte und Frau Anett Klose-Hofmann führten aus, dass man allen 15000 angeschlossenen Haushalten im KCR Netz im Dezember eine digitale Kabel-Set-Top-Box kostenlos zur Verfügung stellen wird, um in das digitale Kabelzeitalter zu starten. Wie es hieß hat man sich als Lieferant für diese Boxen für die Firma TechniSat entschieden und zwar für die neue TechniSat Kabelbox namens DIGIT MF4S. Das Gerät hat das Conax Verschlüsselungssystem an Bord und verfügt zusätzlich über einen Common Interface Slot zur Aufnahme eines CAM Moduls mittels dessen ein weiteres anderes Verschlüsselungsverfahren für die Box nutzbar gemacht werden kann. Man habe sich, so Labonte, für die TechniSat Box entschieden, weil u.a. die Belegbarkeit überzeugt hat und ebenfalls der von TechniSat zusammengestellt Programmführer (EPG) namens SIEH FERN INFO.
In der Diskussionsrunde ging es teilweise heiß her, denn verschiedene Meinungen prallten gegeneinander. Es war allen Diskussionsteilnehmern nicht verständlich, warum RTL Television und die ProSiebenSat.1 Gruppe es den Kabelnetzeignern verweigern, ihre Programme auch digital einzuspeisen. Der anwesende RTL Television Mann Dr.Hans-Henning Arnold konnte dies überzeugend darstellen, außer dass er ausführte, dass man natürlich die Befürchtung hat, im digitalen Kabelnetz Marktanteile zu verlieren. Klar ist aber, dass die digitale Kabelverweigerungshaltung der großen werbefinanzierten Veranstalter nicht durchzuhalten ist. Es ist auch absolut unlogisch. Arnold verwies immer wieder auf noch anstehende weitere Gespräche mit KDG Kabel Deutschland. Dies führte bei den anderen Podiumsdiskussionsteilnehmern zu einem absoluten Kopfschütteln, denn die KDG kann ja nicht für andere deutsche Kabelnetzbetreiber sprechen.
Bekanntlich hatte die KDG im Fusionsverfahren dem Bundeskartellamt angeboten, u.a. drei Jahre lang auf eine so genannte Grundverschlüsselung der privaten werbefinanzierten Fernsehveranstalter zu verzichten. So etwas wird natürlich kein Privat-TV-Veranstalter akzeptieren. Was passiert nach drei Jahren? RTL und Co. wollen in den Kabelnetzen auch digital frei und unverschlüsselt empfangbar sein, so wie dies ARD und ZDF für ihre Digitalpakete auch bei KDG Kabel Deutschland bekanntlich durchsetzen konnten.
Die im FRK vertretenen Kabelunternehmen haben aber niemals gesagt, dass sie RTL, SAT.1 und PRO7 etc. digital verschlüsseln wollen. Was steht einer digitalen Einspeisung also entgegen?
Über das Astra Satellitensystem werden die Privatprogramme auch nicht nur analog, sondern digital unverschlüsselt abgestrahlt. Gleiches gilt ja auch für die DVB-T Gebiete. Warum soll es nicht im Kabel gemacht werden dürfen? Wie INFOSAT aus gut unterrichteten Kreisen hörte, hat insbesondere die ProSiebenSat.1 Gruppe angekündigt, einstweilige Verfügungen an Kabelnetzbetreiber zu beantragen, die die ProSiebenSat.1 Gruppen Programme in ihren Kabelnetzen digital verbreiten. Schizophrener geht es wohl nicht mehr.
Wahrscheinlich muss zum Thema der Europäische Gerichtshof oder zumindest die Europäische Wettbewerbskommission angerufen werden. All das ist natürlich ein großes Thema für die INFOSAT Berichterstattung und wir werden dazu unseren Lesern in der INFOSAT Print-Ausgabe Januar 2005 allumfassende Informationen anbieten können.
Wie Frau Martina Rotenbeck von Eutelsat VisAvision GmbH mitteilte, baut man auf der Eutelsat Orbit-Position 8°West einen Kabelkiosk auf. Bekanntlich gibt es seit geraumer Zeit dort ein Bündel an Fremdsprachenprogrammen und seit kurzem auch ein Fernsehbouquet in deutscher Sprache. All dies so gut zusammengestellt, dass die Kabelnetzbetreiber nicht mehr umständlich und teuer demultiplexen und neumultiplexen müssen, sondern die entsprechende 8°West Transponder preiswert und elegant vom Sat-Modus QPSK auf Kabel-Modus QUAM umsetzen können. Wie zu hören war, wird das entsprechende Programmangebot für Kabelnetzbetreiber auf der Eutelsat Orbit-Posision 8°West weiter ausgebaut. Die Ausstrahlungen sind simulcrypt verschlüsselt und zwar in Cryptoworks und Conax.
Wie Infosat bereits vor einigen Tagen berichten konnte, haben sich mehrere Kabelnetzbetreiber in Deutschland für das norwegische Verschlüsselungsverfahren Conax ausgesprochen. Somit ist Conax faktisch zu einem zweiten Verschlüsselungsstandard neben Nagravision in Deutschland geworden. Der Kabelnetzbetreiber Primacom mit über einer Million angeschlossener Haushalte in Deutschland will seine Pay-Angebote Conax verschlüsseln. Gleiches werden viele FRK Mitglieder tun. Auch Eutelsat unterstützt das Conax System. Conax ist auch für neue digitale Pay-TV-Anbieter das preiswerteste und zugänglichste Verschlüsselungssystem. Mehr dazu auch in den nächsten INFOSAT Print-Ausgaben.
Wie es weiter hieß, ist die EU jetzt aufgerufen, das EU-Recht so anzupassen, dass eine Regelung geschaffen werden kann, nach der allen Kabelnetzbetreibern die parallele digitale Verbreitung von analogen Programmen gestattet wird. Frage von INFOSAT dazu: Ist eine Simulcast-Kabelverbreitung digital zu analog nicht eine ganz normale Angelegenheit, die nicht unterbunden werden kann?
Der FRK Kabelkongress war eine runde und gute Sache, was auch die Aussteller bestätigten. Parallel zum FRK Kongress gab es eine Produktausstellung, an der mehrere dutzend Anbieter von Kabelprodukten und Set-Top-Boxen teilnahmen.
Gruß Pichel