Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste

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Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste Happy End
Happy End:

Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste

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11.04.03 10:40
#1
Im Gespräch mit manager-magazin.de nennt der Kriegsforscher und Politikwissenschaftler Herfried Münkler die Gründe für den Krieg, skizziert die Zukunft der transatlantischen Beziehungen und sagt, welche Länder demnächst ins Visier von George W. Bush geraten könnte.

mm.de: Herr Münkler, haben Sie damit gerechnet, dass sich der Erfolg für die alliierten Streitkräfte so schnell einstellt?

Münkler: Meine ursprüngliche Prognose lag bei vier bis sechs Wochen bis der Krieg endgültig vorbei ist. Davon gehe ich weiter aus. Was mich verwundert hat, ist der schnelle Fall von Bagdad. Dass die Alliierten nicht in härtere Straßenkämpfe verwickelt wurden, kommt überraschend. Da habe ich mich von der Medienberichterstattung und von den Einschätzungen der so genannten Nahost-Experten täuschen lassen.

mm.de: Welche Gründe haben die Bush-Administration eigentlich zum Waffengang veranlasst? Terrorverbindungen und Massenvernichtungswaffen kommen wohl kaum als Argument in Frage. Ins Zentrum rücken immer mehr die ökonomischen Aspekte, sprich das Erdöl im Irak.

Münkler: Die Amerikaner haben sicher nicht Krieg geführt, um sich das Erdöl anzueignen und damit zu verdienen. Auch ging es nicht darum, den Ölpreis zu drücken. Dazu ist Krieg nicht das geeignete Mittel. Öl hat höchstens eine Rolle bei der Motivation gespielt, weil die US-Regierung sicherstellen wollte, dass Ölpreis und Förderquoten unter konkurrierenden Bedingungen reguliert werden, dass mithin stabile Marktbedingungen gewährleistet werden.

mm.de: Die Zusammensetzung der US-Regierung deutet daraufhin, dass eine Wahrnehmung der Interessen von amerikanischen Unternehmen keine untergeordnete Rolle bei der Entscheidung für den Krieg gespielt hat. Viele Mitglieder der Bush-Administration waren in der Erdölindustrie tätig.

Münkler: Die möglichen Interessen der US-Wirtschaft sind in diesem Fall keine handlungsleitende Direktive. Die Vergabe von Reparaturaufträgen im Irak an ein Unternehmen, bei dem der amerikanische Vize-Präsident früher Chef war, ist ein Beiprodukt. Natürlich bietet der Vorgang einen hervorragenden Nährboden für Verschwörungstheorien. Aber dafür einen Krieg zu führen und die entsprechenden politischen und militärischen Risiken einzugehen, erscheint mir nicht sehr plausibel und auf einer sehr platten Imperialismustheorie basierend.

mm.de: Was war demnach der eigentliche Grund?

Münkler: Die Amerikaner mussten ein Problem lösen, das schon seit 15 Jahren auf der Agenda ihrer Außenpolitik steht: Die zunehmende Destabilisierung der Region am Persischen Golf. Der Iran, als bis dahin wichtigster Verbündeter und Stabilitätsgarant, konnte diese Aufgabe seit der islamischen Revolution von 1979 nicht mehr erfüllen. Die Saudis waren unfähig den vakanten Posten zu übernehmen. Es war von Anfang an klar, dass auch Saddam Hussein nicht als Hauptverbündeter in Frage kam. Der Irak diente nur dazu, den expandierenden Islamismus aus dem Iran einzugrenzen. Die Amerikaner mussten immer häufiger selbst aktiv werden und somit ihre militärische Präsenz zunehmend steigern, insbesondere nach dem zweiten Golfkrieg von 1991. Die Kosten, die den USA daraus erwachsen sind, waren auf Dauer zu groß. Diese Schieflage musste beseitigt werden durch die Installation eines berechenbaren Regimes im Irak. Der aktuelle Krieg ist der Auftakt dazu.

mm.de: Wird das Land überhaupt in absehbarer Zeit zur Ruhe kommen, oder werden die USA jetzt nicht erst Recht im Nahen Osten länger gebunden sein?

Münkler: Das ist der entscheidende Punkt: Die Amerikaner müssen den relativ leicht erreichten militärischen Sieg in einen politischen Erfolg umsetzen. Da sehe ich ein sehr viel größeres Problem als im Krieg selbst. Ob das gelingt, ist nicht absehbar. Es gibt aber Bedingungen unter denen ein Erfolg zumindest wahrscheinlicher ist.

mm.de: Worauf kommt es jetzt an?

Münkler: Entscheidend ist nicht die Demokratisierung nach unseren Maßstäben, auch wenn die Bush-Administration diesen Faktor ebenfalls immer wieder anführte, um den Waffengang zu legitimieren. Dafür ist der Irak ethnisch und konfessionell zu gespalten. Vor allem fehlen die wichtigsten Träger, die Mittelschichten, die in Folge der UN-Sanktionen und der Kriege nahezu vollständig zerrieben worden sind. Es kommt darauf an, genau diese Schichten wieder aufzubauen als Basis für eine künftige Demokratisierung. Das könnte fünf bis zehn Jahre dauern.

mm.de: So lange müssten dann wohl auch die Amerikaner vor Ort bleiben.

Münkler: Nicht unbedingt. Die US-Truppen müssen kurzfristig die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und vor allem mit Wasser garantieren. Mittelfristig müssen die Alliierten verhindern, dass sich im Irak mafiose Strukturen etablieren, die eine prosperierende Wirtschaft verhindern. Ein abschreckendes Beispiel, wie es nicht sein sollte, ist Afghanistan.

mm.de: Wird die Uno bei der Stabilisierung des Irak eine Rolle spielen oder werden die Amerikaner den Prozess weitgehend allein gestalten?

Münkler: Die Uno wird wichtige Aufgaben übernehmen, allerdings behalten die Amerikaner die Zügel in der Hand. Das hat gute Gründe. Sollte das "Projekt Irak" scheitern, würden die USA nicht als alleinige Verlierer dastehen. Mittlerweile sind die Amerikaner offenbar auch bereit der Weltorganisation eine größere Rolle einzuräumen, als etwa US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ihr ursprünglich zubilligen wollte. Auch werden die Vereinigten Staaten die Lasten des Aufbauprozesses nicht alleine tragen wollen.

mm.de: Die Amerikaner haben sich im Rahmen ihrer Irak-Politik weit von den bisherigen Verbündeten Deutschland und Frankreich entfernt. Werden sich die transatlantischen Beziehungen nach dem Ende der Kampfhandlungen wieder normalisieren?

Münkler: Die Normalisierung ist bereits zu beobachten. Ein derartig enges Verhältnis zwischen Europa und Amerika, wie wir es aus der Zeit des Kalten Krieges und darüber hinaus kennen, ist jedoch Vergangenheit. Der jetzige Krieg gegen den Irak ist dafür aber nicht die Ursache, sondern der Anlass zur Neudefinition. Für die Amerikaner sind zunehmend weder Uno noch Nato geeignete Instrumente zur Wahrnehmung ihrer Interessen, an die sie sich binden wollen. Was das transatlantische Bündnis über Jahrzehnte zusammengehalten hat, nämlich die Sowjetunion, ist nicht mehr vorhanden. Damit fehlen auch die bis dahin wirksamen Kohäsionskräfte. Dieses Auseinanderdriften wird derzeit nur besonders deutlich.

Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste


mm.de: Wie beurteilen Sie die Möglichkeit weiterer "Befreiungskriege" durch die Amerikaner. Iran und Nordkorea gehören bekanntlich ebenfalls zur "Achse des Bösen" auf der auch der Irak lag. Ist nach dem Krieg vor dem Krieg?

Münkler: Grundsätzlich, Ja. Der schnelle Erfolg im Krieg gegen den Irak hat den Amerikanern gezeigt, dass Krieg als kurzfristiger Problemlöser ein brauchbares Mittel der Außenpolitik ist. Anders als das Vietnam-Desaster, nach dem die Amerikaner ihre Interventionspolitik im großen Stil über Jahrzehnte einfroren, bestätigt der Sieg im Irak also die US-Regierung in ihrem Tun. Allerdings war die Kriegs-Argumentation der Amerikaner ein fatales Signal für andere Kandidaten auf der Terrorliste.

mm.de: Warum?

Münkler: Am Ende spielte es keine Rolle, ob der Irak Massenvernichtungswaffen besaß oder nicht. Er wurde dennoch attackiert. Für die restlichen Staaten, die sich noch im Visier der Bush-Administration befinden, heißt das: "Es ist egal, ob wir Atombomben haben oder nicht. Wir werden sowieso angegriffen." Also werden sie sich welche besorgen. Mehr noch: Wenn diese Länder dann Kernwaffen haben, ist die Abschreckung so groß, dass die USA eher zur Appeasement-Politik neigen.

mm.de: Wie im Falle Nordkorea.

Münkler: Genau. Was die Vereinigten Staaten hier machen, gleicht der Politik, die der britische Premier Arthur Neville Chamberlain in den Jahren 1938 und 1939 gegenüber Adolf Hitler versuchte. Das nordkoreanische Regime hat sich Unverschämtheiten erlauben können, die in keiner Weise mit der Politik Saddam Husseins zu vergleichen sind. Dennoch halten sich die Amerikaner sehr zurück. Das beobachten natürlich auch weitere bedrohte Länder und könnten die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen für die eigene Bewaffnung mit Kernwaffen.

mm.de: Die Amerikaner fassen andere Staaten weniger sanft an. Der Iran gerät immer mehr in die Kritik. Auch Syrien liegt seit neuesten offenbar auf der Achse des Bösen.

Münkler: Ich glaube nicht, dass der Iran mit einem Angriff durch das US-Militär rechnen muss. Die USA werden weiter politischen Druck ausüben, um die Unterstützung von Terrorgruppen zurückzudrängen. Damit könnte der Weg freigemacht werden für eine Neuauflage des Friedensprozesses in Israel, der die Spannung aus der Region nehmen würde. Da sehe ich gute Chancen auf einen Erfolg. Einen Krieg gegen den Iran halte ich jedoch trotz der Bemühung des Landes, ein Atomprogramm aufzubauen, für unwahrscheinlich. Den Planern in Washington dürfte klar sein, dass ein Waffengang gegen die Mullahs unter völlig anderen Bedingungen ablaufen würde als im Irak, zumal die Bereitschaft der Menschen dort, ihre Ordnung zu verteidigen, sehr viel höher ist. Syrien dagegen könnte zum militärischen Ziel werden. Das hängt aber maßgeblich von der weiteren Politik der dortigen Regierung ab und in wie weit sie ihre Unterstützung von Terrorgruppen zurückfährt.

mm.de: In welchen Regionen ist eine bewaffnetes Eingreifen der USA in absehbarer Zeit ebenfalls wahrscheinlich?

Münkler: Die Gebiete, aus denen der Terror eigentlich kommt, könnten erneut in den Fokus geraten. Also Afghanistan, aber vor allem Pakistan. Die Stabilisierung Pakistans ist derzeit wohl die wichtigste Aufgabe für einen Weltpolizisten. Viel wird davon abhängen, ob sich die jetzige Militärregierung unter General Pervez Musharraf dort halten kann. Sollte das nicht der Fall sein, haben die Amerikaner ein gewaltiges Problem. Bedenken Sie: Pakistan verfügt bereits über Atomwaffen.

mm.de: Kann Amerika für weitere Interventionen überhaupt noch Verbündete rekrutieren oder überhebt sich die Supermacht?

Münkler: Ich halte letzteres für wahrscheinlich. Dass die Briten überhaupt im Irak dabei waren, hängt mit ihrer historischen Bindung in der Region zusammen, die sie lange Zeit selbst kontrollierten. Schon für eine Beteiligung an einem Angriff auf Syrien sehe ich bei den Briten keine Grundlage. Zudem dürfte die innere Opposition, mit der etwa Tony Blair oder der Spanier Jose Maria Aznar Erfahrung haben machen müssen, ein guter Grund sein, sich eine Kriegsbeteiligung sehr genau zu überlegen. Innere Probleme kommen auch auf die Bush-Administration zu, wenn sie sich für einen weiteren Waffengang entscheiden sollte. Die rasant ansteigende Neuverschuldung, deren Folgen für die Kapitalmärkte und die sinkende Bereitschaft der US-Bürger, die Kriegskosten ihrer Regierung zu bezahlen, könnten zum Problem werden. Bush dürfte die Gratwanderung sehr bewusst sein. Schließlich wurde sein Vater abgewählt, weil er die Wirtschaft nicht auf Touren bringen konnte. Und das, obwohl er zuvor erfolgreich Krieg gegen Saddam Hussein geführt hatte.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste DarkKnight
DarkKnight:

Feiner Beitrag, danke HE.

 
11.04.03 10:49
#2
Das Erschreckende ist die kalte Logik, der zwingende Mechanismus, der scheinbar nicht zu stoppen ist.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste 54reab
54reab:

bin mit dieser analyse

 
11.04.03 11:00
#3
weitgehends einverstanden. wenn syrien den terrorismus aktiv bekämpft wird es sobald nichts zu befürchten haben.

ein aspekt kommt meiner meinung nach zu kurz. was bedeutet es für die nachbarn des iraks, wenn es dort gelingt einigermaßen rechtstaatliche und freiheitliche strukturen zu schaffen? sagen wir in etwa vergleichbar mit der türkei. das wäre eine totale katastrophe für syrien, jordanien und saudi-arabien.

saudi-arabien ist meiner meinung nach der schlimmste kandidat in der region. die fundamentalistischen wahabiten sorgen mit ihrer finanziellen unterstützung respektive druck für die grundlagen des weltweiten islamischen fundamentalismus und damit für den terrorismus. ein niedrigerer ölpreis könnte an dieser front veränderungen schaffen.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste DarkKnight
DarkKnight:

es wundert mich überhaupt, daß sich die Saudis

 
11.04.03 11:05
#4
noch in der Staatsform halten können, wie sie aktuell existieren. Das ist m. W. der größte Polizeistaat der Welt, nach Nord-Korea. Aber vielleicht hat es ein Regime geschafft, sich in Jahrzehnten eine neue Generation von Menschen heranzuzüchten, die diesen Fundamentalismus mittragen. Wie in Nord-Korea.

In einem muß ich Dir zustimmen: nach allem, was ich aus dem Nahen Osten gesehen habe, kann ich nur einige Bekannte zitieren: Demokratie, was ist das und wozu? Das braucht keiner dort.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste lutzhutzlefutz
lutzhutzlefutz:

Klar braucht das keiner!

 
11.04.03 11:17
#5
Weil diejenigen, die sie brauchen, den Mund nicht aufmachen dürfen; die Frauen!
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste DarkKnight
DarkKnight:

@lutz: interessant, bin mir aber nicht sicher. o. T.

 
11.04.03 11:25
#6
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste clip
clip:

hab ihr noch keine USA-Flagge im garten

 
11.04.03 11:35
#8
seit gestern hab ich die ferrari-flagge runtergenommen und die USA-Flagge aufgehängt. sie ist weit nun über den Hang sichtbar. wenn die amis am golf genug haben und sie dann endlich in D einmarschieren, um uns zu befreien, dann hoffe ich dass sie mich als pro amerikanischen freund erkennen. *ggg


Wer kriecht, kann nicht stolpern.

 

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Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste 1004216

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Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste 54reab
54reab:

ich hoffe, dass demokratische

 
11.04.03 11:41
#9
entwicklungen auch in arabischen ländern möglich sind. wenn nicht, wird es wirklich zu einem kulturkampf kommen, der in langandauernde kriegerrische auseinandersetzungen mündet. ich würde die weitere entwicklung im irak nicht nur negativ sehen. auch der oman ist auf dem langen marsch in die zivilisation. kann der dortige emir seine zivilisationsbemühungen noch weitere 10 jahre erfolgreich weiterführen, wird der oman wohl die erste hochstehende arabische demokratie werden.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste DarkKnight
DarkKnight:

@clip: komisch, meine US-Nachbarn haben

 
11.04.03 11:48
#10
nach 10 Jahren die Stars and Stripes abgehängt und ne Deutschlandflagge auf dem Balkon stehen.

Very sympathisch.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste Sitting Bull
Sitting Bull:

Die Verbündeten

 
11.04.03 12:09
#11
der Amis im Nahen Osten sind auch keine Demokratien. In Kuweit, Bahrein, Pakistan, SA etc. herrschen Feudalherren. Es gibt - wenn überhaupt - Scheinparlamente, Gesetze werden vom Feudalherren erlassen. Frauen besitzen kein Wahlrecht. Jede andere Religionsausübung wird unterdrückt. Warum räumen die Amis nicht bei ihren Freunden auf, wenn sie die Demokratie so hoch hängen. M.E. gibt es in den USA eine subtile Oligarchie, demokratische Strukturen werden dadurch kontinuierlich unterminiert. Es ist schon nicht einfach. Einerseits mag man die Amis, auf der anderen Seite kotzen sie einen mit ihrer Arroganz an.
Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste clip
clip:

darkknight ich hab sicherheitshalber

 
11.04.03 12:26
#12
5 USA-Flaggen gekauft, könnte dir noch eine zu nem top-preis anbieten.....überlegs dir nicht zu lange *ggg

 

Wer hier Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste 1004339

Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste Peet
Peet:

Tony Blair: Bei EU-Verhandlungen abseits

 
11.04.03 16:23
#13
EU-VERTEIDIGUNGSPOLITIK

Blair will draußen bleiben

Geht es um Wehrpolitik, bleibt Großbritannien in Europa eine Insel: Die britische Regierung lehnte die Teilnahme am "Vierer-Gipfel" in Brüssel ab, bei dem Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg über die Europäische Verteidigungs-Union beraten wollen.

Berlin - Regierungskreise in Berlin erklärten, dass Vertreter Großbritanniens nicht an den Gesprächen, die am 29. April stattfinden sollen, teilnehmen werden. Gleichwohl sollen bei den Beratungen der Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs die Interessen der Briten berücksichtigt werden.
Auch beim Dreier-Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin am Freitag und Samstag in St. Petersburg wird der britische Premierminister Tony Blair nicht zugegen sein. Blair hatte nach Angaben der Bundesregierung Putins Einladung aus Termingründen abgelehnt.

"Avantgarde" für Verteidigungsunion

Beim europäischen "Vierer-Gipfel" in Brüssel sollen auch der Beauftragte für die EU-Außenpolitik, Javier Solana, und die griechische Präsidentschaft anwesend sein, erklärten Regierungskreise in Berlin. Am Montag nach dem Treffen sollten die Ergebnisse umgehend in den Außenministerrat und damit in den EU-Konsultationsprozess eingebracht werden. Ziel seien "kraftvolle Schritte" auf dem Weg zur Europäischen Verteidigungspolitik, und die könnten am besten mit einer kleineren Gruppe, einer "Avantgarde", vorgegeben werden.

Umstritten sei derzeit einer der wesentlichen Punkte, die von der britischen Regierung angeregte "Fähigkeitsagentur". Sie soll den militärischen Bedarf ermitteln, aber auch Strukturen entwickeln bis zur Bereitstellung der entsprechenden Fähigkeiten durch Rüstungsprojekte. Weitere konkrete Projekte könnten eine intensivere Koordination der Lufttransportfähigkeiten und gemeinsame Ausbildung sein, etwa für Panzerverbände oder Piloten.

Kraftvolle EU notfalls auch gegen Nato-Widerstand

Konkrete Schritte im Kreis der 15 bisherigen oder gar der 25 künftigen EU-Mitglieder zu beraten, sei "eine Alternative, die wir nach den Erfahrungen im Irak-Krieg nicht mehr für angesagt halten", hieß es in deutschen Regierungskreisen. "Wir wollen die EU handlungsfähig machen auch für den Fall, dass die Nato sagt, wir wollen das nicht", hieß es.

Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass es "kein Abkoppeln" und "keine unnötigen Duplizierungen" gebe. Die Erfahrung, etwa aus dem Schengen-Prozess und bei der Euro-Einführung, habe gezeigt, dass es in der Entwicklung der Europäischen Union nicht ungewöhnlich sei, dass die Briten sich später in Entwicklungen einbrächten, die andere vorgegeben hätten. Deshalb sollten Punkte, die von den Briten als unverzichtbar gehalten werden, bereits in den Vorab-Konsultationen Berücksichtigung finden. Dem diene auch das Treffen von Premierminister Tony Blair mit Bundeskanzler Gerhard Schröder am kommenden Dienstag.


Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste 1004627

bye peet

"Der Wald wäre sehr leise, wenn nur die begabtesten Vögel singen würden."

Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste BRAD PIT
BRAD PIT:

Lieber Herr Blair: Das ist der Hammer

 
11.04.03 16:32
#14
Das kann doch nur bedeuten, dass eine Allianz mit den USA eine Allianz mit Resteuropa ausschließt, oder?

Das wäre sogar noch die harmlose Variante, denn sonst könnte man denken Europa interessiert Sie überhaupt nicht mehr.


Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste stiller teilhaber
stiller teilhaber:

sitting bull

 
11.04.03 17:06
#15
was heißt: 'die verbündeten im nahen osten' ?
nicht nur im nahen osten.....

Friendly Dictators
Written in 1995

U.S. State Department Policy Planning Study #23, 1948:

Our real task... is to devise a pattern of relationships which will permit us to maintain this position of disparity [U.S. military- economic supremacy]... To do so, we will have to dispense with all sentimentality and day-dreaming... We should cease to talk about vague and...unreal objectives such as human rights, the raising of the living standards, and democratization... we are going to have to deal in straight power concepts. The less we are then hampered by idealistic slogans, the better. George Kennan, Director of Policy Planning. U.S. State Department. 1948


Many of the world's most repressive dictators have been friends of America.

Tyrants, torturers, killers, and sundry dictators and corrupt puppet-presidents have been aided, supported, and rewarded handsomely for their loyalty to US interests. Traditional dictators seize control through force, while constitutional dictators hold office through voting fraud or severely restricted elections, and are frequently puppets and apologists for the military juntas which control the ballot boxes. In any case, none have been democratically elected by the majority of their people in fair and open elections.

They are democratic America's undemocratic allies. They may rise to power through bloody ClA-backed coups and rule by terror and torture. Their troops may receive training or advice from the CIA and other US agencies. US military aid and weapons sales often strengthen their armies and guarantee their hold on power. Unwavering "anti-communism" and a willingness to provide unhampered access for American business interests to exploit their countries' natural resources and cheap labor are the excuses for their repression, and the primary reason the US government supports them. They may be linked internationalIy to extreme right-wing groups such as the World Anti-Communist League, and some have had strong Nazi affiliations and have offered sanctuary to WWll Nazi war criminals.

They usually grow rich, while their countries' economies deteriorate and the majority of their people live in poverty. US tax dollars and US-backed loans have made billionaires of some, while others are international drug dealers who also collect CIA paychecks. Rarely are they called to account for their crimes. And rarely still, is the US government held responsible for supporting and protecting some of the worst human rights violators in the world.

Friendly dictators


Abacha, General Sani ----------------------------Nigeria
Amin, Idi ------------------------------------------Uganda
Banzer, Colonel Hugo ---------------------------Bolivia
Batista, Fulgencio --------------------------------Cuba
Bolkiah, Sir Hassanal ----------------------------Brunei
Botha, P.W. ---------------------------------------South Africa
Branco, General Humberto ---------------------Brazil
Cedras, Raoul -------------------------------------Haiti
Cerezo, Vinicio -----------------------------------Guatemala
Chiang Kai-Shek ---------------------------------Taiwan
Cordova, Roberto Suazo ------------------------Honduras
Christiani, Alfredo -------------------------------El Salvador
Diem, Ngo Dihn ---------------------------------Vietnam
Doe, General Samuel ----------------------------Liberia
Duvalier, Francois --------------------------------Haiti
Duvalier, Jean Claude-----------------------------Haiti
Fahd bin'Abdul-'Aziz, King ---------------------Saudi Arabia
Franco, General Francisco -----------------------Spain
Hitler, Adolf ---------------------------------------Germany
Hassan II-------------------------------------------Morocco
Marcos, Ferdinand -------------------------------Philippines
Martinez, General Maximiliano Hernandez ---El Salvador
Mobutu Sese Seko -------------------------------Zaire
Noriega, General Manuel ------------------------Panama
Ozal, Turgut --------------------------------------Turkey
Pahlevi, Shah Mohammed Reza ---------------Iran
Papadopoulos, George --------------------------Greece
Park Chung Hee ---------------------------------South Korea
Pinochet, General Augusto ---------------------Chile
Pol Pot---------------------------------------------Cambodia
Rabuka, General Sitiveni ------------------------Fiji
Montt, General Efrain Rios ---------------------Guatemala
Salassie, Halie ------------------------------------Ethiopia
Salazar, Antonio de Oliveira --------------------Portugal
Somoza, Anastasio Jr. --------------------------Nicaragua
Somoza, Anastasio, Sr. -------------------------Nicaragua
Smith, Ian ----------------------------------------Rhodesia
Stroessner, Alfredo -----------------------------Paraguay
Suharto, General ---------------------------------Indonesia
Trujillo, Rafael Leonidas -----------------------Dominican Republic
Videla, General Jorge Rafael ------------------Argentina
Zia Ul-Haq, Mohammed ----------------------Pakistan

nähere einzelheiten über die verbindungen:
www.informationclearinghouse.info/article2844.htm

Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste Peet

Angst vor Balkanisierung des Irak

 
#16
NACHKRIEGSORDNUNG

Angst vor Balkanisierung des Irak


Der militärische Sieg über den Irak scheint greifbar nahe, doch in den kommenden Monaten droht den Alliierten ein langer Abnutzungskrieg an der politischen Front. Wer den Irak künftig regieren soll, ist derzeit völlig unklar. Die Gräben verlaufen nicht nur durch das Land selbst, sondern durchziehen auch die US-Regierung.

Washington - Die Briten hatten in Basra offenbar keine glückliche Hand. Tagelang rankten sich Gerüchte um den "geheimen Scheich", den künftigen Regenten der südirakischen Großstadt von britischen Gnaden. Als Musahim Mustafa Kanan Tamimi am Freitag mit einem 30-köpfigen Rat zusammentraf, der künftig die Geschicke Basras lenken soll, brachen augenblicklich Tumulte aus.
Vor dem Haus des ehemaligen Generals und Mitglieds von Saddam Husseins Baath-Partei versammelte sich eine aufgebrachte Menge. Wenig später, berichtet die "Washington Post", flogen die ersten Steine. Dabei wollten die Briten alles richtig machen: Tamimi ist Schiite und zugleich Anführer eines großen Stammes, der hauptsächlich aus Sunniten besteht. Obwohl der 50-jährige nach eigenen Angaben der irakischen Armee und der Regierungspartei angehörte, gilt er als Gegner Saddam Husseins. Tamimis Bruder soll 1994 von der irakischen Geheimpolizei ermordet worden sein, und selbst Angehörige rivalisierender Stämme sähen in ihm einen Märtyrer im Kampf gegen den Tyrannen.

Das aber genügte den Demonstranten vor Tamimis Haus offenbar nicht: Sie verschwanden erst, als ein Geistlicher ihnen versicherte, dass es nie wieder einen Stammesführer wie Saddam Hussein an der Spitze des Irak geben werde.


Die politische Landschaft des Irak gleicht einem Wüstenboden, der nach einem Regenguss in zahlreiche Schollen ethnischer, familiärer und religiöser Zugehörigkeiten aufgeplatzt ist. Araber, Kurden, Turkmenen, Chaldäer und Assyrer bilden die ethnischen Gruppen unter den 24 Millionen Einwohnern des Landes, die wiederum in rund 150 Stämme und 2000 Clans zerfallen.

Insbesondere die Kurden, die 15 bis 20 Prozent der irakischen Bevölkerung ausmachen und von Saddam Husseins Regime brutal unterdrückt wurden, streben seit langen Jahren nach politischer Autonomie im Nordirak. Die Risse des Misstrauens verlaufen auch entlang religiöser Grenzen: Etwa zwei Drittel der Bevölkerung gehören der schiitischen Glaubensrichtung des Islam an, rund ein Drittel sind Sunniten, die in den vergangenen Jahrzehnten die Regierung dominierten und die Schiiten im Süden des Irak unter ihr Joch zwangen. Eine kleine Minderheit sind Christen.


Nach über 30 Jahren Diktatur stehen im Irak viele Rechnungen offen. Wie gefährlich der Irak für Exilanten und ehemaliger Teilhaber an Saddams Macht ist, bewies erst am Donnerstag ein tragischer Zwischenfall: Der moderate irakische Schiitenführer Abdel Madschid al-Choei kehrte nach zwölf Jahren aus dem Londoner Exil nach Nadschaf zurück, um ein versöhnliches Gespräch mit einem Anhänger Saddam Husseins zu führen. Eine aufgebrachte Menge stach beide nieder, obwohl al-Choei unter dem Schutz der USA nach Nadschaf gekommen war.

Amerikanischer Verrat ist unvergessen

Die Amerikaner haben im schwierigen politischen Fahrwasser des Irak selten geschickt manövriert und ihren Ruf unter der Bevölkerung nachhaltig geschädigt. Der Widerstand gegen die Invasion im schiitisch dominierten Südirak etwa wurde von den Alliierten drastisch unterschätzt. Zum Aufstand gegen Saddams Regime waren die Bewohner von Umm Kasr und Basra nicht bereit - der Verrat der Amerikaner von 1991 war ihnen noch in schmerzhafter Erinnerung. Nach dem Krieg hatte US-Präsident George Bush Schiiten wie Kurden zum Aufstand gegen Saddam Hussein aufgerufen - und dann tatenlos zugesehen, wie sie von den Truppen des Diktators niedergemetzelt wurden. Zudem geben viele Iraker den USA die Schuld für die jahrelangen Wirtschaftssanktionen gegen ihr Land.

Der Mangel an Vertrauen in der irakischen Bevölkerung ist nicht das einzige Problem der US-Regierung. Ihr fehlt vor allem ein Konsens über die Zukunft des Irak. Stattdessen herrscht ein offener Streit zwischen Außen- und Verteidigungsministerium, der an die Dispute zwischen "Falken" und "Tauben" in der Zeit vor des Krieges erinnert.


Im Mittelpunkt des Dissenses steht Achmed Schalabi, Chef des Irakischen Nationalkongresses (INC), einer Quasi-Exilregierung. Pentagonchef Donald Rumsfeld, sein Stellvertreter Paul Wolfowitz und Vizepräsident Dick Cheney betreiben massiv die Einsetzung Schalabis als Chef des Konsultativrats, aus dem die Interimsregierung des Irak hervorgehen soll. Außenministerium und CIA aber beäugen Rumsfelds Kandidaten mit tiefstem Misstrauen - unter anderem, weil etliche Millionen Dollar, die der Nationalkongress kassiert hatte, verschwunden sind.

Zudem, so heißt es in US-Zeitungen, seien sowohl die Geheimdienstler als auch Außenminister Colin Powell davon überzeugt, dass Schalabi schon zu lange außerhalb des Irak lebt. Für diese Einschätzung spricht nicht nur, dass der Oppositionsführer im Irak selbst weitgehend unbekannt ist. Auch die unerfüllte Prophezeiung eines Volksaufstandes gegen Saddam Hussein kurz nach dem Beginn des alliierten Angriffs wird in erster Linie Schalabi zugeschrieben.

Kontroverse in US-Regierung

Streit zwischen Rumsfeld und Powell gibt es auch über einen angeblichen Geheimplan, dem zufolge die Regierung des Nachkriegsirak aus 23 Ministerien mit US-Beamten an der Spitze bestehen soll. Das Außenministerium reagierte empört darüber, dass das Pentagon eine ganze Reihe seiner Ministerkandidaten - zumeist Ex-Diplomaten, die den Nahen Osten kennen - als "zu bürokratisch" abgelehnt hat. Ohnehin würde Außenminister Colin Powell lieber Vertreter der im Irak verbliebenen Oppositionellen und aller ethnischen Gruppen an der Spitze einer neuen Regierung sehen. Das wiederum könnte eine komplizierte Aufgabe werden: Rund 50 Oppositionsgruppen, von Monarchisten bis hin zu abtrünnigen Funktionären der Baath-Partei, Kämpfen um Macht und Einfluss im Irak.

Als wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende irakische Regierung gilt die Unterstützung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und der Kurden im Nordirak, die als einzige Oppositionsgruppe über eigene militärische Kräfte verfügen. Zum Missvergnügen der US-Regierung ist Ayatollah Mohammed Bakr al-Hakim der bei weitem populärste Schiitenführer. Der Geistliche, der 23 Jahre im iranische Exil verbrachte, ist nach Einschätzung arabischer Beobachter neben den Kurdenführern Dschalal Talabani und Massud Barsani der Oppositionsführer mit den meisten Anhängern im Irak.


In Washington ist al-Hakim alles andere als gern gesehen. Erst kürzlich hatte er die USA eindringlich vor der Einsetzung einer amerikanischen Militärregierung nach dem Sturz Saddam Husseins gewarnt. "Die Iraker müssen sich gegen diese Hegemoniebestrebungen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen", sagte der Führer des Hohen Rats für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) zuletzt in einem Interview mit der ägyptischen Zeitung "Al-Ahram Weekly".

Ein Dilemma namens al-Hakim

Al-Hakim fordert, dass die Uno die Verwaltung des Irak übernimmt. Die US-Regierung aber stellte erst in den vergangenen Tagen mehrfach klar, dass sie der Uno lediglich untergeordnete Aufgaben zuweisen, keinesfalls aber die Kontrolle über das Land geben würde. Eine Missachtung al-Hakims könnte die Probleme im Irak jedoch verschärfen: Eine stabile Nachkriegs-Regierung ohne Einbindung oder gar gegen den Widerstand des Ayatollahs halten arabische Beobachter für kaum denkbar.

Ob die von al-Hakim und US-Außenminister Colin Powell verlangte starke Rolle der Uno allerdings die Lösung aller irakischen Probleme wäre, hält offenbar auch Powell selbst für nicht ausgemacht. In einem solchen Fall könnten, befürchtet Powell einem Bericht der "New York Times" zufolge, plötzlich auch Staaten wie Russland, Frankreich, Syrien oder der Iran eigene Kandidaten für eine irakische Nachkriegsregierung ins Spiel bringen. So gehe in Washington mittlerweile eine veritable Horrorvision um: die Balkanisierung der irakischen Politik.


Neue Kriegskandidaten auf der Terrorliste 1004870

bye peet

"Der Wald wäre sehr leise, wenn nur die begabtesten Vögel singen würden."



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