Lehrer

Beiträge: 38
Zugriffe: 5.235 / Heute: 1
Lehrer Talisker
Talisker:

Lehrer

 
22.09.04 09:27
#1
Judgement Day - Tag der Abrechnung. Heute 9.30. Hier in Deutschland. Angeschnallt!


KMK kritisiert sich lieber selbst
Die Kultusminister holen sich die Deutungshoheit über die Schulen wieder zurück: Die OECD wird zur Vorstellung ihres neuesten Katastrophenberichts - diesmal über die Lehrer - erst gar nicht eingeladen
VON CHRISTIAN FÜLLER

Schade, es hätte so schön depressiv werden können. Für heute 9.30 Uhr hatten sich viele auf das gruselige Vergnügen gefreut, aus dem Munde eines OECD-Berichterstatters wieder von der deutschen Bildungsmalaise zu hören. Aber nix da, die Kultusminister haben erst mal genug, sie machen sich ihre Kritik lieber selbst. "Die Präsidentin der Kultusminister übernimmt den Part, die Lehrerstudie aus Sicht der Länder zu bewerten", sagte ein Sprecher der Kultusministerkonferenz (KMK) gestern zur taz.

Bei der OECD bestätigte man, "dass die internationalen Autoren der Studie nicht eingeladen wurden". Die ernüchternde Kritik des Chefs der Bildungsstatistik der OECD, Andreas Schleicher, von vergangener Woche hat die Kultusminister schwer geärgert. Schleicher hatte Zweifel an der Entwicklungsfähigkeit der deutschen Schule geübt - woraufhin ihm die KMK Konsequenzen angedroht hatte.

Das Problem der Kultusminister: Diesmal ist gar nicht der ungeliebte Deutsche in Paris der Autor der Lehrerkritik, sondern eine Crew internationaler Autoren. Und diese renommierten Schulexperten kommen zu einem sehr ähnlichen Ergebnis wie Schleicher: Obwohl es respektable Veränderungen in der deutschen Schule gebe, "blieben die großen strukturellen und regulatorischen Charakteristiken auf übergeordneter Ebene praktisch unverändert". Kurz gesagt: An der deutschen Schule wird viel am Detail herumgedoktert - die wesentlichen Probleme der Leistungsschwäche, Ungerechtigkeit und Bürokratisierung werden nicht angegangen.

Die Studie, die der taz vorliegt, räsoniert über Anwerbung von guten Lehrern in Deutschland und kommt zu einem erschütternden Befund. Demnach ist der deutsche Lehrerstand im internationalen Vergleich ungewöhnlich alt (2001 waren 45 Prozent der Grundschullehrer und 51 Prozent der Lehrer der unteren Sekundarstufe 50 Jahre und älter). Er verhält sich weitgehend resistent gegen Weiterbildungen und ist, wegen des Beamtstatus, durch eine extreme Immobilität gekennzeichnet.

Die OECD-Analysten, unter ihnen der Schwede Mats Ekholm und der Leiter der OECD-Abteilung Paulo Santiago, üben ausdrücklich keine Kritik am einzelnen Lehrer. Aber sie sind einigermaßen erschüttert vom allgemeinen Zustand der Berufsgruppe - etwa wegen der hohen Zahl an psychischen Erscheinungen, die sich bemerkbar machen. Ein Drittel der Lehrkräfte, heißt es mit Bezug auf entsprechende Untersuchungen, "leiden unter verschiedenen physischen, psychosomatischen und psychologischen Beschwerden, die häufig als das ,Burn-out-Syndrom' bezeichnet werden".

Im Land hat die übliche Reaktion auf Bildungsstudien eingesetzt. Die vorab informierten Bedenkenträger erklärten die Studie für nicht aussagekräftig. So etwa der Chef des deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Der Mann, dessen Dachverband vier Mitglieder zählt, bezeichnete die Machart der Studie als "äußerst windig und unseriös".

Ob diese Verteidigungsstrategie diesmal wieder erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Andere OECD-Studien fußen auf komplizierten empirischen Erhebungen und Daten, die für den Normalbürger schwer nachprüfbar sind. Diesmal reiste eine Gruppe von internationalen Evaluierern durchs Land und fand heraus, was ohnehin alle wissen.

taz Nr. 7468 vom 22.9.2004, Seite 7, 112 Zeilen (TAZ-Bericht), CHRISTIAN FÜLLER

Lehrer Talisker
Talisker:

Herr Füller hatte Recht...

 
22.09.04 10:33
#2
Ist alles gar nicht so schlimm, man ist dankbar für "Impulse". "Die Kultusministerkonferenz wird die konstruktive Kritik und die Anregungen des Expertenteams für die weiteren Beratungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern aufgreifen und in ihrer Arbeit umsetzen."
Und so sieht es die KMK in Person von Frau Staatsministerin Doris Ahnen:




OECD - Lehrerstudie erschienen
Bericht von OECD-Experten "Anwerbung, berufliche Entwicklung und Verbleib von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern (Länderbericht: Deutschland)"

Berlin, 22.09.2004, Heute wurde der Länderbericht eines OECD-Expertenteams über Situation und Perspektiven der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt. Die OECD führt seit 2002 derartige Vergleichsuntersuchungen durch. Der vorliegende Bericht wird mit den Ergebnissen von acht anderen, in gleicher Weise besuchten Mitgliedsstaaten sowie schriftlichen Berichten von 16 weiteren OECD-Mitgliedsstaaten in einer abschließenden Vergleichsstudie zusammengefasst. Ihre Veröffentlichung ist im Rahmen einer internationalen Konferenz, die die OECD zusammen mit der niederländischen Regierung am 18./19.11.2004 in Amsterdam durchführt, vorgesehen.

Mitglieder des Expertenteams waren:

   * Dr. Paulo Santiago (Leitung), Bildungsabteilung der OECD, Paris; Leiter der Expertenteams in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Baden-Württemberg,
   * Dr. Phillip McKenzie, Bildungsabteilung der OECD, Paris; Leiter des Expertenteams in Brandenburg (Teilnahme nur in Brandenburg),
   * Dr. Gábor Halász (Berichterstatter), Generaldirektor des Nationalen Instituts für öffentliche Bildung OKI, Budapest,

   * Prof. Mats Ekholm, Generaldirektor der Nationalen Bildungsagentur Schwedens/ SKOLVERKET, Stockholm,
   * Dr. Peter Matthews, Leiter der Abteilung Qualitätsprüfung in der Agentur für Bildungsstandards OFSTED, London.

Das externe Expertenteam besuchte vom 14.-26.09.2003 die Bundesrepublik Deutschland und führte dabei Gespräche in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen.
Die OECD-Experten erhielten dabei nach eigener Aussage einen vielfältigen, von großer Offenheit geprägten Einblick in die Situation der Lehrkräfte in Deutschland. Sie konnten für ihre Expertise auf einen nationalen Hintergrundbericht, einen Ergänzungstext hierzu, die Hintergrundberichte der vier besuchten Länder sowie die Stellungnahmen von Lehrerorganisationen und Elternverbänden zurückgreifen.
Der nun veröffentlichte Bericht gliedert sich im Wesentlichen in folgende Kapitel:

   * Kontext und Hauptmerkmale der Lehrerpolitik
   * Stärken der Lehrerpolitik und sich hier stellende Herausforderungen
   * Prioritäten für die weitere Konzipierung bildungspolitischer Maßnahmen.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Staatsministerin Doris Ahnen, erklärte dazu: "Der Bericht des OECD-Expertenteams greift wesentliche Faktoren der Qualifikation und der Beschäftigungssituation von Lehrkräften auf und analysiert sie in differenzierter Weise. Er liefert zahlreiche wichtige Impulse für die Reformanstrengungen in Deutschland. Die Kultusministerkonferenz wird die konstruktive Kritik und die Anregungen des Expertenteams für die weiteren Beratungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern aufgreifen und in ihrer Arbeit umsetzen."
Als Stärken des deutschen Systems sieht der Bericht den hoch entwickelten institutionellen Rahmen für Konsultationen, Teilhabe und sozialen Dialog in der Lehrerpolitik. Außerdem wird als Vorteil gesehen, dass die Verantwortlichen für den Schulbereich erheblichen Einfluss auf die Ausbildung nehmen können und damit wichtige Teile der Lehrerausbildung mit der Schulpraxis und der Entwicklung der beruflichen Laufbahnen von Lehrerinnen und Lehrern verknüpfen können.
Funktion und Stellung des Vorbereitungsdienstes als Bestandteil der Lehrerausbildung werden als positiv und einzigartig gewürdigt. Die Berichterstatter heben diesen Ausbildungsteil wie ein "Lernen im Beruf" hervor, weil darin auf die Bedürfnisse der Schulen besonders reagiert werden kann. Als vielversprechend beurteilt der Bericht die nun in einigen Bundesländern einsetzenden Arbeiten zur Entwicklung von Kerncurricula sowie zur Modularisierung in der Lehrerausbildung. Hinsichtlich der Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern wird das dabei angewandte transparente Verfahren wie auch der Trend zur Mitwirkung der Schulen gelobt. Das duale System der Berufsausbildung, aber auch die Einstellung von Seiteneinsteigern werden als Faktoren eingeschätzt, über die gute Verbindungen der Lehrerpolitik zur Wirtschaft bestehen. Hervorgehoben wird auch die Flexibilität, die Zahl der Lehrkräfte den Bedürfnissen der Schulen anpassen zu können. Genannt werden auch die konkurrenzfähigen Gehälter und die Teilzeit- bzw. Beurlaubungsmöglichkeiten, die den Lehrerberuf attraktiv machen.
Verschiedene angeführte Problembereiche sind in den Ländern durchaus bekannt und bereits Gegenstand einschlägiger Maßnahmen. Dank der Außensicht der Experten bringt der Bericht aber auch neue Anregungen, die in der weiteren Diskussion über Veränderungen im Bildungsbereich hilfreich sein können.
Für die weitere Konzeption bildungsstruktureller Maßnahmen sieht der Bericht folgende Prioritäten:
1. Die Neudefinition des Lehrerleitbildes
Die Experten halten eine Neudefinition des Lehrerleitbildes und die Entwicklung von Standards für sinnvoll, um eine verantwortungsvolle Gestaltung der Lehrerbildung auch bei den ausbildenden Institutionen zu veranlassen.
Die Kultusministerkonferenz hat sich im Jahr 2000 mit einer Definition des Lehrerleitbildes befasst und mit den Lehrerorganisationen die "Bremer Erklärung" beschlossen. Darüber hinaus hat sich eine von der Kultusministerkonferenz eingesetzte Kommission mit dem Leitbild innerhalb ihrer Arbeit zu den "Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland" (2000) befasst. Eine weitere Differenzierung des Lehrerleitbildes wird durch die "Standards für die Lehrerbildung", die zurzeit entwickelt werden, erfolgen.
2. Die Neugestaltung der Lehrererstausbildung sowie der Fort- und Weiterbildung
Im Bereich der Lehrerbildung raten die Experten zu einer angemessenen Neustrukturierung mit einer stärkeren Verzahnung von Studienanteilen und Praxisanteilen. Sie betrachten die Umsetzung des Bologna-Prozesses und damit der Bachelor/Master-Strukturen als hilfreich. Ebenso findet die erste Berufsphase Beachtung. Die Bedeutung von Fortbildung für die Weiterentwicklung von Kompetenzen wird betont.
Viele Länder sind dabei, ihre Lehrerbildung grundlegend zu reformieren. Die stärkere Verbindung von Theorie und Praxis ist dabei gemeinsames Leitmotiv. Einige Länder haben bereits strukturelle Maßnahmen zur besseren Verzahnung von Studienanteilen und Praxisanteilen ergriffen, z. B. indem sie Anteile der zweiten Phase in die Studienzeit vorziehen. Unter anderem werden auch Bachelor/Master-Studiengänge für die Lehrerbildung entwickelt. Die Kultusministerkonferenz erarbeitet dazu gemeinsame Strukturvorgaben. Auch durch die Entwicklung der "Standards für die Lehrerbildung" werden neue Impulse für die Lehrerbildung erwartet.
3. Maßnahmen zur Sicherstellung eines angemessenen Lehrkräfteangebots
Das Expertenteam rät, Engpässe bei der Lehrerversorgung künftig durch eine planvolle Einstellungspolitik zu verhindern.
Die Kultusministerinnen und -minister versuchen, eine planvolle Lehrerversorgung sicherzustellen. Wie der Bericht des OECD-Expertenteams heraushebt, liegt einer der Vorteile des deutschen Systems in seiner Flexibilität, auf Engpässe mit Pools von Vertretungslehrern, der befristeten Einstellung von Ersatzlehrern oder der Einstellung von "Seiteneinsteigern" reagieren zu können.
4. Die Entwicklung der Karriere und Anreizstruktur für Lehrkräfte
Leistung, Verantwortung, Sonderaufgaben und konkrete Arbeitsbedingungen sowie andere Faktoren sollten auch bei der Vergütung stärker berücksichtigt werden.
Schon bisher sind den Schulen Stundenpools zur Verfügung gestellt worden, um Zusatzaufgaben von Lehrkräften mit Deputatsstunden abzudecken. Weitere leistungsrelevante Elemente wurden bereits von einigen Ländern eingeführt. Wie weit ergänzende Vorschläge des Expertenteams bei den Aufstiegsmöglichkeiten für Lehrkräfte Berücksichtigung finden könnten, ist bei den weiteren Reformüberlegungen zu prüfen.
5. Die Stärkung von Evaluation und Rechenschaftslegung
Schulen und Lehrkräfte sollten zur Sicherung der Unterrichtsqualität intern und extern evaluiert werden. Dazu stellen die Experten Überlegungen an, die vorsehen, eine regelmäßige Überprüfung der Befähigung (alle 5-7 Jahre) vorzunehmen. Zur Durchführung dieser Maßnahmen halten sie eine Lehrertätigkeit mit Zeitverträgen für sinnvoll, deren Verlängerung von dem Ergebnis der jeweiligen Überprüfung abhängt.
Dieser Vorschlag zielt im Kern auf die Abschaffung des Beamtenstatus bzw. des Bundesangestelltentarifes für Lehrkräfte. Der Bericht des OECD-Expertenteams benennt andererseits die Anstellungssicherheit durch den Beamtenstatus als ein wesentliches Attraktivitätsmerkmal des Lehrerberufes. Die Idee einer Stärkung von Evaluation und Rechenschaftslegung wird befürwortet; sie ist bereits Bestandteil der Reformansätze in einer Reihe von Bundesländern.
6. Die Modernisierung von "Governance" und Management
Die Eigenständigkeit von Schulen und die Ausbildung von Schulleiterinnen und Schulleitern wird als wichtiger Faktor für eine positive Entwicklung des Schulwesens benannt. Das Expertenteam stellt fest, dass die Länder in diesen Bereichen bereits erfolgversprechende Maßnahmen eingeleitet haben.
In den Ländern werden bereits Maßnahmen umgesetzt, die den Schulen und den Schulleitungen Möglichkeiten der erweiterten Selbstverwaltung und Verantwortlichkeiten einräumen. Dazu gehört auch die Auswahl einzustellender Lehrerinnen und Lehrer.
Der Bericht ist in englischer Sprache auf der Homepage der OECD unter www.oecd.org/els/education/teacherpolicy und in deutscher Sprache auf der Homepage der Kultusministerkonferenz www.kmk.org verfügbar.  
Lehrer maxperformance
maxperforma.:

Punkt 5 ist der eigentliche

 
22.09.04 11:42
#3
Knackpunkt: Der Beamtenstatus

Dieser ist dorch nur ein Attraktivitätsmerkmal
für Menschen die sich wenig zutrauen und ein erhöhtes
Sicherheitsbedürfnis haben. Sicher auch für Frauen, die dann
nach beliebig langer Familienpause wieder in den Beruf
zurück können. Outperformer empfinden das angestaubte Beamtenrecht eher als
Karrierebremse.

Wer an seinen Abiturjahrgang zurückdenkt wird feststellen, dass
die ehrgeizigsten und leistungswilligsten nur in Ausanhmefällen
das Lehramtstudium gewählt haben. Vielmehr war es ein Auffangbecken
der unentschlossenen und bequemen, abgesehen von den Mädels bei denen
es schon in der ersten Klasse klar war, dass sie Grundschullehrerin
werden würden.


Die Abschaffung des Beamtenstatus wäre ein Zeichen, dass
auch im Lehrerberuf das Leistungsprinzip Einzug hält, in dem die guten
Karriere machen können und die faulen durch den Rost fallen.
Das würde in der Folge verstärkt die anziehen, die etwas erreichen wollen und
nicht die, einen sicheren Hafen suchen.

gruß Maxp.
Lehrer 007Bond
007Bond:

Ergänzung

 
22.09.04 12:05
#4
Noch ein wenig Kritik an unseren Kultusministern:

Es ist gängige Praxis, dass nicht verbeamtete Lehrer unmittelbar vor den langen Sommerferien entlassen werden und nach den Ferien wieder eingestellt werden. Auf diese Weise spart das Ministerium Geld. Auch werden nicht verbeamtete Lehrer durch das Kultusministerium schlechter bezahlt. Ich denke hier ist die Wurzel des Übels.

Ein weiterer und in diesem Zusammenhang wichtiger Punkt an unserern Schulen ist die zunehmende Gewalt und auch Gewaltbereitschaft der Schüler- auch gegenüber ihren Lehrern. Hervorgerufen wird sie u. a. dadurch, dass Eltern sich immer weniger um die Erziehung ihrer Kinder kümmern und dies "anderen" überlassen, bzw. dass insbesondere ausländische, muslemische Kinder Gewalt und Unterdrückung in ihrer eigenen Familie erfahren.

Als problematisch erweist sich immer mehr auch der zunehmende Ausländeranteil von Kindern in unseren Schulen mit oft erheblichen Sprachproblemen. Diese Sprachprobleme müssen beseitigt werden. Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben.
Lehrer Talisker
Talisker:

Hm,

 
22.09.04 12:16
#5
ich überlege gerade, ob ich zu den "unentschlossenen und bequemen" gehöre. Ob ich mich durch maxperformance beleidigt fühlen soll. Bei meiner Entscheidung für den Lehrerberuf stand das Argument "sicherer Beamtenstatus" ziemlich weit hinten an... Zumal meine Entscheidung in eine Zeit viel, als von allen Seiten zu hören war, dass kaum Einstellungschancen bestehen. Soviel zum Sicherheitsdenken.
Aber ich stimme zu: Wenn der Beamtenstatus dem Einzug der Leistungsüberprüfung entgegensteht, gehört er abgeschafft.

007Bond, nur zur Klarstellung: Was du im ersten Absatz schreibst, gilt nur für sogenannte Feuerwehrlehrer, nicht für Lehrer im (dauerhaften) Angestelltenverhältnis. Damit soll, neben der Einsparung, verhindert werden, dass sich der Feuerwehrlehrer einklagen kann, wenn er über eine bestimmte (zusammenhängende!) Dauer angestellt war.
Gruß
Talisker
Lehrer maxperformance
maxperforma.:

@talisker ich

 
22.09.04 12:26
#6
habe nicht geschrieben dass 100% der Lehrer zu den Unentschlossenen
und Bequemen gehören, sondern nur dass sich überdurchschnittlich
viele von diesen für den Lehrerberuf entschieden haben.
Dass etwas dran ist an meiner These wirst du bei der Begutachtung
des Kollegenkreises oder bei der
Erinnerung an Deine Studienzeit bestätigen können.

Es soll aber umgekehrt sein. Die Besten und Motiviertesten sollen
unsere Kinder ausbilden.

gruß Maxp.
Lehrer Talisker
Talisker:

Schon klar,

 
22.09.04 12:37
#7
maxperformance, dat mit der Beleidigung war nicht ernstgemeint. Aber glaubst du, dass derzeit sich die "Besten und Motiviertesten" für den Lehrerberuf entscheiden? Stichworte: Image, "Karrierechancen", Nachrichten über berufliche Bedingungen etc. Da bleibt langsam nur noch der Beamtenstatus als positiver Anreiz.

Talisker
der gerade noch über den Unterschied von viel und fiel (#4) meditiert
Lehrer 007Bond
007Bond:

@Talisker

 
22.09.04 12:41
#8
Deiner Argumentation "Feuerwehrlehrer" kann ich nicht zustimmen. Viele Schulen wären heute froh, wenn ihnen ausreichend qualifizierte Lehrkräfte u. a. Deutschlehrer zur Verfügung stehen würden. Ich kenne verschiedene Lehrer - (insbesondere Deutschlehrer) persönlich, die nicht verbeamtet sind oder es früher waren, denen in der Vergangenheit jedoch die von mir beschriebenen "Maßnahmen" wiederholt widerfahren sind. Eine Lehrerin hiervon (heute ist sie allerdings verbeamtet) unterrichtete als Klassenlehrerin knapp 5 Jahre an einer Grundschule in der Nähe von Paderborn und ihr erging es jedesmal so. Auch eine Lehrerin die an einer Schule im Raum Hessen unterrichtete, beklagte sich in einem Gespräch bei mir über diese Vorgehensweise des Kultusministeriums. Also erscheint es zumindest mir als gängige Praxis.
Lehrer Kalli2003
Kalli2003:

Lehrer ... in Portugal haben noch frei

 
22.09.04 12:52
#9

Schlechte Noten für Portugals konservative Regierung: Sie schaffte es auch nach zweieinhalb Monaten Sommerschulferien nicht, vielen Lehrern des Landes mitzuteilen, wo sie im neuen Schuljahr künftig unterrichten sollen. Die Folge: Rund die Hälfte aller Schulen und Kindergärten konnten nicht wie geplant nach den Ferien ihren Lehrbetrieb aufnehmen.

Die Schüler, die am ersten Schultag brav zum Unterricht erschienen waren, durften gleich wieder nach Hause gehen und können sich nun über verlängerte Ferien freuen. Wenigstens eine Woche, teilte das Erziehungsministerium kleinlaut mit, werde es noch dauern, bis das "Lehrerchaos" behoben sei.

Die Gewerkschaften befürchten gar, dass es bis Oktober keinen geregelten Unterricht geben werde. Sie werfen der Regierung von Ministerpräsident Pedro Santana Lopes vor, ihre "Hausaufgaben nicht gemacht" zu haben. Santana Lopes, dessen seit Juli amtierende Regierung nun ausgerechnet bei dieser wichtigen Prüfung der Bildungspolitik mit Pauken und Trompeten durchgefallen ist, machte derweil "Informatikprobleme" für den peinlichen Schul-Schlamassel verantwortlich. In der Zeit der Computer lässt sich im Zweifelsfalle halt alle Schuld auf die elektronischen Datengehirne schieben, die auch Politikern zunehmend das Denken und Lenken abnehmen.


Der Schulskandal fällt zusammen mit dem blauen Brief der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Portugal in ihrer jüngsten Bildungsstudie in insgesamt 30 Ländern wieder einmal auf die hinteren Plätze verweist: Nur 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben einen höheren Schulabschluss. Zehn Prozent der zehn Millionen Portugiesen gelten immer noch als Analphabeten. Experten warnen: Wegen der schlechten Aus-und Berufsbildung, die mit einer geringen Produktivität der arbeitenden Bevölkerung einhergeht, drohe das Land am südwestlichen Zipfel des Kontinents trotz milliardenschwerer EU-Zuschüsse zunehmend den Anschluss an Europa zu verlieren.


So long (oder doch besser short?)

Kalli   ... Du blöde Kiste, ich mach Dich platt, ich stell Dich ab! Aaaaaagghhh ...

Der ARIVA.DE Newsletter
Bleiben Sie informiert mit dem
wöchentlichen Marktüberblick
von ARIVA.DE!
E-Mail-Adresse
Ich möchte Benachrichtigungen von ARIVA.DE erhalten.
Ja, ich habe die Datenschutzhinweise gelesen und akzeptiert (Pflichtfeld).
Lehrer Talisker
Talisker:

@007Bond

 
22.09.04 12:59
#10
Dies widerspricht nicht meinem Posting. Deine Bsp. waren noch im Status eines Feuerwehrlehrers. Oder haben nicht ihr Recht eingeklagt (Bsp. 5 Jahre Paderborn; nach meinem Kenntnisstand reichen 3 Jahre Lehrtätigkeit als Feuerwehrlehrer, um zwangsweise übernommen zu werden; habe aber auch von Fällen gehört, wo dies nicht geschehen ist). Fakt ist: Bei "normalen" Lehrern im Angestelltenverhältnis wird nicht über die Ferien gekündigt.
Lehrer 007Bond
007Bond:

@talisker

 
22.09.04 13:18
#11
Bitte erkläre mir jetzt einmal den Begriff "Feuerwehrlehrer". Was ist hierunter zu verstehen? Ein Aushilfslehrkraft?! Vielleicht reden wir aneinander vorbei?! Ich sprach von einer Klassenlehrerin(!), die das ganze Jahr (über einen Zeitraum von 5 Jahren!) in einer Schule unterrichtet hat und jedesmal in den Sommerferien gekündigt worden und danach wieder eingestellt worden ist.
Lehrer maxperformance
maxperforma.:

@talisker

 
22.09.04 13:34
#12
Das ist natürlich ein Teufelskreis

Der Beamtenstatus als Anreiz für überdurchschnittlichen
Nachwuchs im Lehrkörper taugt nicht. Er ist momentan
höchstens ein Mittel trotz des schlechen Images
ausreichend (geeignete) Kräfte zu finden.

Um das Image zu verbessern müssen radikale
Reforman her.

1. Lehrer werden angestellt - nicht mehr verbeamtet

2. Lehrer haben eine nach aussen dokumentierbare
(Pflicht)Wochenarbeitszeit von 40-45 Stunden (darüber lachen die Lehrer die heute Ihren Beruf ordentlich verrichten nur)

3. Lehrer haben 6 wochen Urlaub - die restlichen 6 Wochen unterrichtsfreie
Zeit werden für fachliche und persönliche Fortblidung verwendet.

4. die Lehrer die zu den besseren 50% bei der Leistungsbeurteilung
zählen werden deutlich besser bezahlt. Wer nichts taugt hat keinen Bestandsschutz
mehr....



gruß Maxp.
Lehrer MaMoe
MaMoe:

@Maxperformance: warum muss der Beamtenstatus weg?

 
22.09.04 14:02
#13
um das Image zu verbessern ???

Das verstehe ich nicht, dann muss der Beamtenstatus des Professors weg und der der Politiker, eigentlich alle ...

das, was du unter Pkt. 1.), 2.) und 3.) forderst ist das wunderbare Neidbild der Deutschen, die das schlechte Image ausmachen ...

Ich kann zu dieser Neidkultur nur sagen: "dann wärst du halt auch Lehrer geworden, wenn du auf diesen Berufsstand neidig bist !!"

Aber in diesen Berufsstand schaffen es nur wenige, die meisten geben entnervt auf: die, die nicht mal mit ihren eigenen 2 Kindern klar kommen ...

Um die Qualität der Aubildung zu verbessern genügt schlicht und ergreifend eine einzige Maßnahme:

Verkleinerung der Klassenstärke auf maximal 12 Schüler. So, wie es die Gewinner der Pisa-Studie eben haben ...

Ein Deutschlehrer am Gymnasium (mit 3 Deutschklassen und Kollegstufe), der lacht wirklich über die 45h Wochenarbeitszeit, der hat nachweislich deutlich mehr als 50h zu leisten ...

Es ist traurig, wenn sich die Neidkultur anmaßt über Dinge zu sprechen, wovon die Ahnung gegen Null tendiert ...

Was mich wundert, niemand greift meine Berufgruppe an: ich habe eine Monatsarbeitszeit von 70h (!!) und verdiene dabei deutlich mehr als das 10fache eines A13 Gymnasiallehrers ...

Ich behaupte auch, mein Job ist nicht mal die Hälfte so stressig, wie der eines Lehrers, der 6h am Tag 32 Schüler zu bändigen hat ...

Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen. Die Lehrer sind selbst schuld, an ihrem Image: sie schreiten nicht aggressiv genug dagegen ein, wobei die Nichtbeachtung auch ein gutes Prinzip ist ...

MaMoe ......

Lehrer Talisker
Talisker:

Feuerwehrlehrer/Angestellte

 
22.09.04 14:15
#14
Zunächst: Ich habe Kenntnis von Nds., evtl. andere Länder, andere Sitten. Aber die werden sich so groß nicht unterscheiden.
Den Begriff Feuerwehrlehrer gibts natürlich offiziell nicht, er steht tatsächlich für "Aushilfslehrer". Habe gerade nen alten Vertrag rausgekramt, danach war ich "nicht vollbeschäftigte Lehrkraft im Angestelltenverhältnis". Hatte aber auch ein Stundendeputat von 22, also knapp unter dem Normalen. Und wenn Not am Mann ist, kannste auch mit dem Status Klassenlehrer oder LK-Lehrer werden. Und, 007, irgendeinen Grund muss es doch gehabt haben, dass sie nach 5 Jahren übernommen wurde. Könnte man die Praxis mit der Entlassung über die Ferien dauerhaft durchziehen, würden die Sparfüchse in den Landesregierungen das natürlich auch so machen.

@maxperformance: Zu
1. Ich sage voraus, dazu wird es kommen. Fraglich angesichts der Lobby ist natürlich das Wann.

2. Das wär toll! (äh, warum 45 Stunden?) Problem nur die stark schwankende Belastung (als Höhepunkt: Abivor- und -nachbereitung). Vorbereitung ist auch schwer zu generalisieren.

3. Lehn ich voll ab, das war viel eher ein Grund für meine Berufswahl ;-) Geht natürlich nur in Verbindung mit 2.

4. Yo - aber auch hier das Problem in der Praxis. Was ist guter Unterricht? Wer beurteilt?

@MaMoe: Nö (haha)
Würden die Lehrer noch massiver protestieren, würde das Bild vom ewigen Nörgler auf hohem Niveau doch nur weiter gepflegt.
Es muss eine Handhabe gegen tatsächlich vorhandene "faule Säcke" und das fehlende Leistungsprinzip gefunden werden.
Ansonsten gebe ich dir (zumindest für den gymnasialen Bereich, nur da kenn ich mich aus) Recht hinsichtlich Belastung. Und auch die Bezahlung ist in meinen Augen nicht zu hoch (wat hast du denn für nen Job, das 10fache von A13? Respekt). Und vor allem bei deinem Schluss:
"Um die Qualität der Aubildung zu verbessern genügt schlicht und ergreifend eine einzige Maßnahme:

Verkleinerung der Klassenstärke auf maximal 12 Schüler. So, wie es die Gewinner der Pisa-Studie eben haben ..."
Genaus so. Das ist der absolute Kernpunkt.


Gruß
Talisker
Lehrer 007Bond
007Bond:

@talisker

 
22.09.04 14:21
#15
Ja, es gab einen Grund - sie sagte ihrer Schule, dass sie nach den Ferien möglicherweise nicht mehr wiederkommen würde. Danach durfte sie ziemlich schnell ihren Amtseid ablegen ...
Lehrer MaMoe
MaMoe:

@Talisker: der Beamtenstatus für Lehrer wird so

 
22.09.04 14:29
#16
schnell nie fallen: Bayern hat das ganze durchgerechnet und kam zu Schluss: UNBEZAHLBAR.

Beamtengehälter sind Netto-Gehälter; die Sozialabgaben wären für kein Land auch nur annähernd tragbar ...

daher: zurücklehnen und relaxen. Mein Schwesterchen ist in Bayern am Gymi mit E/F/It. tätig und somit sehe und höre ich einiges ...

MaMoe ....
Lehrer ruhrpott
ruhrpott:

Meine Tochter studiert SEK1

 
22.09.04 14:33
#17
Mathe,Physik und Geo. Ist schon ne irre Kombination.
Die Berufswahl hatte nichts mit dem Beamtenstatus zu tun.
Sie hat als Jugendliche ehrenamtlich im Sportverein Kinder trainiert und hat in den
Sommerferien Vorstadtzombies in Jugendherbergen betreut.
Meine Tochter will aus Berufung Lehrer werden.
Das zu den elendigen Neiddebatten hier am Board.
Das Leben ist Harz.


Ausgedacht ist oft viel schöner als die Wahrheit.
Deshalb verkauft sich die BLÖD-Zeitung wie Sau.
Vorteil: Das Denken wird einem abgenommen.
Nachteil: Das Denken wird einem abgenommen.

Viele Grüße

....................../´¯/)
....................,/¯../
.................../..../
............./´¯/'...'/´¯¯`·¸
........../'/.../..../......./¨¯
........('(...´...´.... ¯~/'...')
..........................'...../
..........''............. _.·´
..........................(
.............................

aus dem Ruhrpott

Lehrer gurkenfred
gurkenfred:

grobinfo für talisker:

 
22.09.04 14:41
#18
MaMoe ist Kunstflugpilot in der equipe tricolore.


mfg
gf
Lehrer Talisker
Talisker:

MaMoe,

 
22.09.04 14:44
#19
die Rechnung wurde schon häufiger auch woanders durchgeführt. Ist aber natürlich ein Kurzschluss im Wortsinne (den der auf kurze Dauer gewählte Politiker natürlich gerne mag). Denn die Pensionen werden immer erdrückender. Beim Arbeitsamt z.B. wird seit 3 Jahren oder so nicht mehr verbeamtet.
Mein Beileid deiner Schwester, vom Korrekturaufwand kann man es sich nicht viel schwerer machen...
Gruß
Talisker
Lehrer Talisker
Talisker:

gurkenfred:

 
22.09.04 14:47
#20
Petze!

Aber ich erinnere mich jetzt dunkel, da wat gelesen zu habe...  
Lehrer gurkenfred
gurkenfred:

ich bin ne ratte, aber er macht ja

 
22.09.04 14:49
#21
auch kein geheimnis draus, daß er die fußballvereine an den ballermann fliegt.
im zweifel: mea culpa....

mfg
petzenfred
Lehrer maxperformance
maxperforma.:

MaMoe

 
22.09.04 15:02
#22
Dein Posting geht völlig am Problem vorbei,
(die darin enthaltene Polemik läßt mich kalt)
das nämlich lautet:

Aufgrund des schlechten Berufsimages des Lehrerberufs
und der bescheidenen Aufstiegschancen
entscheiden sich nicht die Fähigsten des Abiturjahrganges
für diesen Schlüsselberuf im Bildungswesen.



zu 1) Das wir insgesamt zu viel Beamte haben (das schließt Professoren ein)
und dieses Prinzip nur bei hoheitlichen Aufgaben (z.B. Polizei) Sinn macht
ist unbestritten.

zu 2) und 3) bedeuten wie gesagt für motivierte Lehrer keine Strafe
und verbessern das Image des Lehrerberuf weil das Argument der "Ruhigen Kugel"
- ob neidmotiviert oder nicht - wegfällt. Ausserhalb weigert sich ein Teil
der Lehrerschaft überhaupt an Fortbildungen teilzunehmen, was die Qualität
des Unterrichts negativ beeinflußt

zu 4) das Lehrergehalt dem von anderen attraktiven anzunähern ist das Ziel,
dies geht aber nur wenn man innerhalb des Lehrerberufs die Spreu vom
Weizen trennen kann. Dem steht jedoch das Beamtenrecht, das jedem der mal
den Status erlangt hat von diesem Tag an alimentiert und sich daher gehaltsmindernd
auswirkt.

Deine Einstellung zeugt lediglich von einer weit verbreiteten
Unsitte von Blockierern (gerade beim Thema Beamte),
nicht die Probleme zu benennen und die Reformvorschläge zu beurteilen
sondern lediglich die angeblichen Beweggründe zu deuten.
Dein Vorschlag Reduzierung der Klassenstärke auf 12
(=Verdoppellung des Lehrpersonals = 100% mehr Personalkosten)
zu senken im Zusammenhang mit: Sozialabgaben (=30-40% mehr Personalkosten)
sind unbezahlbar zeigt worauf es Dir bei der Diskussion ankommt:
zurücklehnen und relaxen......
Das Totschlagargument "Warum bist du nicht Beamter geworden" oder "Neid!?"
kommt normalerweise immer - fast schon konditioniert -
normalerweise sage ich darauf "einer muss ja für euch sorgen".
Aber du bist ja angeblich kein Beamter - aber das www ist geduldig....
schon klar dass sich - gerade am Nachmittag - die Lobby formiert

gruß Maxp.
Lehrer Talisker
Talisker:

So sieht spiegel-online die Lehrerstudie

 
22.09.04 15:33
#23
www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,319237,00.html

KLATSCHE FÜR DEUTSCHE LEHRER

Satt, überaltert, ausgebrannt

Genau eine Woche nach der letzten Schelte bekommt das deutsche Bildungssystem von der OECD erneut schlechte Noten. Die deutschen Lehrer seien zwar zumeist fachlich fit, doch ruhten sie sich gerne auf ihren Lorbeeren aus. Schuld daran: der Beamtenstatus.


Schule in der Kritik: "Wenig effektive Lehrkräfte"
Erneut stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dem deutschen Bildungssystem ein schlechtes Zeugnis aus. Diesmal bekommen die Pädagogen an Deutschlands Schulen ihr Fett weg: Der deutsche Lehrerstand sei im internationalen Vergleich zwar sehr gut bezahlt, aber überaltert und ausgebrannt, konstatiert die OECD-Studie "Anwerbung, berufliche Entwicklung und Verbleib von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern", die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die Bildungsforscher bescheinigen den deutschen Lehrern außerdem geringe Leistungsbereitschaft, mangelndes Interesse an Weiterbildung und unzureichende Ausbildung für den Schulalltag. Die deutschen Kollegien gehörten im internationalen OECD-Ländervergleich zu den betagtesten: 45 Prozent der Grundschullehrer waren im Jahr 2001 über 49 Jahre alt. Nur in Italien sind die Pädagogen noch älter.

Beamtenstatus bremst

Bemängelt wird von den Gutachtern insbesondere der Beamtenstatus der Lehrer. Er führe dazu, dass über die tatsächlich geleistete Arbeit nicht ausreichend Rechenschaft abgelegt werde. Der Beamtenstatus verhindert nach Meinung der OECD notwendige Neuerungen. Zwar werde damit den Pädagogen eine hohe Arbeitsplatzsicherheit garantiert, doch hätten die Lehrer so keinen Anreiz, ihr Wissen und ihre Arbeit zu verbessern. Das Beamtentum lade dazu ein, dass ein Lehrer "sich auf seinen Lorbeeren" ausruhe. Obwohl die deutschen Lehrer zu den bestbezahlten gehören, sei ihre Arbeitszufriedenheit gering.

Kritik übt die OECD auch an der Aus- und Weiterbildung von Lehrern in Deutschland: Den deutschen Paukern wird zwar gutes Fachwissen bescheinigt, doch die Vermittlung des Stoffes an die Schüler werde an der Uni nur in engen Fachgrenzen gelehrt. Auch der spätere Ausbau der Fertigkeiten im Beruf sei dem Einzelnen überlassen und hänge "von seinem Interesse und Enthusiasmus ab".


"Schüler und deren Lehrer finden sich in der Regel mit weniger effektiven Lehrkräften ab, die den in den Lehrplänen vorgesehenen Stoff wohl vermitteln, aber ihre Qualifikation im Laufe der Jahre nicht weiterentwickelt haben", heißt es im Bericht.

In der vergangenen Woche hatte bereits ein andere Studie der OECD für Aufsehen gesorgt. Kernaussage: Das deutsche Bildungssystem falle weiter zurück und drohe den Anschluss an die anderen Länder zu verlieren, lautete das Fazit. Die OECD vergleicht regelmäßig das Bildungsniveau von 24 westlichen Industrienationen.

"Keine Schimpfkanonaden"

Bildungspolitiker taten sich in ersten Reaktionen schwer mit der neuerlichen Klatsche für das deutsche Bildungssystem. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD), sagte, man nehme die Expertenstudie "sehr ernst", wolle aber statt einer "aufgeregten Debatte eine langsame Prüfung". Anders als in der vergangenen, als OECD-Experte Andreas Schleicher die Studie "Bildung auf einen Blick" vorstellte, waren die OECD-Experten diesmal nicht zur Präsentation eingeladen. Für die Studie hatte ein fünfköpfiges internationales Expertenteam im Herbst 2003 mehrere Bundesländer besucht.

Andere Bildungspolitiker warnten in ersten Reaktionen vor einer generellen Beschimpfung der deutschen Lehrer. Deren Arbeit müsse in der Gesellschaft vielmehr stärker "wahrgenommen und höher eingeschätzt werden", betonte die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU). Auch der bildungspolitische Sprecher der SPD, Jörg Tauss, warnt vor einer "Schimpfkanonade" gegen den Lehrerstand. Vielmehr müssten Rahmenbedingungen wie Ausbildung und Bezahlung besser gestaltet werden.

Die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Ulrike Flach (FDP), geht einen Schritt weiter und fordert die Abschaffung des "überholten Beamtenstatus". Auch müsse über "Einstellungen, Beförderungen und Entlassungen von Lehrern in den Schulen und nicht in den Schreibstuben der Kultusministerien entschieden werden".

Die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will stattdessen ein neues Lehrer-Leitbild verankert haben. Aus- und Fortbildung müsse sich künftig an einem neuen Vorbild und nicht an "Schularten wie vor 100 Jahren" orientieren.

Zwar betont die neue Lehrer-Studie auch den Reformwillen Deutschlands. Doch die Untersuchung stellt im gleichen Atemzug fest, dass die Umstellungen nur sehr vorsichtig von statten gehen und der "angestrebte Zeithorizont oft sehr lang ist". Die Bundesrepublik sei "Spätzünder" bei den Bildungsreformen.
Lehrer MaMoe
MaMoe:

@maxperformance: Lehrerfortbildung: ein Bsp:

 
22.09.04 17:49
#24
z.Z. geistert eine Lehrerfortbildung für E-Lehrer durch den Raum: 10 Tage das Wahlsystem der USA kennenlernen in Washington ... Preis: so ca. 1800.-€ pro Person Übernachtung+Flug ... zu Lasten des Lehrers ...

Wenn ich eine Fortbildung habe, fliege ich in der First zum Ort des geschehens, bekomme das 5 Sterne Hotel incl. Nahrung+Verkehrswege bezahlt (weil es in meinem Arbeitsvertrag steht) und bekomme zusätzlich noch meine vertraglich vereinbarten Spesen ...

Ich kenne keine einzige Lehrerfortbildung, die kostenfrei wäre ... und es wird noch besser: hier in Rgb, wo meine Kinder aus Gymi gehen, mussten alle Lehrer, die an Schulfahrten (Skikurs, Landschulheim; Berlinfahrt; Abifahrt; etc.) eine Kostenverzichtserklärung unterschreiben: die machen das auf eigene Kosten (sonst wird keine einzige Fahrt mehr gemacht; nur leider stehen solche Fahrten im Lehrplan und müssen gemacht werden) ... als ich das gehört habe, musste ich mich wirklich zusammennehmen, dass ich nicht den "Vogel gezeigt" habe ... da fahren die mit 50 10Kl. nach Berlin, leiden Höllenqualen, da ja was passieren kann die 5 Tage lang und zahlen dann noch 500.-€ dafür ... sorry, aber wenn ihr die Wirtschaftlatte anlegt, dann muss auch nach Wirtschaft bezahlt werden ...

Ich würde keinen einzigen Finger krumm machen unter diesen Voraussetzungen ...

A13 liegt so bei 2400.-€ netto im Monat: viel Spass damit ...

da hat sogar der deutsche LH-Cpt, der ja nicht unbedingt ein Großverdiener in der Luftfahrt ist, mit seinen ca. 8000.-€ netto ein recht angenehmes Leben mit seinen Flugstunden im Monat ...

Aber egal, die Lehrer werden´s aushalten, denn solange die nicht mal richtig auf den Putz hauen, wird´s nix ... ich hätte unter diesen Umständen schon längst mit Dienst nach Vorschrift begonnen ... die werden wissen, was sie tun ...

MaMoe ....
Lehrer maxperformance
maxperforma.:

dass der, der

 
22.09.04 21:04
#25
die Musik bestellt sie auch bezahlen muss ist klar,
daher versteh ich das mit den Klassenfahrten nicht.
Muss mich mal erkundigen ob das überall in Bayern so ist.
Wenn es verpflichtende Fortbildungen geben würde
dann würden die auch vom Staat bezahlt werden (müssen).
Hier wäre das Geld einer Bildungsoffensive gut angelegt

Und zur Kohle - um in der Wirtschaft 2.400€ netto zu verdienen
musst du ca. 4.000€ brutto haben ohne Pensionsanspruch.
Das haben heutzutage längst nicht mehr alle. Natürlich gegen
deine 8.000€ netto hört es sich mickrig an. Aber das Hauptprblem ist nicht die Bezahlung sondern das Image.

Aber auf den Putz hauen können sie nicht da ihnen der
Beamtenstatus das streiken verbietet. wieder so ein Hindernis das
weg muss....

gruß Maxp.
Lehrer Talisker
Talisker:

Ein paar kurze Anmerkungen

 
23.09.04 12:01
#26
MaMoe, ich erinnere mich, wir sind schonmal bzgl. Schule (Möglichkeit des "Schmalspurabiturs") "aneinandergeraten". Darum sei vorweggeschickt: Meine Kenntnis stützt sich vor allem auf Nds.
Und da (mindestens auch in Hamburg) verhält es sich so, dass Klassenfahrten eben nicht gemacht werden müssen --> sind letztlich freiwillige Zugaben des Lehrers. Wer mal eine gemacht hat, weiß, dass man selten weniger Schlaf bekommt, von der skandalösen Haftungslage und den Kosten ganz zu schweigen.
Zu den Fortbildungen: Du führst natürlich ein extremes Bsp. an, wesentlicher ist, dass die Fortbildungen in der Freizeit (gerne auch am Wochenende) stattzufinden haben. Wer will es da den Lehrern verdenken, dass sie die Angebote kaum nutzen? Andererseits: in meiner Referendariatszeit gabs für alle (klein)städtischen Mathelehrer ne verpflichtende Fortbildung "Computereinsatz im Unterricht" (wird allgemein völlig überschätzt, aber das ist nen anderes Thema). Während sich alle "alten Säcke" über das Für und Wider ausließen und so die Veranstaltung boykotierten, nutzten die Referendare die Zeit und nahmen das Angebot an. Will sagen: Es ist schon ne deutliche Abwehrhaltung da.
Die Gefahr des "Dienst nach Vorschrift" ist bereits vorhanden (so in Hamburg nach dem neueingeführten Dienstzeitmodell, bei dem auf wundersame Weise entgegen allen früheren Versprechungen Stellen eingespart wurden - weiß aber nicht, was da inzwischen draus geworden ist). Und damit sterben dann viele Dinge, die Schule "l(i)ebenswert" machen.

Maxperformance, klar würde eine Verringerung der Klassenfrequenz (muss ja nicht gleich auf 12 sein) ne Menge kosten - aber das bringt es auf jeden Fall. Ist halt die Frage, was einem die Bildung wert ist.

Gruß
Talisker
Lehrer lutzhutzlefutz
lutzhutzlefutz:

Max:

 
23.09.04 13:11
#27
für 2,4 Netto brauchst Du schon 4,7 Brutto in normalen Steuerklassen (1 oder 4). Die Fortbildungen für Lehrer sind grottenschlecht, da sie billig sein müssen und mit Computern umgehen ab ca. 45 will heutzutage kaum noch mehr jemand, egal ob Lehrer oder sonst wo beschäftigt.

Wird lustig, wenn diese Leute ind zehn Jahren Geld überweisen wollen!
Lehrer MaMoe
MaMoe:

@Talisker: ich sitze im Elternbeirat und im Schul-

 
23.09.04 20:37
#28
forum ... nachdem der Schulleiter ein wirklich sehr netter und korrekter Mensch ist, habe ich dadurch eine recht guten Einblick in die Schulfunktionen in Bayern ...

Wir haben dieses Jahr 4 neue Eingangsklassen im Gymnasium mit jeweils 35 Schülern ... ein Albtraum: ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie man 35 Fünftklässler auch nur annähernd sinnvoll unterrichten soll: 1. Fremdsprache; ein Jahr drauf die 2. Fremsprache ... für mich unfassbar ...

Nur leider taucht so etwas in keiner Studie auf: bis vor 2 Jahren war noch die Maximalschülerzahl von 32 Schülern pro Klasse in der bay. GSO verankert. Dieser Passus ist ersatzlich gestrichen worden, somit wären auch 40 oder 50 Schüler denkbar, sofern das Klassenzimmer groß genug ist ...

Wenn man für Fortbildungen seine Freizeit und sein Geld opfern muss, ist es für mich ein Unding, dass überhaupt noch Lehrer zu Fortbildungen gehen ... ich kann nur jedem die Hand geben, der sagt: unter diesen Umständen: nein Danke ...

Lehrer ist die einzige Berufgruppe, die die letzten 3 Jahre eine 15-20% Arbeitszeitverlängerung haben hinnehmen müssen: klaglos, da man ja nicht streiken darf; ebenso ist das Weihnachtsgeld gekürzt und das Urlaubsgeld gestrichen worden ... ich wäre mal auf die normalen Angestellten hier gespannt, wenn man das mit ihnen machen würde ...

Den Beamtenstatus abzuschaffen wäre ein Knieschuss sondersgleichen: die Lehrer kämen aus dem streiken nicht mehr raus und die Kinderchen müssten daheim bleiben: gut für die Berufstätigen ... und ein fest angestellter Lehrer ist sowieso unkündbar: wie eben alle anderen Angestellten ... da muss man erst eine Schülerin schwängern, bis da etwas passieren würde ...

Sorry, aber ich habe Verständnis für jeden Lehrer, der Dienst nach Vorschirft macht ... leider leiden darunter die Falschen: die Schulfamilie und die Schüler, denn es fällt alles weg, was die Schule eben doch noch "schön" gemacht hat, vom SMV-Grillfest, bis zum Schulfest oder zum großen Schwarz-Weiss-Ball. An unserem Gymnasium ist alles abgeschafft worden: nicht mehr machbar für die Lehrer ... und ich kann ihnen nicht böse sein ... ich bedauere nur meine Kids, die das leider nicht mehr erleben dürfen ...

Schade, aber die Dummen regieren und wissen garnicht, was sie alles kaputtmachen ...
Es wäre an der Zeit, sich Gehör zu verschaffen, wie der Schulleiter aus Berchtesgaden, der es gewagt hat Fr. Hohlmeier öffentlich zu kritisieren: Strafversetzung nach Alzenau in Unterfranken; wurde jetzt aber wieder zurückgenommen, nachdem Alzenau Klage angedroht hat: Alzenau hätte ein Recht auf einen Schulleiter, der freiwillig und gerne hier her kommen wolle ...

;-((
MaMoe ....
Lehrer Talisker
Talisker:

Hier in Nds.

 
24.09.04 12:16
#29
ist auch gerade die erlaubte Klassenfrequenz bei Gym und Real erhöht worden. Fairerweise muss man dazu sagen, bei Haupt gesenkt.
Aber das ist ne schöne Kategorie um zu einer Einschätzung zu kommen, was die politischen Sonntagsreden wert sind.

Anbei noch nen kleiner Kommentar, der zumindest ein paar richtige Dinge benennt (ein wenig arg Polemisches ist allerdings auch drin)

Gruß
Talisker
der sich hier schon fast als "Nestbeschmutzer" vorkommt


Würdige Pädagogen
Die deutschen Lehrer sollten nicht bloß Fachwissen verehren, sondern endlich die Kinder wertschätzen lernen. Nur so können sie wirksam und nachhaltig Wissen vermitteln

Vielen Ärzten graut es vor Lehrern. Die wüssten alles und vor allem wüssten sie alles besser. "Lehrer", sagen die Mediziner, "ist ein Symptom." Gut, das sind Vorurteile. Es gibt viele Lehrer, die es widerlegen. Aber gerade von denen hört man die schärfste Kritik an diesem Habitus einer falschen Souveränität, denn er macht deutsche Lehrer so auffällig und inzwischen so unzeitgemäß: Sie pochen aufs Wissen statt aufs Lernen. Zu den skandalösen Ergebnissen der OECD-Lehrerstudie gehört, dass die meisten Lehrer in Deutschland ein Vorurteil gegen das Lernen haben, zumindest wenn es um sie selbst geht. Ihre Bereitschaft zur Fortbildung ist ganz niedrig.

Betrachten wir den deutschen Lehrkörper wie eine Beuyssche soziale Skulptur. Lehrer orientieren sich hierzulande noch am alten Bild vom Wissensbesitzer. Nach einem langen Studium, darin sind unsere Pädagogen Weltspitze, wird von ihnen dann bis zum Vorruhestand im Unterricht der Stoff vermittelt - nur 7 Prozent halten überhaupt bis zum Pensionsalter durch.

Das Selbstverständnis des Wissensbesitzers stammt aus zwei Konzepten des 19. Jahrhunderts. Das eine ist das des Bildungsbürgers. Mit viel angelesenem Wissen hat er sich über eine Welt erhoben, die zu verändern ihm in einer bürgerlichen Revolution nie gelang. (Hallo, Achtundsechziger!)

Das andere Konzept ist das des Fachmanns. Ausgestattet mit einem prallen Rucksack voller Wissen, liefert er Wertarbeit am Werkstoff oder am Schülermaterial. Damit konnte dieses Land im Industriezeitalter Weltmeister werden.

Blicken wir noch etwas genauer auf den Bildungsbürger. Er überspielte seine politische Resignation mit inneren Werten. Er trieb seine Ideale hoch und höher. Im wirklichen Leben wurde er dabei misanthropisch. Als Misanthrop galt in der Antike ja ein Mensch, der andere nicht für würdig findet, mit ihm zusammenzuleben.

Wenn aber im Jahr 2004 an einem renommierten Gymnasium, das so stolz ist auf Latein und Griechisch, die stehende Rede eines Deutschlehrers vor seinen Schülern heißt, "ihr seid der Rotz an meinem Ärmel", dann spricht hier der Verächter, der seit Generationen mit wechselnden Argumenten weiß, dass mit den heutigen Schülern nichts mehr los ist.

Das kann er mit seinem schöngeistigen Alter Ego oder mit progressiven Aufklebern auf dem Golf durchaus vereinbaren. Natürlich reden nicht alle Lehrer so. Nicht mal die meisten. Aber dieser Unterstrom von Verachtung und Beschämung ist in unseren Schulen noch immer stark. Herabsetzung und Selektion sind die stärksten Spuren des deutschen Sonderweges in der Bildung. In ihnen bewegen sich Lehrer als Experten ihrer Fächer und als Stundengeber.

In der Grundschule, wo bekanntlich Kinder und nicht Fächer unterrichtet werden, findet man deshalb auch einen ganz anderen Lehrertyp. Zumeist sind es Lehrerinnen. Aber sobald in unseren Schulen das disziplinäre System der Fächer seine Herrschaft übernimmt, wird es für Lehrer, die es anders machen wollen, übermächtig. Es gibt zu denken, dass sich das Gymnasium, wo sich Lehrer als Historiker, Germanisten oder Chemiker verstehen und höchstens nebenher Spezialisten fürs Lernen sind, als die am wenigsten wirksame Schule herausgestellt hat.

Bei der Hamburger LAU-Studie (Lernausgangslagen Untersuchung), für die sämtliche Schüler getestet wurden, konnten im Gymnasium zwischen der siebten und neunten Klasse, zumal bei den Jungen, keine nennenswerte Kompetenzzuwächse gemessen werden. Was passiert da eigentlich? "Da unterrichten Lehrer", sagt Wolfgang Edelstein, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, "mit einem Rezeptwissen, das sie von den Feldwebeln Friedrichs des Großen kaum unterscheidet."

Die Bodensee-Schule in Friedrichshafen hingegen ist leitungsmäßig Spitze, obwohl sie den herkömmlichen Fachunterricht weitgehend aufgegeben hat. Obwohl? Nein, weil sei ihn aufgegeben hat. Aber die meisten von uns neigen im Zweifelsfall häufig noch dazu "obwohl" zu sagen. Wenn wir unsere Innenbeleuchtung einschalten, erkennen wir uns als Verwandte der kritisierten Lehrer und als potenzielle Verbündete beim Umbau eines Systems, in dem das Belehren dem Lernen im Weg steht.

Dass die Ergebnisse der OECD Lehrerstudie die Öffentlichkeit so erregen und dass inzwischen jede Bildungsdiagnose dieses Land fiebrig macht, zeigt auch eine andere Seite. Die geistigen Modelle des 19. Jahrhunderts überzeugen nicht mehr. Aber können sich die Deutschen Alternativen vorstellen?

In Kanada zum Beispiel spricht man vom Teacher as a Learner und sieht darin den entscheidenden Impuls, damit Schüler mit selbst reguliertem Lernen ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Seit mehr als zehn Jahren verbringen in Schweden Lehrer 35 volle 60-Minuten-Stunden in der Schule. Das war die wichtigste Schulreform am Wendekreis der Pädagogik. Sie hat dazu geführt, dass Lehrer die Schule für sich selbst zu einem Lebensmittelpunkt machen und damit auch für ihre Schüler.

Die Gewerkschaften haben diese Reform gegen manchen Widerstand bei ihren Mitgliedern durchgesetzt. Das Ziel, den Beruf zeitgemäßer zu machen und damit die Würde der Pädagogen zu erhöhen, war stärker als die Liebe zum verfügbaren Nachmittag. Statt vereinzelt Stunden geben, mehr Zusammenarbeit, heißt die Maxime.

Zugleich wurden Schulen selbstständig. Jede schwedische Schule hat ihren Etat, der sich nach der Zahl der Schüler bemisst. Die Schule entscheidet, ob sie demnächst in Fortbildung oder ins Gebäude investiert. Natürlich stellt der Schulleiter in Absprache mit dem Kollegium neue Lehrer ein und handelt auch Gehälter aus.

Seitdem werden in Schweden Lehrer mehr und mehr als Lotsen in die Zukunft angesehen und weniger als Echo aus der Vergangenheit. Und immer häufiger proklamieren Vordenker der schwedischen Schule wie Eskil Frank von der pädagogischen Hochschule Stockholm: Die besten Lehrer sollten in der Vorschule unterrichten. Das ist der Kern: Wertschätzung der Kinder und Jugendlichen statt Verehrung des Fachwissens. Die List der Sache ist: So entsteht ein viel wirksameres und nachhaltigeres Wissen als beim deutschen Bulimielernen.

Nun sagen alle: Wir müssen die Lehrerbildung ändern. Ja, auch das. Aber so viel Zeit haben wir nicht mehr. Man stelle sich vor, Siemens erklärt, das neue Handy kommt erst nach einer Reform des Ingenieurstudiums. Absurd. Die Lehrer müssen jetzt neben ihrer Arbeit die Bildung ihrer Professionalität betreiben. Dafür verdienen sie jede materielle Unterstützung und alle Anerkennung.

Die beste Lehrerbildung wird der Umbau der deutschen Schule sein. Der steht am 7. Dezember wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Dann werden die Ergebnisse der zweiten internationalen Pisa-Studie veröffentlicht.

REINHARD KAHL

taz Nr. 7470 vom 24.9.2004, Seite 12, 241 Zeilen (Kommentar), REINHARD KAHL,  
Lehrer 12ma99
12ma99:

Ich bin noch -relativ- jung und hatte das Glück

 
24.09.04 19:21
#30
vor 3 Jahren eine Stelle an einer Realschule In NRW bekommen zu haben. Vor kurzem bin auch ich verbeamtet worden, was mich auch freut. Allerdings wirklich nur aus finanzieller Sicht. Glaubt es, oder nicht, durch die Umwandlung vom Angestellten zum Beamten habe ich pro Monat ca. 380 € MEHR (Krankenkassenbeiträge sind schon abgezogen) in der Tasche, obwohl das Brutto-Gehalt dasselbe ist!!! Gehen eben nur sehr viel weniger Steuern vom Bruttogehalt ab.  Allein aus diesem Grund bin ich froh Beamter zu sein. Ich wäre sofort dafür den Beamtenstatus abzuschaffen und Lehrer nach Leistung zu bezahlen, denn an meiner Schule gibt es wirklich einige Lehrer, die seit Jahren immer wieder die gleichen Arbeitsblätter verteilen, Frontalunterricht machen... Die haben noch nie was von Schlagwörtern wie "Handlungsorientierung, Wochenplan, Freiarbeit..." gehört. Diese Lehrer motzen immer am  meisten, weil sie angeblich so hart arbeiten müssen, wissen aber selbst, dass dies nicht stimmt. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sie auf gar keinen Fall wollen, dass jemand mal in ihrem Unterricht hospitiert (dies sollte eigentlich selbstverständlich sein). Dies ist aber die Minderheit, die leider dann von Kritikern in´s Spiel gabracht werden.

Der große Rest an meiner Schule arbeitet im Team zusammen, hilft sich gegenseitig und hat mit Sicherheit durch Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes, Klassenarbeiten, Ausflüge, nebenunterrichtliches Engagement eine Wochenarbeitszeit, die über 40 Stunden liegt. Ich selbst leite z.B. einen Mofakurs, in denen die Schüler ihren Mofaschein bekommen können. Natürlich zählt die Zeit, in der ich den Kurs leite (2 Schulstunden pro Woche nachmittags) zu meiner Wochenstundenzahl. Allerdings sind die Mofas 15 Jahre und älter und fast jede Woche gibt es etwas zu reparieren, so dass dafür auf´s Schulhalbjahr gerechnet nochmals locker 20 Stunden oder mehr draufgehen.

Zu den Schulausflügen möchte ich nur kurz etwas schreiben: Ich habe vor etwa einem halben Jahr mit einer 8. Klasse eine Klassenfahrt gemacht. Nachdem die Lehrer zur Nachtruhe gerufen hatten ;-) setzten wir uns zu anderen Betreuern in den Aufenthaltsraum und tranken ETWAS Wein. Dies sahen wohl einige Schüler, denn in der darauffolgenden Woche hieß es, dass ich und meine Kollegen "sturztrunken durch das Jugendheim gestolpert wären und Alkoholiker seien". Daraufhin riefen einige Eltern bei mir an und beschwerten sich...

Ich hatte vor einer Woche Klassenpflegschaftsabend. Von meinen 31 Schülern kamen 16 Eltern und davon waren noch 3 Paare, so dass 18 Eltern nicht anwesen waren (Allerdings hatten sich fast alle Eltern schriftlich angemeldet- dann stellt der Lehrer eben keine Fragen, warum man verhindert ist). Die Wahl des Klassenpflegschaftsvorsitzenden und des Vertreters dauerten 40 min, weil keiner den Job machen wollte...
Zum Schluss noch eine Anmerkung einer Mutter: "Mein Kind will keine Hausaufgaben machen- was tun sie dagegen?" - Kein Scherz!!!

P.S. Ich bin mit Freude Lehrer, habe diesen Beruf mit Bedacht gewählt und unter der Regelstudienzeit mein Studium abgeschlossen.  
Lehrer Talisker
Talisker:

Das meint der "Lehrer des Jahres"

 
27.09.04 08:57
#31
24. September 2004 spiegel-online.de
----

INTERVIEW MIT DEM LEHRER DES JAHRES

"Wir können nichts dafür, dass wir zu alt sind"

Nach der OECD-Lehrerstudie stehen die deutschen Pädagogen in der Kritik: Überbezahlt, überaltert und untermotiviert seien sie. Winfried Sturm, Lehrer des Jahres 2004, verteidigt im Interview mit SPIEGEL ONLINE seinen Berufsstand - und erklärt, was die DDR dem bundesdeutschen Schulsystem voraus hatte.

SPIEGEL ONLINE: Nach der OECD-Lehrerstudie fordern einige Bildungspolitiker, den Beamtenstatus für Lehrer abzuschaffen. Würde das etwas ändern an den Schulen?

Winfried Sturm unterrichtet seit 1974 Mathe und Physik am Faust-Gymnasium in Staufen (Baden-Württemberg). Er wurde von seinen Schülern als "Lehrer des Jahres" vorgeschlagen und im Mai 2004 mit dem Preis ausgezeichnet. Sie lobten Sturms "Unterricht im Überschalltempo" und seine skurrilen Tüfteleien. Sturms "Hardware-AG" gewann mehrere Preise bei Schülerwettbewerben

Winfried Sturm unterrichtet seit 1974 Mathe und Physik am Faust-Gymnasium in Staufen (Baden-Württemberg). Er wurde von seinen Schülern als "Lehrer des Jahres" vorgeschlagen und im Mai 2004 mit dem Preis ausgezeichnet. Sie lobten Sturms "Unterricht im Überschalltempo" und seine skurrilen Tüfteleien. Sturms "Hardware-AG" gewann mehrere Preise bei Schülerwettbewerben

Winfried Sturm: Der Beamtenstatus an sich ist nicht unbedingt ein Hindernis, aber wenn seine Abschaffung hilft, das träge System zu aktivieren, dann bin ich dafür. Im Moment ist alles zu langsam und zu umständlich, mit all den Dienstwegen und Dienstvorschriften, die man als Lehrer einhalten muss. Ein Problem des Beamtenstatus ist, dass Beamten gleich bezahlt werden, ob sie sich nun sehr engagieren oder 08/15-Dienst leisten. Das bremst die Motivation sehr.

SPIEGEL ONLINE: Schlecht bezahlt sind Lehrer ja nicht, das müsste doch motivieren.

Sturm: Es fehlt aber eine leistungsadäquate Vergütung. Viele Kollegen sagen: "Was nützt es, wenn ich mich verheize und verbrate, ich kriege doch genauso viel wie ein anderer, der nur Dienst nach Vorschrift macht." Diese Gleichmacherei in der Besoldung ist ein ganz großes Motivationshindernis, nicht nur an der Schule. Wer viel schafft, sollte viel kriegen, wer eine Standardleistung bringt, sollte sein Normalgehalt kriegen, und wer nicht das bringt, was man von ihm erwartet, sollte dann eben auch zurückgestuft werden. Ob man ein solches System innerhalb des Beamtenstatus einführt oder diesen abschafft, ist nicht so wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Muss sich Schule in Deutschland radikal ändern?

Sturm: Wenn ein Automechaniker feststellt, dass der Motor nicht läuft, dann muss er ja den Motor nicht komplett neu erfinden. Dann muss er den vorhandenen Motor so einstellen, dass er wieder läuft. Genauso ist das in der Schule. Die Schule ist ein gewachsenes Bildungskonstrukt, in das auch viele positive Dinge eingeflossen sind. Wer schreit, wir müssen alles umkrempeln, hat Unrecht. Wir müssen nachdenken, wie wir das System so umbauen, dass es besser funktioniert. Das Radikale bringt nur Unruhe. Man kann zwar in verschiedenen Modellschulen etwas testen, aber die Ergebnisse sollte man nicht spontan umsetzen, sondern sukzessive und nicht überhastet einbauen.

SPIEGEL ONLINE: Was können Lehrer innerhalb des bestehenden Systems tun, um Schüler besser zu motivieren?


Sturm: Jeder Lehrer ist zunächst bestrebt, mit den Schülern gut auszukommen, denn das ist ja sein Arbeitsumfeld, in dem er - alle Arbeitsstunden eingerechnet - mehr Zeit verbringt als mit der Familie. Einen Burgfrieden muss man mit den Schülern nicht schließen, aber man sollte ausstrahlen, dass man gerne in die Schule geht und einen Bezug zu den Schülern hat. Zusätzlich lasse ich mir immer wieder etwas Neues einfallen. Ich bin ein Bastler und tüftle mit den Schülern im Unterricht, der Lehrstoff ist ja schon kopflastig genug. Einmal im Monat, wenn die Schüler gut mitgearbeitet haben, mache ich eine kleine Zaubervorführung. Das sind Dinge, die zusammenschweißen. Und wenn man sich einen guten Ruf bei den Schülern erworben hat, dann vererbt sich das. Dann haben es Lehrer in der Schule leichter.

SPIEGEL ONLINE: Und dann arbeiten die Schüler mit?

Sturm: Die Schüler-Lehrer-Opposition schwindet. Dazu müssen Lehrer aber auch eine gewisse Persönlichkeit darstellen. Heute streng und morgen mild, heute hü und morgen hott, das mögen die Schüler nicht. Sie wollen eine klare Linie haben. Ich signalisiere den Schülern: Hier sind die Spielgrenzen, und ihr könnt bis an diese Grenze gehen, und ich kann bis an diese Grenze gehen. Wenn sie überschritten wird, müssen Lehrer konsequent handeln. Kuschelpädagogik bringt es nicht, die Schüler brauchen eine Richtlinie. Denn wenn sie die Schule verlassen, stehen sie in der rauen Wirklichkeit und sind gefordert. Dazu braucht man Tugenden wie Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Sind die deutschen Lehrer besser als ihr Ruf?

Sturm: Ich trete für Kollegen ein, von denen ich weiß, dass sie sich engagieren. Wenn man dann immer hört, "die faulen Beamten, die wachen um ein Uhr auf, dann können sie den Rasen mähen oder sind mit dem Wohnmobil unterwegs", dann geht die Reaktionsschwelle nach unten. Man zieht sich zurück, weil man weiß, dass man sowieso das Fett abbekommt. Die Öffentlichkeit denkt dann: "Die Lehrer wehren sich ja gar nicht, also ist das, was wir den Lehrern vorgeworfen haben, wahr."

          §  
SPIEGEL ONLINE: Ist die Kritik denn ungerechtfertigt?

Sturm: Ich bestreite ja nicht, dass einige Kollegen harte Kritik verdienen. Würden sich die anderen häufiger positiv dargestellt sehen, würden sie noch ein bisschen mehr machen. Es ist schon frustrierend, wenn man pauschal verurteilt wird. Zum Beispiel: Wir können nichts dafür, dass wir zu alt sind. Wer hat die Lehrer alt werden lassen? Die Politik. Sie hat die jungen Kollegen nicht eingestellt. Andere Kritikpunkte müssen wir uns selbst zuschreiben, zum Beispiel, dass wir uns nicht ausreichend weiterbilden.

SPIEGEL ONLINE: Müssen die Lehrer ausbaden, was die Politik versäumt?

Sturm: Ja, auch. Die Bildungspolitik war lange Zeit ein Stiefkind, an der Bildung wurde immer gespart. Seit der Pisa-Studie sind die Mängel offen zu Tage getreten und wurden von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Jetzt muss die Bildungspolitik reagieren. In den Jahren zuvor hat sie geschlafen und die Warnzeichen ignoriert. Andere Probleme bringen gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Wir können die Schüler nicht mehr so direkt ansprechen wie früher, sie haben einfach zu viele andere Dinge im Kopf. Früher konnten wir Klassen mit 35 bis 40 Schülern unterrichten, heute kann man nicht mal 25 dauerhaft in den Bann ziehen, weil sie oft abgelenkt und unkonzentriert sind.

SPIEGEL ONLINE: Mit dem Ganztagsschulprogramm wird viel Geld in die Schulen gepumpt. Kann Geld etwas verändern?

Sturm: Damit kann man die Ausstattung verbessern - ich bin Physiklehrer, ich weiß, wovon ich rede - und den Schülern sagen: "Schaut her, ihr könnt ihr mit modernen Geräten arbeiten." Geld allein kann den Einbruch des Bildungsniveaus, den wir in den letzten 30 Jahren erlebt haben, nicht beheben. Man muss die Lehrer, die die Schlüsselfunktion an der Basis haben, motivieren, die Schüler zu aktivieren. Die Lehrer müssen sich auch darauf einstellen, dass von der Politik niemals ausreichend Geld kommen wird. Das müssen wir uns selber holen, durch Sponsoring, durch Kooperation mit Firmen, durch Wettbewerbe. Schule darf sich nicht gegen die Wirtschaft abschotten: Wir bilden ja Leute aus, die später einmal in der Wirtschaft funktionieren sollen.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch bleiben die Naturwissenschaften an vielen Schulen ein Stiefkind.

Sturm:Ich bin mit einem Physik-Diplom an die Schule gekommen und war erschrocken, wie kopflastig der naturwissenschaftliche Unterricht ist. Der Schüler sieht eine physikalische Formel und fragt sich: "Okay, aber für was brauche ich das eigentlich." Wenn er hingegen vom Lehrer in eine praktische Situation gesetzt wird, in der er die Formel anwenden muss, um weiterzukommen, dann muss er sich autodidaktisch mit ihr beschäftigen, dann wächst etwas. Ich bin bis zum 13. Lebensjahr mit dem polytechnischen Unterricht in der DDR groß geworden, als Bub von elf Jahren habe ich vier Wochen lang an einer Drehbank gestanden und gebohrt und gefeilt. Das hat mir sehr geholfen.

Das Interview führte Jan Friedmann  
Lehrer Talisker
Talisker:

Eine wie ich finde gute Aufarbeitung der

 
27.09.04 16:40
#32
"Lehrer-Studie" hats hier:
www.zeit.de/2004/40/B-Lehrer-Studie
Überlege gerade, in die Schweiz überzusiedeln. Nur der Dialekt hält mich noch davon ab...
Gruß
Talisker
Lehrer Karlchen_I
Karlchen_I:

Ist gar keine Lehrer-Studie

 
27.09.04 16:48
#33
Das Original ist hier:

Text:

www.oecd.org/dataoecd/35/14/33714671.pdf


Materialien  etc:

www.oecd.org/document/7/...649_201185_33712135_1_1_1_1,00.html


Habe gerade damit gearbeitet - da sind viele Hämmer drin. Das mit den Lehrern ist eher Nebensache.

 
Lehrer Talisker
Talisker:

Überprüfung von Lehrern

 
28.09.04 09:34
#34
in Hamburg ab Sommer 2005 Realität?

www.welt.de/data/2004/09/28/338723.html

Wohl aber ohne Sanktionsmaßnahmen.

Gruß
Talisker
Lehrer Talisker
Talisker:

Nachtrag: Zum Hamburger Lehrerarbeitszeitmodell

 
29.09.04 10:15
#35
46 Stunden-Woche für Lehrer - virtuell
Der Hamburger Senat will Lehrern eine feste, höhere Arbeitszeit geben. Und kürzt auch gleich die Mittel für Bildung

BERLIN taz Das Volk denkt in etwa so: "Lehrer sind faule Säcke. Die haben viel mehr Ferien und am Mittag schon frei." Selbst wenn das ungerecht ist - die Arbeitszeit der Lehrer ist ein Konfliktpunkt. Sie ist mit schuld am schlechten Image der Lehrer.

Der Hamburger Senat spielte Vorreiter und wollte den alten Streitpunkt aus dem Weg räumen. Die Bildungsbehörde schaffte ein neues Lehrerarbeitszeitmodell, das Lehrern eine feste Arbeitszeit von 46 Stunden pro Woche gibt - allerdings nur virtuell. Mit Beginn des Schuljahres 2003/04 sollten auch Unterrichtsvorbereitung, Konferenzen und Fortbildungen als Arbeitszeit zählen für Lehrer, nicht allein die Unterrichtsstunden.

Selbst die kritische OECD-Lehrerstudie lobt den Ansatz. "Die Unterrichtszeit in den Klassen ist effektiv nur ein Aspekt eines komplexen Berufsprofils." Also hat jeder Hamburger Lehrer nun im Jahr 1.776 Arbeitsstunden abzuleisten, das sind 46 Stunden in der Woche. Für Kritiker ist das Modell ein gefundenes Fressen.

Die Idee ist gut und anerkannt. Doch die Schulreform ging, wie so oft in Deutschland, mit massiven Mittelkürzungen und einer versteckten Arbeitszeiterhöhung für Lehrer einher. Für die Fraktionsvorsitzende der Grünen Alternativen Liste, Christa Goetsch, war von Anfang an klar: "Weniger Lehrer und Lehrerinnen unterrichten mehr Kinder, das Bildungsangebot hat sich verschlechtert."

Mit Einführung der neuen Arbeitszeit wurden auch die Mittel für Angebote außerhalb des Unterrichts und Förderangebote drastisch gekürzt. Klassenfahrten sind seitdem ein Reizthema in der Hansestadt. Sie werden als normale Arbeitszeit gewertet. Eine Lehrerin mit halber Stelle, laut Modell 27 Wochenarbeitsstunden, kriegt für eine Klassenreise keine zusätzlichen Arbeitsstunden angerechnet - trotz Nacht- und Mehrarbeit. Als Konsequenz haben die Hamburger Lehrer auf Konferenzen beschlossen, keine Klassenfahrten mehr anzubieten. Die Schullandheime in der Hamburger Umgebung bleiben leer. Lernen in der Natur findet für Hamburger Schüler nur noch selten statt. Erneut wird der Streit um Reformen auf dem Rücken der Schüler ausgetragen. Nach neuesten Informationen will die Behörde allerdings Klassenreisen wie Dienstreisen verrechnen - das könnte einen Ausweg aus der Situation bringen.

Mit dem neuen Arbeitsmodell beendet der Senat zugleich die Ära der freiwilligen Fortbildungen. Ab sofort müssen sich Lehrkräfte regelmäßig weiterbilden. Jeder Lehrer muss in seiner Jahresarbeitszeit 30 Stunden Fortbildung unterbringen. Eine Verweigerung käme, so die Bildungsbehörde, einer Dienstpflichtverletzung gleich - bildungsmüden Lehrern drohen diverse Disziplinarmaßnahmen.

Auch an diesem Punkt fällt Kritik jedoch nicht zu schwer. Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung könne es gar nicht schaffen, für 16.000 Lehrer jeweils 30 Stunden Fortbildung im Jahr zur Verfügung zu stellen, so gibt auch dessen Direktor Peter Daschner zu. Die Ursache: Der Staat stellt nicht genug Mittel zur Verfügung. Die Gelder des neu geschaffenen Landesinstitut werden ständig gekürzt. Die Schulen sollen stattdessen selbst die Fortbildung ihrer Lehrer organisieren.

Auch unter Alexandra Dinges-Dierig, seit Anfang des Jahres neue Schulsenatorin in Hamburg, soll die Reform mit wenigen Änderungen beibehalten werden. Auf den Bericht einer Arbeitsgruppe von Lehrern, das Lehrerarbeitszeitmodell habe "zu inakzeptablen Zuständen" an den Schulen geführt, ging sie nicht ein. Die Lehrer lehnen das Arbeitszeitmodell ab. Es sieht so aus, als bleibe die Hamburger Schulreform nicht mehr als eine gute Idee. " FLORIAN HOLLENBACH

taz Nr. 7474 vom 29.9.2004, Seite 18, 122 Zeilen (TAZ-Bericht), FLORIAN HOLLENBACH
Lehrer Karlchen_I
Karlchen_I:

Lehrer sollten erstmal rechnen lernen.

 
29.09.04 10:32
#36
Ein Jahr hat 365 Tage.

Davon entfallen maximal 115 Tage auf den Samstag, den Sonntag und auf einen Feiertag.

Hinzu kommen bei einem üblichen Arbeitnehmer 28 Tage Urlaub.

Bleiben also gut 220 Arbeitstage.

Wenn die Lehrer im Jahr 1776 Stunden arbeiten sollen, sind das genau 8 Std. pro Tag bei 5 Arbeitstagen pro Woche = 40 Stunden pro Woche.


Wie man dabei auf 46 Stunden kommt, ist mir ein Rätsel. Vielleicht kann mir das ja ein Lehrer erklären.
Lehrer Talisker
Talisker:

Karlchen, du hast es voll geblickt!

 
29.09.04 10:46
#37
Mannmannmann!
1. Von wem stammen die errechneten Zahlen?  
2. Nur mal angenommen: Die, die das errechnet haben, legen die 40-Stunden Woche für den normalen Hamburger Beamten zu Grunde. Nun haben die Lehrer aber, wie allgemein bekannt, mehr Ferien im Jahr als der normale Beamte/Arbeitnehmer. Um auf die 40 Stunden pro Woche zu kommen, müssen sie also pro Woche wie lange arbeiten?
Bei der PISA-Lesekompetenz-Studie wurden 15 jährige abgetestet; gut, dass das nicht mit 51 jährigen oder sowat gemacht wurde... (sorry, konnte ich mir nicht verkneifen)
Gruß vom Mathegenie
Talisker

P.S.: Besonderes Merkmal des Hamburger Lehrerarbeitszeitmodells ist zudem, dass Fächer nach zugeschriebenem Arbeitsaufwand (Korrekturaufwand etc.) differenziert werden. So wird Deutsch z.B. deutlich höher bewertet als Sport.  
Lehrer Talisker

Lehrerschelte? Elternschelte!

 
#38
So zumindest im Saarland. Die Grundaussagen des Artikels sind wohl allgemein bekannt, aber ein paar der Zahlen sind ganz eindrucksvoll...
Findet zumindest
Talisker

[Saarland] Die unbequeme Forderung nach PISA und OECD: Deutschland braucht eine Erziehungsoffensive in den Familien - die Bildungsoffensive des Staates allein genügt nicht

"Ohne erzieherische Unterstützung der Eltern werden die Anstrengungen des Staates zur Verbesserung der Bildungsqualität in Schulen nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Die Eltern müssen sich stärker in der Erziehungspflicht sehen. Denn es ist eine Illusion zu glauben, ,die Schule allein würde es schon richten'. Die ersten und wichtigsten Erzieher sind und bleiben die Eltern. Eine Bildungsoffensive in den Schulen ohne eine Erziehungsoffensive der Familien wird im Sande verlaufen." Dies erklärte Kultusminister Jürgen Schreier im Blick auf die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien.

Obwohl die Erziehung der Kinder "das natürliche Recht der Eltern und die zu förderst ihnen obliegende Pflicht ist", wie Art. 6 des Grundgesetzes es so treffend zum Ausdruck bringt, finde in vielen Familien Erziehung leider nicht mehr hinreichend statt. Jürgen Schreier: "Ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel für Erziehung ist längst überfällig. Die Schule kann aus sich allein heraus keine Steigerung der Bildungsqualität erzielen, wenn Eltern ihrer Erziehungsaufgabe nicht mehr gerecht werden. Eltern dürfen sich nicht nur als Kunden eines Bildungssystems verstehen, sondern sie müssen an dessen qualitativer Verbesserung aktiv und konstruktiv mitarbeiten."

Wie der Minister weiter ausführte, entstehe Schulerfolg nicht nur im Klassenzimmer. Vielmehr sei auch eine nachdrückliche familiäre Unterstützung nötig. Und daran kranke es in Deutschland. Während z. B. in Italien 86 Prozent, in den Niederlanden 70 Prozent und in Großbritannien 62 Prozent der Eltern regelmäßig persönliche Gespräche über Schule mit ihrem Nachwuchs führten, treffe dies in Deutschland laut der PISA-Studie nur auf knapp 42 Prozent zu. Während jedes dritte Elternteil in Japan, Großbritannien oder in Italien sich mehrmals in der Woche Zeit nehme, um mit den Kindern über Bücher, Filme und Fernsehen zu reden, seien dies in Deutschland nur knapp 16 Prozent. Wenn Kommunikation, so der Minister weiter, in viel zu vielen Elternhäusern vernachlässigt werde, sei es nicht verwunderlich, dass jedes vierte Kind in Deutschland inzwischen mit Sprachproblemen in die Schule komme.

Obwohl der größte Teil der Elternschaft seine erzieherische Verantwortung sehr ernst nehme, wiesen heute vermehrt Kinder familiäre Erziehungsdefizite in der Schule auf. Es sei traurige schulische Realität, dass Kinder morgens ohne Frühstück in die Schule kämen, eine große Zahl von Schülern grundsätzlich keine Hausaufgaben mehr machten, ihre Bücher verschlampten, aber keine Ersatzbücher beschafften. Es gebe Schüler, die selten vor Mitternacht zu Hause seien. Aber von der Schule werde erwartet, dass sie trotzdem schulischen Erfolg hätten. Das, so Schreier, passe nicht zusammen! Jürgen Schreier: "Es muss jedem wieder klar werden, dass schulischer Erfolg ohne nachhaltige und ständige Mitarbeit der Eltern nicht möglich ist."



Rückfragen zum Inhalt unter mailto:presseBildung@saarland.de


Talkforum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
1 Nutzer wurde vom Verfasser von der Diskussion ausgeschlossen: SzeneAlternativ
--button_text--