Kolumne: Berechtigte Hoffnung auf goldenen Oktober

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Kolumne: Berechtigte Hoffnung auf goldenen Oktober

 
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Von Frank Bulthaupt


Wie zu Jahresbeginn steht der DAX an der 4000-Marke. Nach der jüngsten Erholung hoffen viele Anleger auf eine Herbstrally. Diese Hoffnungen sind berechtigt, aber es gibt kaum Indizien für ein bevorstehendes Kursfeuerwerk wie im vergangenen Jahr.


Der Kursverlauf dieses Jahres erinnert an ein Gedicht von Logaus: "Der Frühling ist zwar schön, doch wenn der Herbst nicht wär, wär zwar das Auge satt, der Magen aber leer." Damit der Magen in diesem Jahr nicht leer bleibt, muss der DAX noch ein paar Punkte zulegen. Nach dem Schwung der letzten Wochen setzen viele auf eine Herbstrally. Diese Erwartung ist nicht auf Sand gebaut; schließlich weist der DAX im Umfeld einer Bund-Rendite von 4 Prozent ein ausgesprochen geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Höhe von 12,5 auf.
Aber lässt sich aus dieser günstigen Konstellation auch ein goldener Oktober ableiten? Immerhin verlief der September bisher ausgesprochen erfreulich, und die vergangenen fünf Wochen mit einem Kursanstieg von 350 Punkten machen Appetit auf mehr.

Wichtige Hinweise für das weitere Kurspotential liefert ein Blick auf die Ursachen für den Rückgang der KGV; immerhin berücksichtigt diese Kennzahl bereits die Gewinnerwartungen für die nachfolgenden 12 Monate: Sind die Märkte verunsichert - wie beispielsweise im Umfeld der Irak-Kirse, als sie hohe Risikoprämien forderten - oder pessimistisch im Blick auf die längerfristige wirtschaftliche Entwicklung?

Nur geringe Verunsicherung der Märkte

Für eine erhöhte Risikoeinschätzung bzw. Risikoaversion seitens der Investoren gibt es derzeit kaum Indizien: Die so genannten impliziten Volatilitäten, häufig auch als Angstindikatoren interpretiert, befinden sich beiderseits des Atlantiks auf unterdurchschnittlichem Niveau.

Auch die Credit-Spreads, die Hinweise auf die Risikobereitschaft der Investoren liefern, sind - im Unterschied zur Irak-Krise vergangenen Jahres - nicht nennenswert angestiegen. Überdies sind in den geringen Liquiditätsprämien am dem Bondmarkt weder Spuren der Flucht in den sicheren Hafen der Staatsanleihen noch Anzeichen für einen bevorstehenden Wechsel in Aktien zu erkennen.
Offensichtlich hat der anhaltend hohe Ölpreis weniger eine Verunsicherung, sondern eher einen Konjunkturpessimismus verursacht. Die Märkte sind von einer baldigen Normalisierung der Ölpreise nicht überzeugt und spielen den historischen Zusammenhang zwischen Ölpreisanstieg und weltweitem Konjunktureinbruch.
Dass die konjunkturelle Bedeutung des Öls in den vergangenen Dekaden - beispielsweise aufgrund technischer Entwicklungen - gesunken ist, scheint die Börsen nicht recht zu überzeugen. Sie warten offenbar auf harte Konjunkturdaten, die diese These bestätigen. Hierzu könnten beispielsweise noch ein bis zwei weitere erfreuliche US-Arbeitsmarktberichte beitragen, damit der Konjunkturpessimismus wieder zurückgeht und die Kurse auf fundamental gerechtfertige Niveaus ansteigen.

Herbstrally im langsamen Walzer

Allerdings sollte dann nicht mit einem Kursfeuerwerk wie im vergangenen Jahr gerechnet werden, als mit der veränderten Risikoeinschätzung plötzlich die Risikoprämien nachgaben und die Kurse nach oben schossen. Eher steht mit einem allmählich nachlassenden Konjunkturpessimismus eine Herbstrally im langsamen Walzer bevor.

Diese Diagnose sollte hoffnungsvoll stimmen. Denn die Erfahrung zeigt: Eine Rally, die zu langsam ist, kann eine erfreulichere Kursentwicklung hervorbringen als eine Rally, die zu schnell ist.



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