Politiker nehmen Goldschatz ins Visier

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Politiker nehmen Goldschatz ins Visier Happy End

Politiker nehmen Goldschatz ins Visier

 
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Deutschlands Goldberg droht zu wackeln. Während sich Finanzminister Eichel um den Haushalt sorgen muss, wollen Parteigenossen wie Oppositionspolitiker an den Schatz der Bundesbank: die deutschen Goldreserven im Wert von etwa 40 Milliarden Euro.
 
Berlin - Deutschlands Politiker sind im Bundestagswahlkampf. Und wo eine ruhige Hand nichts hilft, könnte der Verkauf eines enormen Goldklumpens das Haushaltsdefizit verringern und wichtige Investitionen ermöglichen.
Sechs Milliarden Euro sollen nach einer internen Berechnung des Finanzministeriums im Haushalt 2003 fehlen, hat der SPIEGEL herausgefunden. Und die Lösung dieses Problems könnte in Frankfurter Tresoren lagern: 3500 Tonnen Gold haben die Bundesbanker gehortet, damit ist Deutschland das Goldland Nummer zwei hinter den USA. 40 Milliarden Euro ist das Metall beim derzeitigen Marktpreis wert.

Ein einziger Satz ließ diesen Goldpreis vergangene Woche deutlich um fünf Dollar je Goldunze einbrechen. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir langsam etwas von unserem Gold verkaufen", hatte Bundesbank-Präsident Ernst Welteke im Nachrichtenkanal Bloomberg-TV vorsichtig angedeutet. Nach dem prompt folgenden Kurseinbruch ruderte die Bundesbank schnell zurück und verbreitete, der Verkauf der Goldreserven sei natürlich nur sehr langfristig geplant.

Dabei hatte Welteke nur ausgesprochen, was viele denken. Parteiübergreifend legen Politiker Bank und Regierung den Verkauf des Goldes nahe. Hermann Scheer, Mitglied des SPD-Bundesvorstands, schlug vor, mit dem Erlös von Gold- und Devisenreserven beschäftigungswirksame Projekte zu fördern. Und die Opposition schien wenig dagegen zu haben. Unionspolitiker Hans-Peter Repnik hielt den Verkauf gegenüber dem "Tagesspiegel" zumindest für "überlegenswert".

"Der Verkauf ist eine Schnapsidee"

Im Finanzministerium allerdings zeigten diese Überredungsversuche keine Wirkung. "Es gibt keine Überlegung, Goldreserven zu verkaufen", betonte ein Sprecher der Behörde im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Haushaltsexperte der Grünen, Oswald Metzger, formulierte seine Meinung noch deutlicher: "Der Verkauf zur Lösung der Haushaltsprobleme ist eine Schnapsidee."

Dabei wäre Deutschland nicht das erste Land, das sein Gold unter die Leute bringt: Seit der Einführung des Euro ist statt den nationalen Zentralbanken die Europäische Zentralbank mit ihren eigenen Goldreserven für die Absicherung der Währung zuständig. Und die Zentralbanken der Mitgliedstaaten versuchen sich von ihren Rücklagen zu trennen. So hatte Großbritannien schon vor drei Jahren damit begonnen, einen Teil seines Goldvermögens zu versteigern.

Doch selbst wenn Deutschland verkaufen wollte, würde das eigentlich gegen internationale Vereinbarungen verstoßen. Im September 1999 beschlossen 15 europäische Notenbanken in einem "statement on gold", bis 2004 nur zum Zeitpunkt der Unterzeichnung bereits geplante Verkäufe zu tätigen und insgesamt nicht mehr als 400 Tonnen Gold jährlich auf den Markt zu bringen. Mit dieser Abmachung sollte ein weiterer Verfall des Goldpreises verhindert werden.

Und dieses Abkommen solle auf keinen Fall gebrochen werden, sagte ein Sprecher der Bundesbank im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Oder, wie es "Die Welt" in einem internen Arbeitspapier der Bundesbank gelesen haben will: "Die Goldreserven sind kein Schatz im Garten, den man heben kann."

Wirtschaftswissenschaftler verweisen beim Goldverkauf zudem auf den psychologische Effekt. Noch im vergangenen Herbst wollte Hans Eichel auch deshalb von einem Verkauf der Reserven nichts wissen. "Einen Deubel werde ich tun", sagte er im September dem SPIEGEL, "das würde einen nationalen Aufschrei geben."

Eine Erfahrung, die bereits Eichels Vorvorgänger Theo Waigel erleben musste. Vor fünf Jahren hatte der damalige Bundesfinanzminister den Deutschen ans Gold gewollt. Der Staatsschatz sollte einfach neu bewertet werden, entsprechend des Buchgewinns sollte die Bundesbank dann zusätzliches Geld drucken. Diese selbst gedruckten Milliarden aus dem Nichts entsetzten die Nation, ein Landesbanker sprach sogar von "Goldraub". Die Folge: Waigel zuckte vorm Volkszorn zurück und ließ die Hände vom Gold.


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