Per SMS in die Miesen

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Per SMS in die Miesen

 
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Per SMS in die Miesen - viele Jugendliche haben Handyschulden

Hannover (dpa) - Bunte Bilder, Klingeltöne, SMS und Spiele - das Handy ist für Jugendliche weit mehr als ein mobiles Telefon. Es ist ein Muss als Spielzeug wie als Statussymbol - und wird schnell zur Schuldenfalle. Bereits zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen in Deutschland sind verschuldet, durchschnittlich mit 1810 Euro. Das Handy steht dabei schon an Platz vier der Gründe für Kredite, nach dem Auto, Ausgehen und Kleidung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Münchner Instituts für Jugendforschung, bei der bundesweit 1228 Jugendliche nach ihren Schulden befragt wurden.

Das benötigte Geld wird vor allem von den Eltern geborgt. Diese sind es auch, die bei den Jugendlichen für deren «Handymanie» haften. «Jugendliche unter 18 Jahren können nur mit Einwilligung ihrer Eltern einen Handyvertrag abschließen», sagt Claudia Kurzbuch von der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Schuldnerberatung in Kassel. Angesichts von 2,8 Millionen verschuldeten Haushalten beruhigt das kaum. Die Folge: Immer mehr Menschen landen schon in jungen Jahren bei der Schuldnerberatung. «Vor sechs Jahren war der junge Erwachsene bei uns eine Ausnahme, heute ist er ein gewohntes Bild.»

Der Konsumgüterwirtschaft gibt Kurzbuch eine Mitschuld: «Sie versucht, die Zielgruppe der unter 25-Jährigen mit allen Mitteln anzusprechen.» Mit Erfolg: Ende vergangenen Jahres hatten einer Kölner Studie zufolge rund 82 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland ein Handy - Tendenz steigend. Fürs Telefonieren und Verschicken von Kurzmitteilungen (SMS) geben sie nach Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Würtemberg monatlich rund 72 Millionen Euro aus.

Der Kampf der Kids, um jeden Preis «dazu zu gehören», ist für die Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Margot Käßmann, der Hauptgrund für die Entwicklung: «Die Reklamewelt sagt ihnen, dass ihre Wünsche befriedigt werden müssen, um mitzuhalten.» Zum Mithalten gehört das neueste Handy mit dem lustigsten Logo. Doch das Bildchen von Garfield auf dem Display oder der aktuelle Madonna- Hit als Klingelton kosten bares Geld. Der Kauf erfolgt in der Regel über eine teure 0190-Nummer, schnell werden dem Verbraucher bis zu zehn Euro aus der Tasche gezogen.

Im Geschäft mit den Extras gebe es viele «schwarze Schafe», sagt der Sprecher des Netzbetreibers T-Mobile, Philipp Schindera. Bei seinem Unternehmen seien die Kosten aber transparent und leicht abzurufen. «Unter den säumigen Zahlern sind auch kaum Jugendliche.» Kritik an der Vermarktung weist er von sich. «Unsere Werbung spricht zwar eine breite Käuferschicht an, aber wir nehmen nicht gezielt auf die Jugendlichen Einfluss». Wie bei allen Dienstleistungen sei auch bei Handys die Verlockung groß und eine gewisse Reife Voraussetzung für die verantwortungsvolle Nutzung. «Ähnlich wie bei Kreditkarten.»

In der Prepaid-Karte sieht Schindera eine gute Möglichkeiten für Eltern, die Ausgaben ihrer Zöglinge zu kontrollieren. Auf diesen Karten ist - ähnlich wie bei der Telefonkarte - ein festes Guthaben gespeichert. Ist das aufgebraucht, kann der Handy-Besitzer nicht mehr telefonieren. Die beste Chance für Eltern, den Gebrauch zu steuern, meint auch die Sprecherin des Handyherstellers Nokia, Eva Heller. «Sie wollen oft aus Sicherheitsgründen, dass ihr Kind ein Handy hat. So behalten sie die Kontrolle.»

Damit die Schuldenfalle Handy nach Erreichen der Volljährigkeit nicht plötzlich zuschnappe, müssten die Eltern über Prepaid hinaus in die Pflicht genommen werden, fordert der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. «Sie müssen den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld vermitteln.» Das meint auch Claudia Kurzbuch von der Schuldnerberatung: «Man kann Kinder nicht einfach in die Marktwirtschaft rein rennen lassen, man muss sie ihnen erklären.»


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