Männer und ihre sensiblen Seiten

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Männer und ihre sensiblen Seiten

 
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DRAMA: Regisseur Mike Binder erzählt in "Die Liebe in mir" die Geschichte eines Zahnarztes, der am 11. September 2001 seine Familie beim Terrorangriff auf das World Trade Center verloren hat
Von HEINRICH OEHMSEN

Ein Mann kurvt auf einem Motorroller durch Manhattan. Er trägt große Kopfhörer und sieht aus wie Bob Dylan in den 60er-Jahren. Rote Ampeln ignoriert er, und auch sonst scheint der Mann von seiner Umgebung kaum etwas wahrzunehmen. Dieser verloren wirkende Rollerfahrer fällt Alan Johnson (Don Cheadle) auf. Der Zahnarzt glaubt in ihm seinen ehemaligen Studienkollegen Charlie Fineman (Adam Sandler) erkannt zu haben. Beide haben sich aus den Augen verloren, aber Johnson weiß, dass Finemans Frau und seine Kinder Todesopfer des Anschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 sind.

"Die Liebe in mir" schildert nicht wie zuletzt "Flug 93" oder "World Trade Center" den Tag der Katastrophe, sondern ihre Auswirkungen. Charlie Fineman ist von dem Verlust seiner Familie tief traumatisiert, sein Leben ist ihm entglitten. Er sitzt meistens in seiner Wohnung, daddelt mit Videospielen oder renoviert seine Küche jede Woche neu. Wenn er das Apartment verlässt, stöbert er in Secondhand-Plattenläden oder verbringt die Abende in einem Rockschuppen. Kaum jemand kennt Finemans wahre Identität und seine tragische Geschichte. Alan Johnson kann nur in sein Leben treten, weil er aus der "Zeit davor" stammt.

Nach "Punch-Drunk Love" ist "Die Liebe in mir" erst der zweite Film, in dem Adam Sandler eine ernste Rolle spielt. Aber der Komiker löst diese schwierige Aufgabe famos. Sandler spielt diesen Verrückten mit einem naiven Gesichtsausdruck, doch er kann auch die Ängste und die Trauer zeigen, die Fineman verdrängt hat. Wenn ihm etwas nicht passt, verwandelt er sich von einer Sekunde in die andere in einen pöbelnden Wüterich. Mit nuanciertem Spiel bewältigt Sandler diese Rolle, nie überzieht er, wie man es sonst aus den Komödien mit ihm kennt.

"Die Liebe in mir" ist auch die Geschichte einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft zwischen Fineman und Johnson. Normalerweise wird von Männern immer behauptet, dass sie außer den F-Themen nichts miteinander zu besprechen hätten. Hier ist es anders. Denn Johnson, von Don Cheadle wohltuend zurückhaltend gespielt, versucht ganz vorsichtig, in die verletzte Seele seines Freundes hineinzugelangen. Gleichzeitig ist dieser Freundschaftsdienst auch ein Ausbrechen aus seiner Ehe mit Janeane (Jada Pinkett Smith), die ihn einengt. Selten hat es in Hollywood einen Film gegeben, in dem Männer ihre sensiblen Seiten und ihre Verletzlichkeiten so zeigen konnten wie in "Die Liebe in mir". Was den Film für viele Kinobesucherinnen attraktiv machen könnte.

>> Die Liebe in mir USA 2007, 124 Min., ab 6 J., R: Mike Binder, D: Adam Sandler, Don Cheadle, Jada Pinkett, Liv Tyler, Donald Sutherland, Saffran Burrows; täglich im UCI Mundsburg; Internet: www.die-liebe-in-mir.de



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