Pilotfilm: Der Bösewicht und das Ultimatum.

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Pilotfilm: Der Bösewicht und das Ultimatum. Happy End

Pilotfilm: Der Bösewicht und das Ultimatum.

 
#1
Live dabei statt mittendrin - Fortsetzung folgt?

Beim Golfkrieg II im Jahr 1991 starrte die Welt gebannt auf die Bilder, die CNN-Reporter vom Rashid-Hotel in Bagdad aus filmten. Nun steht der dritte Golfkrieg vor der Tür und die Welt schaut wieder zu - im Fernsehsessel. Geschickt vorbereitet und von Medienprofis inszeniert ist das "Reality-TV" diesmal noch spannender als in der letzten Staffel. Pilotfilm: Der Bösewicht und das Ultimatum.

Als George Walker Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika um 2 Uhr Nachts unserer Zeit vor die Weltöffentlichkeit trat, um eine Rede an sein Volk, die Iraker und die Welt zu halten, war alles optimal vorbereitet. Die Beleuchtung, die Kamerapositionen - sogar seine Rede war für "Dubya"-Verhältnisse geradezu diplomatisch.

Schon beim Treffen auf den Azoren am Sonntag hatte Bush angekündigt, dass er eine geschichtsträchtige Rede zu halten gedenke. Zeit genug für die Medien, sich darauf einzurichten - ganz im Gegensatz zu seiner Rede vom vergangenen Freitag (  Nervosität allerorten). Gut vorbereitet präsentierten sich die deutschen Fernsehsender von ARD über N-TV bis hin zum ZDF. Nach einigen kurzen Einspielern noch eine Schalte zum Korrespondenten nach Washington, ein Auge stets auf das Rednerpult. Bis der Präsident kam, und dieser kam pünktlich.

Die  Rede war nicht nur ein politisch bedeutsames Ereignis: Sie konnte an allen Orten der Welt mit besseren Internetanbindungen weitestgehend live über das Internet gesehen und gehört werden. Sogar das Weiße Haus selbst stellte einen Videostream zur Verfügung. Doch nicht nur das: Als besonderen Service für irakische Freunde und solche, die es noch werden wollen, bot der amerikanische Präsident eine simultangedolmetschte Version auf arabisch, die über Radio in den gesamten Irak ausgestrahlt wurde. Saddam Hussein wird sich die Rede angehört haben, er und seine Söhne sollten binnen 48 Stunden den Irak verlassen.

"For their own safety, all foreign nationals -- including journalists and inspectors -- should leave Iraq immediately."  
 
Kürzer werden die meisten der deutschen Korrespondenten noch in Bagdad bleiben. Fast jeder Korrespondent wurde von im sicheren deutschen Studio sitzenden Moderatoren von Nachrichtensendungen mit guten Wünschen bedacht, man solle sich rechtzeitig zurückziehen. Diesmal wird es wohl keine Livereportagen aus Bagdad geben, zumindest solange es das alles überwachende irakische Informationsministerium noch gibt. Das dürfte aber maximal für ein paar Stunden des Krieges der Fall sein, es gehört zu den eindeutigen Primärzielen von Briten und Amerikanern.
 
"The terrorist threat to America and the world will be diminished the moment that Saddam Hussein is disarmed."  
 
Ziel der Fernsehsender ist es derzeit, den Spagat zwischen optimaler Berufsausübung und Sicherheit ihrer Mitarbeiter hinzulegen: 48 Stunden verbleiben, um aus Bagdad zu berichten. Mehrere Stunden braucht man, um von Bagdad aus ins sichere Amman nach Jordanien zu gelangen. Die Bilder, die der Fernsehzuschauer sehen wird, werden nur selten ungeschnitten sein. CNN will bleiben, nachdem es den Wettlauf um ein Interview mit Saddam Hussein diesmal gegen CBS verloren hat. Aber wie man seine Bilder der Weltöffentlichkeit übermitteln will, das bleibt ein Geheimnis. Chirurgische Präzision wird den Amerikanern bei ihren Bombardements anders als 1991 wohl niemand mehr abnehmen, doch das Gegenteil wird man kaum berichten können. Stattdessen wird es Bilder einer problemlos vorrückenden Front geben, von Raketenkameras, die bis kurz vor dem Ziel ihre Bilder funken, Bilder von jubelnden US-Soldaten. Wir werden fast live dabei sein - zum Glück nicht mittendrin.  


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