Kommt die 14. Oktober-Rally in Folge?
von Jochen Steffens
Ich habe Ihnen mal wieder einen netten Chart mitgebracht. Die senkrechten schwarzen Linien zeigen jeweils den ersten Handelstag im Oktober an. Die rosafarbenen Kästen zeigen die Rallys, die im Oktober starteten.
Sie können übrigens auch erkennen, dass in den letzten Jahren viele der Oktober-Rallys ähnlich stark waren, nur manchmal ging es schneller (schmale Kästen), manchmal langsamer (breite Kästen).
Fakt ist jedoch, seit 1992 kam es in schöner Regelmäßigkeit im Oktober zu einer Rally. (Einschub: 1991 startete erst Mitte Dezember eine kleine Rally. Selbst 1987, als im Oktober der Börsencrash die Märkte erschütterte, kam es ab dem 25.10 zu einer Rallye, die dazu führte, dass die Kursverluste im Dow innerhalb von zwei Jahres aufgeholt wurden.) Im Jahr 2000 fiel sie zugegebenermaßen etwas mickrig aus, aber auch hier ist ein Ansatz in dieser Richtung zu erkennen.
Was immer so war, muss auch immer so sein?
Wenn etwas 13 Jahre immer so war, heißt das aber natürlich noch lange nicht, dass es immer so sein wird. Aber man kann sagen, dass zumindest die Chance groß ist. Um diese Chance ein wenig besser zu verstehen, sollte man sich fragen, ob es nicht einen Grund für diese Oktober-Rallys gab.
Der "Weihnachtszyklus"
So will ich ihn mal nennen, und er erschließt sich schnell: Bei den meisten Unternehmen gilt das vierte Quartal bekanntlich als das beste Quartal, aufgrund des Weihnachtsgeschäfts. Das wissen natürlich auch die zyklisch orientierten Investoren. Demnach sind die Erwartungen für das vierte Quartal entsprechend hoch. Anleger spekulieren ab Oktober auf die Zahlen zum vierten Quartal.
Werden die Anleger auch in diesem Jahr auf den Weihnachtszyklus setzen?
In diesem Jahr kommen einige Sonderfaktoren ins Spiel. Da sind die Hurrikans zu nennen, die natürlich die Unternehmensgewinne von einigen Unternehmen belasten könnten (Obwohl die beiden Hurrikane im dritten Quartal stattfanden, können davon auch die Zahlen des vierten Quartals belastet werden). Auch ist die konjunkturelle Stimmung in den USA nicht sonderlich gut zur Zeit, wie der Verbraucherpreisstimmungsindex uns deutlich gemacht hat.
Doch wenn man sich ansieht, dass es sogar in den Crashjahren 2000-2003 zu zumindest kleinen Rallys im Oktober kam, dann lässt das hoffen, dass es auch in diesem Jahr so sein wird. Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich über 50 %.
Unternehmensgewinne noch positiv
Zudem rechnen Analysten damit, dass die Unternehmensgewinne im dritten Quartal im Schnitt um ca. 15 % gestiegen sind, das ist der 13. Anstieg in Folge. Das aktuelle Quartal sieht gut aus, und so könnte es auch im vierten Quartal besser aussehen, als im Moment die Märkte widerspiegeln.
Ist eine Verzögerung zu erwarten?
Es könnte allerdings in diesem Jahr auch wieder wie 1995 zu einer kleinen Verzögerung in den November hinein kommen, denn schon wieder nimmt ein Tropensturm hurrikangefährliche Ausmaße an. Ein Grund, warum der Ölpreis aktuell wieder leicht zulegt. Ich schätze, das könnte die Märkte belasten.
Angst ist notwendiges Kriterium für den Start einer Kursrally
Allerdings steigen Märkte auch gerne, wenn Angst im Markt ist, und zwar langsamer. Und wenn ein Trend langsam und zäh anfängt, wird er meistens nachhaltiger. Weniger nachhaltig sind die Trends (meistens), die mit schnellen Kursgewinnen starten.
Das hat einen einfachen Grund: Wenn zähe kleine Kursgewinne unter relativ niedrigem Umsatz eine Rally einleiten, werden die Anleger erst nach und nach "überzeugt". Wenn jedoch alle gleichzeitig reinspringen, dann werden nach größeren Kursgewinnen viele sagen: "Nein, das ist mir jetzt schon zu steil und hoch gestiegen, ich warte noch!".
Das bedeutet, wenn die Masse erst nach und nach überzeugt wird, ist die ganze Zeit mit einem gleichmäßigen Zufluss von Geld zu rechnen.
Steigende Kurse führen zu mehr Käufern, führen zu steigenden Kursen.
Also, aus rein zyklischer Sicht spricht einiges für eine leicht verzögerte Oktober-Rally. Ich bin und bleibe gespannt, ob und insbesondere wo sich der Markt fangen kann und in seine langjährige Zyklik zurückfindet. Die Umkehrsignale der amerikanischen Indizes wurden zwar heute bestätigt, aber irgendwie bleibt das Gefühl gegenwärtig, dass der Markt auch noch mal eine kleine Ebene tiefer fallen könnte. Schwierig ...