Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands

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Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands BeMi
BeMi:

Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands

 
20.10.05 11:54
#1
manager-magazin.de, 19.10.2005, 13:13 Uhr
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/mittelstand/0,2828,380446,00.html

PERSPEKTIVE MITTELSTAND

Verteidiger des Vaterlands

Von Henrik Müller

Deutschland steckt nicht nur in einer Krise. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ändert sich viel mehr: Die Grundlagen der hiesigen Wirtschaft. Mit der Studie "Perspektive Mittelstand" zeigt manager magazin, wie die Unternehmen mit der neuen Situation umgehen.

Berlin - Deutschlands mittelständische Unternehmer geben sich ausgesprochen patriotisch. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das manager magazin und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bei mittelständischen Unternehmern in Deutschland durchgeführt haben.

© mm.de
Perspektive Mittelstand:
Mit gemischten Gefühlen blicken viele Mittelständler in die Zukunft. Je nach Branche und Firmengröße fallen die Einschätzungen höchst unterschiedlich aus.
Die Mehrheit der Befragten empfindet "eine moralische Verpflichtung, ihre erwirtschafteten Gewinne vornehmlich in Deutschland zu investieren". Ein Viertel fühlt sich "persönlich mitverantwortlich für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung am Standort Deutschland".

Entsprechend sind Betriebsverlagerungen ins Ausland nur für wenige Unternehmer ein Thema, zumal viele der befragten Firmen (Handwerk, Handel) ohnehin fast ausschließlich auf dem Heimatmarkt aktiv sind. Vier Prozent der Befragten haben bislang Wertschöpfung ins Ausland verlagert; fünf Prozent planen diesen Schritt. Allerdings sind gerade Industrieunternehmen mobil: Bereits 21 Prozent von ihnen haben Wertschöpfung ins Ausland verlagert, zehn Prozent planen dies für die Zukunft.

"Trotz aller Probleme würden viele Mittelständler nach wie vor gern in diesem Land und für dieses Land investieren. Mit einer marktwirtschaftlichen Erneuerung sollten die politisch Verantwortlichen jetzt den Weg für diese Investitionen frei machen und damit die Weichen in Richtung Aufschwung stellen", sagte der mittelständische Unternehmer Randolf Rodenstock, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und Kuratoriumsmitglied der INSM, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse am Mittwoch in Berlin.

Bislang fühlen sich 84 Prozent der Unternehmer durch die Politik behindert. 88 Prozent geben an, zuviel Bürokratie wirke sich negativ auf ihr Geschäft aus, 82 Prozent führen die Steuergesetze an, ebenfalls 82 Prozent die hohen Lohnzusatzkosten. Auf der Wunschliste an die neue Regierung, so Rodenstock, stehe deshalb Linderung in diesen Punkten ganz oben.

Weniger störend empfinden die Unternehmer das Arbeits- und Tarifrecht. Diese Themen hatten im vergangenen Wahlkampf eine große Rolle gespielt. So sieht fast die Hälfte der Befragten den Kündigungsschutz als problematisch. Nur kleine Minderheiten der Mittelständler empfinden den Einfluss von Betriebsräten und Gewerkschaften als hinderlich.

Die Flächentarifverträge hält ein Drittel der Firmenchefs für ein Hindernis. Allerdings steigt mit zunehmender Betriebsgröße die Ablehnung. Den Ausstieg aus dem System der Flächentarifverträge hat bislang nur eine verschwindend kleine Minderheit der Befragten gewagt (sechs Prozent).

Je größer, desto optimistischer

Dennoch dürften die Flächentarifverträge zunehmend unter Druck geraten: Zehn Prozent der Firmen planen, aus dem Flächentarif auszuscheren. Unter den größeren Unternehmen (Umsatz: 25 Millionen Euro und mehr) sind es sogar 20 Prozent. Auch immer mehr Handwerksbetriebe, die derzeit in besonders schlechter Verfassung sind, lösen sich vom Flächentarif: 13 Prozent sind bereits ausgestiegen, 18 Prozent haben dies vor.

© DPA
"Unsere Unternehmer haben die Handbremse angezogen, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen."
Unternehmer Rodenstock

In den Zahlen spiegelt sich die Verunsicherung des Mittelstands über die Aussichten für Deutschland wider. Eine Mehrheit von 57 Prozent betrachtet die wirtschaftliche Situation des Landes als schlecht oder sehr schlecht, nur fünf Prozent der Befragten als gut.

Besser beurteilen sie die Lage ihrer eigenen Firma, die immerhin 33 Prozent als gut bezeichnen, 22 Prozent jedoch als schlecht oder sogar sehr schlecht; die übrigen antworteten mit "teils/teils". Für die nächsten drei bis fünf Jahre sehen nur wenige Unternehmer eine Verbesserung ihrer bisherigen Lage. Bei näherer Analyse zeigt sich eine deutliche Differenzierung des Mittelstands.

Prinzipiell gilt: Je größer ein Unternehmen, desto besser die Lage und desto optimistischer die Erwartungen an die Zukunft. Während Industrieunternehmen die Lage mehrheitlich als gut oder sehr gut einschätzen (53 Prozent), aber nur zehn Prozent als schlecht oder sehr schlecht, sind bei Handwerksbetrieben nur ein Drittel (gut/sehr gut: 33 Prozent) zufrieden mit der Lage, ein Viertel steckt in Schwierigkeiten (schlecht/sehr schlecht: 26 Prozent). Das hängt insbesondere damit zusammen, ob ein Unternehmen am boomenden Exportmarkt oder am heimischen Markt aktiv ist.

"Warnzeichen nicht zu verkennen"

"Die Warnzeichen sind nicht zu verkennen", urteilte Rodenstock. "Unsere Unternehmer haben die Handbremse angezogen. Nicht, weil ihnen die Lust am Expandieren abhanden gekommen ist, sondern weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen."

Entsprechend sparen die Unternehmen auch weiter beim Personal. Zwar haben der schwierigen wirtschaftlichen Lage zum Trotz fast 70 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland bisher kein Personal abgebaut und planen dies auch nicht. Dennoch musste sich ein Fünftel von Mitarbeitern trennen, bei zehn Prozent steht dies noch bevor.

Aufgrund steigender Kosten und des starken Preisdrucks will mehr als ein Viertel der mittelständischen Unternehmen die Löhne senken, überwiegend durch Abbau der übertariflichen Leistungen. Bei 60 Prozent sind Lohnkürzungen dagegen kein Thema.

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Media Markt Analysen im Auftrag der INSM und des manager magazins Inhaber und Geschäftsführer von 373 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer 1 Million Euro Umsatz und nicht mehr als 2000 Mitarbeitern. Die Befragung fand im Juni und Juli 2005 statt.

Näheres zur Studie:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/...nd/0,2828,380446,00.html

 


Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands kiiwii
kiiwii:

Auch "Mittelstand" ist nicht gleich "Mittelstand"

 
20.10.05 12:04
#2
wie aus der Studie hervorgeht:

"Prinzipiell gilt:
Je größer ein Unternehmen, desto besser die Lage und desto optimistischer die Erwartungen an die Zukunft. Während Industrieunternehmen die Lage mehrheitlich als gut oder sehr gut einschätzen (53 Prozent), aber nur zehn Prozent als schlecht oder sehr schlecht, sind bei Handwerksbetrieben nur ein Drittel (gut/sehr gut: 33 Prozent) zufrieden mit der Lage, ein Viertel steckt in Schwierigkeiten (schlecht/sehr schlecht: 26 Prozent). Das hängt insbesondere damit zusammen, ob ein Unternehmen am boomenden Exportmarkt oder am heimischen Markt aktiv ist."


Je kleiner ein Unternehmen ist, desto weniger ist es auslandsorientiert und desto eher ist es dem Handwerk zuzurechnen und leidet demnach natürlich am stärksten unter dem Problem der Schwarzarbeit.

Das Handwerk steht - ebenso wie kleine Produktionsbetriebe, die aufgrund ihrer geringen Größe schlicht nichts ins billigere Ausland verlagern können, sich aber zusätzlich ausländischer Billigkonkurrenz erwehren müssen -  unter dem allergrößten Druck.


MfG
kiiwii
Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands BeMi
BeMi:

kiiwii,

 
20.10.05 12:10
#3
Schwarzarbeit ist aber kein neues (sog. Globalisierung)
Phänomen und würde auch noch bei Lohnnebenkosten
von Null % und Stundenlöhnen von 5 Euro bestehen.
Odda?

Grüße
B.
Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands kiiwii
kiiwii:

...dafür (besser: dagegen) gab es früher die

 
20.10.05 12:16
#4
"Stände"....;-)

btw:
Mit Schwarzarbeit hat so mancher seine unternehmerische Selbständigkeit begonnen...


MfG
kiiwii
Mittelstand, Verteidiger des Vaterlands BeMi

Vor Jahren, kiiwii,

 
#5
erzählte mir beim Bier ein selbständiger
Handwerker, daß der Leiter des städt. Steueramtes
ihn bei Arbeiten in seinem Privathaus immer
um "ohne USt" bat.
Daneben hatte der Handwerker nur Umsätze am
Existenzminimum, aber ein feudales Eigenheim.
Ob sich das durch die sog. Globalisierung wohl ändert?
*g*
Grüße
B.


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