Mediale Kampagne: Gorleben und die Gewalt

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Mediale Kampagne: Gorleben und die Gewalt Happy End
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Mediale Kampagne: Gorleben und die Gewalt

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17.11.10 18:19
#1


Mediale Kampagne: Gorleben und die Gewalt
von Gita Datta, Stephanie Zietz

In Niedersachsen war Krieg am Wochenende. Jedenfalls ist das der Eindruck, den die Medien vermittelt haben. Prügelnde Polizisten, angezündete Räumpanzer, übel zugerichtete Demonstranten im Gleisbett. Die Castorproteste scheinen diesesmal ein nie dagewesenes Ausmaß an Gewalt angenommen zu haben. Da wir von Zapp aber wissen, wie Bilder und Berichterstattung manchmal zustande kommen, wollten wir mal genauer wissen, was im Wendland eigentlich wirklich los war.

Gorleben - seit Jahrzehnten ein Synonym für Bürgerproteste. In diesen Tagen aber ist es ein Synonym für maßlose Gewalt, zumindest in einigen Medien:

Eine n-tv-Nachrichtensprecherin: "Schlagstöcke, Pfefferspray, Wasserwerfer, Sitzblockaden, ein Polizeiauto in Flammen und auch Verletzte. Das ist die bisherige Bilanz des Castor-Transportes." (7.11.2010)
Eine Sprecherin in der RTL-Sendung Punkt 12: "Der Kampf gegen Atomkraft, er wird zum Kampf zwischen Demonstranten und der Polizei. Hier zünden linke Chaoten einen Panzerwagen an." (8.11.2010)
Ein Sprecher eines Beitrags bei Markus Lanz: "Das sogenannte Schottern, also das Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett. Die Medien sprechen von einem Bürgerkrieg im Wendland" (ZDF, 9.11.2010).

Bürgerkriegsähnliche Zustände? Umso überraschender wie der zuständige Polizeipräsident Friedrich Niehörster am Ende der Proteste Bilanz zieht: "Ich freu mich auch, dass die Bürgerinitiativen ihr Wort gehalten haben. [...] Die Auftaktdemo insgesamt war friedlich. [...] Ein bürgerliches Spektrum, völlig gewaltfrei." (n-tv)

Mit ihrem Lob der friedlichen Bürgerinitiativen aber dringt die Polizei kaum durch, denn viele Medien haben ihr Urteil längst gefällt. "Krieg um den Castor" titelt die Hamburger Morgenpost und setzt noch einen drauf: "Der Castor lässt das Wendland brennen" (8.11.2010). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung weiß gar von "Tausenden Gewalttätern" ("Schottern und Molotow-Cocktails", 8.11.2010) zu berichten. Eine Zahl, die die Polizei nicht bestätigt.

Gewaltbilder versus friedliche Proteste

Und immer die gleichen Gewaltfotos auf den Titeln, wie im Hamburger Abendblatt (8.11.2010), der Financial Times (8.11.2010) oder der Frankfurter Rundschau (8.11.2010).

Carsten Vick, Redakteur von NDR Info: "Für mich war es erschreckend, als ich das gesehen habe, weil es überhaupt nicht dem entsprach, was ich dort vor Ort erlebt habe. Ich habe stundenlang an den Gleisen verbracht, mit Leuten, die dort musiziert haben, die guter Dinge waren, die gegen eine Sache protestiert haben, die aber keine Auseinandersetzungen hatten mit der Polizei. Die hat es sicherlich gegeben, aber im Verhältnis waren die friedlichen Proteste, waren deutlich in der Überzahl." Und Nils Kicker, Reporter der ARD, meint dazu: "Es hat Gewalt gegeben, das darf man auch nicht von der Hand weisen, darüber muss man auch berichten. Aber ich denke, gemessen an dem, was an Demonstrationspotenzial da war, da ist dieser Gewaltanteil sehr, sehr gering gewesen."

Denn die Mehrzahl der Proteste war friedlich, der Protest bunt und ausdauernd - trotz niedriger Temperaturen. In vielen Medien aber wurde das Wendland zum Kriegsschauplatz.

"Bild" berichtete reißerisch über den "Castor-Irrsinn - So schlimm war es noch nie". Eine einzelne SMS, angeblich von einem Polizisten, muss herhalten für das Urteil "Im Wendland ist Bürgerkrieg" (8.11.2010). Die Polizei will sich von "Bild" nicht instrumentalisieren lassen, kritisiert die scheinheilige Masche in der ARD-Sendung Beckmann. Dort sagt Bernhard Witthaut, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen: "Ich glaube, dass das Bild in der Bild-Zeitung die Situation sehr verfälscht. Das ist nicht die Situation, die ich persönlich erlebt habe, auch nicht die Situation, die mir viele Demonstranten, aber auch viele Kolleginnen und Kollegen geschildert haben. Deswegen finde ich es auch ein bisschen verantwortungslos, was die 'Bild' da gemacht hat!" (8.11.2010).

Doch auch anderen Medien gefällt die Geschichte nur zu gut: Ein Sprecher in der RTL-Sendung Punkt 12: "Im Wendland ist Bürgerkrieg. Wir werden mit Steinen, Gas und Molotowcocktails angegriffen." (8.11.2010).

Stimmung in der Vorberichterstattung

Diesen angeblichen Krieg hatte Focus schon einen Monat zuvor beschworen. "Seit Wochen rüsten Aktivisten zur ultimativen Schlacht Gut gegen Böse (...) Die Polizei jedenfalls rechnet mit dem Schlimmsten", warnte Focus und druckte einfach ein Foto Steine werfender Globalisierungsgegner - aus dem Jahr 2007. Für Carsten Vick ist das, "solche Horrorszenarien im Vorfeld schon zu entwickeln, wenn man im Prinzip nicht genau weiß, wie diese Veranstaltungen ablaufen werden".

Aber auch Sat.1 wusste es vorher ganz genau. Ein Sprecher in der Sendung 17:30 Sat.1 Regional: "Aktionstrainings wie das in Dannenberg gibt es derzeit auch in anderen Teilen der Republik. Fest steht, dem Wendland steht ein heißer November bevor." (18.10.2010).

Der November aber wurde nicht heiß, er war sehr kalt und verlief auch im Wendland erstaunlich friedlich. Doch davon ist in der Öffentlichkeit nur wenig angekommen.

Nils Kicker: "Ich denke, eine reißerische Berichterstattung schadet letzten Endes allen, es schadet den Medien, es schadet den Demonstranten, es schadet den Leuten, die hier leben, und es schadet nicht zuletzt auch der politischen Diskussionskultur in Deutschland, weil alles auf das Thema Gewalt reduziert wird, und das ist das Wendland nicht."

Quelle: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/gorleben629.html
Mediale Kampagne: Gorleben und die Gewalt Talisker
Talisker:

Das ist langweilig

 
17.11.10 18:49
#2
Die action is einfach geiler.

Das gilt sowohl für die meisten Medien als auch für ariva.
Gruß
Talisker
Tja, kann ja so sagen, kann nichts dazu sagen, ob das sein kann, oder nicht.
Mediale Kampagne: Gorleben und die Gewalt gate4share

Klare Ansagen und dann Massnahmen!

 
#3
Also ich verstehe es nicht, dass der Staat , die Polizei sich da so vorführen lässt.
Das ist doch entgegen allein einschlägigen Vorschriften zum Demonstrationsrecht.

Wenn doch eine Demonstration aus den Fugen  gerät, dann kann doch sofort die Genehmigung entzogen werden und alle müssen sich entfernen.
Überhaupt, warum genehmigt man, direkt an den Gleisen bzw. da war die Castorbehälter ankommen, verladen werden, übrhaupt so eine Demonstration.

Mir ist es wirklich unverständlich, warum man diese "quasi-Gewalt" (passive Gewalt) überhaupt erst zugelassen hat.  

Es dürfte keiner in die Nähe der Gleise und des Castorbehälters!
Wer doch da ist, wird wegen Landfriedensbruchs verhaftet, und mit hohe Geldstrafen belegt, damit die Kosten für den Polizei einsatz reinkomen.

Besonders aufsässige lässt man solange hinter Gittern bis die Sache zu ende ist.
Und so ein Transport da, müsste doch in wenigen Stunden beendet sein.

Überhaupt warum gibt man den Zeitpunkt überhaupt bekannt?


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