Meister im Nichtstun

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Meister im Nichtstun ottifant
ottifant:

Meister im Nichtstun

9
19.01.06 08:25
#1
Meister im Nichtstun

Für den Polizeidienst ist er nicht geeignet. Auf Papierkram hat er keine Lust. Gegen eine Lohnreduzierung hat er geklagt. Ein chronisch dienstmüder Polizist wurde nun von einem Gericht an seine Pflichten erinnert.

 
 
Da staunt der Steuerzahler: Für 2300 Euro brutto im Monat ist ein Polizeimeister von seinen Vorgesetzten jahrelang zum Spazierengehen oder Zeitunglesen geschickt worden. Als dann ein neuer Chef kam, wurde der Beamte mit einer noch wichtigeren Aufgabe betraut: Jetzt zählt er Bettlaken und befehligt die Putzfrau.

Bernd B. (Name geändert) ist 41 Jahre alt und sieht nicht gerade aus wie ein Kammerkätzchen – eher wie ein Typ, der lieber im Freien kräftig zupackt, als sich am Schreibtisch durch Akten zu wühlen. „Papierkram ist nicht mein Ding“, sagt er über sich selbst. Und das ist auch sein berufliches Problem.

Der Mann war zehn Jahre lang Unteroffizier bei der Bundeswehr. Dann, als sein Vertrag als Zeitsoldat ausgelaufen war, wechselte er zum Bundesgrenzschutz. Heute heißt diese Truppe „Bundespolizei“ und wird beispielsweise zum Schutz von Atomtransporten, bei Demonstrationen, in der Flughafenüberwachung oder demnächst zur Sicherung der Fußball-WM eingesetzt.

Dienst „nach freiem Ermessen“

Beim Nahkampf-Training in der Ausbildung erlitt Bernd B. einen Knöchelbruch. Weil angeblich zunächst alles bestens ausgeheilt war, wurde er als Beamter auf Lebenszeit eingestellt. Erst danach habe sich herausgestellt, dass die Operation schief gelaufen sei: Seiter erleide er entsetzliche Gelenkschmerzen, könne kaum noch laufen und müsse sehr starke Cortisonmedikamente einnehmen. Manchmal schlafe er bis zu 20 Stunden am Tag, könne nicht das Haus verlassen. Deshalb sei er jetzt für den Vollzugsdienst nicht mehr geeignet.

Auf Anraten des Sozialarztes machte er monatelang Dienst „nach freiem Ermessen“. Die Chefs hätten ihn aus Mangel an geeigneten Verwendungsmöglichkeiten „und damit ich niemandem im Wege stehe“, vorzugsweise „zur Bewegungstherapie“ in die Sonne geschickt.

Zeitweilig war Bernd B. auch ins Bundespolizeipräsidium Süd in München abkommandiert. Weil sich auch dort für ihn keine sinnvolle und von ihm akzeptierte Tätigkeit finden ließ, wurde er zu seiner Einheit zurückversetzt. Alle Versuche zur Wiedereingliederung in den normalen Polizeialltag schlugen fehl.

Weil eben Büroarbeit für ihn nicht in Frage kommt, tat Bernd B. lieber so gut wie nichts. Dass er deshalb nun mit einer Disziplinarstrafe zur Pflichterfüllung gemahnt werden soll, hält er für übertrieben, zweifelt an der Fürsorglichkeit seines Dienstherrn. Sein Sold soll für zehn Monate um jeweils fünf Prozent gekürzt werden. Dagegen legte der Polizist Rechtsmittel beim Münchner Verwaltungsgericht ein. Gestern wurde der Fall verhandelt.

Zuhause bleiben und Gehalt bekommen

„Seien sie froh, dass sie beim Bund und nicht beim Freistaat Bayern sind“, sagte die Vorsitzende Richterin, Vizepräsidentin Birgit Walther. „Hier hätte man das nicht so lange schleifen lassen!“ Sie fragte den Beamten, wie er sich seine weitere Zukunft vorstelle: „Zuhause bleiben und regelmäßig das Gehalt bekommen?“

Bernd B. sagte, dass es „unbefriedigend“ sei, wenn man nur seine Zeit in Büros absitzen oder Akten umhertragen solle. Und sein Rechtsanwalt bemängelte, dass der Fall seines Mandanten jahrelang sehr locker gehandhabt worden sei. Dass dann gleich die Gehaltskürzung kam, sei „ sehr hart“. Zumal der Beamte derzeit ohne Beanstandung seine Aufgaben erfülle, möge man ihn jetzt nicht demotivieren.

„Wollen sie nicht besser den Dienst quittieren“, fragte die Vorsitzende den Kläger. Er werde doch als Beamter nicht glücklich – „und ihr Dienstherr auch nicht“. Bernd B. versicherte, darüber nachzudenken zu wollen. Das bewahrte ihn jedoch nicht vor der Abweisung seiner Klage: „Es bedarf einer Pflichtenmahnung, an die er jeden Monat denkt“, meinte die Richterin zur Begründung (Az.: M 13B DB 05.900).



Meister im Nichtstun B Ghost
B Ghost:

Wurde nachgewiesen dass er simuliert ?

 
19.01.06 08:32
#2
zumindest steht da auch

"...Seiter erleide er entsetzliche Gelenkschmerzen, könne kaum noch laufen und müsse sehr starke Cortisonmedikamente einnehmen. Manchmal schlafe er bis zu 20 Stunden am Tag, könne nicht das Haus verlassen. Deshalb sei er jetzt für den Vollzugsdienst nicht mehr geeignet..."

Wobei es durchaus auch ein Simulant sein könnte.

Voreilige Schlüsse möchte man da nicht ziehen
Meister im Nichtstun Dancer
Dancer:

...

2
19.01.06 08:36
#3
41 Jahre alt, Polizeimeister, und dann 2.300 Brutto

kein Wunder, daß der sich nicht anstrengt
Meister im Nichtstun Sahne
Sahne:

Polizeimeister ist doch in etwa

 
19.01.06 09:20
#4
so wie Gefreiter bei der BW, oder gibt es noch was niedrigeres?
Meister im Nichtstun Go2Bed
Go2Bed:

Polizeigeselle? o. T.

 
19.01.06 09:24
#5
Meister im Nichtstun gurkenfred
gurkenfred:

@sahne: neee, ich meine

 
19.01.06 09:29
#6
polizeimeister ist wie feldwebel bei der BW. besoldungsgruppe A7.
was niedrigeres gibt es (zumindest bei der polizei) nicht.

mfg
GF

Meister im Nichtstun maxperformance
maxperforma.:

10 Jahre Uffz beim Bund

 
19.01.06 09:43
#7
das weist nicht grade auf gefragte Qualifikationen hin.
Da hätte er außerhalb des Staatsdienstes Mühe 2.300 €
Brutto zu erreichen und müsste noch Sozialabgeben abführen.
Er hat's gut erwischt


gruß Maxp.
Meister im Nichtstun Depothalbierer
Depothalbierer:

wird zeit, daß der staat möglichst schnell

 
19.01.06 09:50
#8
pleite geht, damit solche wichser kein geld mehr kriegen, bis sie unter der brücke verrecken.
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Meister im Nichtstun gurkenfred
gurkenfred:

@DH: träum mal weiter...

 
19.01.06 09:54
#9
das wird nicht passieren. :-((


mfg
GF

Meister im Nichtstun Depothalbierer
Depothalbierer:

manchmal gehts schneller als man denkt.

 
19.01.06 09:56
#10
hätteste '88 ddr bürger gefragt, ob die ddr in 10 jahren wech is, hätten 95 % geantwortet: niemals !!
Meister im Nichtstun gurkenfred

hehehe, DA hast du recht.

3
#11
aber ich befürchte, daß das beharrungsvermögen des deutschen beamtentums die widerstandsfähigkeit der DDR-diktatur um ein vielfaches übertrifft...

mfg
GF



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