Noch mehr Durcheinander

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Noch mehr Durcheinander vega2000

Noch mehr Durcheinander

 
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Netzspannung soll herabgesetzt werden
Politiker drehen an der Volt-Schraube - mit ungeahnten Wirkungen in den Netzcommunities!

Die Bundesregierung hat eine neue Sparquelle ausfindig gemacht hat: Das Wirtschafts-, Umwelt-, Energie- und Kulturministerium kamen in seltener Eintracht (Niedertracht?!) zu dem Entschluss, ab 1. Mai 2003 die Netzspannung von derzeit 220 Volt auf 160 Volt abzusenken.

Keine Sorge! Dadurch - behaupten Vertreter aller Parteien - komme die deutsche Wirtschaft und ihr sagenumwobener Exportmotor keinesfalls ins Stottern. Als Gegenbeispiel führen die Experten die amerikanische New-Economy-Blase der Neunzigerjahre an: Die wurde mit der US-üblichen Netzspannung von lediglich 110 Volt aufgepumpt. Und ist die nicht trotzdem prima angeschwollen?

Für den Endverbraucher macht sich die Netzspannungssenkung nur am Rande bemerkbar: Lampen und Monitore leuchten ein wenig dunkler, CD-Player, Videorekorder und Festplatten laufen etwas langsamer, in den Diskotheken wird es leiser, Straßen-, U- und S-Bahnen zockeln gemächlicher. Deutschland erhält Gelegenheit, in aller Muße und bei Kerzenschein ähnlicher Beleuchtung die neue Langsamkeit zu entdecken.

Langsamer drehen vor allem die Kraftwerksturbinen, da sie ja nur noch 160 Volt erzeugen müssen. Entsprechend sinkt deren Bedarf an Gas, Kohle, Uran, Öl - und damit an Blut. Die Stromkürzung dürfte daher auch, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums anmerkte, zur Entschärfung des Irak-Konflikt beitragen. Zudem sorgt sie für Entspannung in den Überlandleitungen und damit für weniger Elektro-Smog. Nicht zuletzt sinkt bei 160 Volt das Risiko drastisch, einen tödlichen elektrischen Schlag aus der Steckdose zu erleiden.

Vor allem auf die teils überspannte Netzkultur wird die Netzspannungssenkung heilsam auswirken. Darauf deutet eine eigens in Auftrag gegebene Studie Heidelberger Psychologen hin. Die Forscher untersuchten das Phänomen periodisch im Netz aufflammender Aggressionen am Beispiel der als besonders streitlustig verschrieenen Münchener Sub-Community CLO (Cream of Lunatic Offense): Bei einem Feldversuch mit auf 160 Volt reduzierter Netzspannung nahm die Zahl spontaner fäkal-sexistischer Beleidigungen in den CLO-Foren signifikant ab. Zudem machte der Web-Administrator weitaus selter von der etwas abseits aufgestellten beißfesten Gummitastatur Gebrauch, in die er sonst in Chat- und sonstigen Pausen in manischem Wiederholzwang - und mit blutunterlaufenen Fäusten - den Satz "Ich liebe mich" hämmerte.

Kurzum: Die Stromkürzung ist ökonomisch, ökologisch und (sub-)kulturell eine runde Sache. Und es muss ja nicht für immer sein: Wenn die Wirtschaft, wie die sieben Weisen hinter den sieben Ideologiebergen vermuten, in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder anspringt, ließe sich die Spannung wieder schrittweise bis auf 220 Volt erhöhen.

Dass die Online-Foren dann wieder in das heute übliche Hieben und Stechen zurück fallen, gilt als unwahrscheinlich: Die Erfindung des Stuhls - wiewohl zwingend und hilfreich - konnte die evolutionäre Errungenschaft des aufrechten Ganges ja auch nicht nachhaltig rückgängig machen, sieht man einmal vom Kriechgang versessener Bürokraten ab.

Einstweilen wünschen wir fröhlichen Stuhlgang und mattklare Erleuchtung, gegebenenfalls von innen.


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