Pauschalsteuer auf WM-Tickets kommt

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Pauschalsteuer auf WM-Tickets kommt

 
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on Donata Riedel

Die Finanzminister von Bund und Ländern wollen künftig die Steuern auf geschenkte Fußballtickets und die Bewirtung in den VIP-Lounges der Fußballstadien pauschal erheben. Ein entsprechender Beschluss der Finanzministerkonferenz kommt den Wünschen der acht Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft entgegen.

BERLIN. Vor allem die Unternehmen, die als Sponsoren der Fußball-WM 2006 für mehrere Millionen Euro VIP-Lounges gemietet haben, befürchten, dass ihre Imagekampagnen nach hinten los gehen könnten. Dieter Cazzonelli, Steuerabteilungsleiter der Deutschen Telekom AG, beschreibt das Problem: „Wenn wir jemanden in die VIP-Lounge einladen, müssten wir die Eintrittskarte eigentlich mit einem Warnhinweis versehen: Die Annahme dieser Karte kann Ärger mit dem Finanzamt verursachen“, sagt er. „Im Sinne einer Marketingkampagne ist das ein Problem.“

Nach geltendem Recht muss ein Mitarbeiter einer Partnerfirma der Telekom den Wert eines geschenkten WM-Tickets entweder selbst versteuern oder die Steuer von seinem Arbeitgeber zahlen lassen. Die Telekom wiederum muss Listen über die Eingeladenen führen. Für sie gilt eine WM-Karte nur dann als Betriebsausgabe, wenn in der Loge ein Geschäft abgeschlossen wurde.

Die Wirtschaftsverbände hatten vor dem Hintergrund dieser auch für das Finanzamt komplizierten Verhältnisse eine Pauschalsteuer von 25 Prozent auf den Wert von Geschenken vorgeschlagen. „Dies würde die Finanzverwaltung entlasten“, argumentierte Dietmar Gegusch, Steuerexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie.

Ganz so pauschal wollen die Finanzminister allerdings nicht vorgehen. Seit Wochen beraten sie über einen Vorschlag der Länder Hamburg, Bayern und Berlin. Der sieht vor, dass ein Unternehmen die Gesamtkosten einer VIP-Lounge pauschal aufteilen kann in 40 Prozent für Werbung, 30 Prozent für Bewirtung und 30 Prozent für Geschenke. Der Werbeanteil gilt komplett als Betriebsausgabe, der Bewirtungsanteil zu 70 Prozent. Der Geschenkanteil wiederum wäre nach diesem Vorschlag je zur Hälfte vom Unternehmen und vom Beschenkten zu versteuern – den Anteil des Beschenkten kann aber auch der Schenkende übernehmen. Er soll dann insgesamt 60 Prozent des aufgewendeten Betrages versteuern, wenn das Geschenk an Geschäftsfreunde geht. Wird ein Arbeitnehmer eingeladen, müsste der Einladende auf das Ticket eine Pauschalsteuer von 30 Prozent entrichten.

Diskutiert wird unter den Finanzministern, ob dies als Vereinfachung ausreicht. Wann die geplante Verwaltungsvorschrift fertig wird, konnte ein Sprecher des Bundesfinanzministers wegen des „komplizierten föderalen Abstimmungsprozesses“ nicht sagen. Die Wirtschaftsverbände forderten zudem, dass für alle Geschenke und Incentives Pauschalsteuern geschaffen werden.

HANDELSBLATT, Mittwoch, 10. August 2005, 10:05 Uhr


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