22.09.2002 - 10:01 Uhr
BUNDESTAGSWAHL 2002 - Keine Wahl mehr (EurAmS)
Deutschland ist ein Sanierungsfall. Wer die Probleme lösen will, muss nach der Bundestagswahl vieles radikal verändern.
Welche Unternehmen als erste von Reformen profitieren
von Peter Gewalt und Julia Groß.
Neun Monate Rollenspiele, neun Monate so genannter Wahlkampf sind vorbei. Denn ob nun Kanzler Gerhard Schröder oder Herausforderer Edmund Stoiber heute abend feiern darf, ist eigentlich egal. Sicher ist, der künftige Regierungs-Chef sollte das Champagnerglas schnell wieder beiseite stellen und sich an die Arbeit machen.
Jürgen Kluge, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, bringt die Aufgabenstellung auf den Punkt: Sollte es keine schnellen politischen Reformen geben, droht der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt der Abstieg in die Armut. "Von Jahr zu Jahr wird es uns schlechter gehen. Die Deutschland AG arbeitet mit zu hohen Kosten, ihre Leistungsfähigkeit ist zu schwach", klagt Kluge.
Ob beim Wirtschaftswachstum, der Neuverschuldung oder der Arbeitslosigkeit - der einstige Musterknabe Deutschland schmückt seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit die hinteren Plätze der Ranglisten in Europa.
Die Liste der Ursachen für die Misere ist lang. Neben Bürokratie und Bildungsnotstand verhindert vor allem die seit Jahrzehnten wachsende Steuer- und Sozialabgabenlast mehr Wachstum und Beschäftigung. Seit 1962 haben sich die Beitragssätze zur Sozialversicherung um 50 Prozent erhöht. Kein Wunder, dass der einzige boomende deutsche Wirtschaftszweig die Schwarzarbeit ist, bei der schmerzhafte Abzüge entfallen.
Erkannt haben auch die Politiker die Probleme. So unterscheiden sich die Aussagen der Parteien mit Ausnahme der PDS nicht in der grundsätzlichen Zielrichtung. Beispiel Steuern: Einigkeit herrscht darüber, dass die Steuerlast gesenkt werden muss. Gestritten wird über Zeitpunkt und Ausmaß der Entlastungen. Beispiel Krankenkassen: Die Ausgaben wollen alle Parteien zurückfahren, umstritten ist nur das Wie.
Roland Berger, Deutschlands bekanntester Unternehmensberater, weist im Gespräch mit EURO allerdings darauf hin, dass die Zeit für den politischen Streit ums Detail abgelaufen ist. Die neue Regierung müsse so schnell wie möglich schmerzhafte Einschnitte vornehmen. In der Krankenversicherung muss sofort gehandelt werden. Die Strukturen der Arbeits- und Rentenversicherung müssen möglichst schnell modernisiert werden. "Der Reformdruck nimmt zu", sagt Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburger Wirtschaftsinstituts HWWA.
Die USA, England und die Niederlande haben vorgemacht, dass in schwierigen Zeiten unpopuläre Reformen wie die Liberalisierung des Arbeitsmarktes durchgesetzt werden können. Mit Erfolg: Die Wirtschaft und der Aktienmarkt boomten. Auch in Deutschland werden einige Branchen und Unternehmen von den Reformen profitieren, andere nicht. EURO stellt Gewinner und Verlierer der Sanierung Deutschlands vor.
Sanierungsfall Krankenkassen: Die Kosten im Gesundheitssystem explodieren. Seit 1992 sind die Ausgaben für das Gesundheitswesen um fast 40 Prozent auf mehr als 200 Milliarden Euro im Jahr gestiegen. Eine Erhöhung der Beiträge von derzeit 14 auf mindestens 14,4 Prozent des Bruttolohns ist für 2003 wahrscheinlich. Gleichzeitig lässt die Qualität der Versorgung im internationalen Vergleich zu wünschen übrig. Der Mehrheit der Bundesbürger ist klar, dass das ganze System umgekrempelt werden muss. In einer Umfrage unter Krankenversicherten sprachen sich 52 Prozent der Befragten für eine grundlegende Reform aus. Wenn die neue Bundesregierung es tatsächlich schafft, konsequente Korrekturen durchzusetzen, wird das weit reichende Folgen haben. "Auf die Versicherten kommt eine höhere Selbstbeteiligung zu", ist Stefan Eitenmüller vom Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos sicher. Prognos untersuchte im Deutschland-Report 2002-2020 die Auswirkungen zu erwartender Wirtschaftsreformen für unterschiedliche Branchen. Weiteres Ergebnis dieser Studie: Das Gesundheitssystem muss effizienter werden.
Dieser Vorwurf trifft vor allem die Krankenhäuser. Dort versickern mehr als 40 Prozent der Gesundheitsausgaben. Immerhin: Ab 2004 werden Krankenhäuser nach so genannten Fallpauschalen bezahlt. Anstatt einzelner Posten wie Liegedauer, Untersuchungen, Operationen können sie dann nur noch auf das Krankheitsbild abgestimmte, einheitliche Pauschalen abrechnen. Ein Krankenhaus bekommt dann beispielsweise für eine Blinddarmoperation einen festgesetzten Betrag, egal ob der Patient schon nach zwei Tagen oder erst nach einer Woche entlassen wird.
Das zwingt zu effizienterer Organisation - ein Ziel, das sich private Krankenhäuser schon lange auf die Fahnen geschrieben haben. Sie werden von einer Gesundheitsreform profitieren. Auch weil sich Möglichkeiten zum Wachstum bieten: Schon jetzt können sich viele Kommunen und Länder ihre Krankenhäuser nicht mehr leisten. Sie verkaufen an private Betreiber. Aussichtsreich: die Aktie des Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum, der seit Jahren Gewinn bringend arbeitet.
Einen weiteren Angriffspunkt für Reformen sieht Prognos-Spezialist Eitenmüller bei den Arzneimittelpreisen. "Diese exorbitanten Preissteigerungen werden so nicht weitergehen." Als mögliche Gegenmaßnahmen bieten sich zum Beispiel die Wiedereinführung der Budgets für Ärzte und niedrigere Festbeträge für Medikamente an. Oder ein Umsteigen auf Generika, billigere Nachahmerprodukte für Medikamente, deren Patentschutz ausläuft. Davon dürften Generika-Hersteller wie Stada profitieren.
Auch Pharma-Unternehmen mit echten Innovationen, für die auch weiterhin hohe Preise bezahlt werden, zählen zu den Gewinnern. Doch gerade der Nachschub an wirklich neuen Medikamenten bereitet zurzeit vielen, gerade auch den US-Pharmariesen Probleme. Da sind einige deutsche oder europäische Werte wie Schering, Altana und Aventis besser aufgestellt. Und
der Gesundheitsmarkt an sich bleibt schließlich ein Wachstumsmarkt, schon allein weil der Anteil der Älteren an der Bevölkerung ständig steigt.
Sanierungsfall Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur für die direkt Betroffenen dicke Einbußen. Die direkten und indirekten Belastungen der Sozialkassen summieren sich jährlich auf über 75 Milliarden Euro.
Den Arbeitsmarkt flexibilisieren, heißt daher die neue Zauberformel, die die meisten Parteien wie auf einem Banner vor sich hertragen. Profiteur des Umdenkens ist die Zeitarbeitsbranche. Zwar führen die Vorschläge der Hartz-Kommission, die unter anderem Zeitarbeitsfirmen als Vermittler von Erwerbslosen vorsieht, nicht allein zu sprunghaft steigenden Gewinnen. So gilt die bisher angedachte staatliche Vermittlungsprämie als wenig attraktiv.
Das Hartz-Model gilt aber dennoch als Meilenstein bei der Flexibilisierung der Vermittlungs- und Verleihgesetze, die den Zeitarbeitsfirmen in Deutschland bis heute ein starres Korsett angelegt haben. Im Gegensatz zum Nachbarland Niederlande ist es Zeitarbeitsfirmen etwa in Deutschland verboten, Arbeitskräfte für einen einzigen Einsatz anzustellen. Vermittlungen für die Baubranche sind ebenfalls tabu.
Ergebnis: Arbeitsvermittler wie Adecco, Randstad oder Manpower, die international aktiv sind, führen hier zu Lande ein Schattendasein. Gerade 0,9 Prozent aller Erwerbstätigen sind in Deutschland bei den Jobvermittlern unter Vertrag, in den Niederlanden schon knapp fünf Prozent.
Stephan Lipfert, Analyst bei der K1F Knowledge Fonds AG, erwartet nach der Bundestagswahl einen weiteren Abbau gesetzlicher Beschränkungen: "Sobald die hohe Arbeitslosigkeit wieder verstärkt in das Blickfeld gerät, steigt der Druck, den Markt weiter zu deregulieren."
Zusätzlicher Pluspunkt der Hartz-Kommission für die Vermittler: "Das Image der Branche hat sich drastisch verbessert. Früher wurden Angestellte der Zeitarbeitsfirmen belächelt. Nun sind die Unternehmen für gut ausgebildete Arbeitnehmer attraktiver, was sich auszahlen wird", so Lipfert. Die stark konjunkturabhängige Branche dürfte laut Lipfert bei einer Wirtschaftserholung überdurchschnittlich profitieren.
Sanierungsfall Rentenkasse: Trotz Milliardenzuschüssen durch die Ökosteuer und trotz Abbau der Leistungen wird der Beitrag zu den Rentenkassen 2003 um 0,2 Prozentpunkte auf 19,3 Prozent des Bruttolohns zunehmen und müsste ohne Reform - aus demographischen Gründen - bis 2020 auf über 50 Prozent steigen. Weitere Rentenkürzungen sind deshalb unausweichlich.
Die als Ausgleich für sinkende Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführte Riester-Rente ist gleichwohl kein Renner. Experten sind aber zuversichtlich, dass sich dies ändert. Grund: Ab 2003 erhalten die Bundesbürger von den Rentenversicherungsträgern schwarz auf weiß, wie groß ihre Rentenlücke sein wird.
Gewinner sind die großen Versicherungskonzerne. "Allianz, AMB Generali und Ergo haben das Know-how und die Finanzkraft, um sich gegen kleinere Mitbewerber durchzusetzen," sagt Analyst Karsten Keil von Helaba Trust. Verstärkt wird dieser Trend, weil die ebenfalls staatlich geförderte betriebliche Altersvorsorge an Bedeutung gewinnt. Nach Schätzungen werden bis 2010 rund 66 Milliarden Euro in die betrieblichen Pensionskassen fließen.
Sanierungsfall Steuersystem: Steuererleichterungen trotz klammer Haushalte? Kein Widerspruch. Sinkende Einkommenssteuersätze bringen dem Einzelnen mehr für den Geldbeutel. Das heizt den Konsum an. Ein
wirksames Mittel, die Wirtschaft
anzukurbeln. Dies hat sich auch bei den Parteien rumgesprochen. So wollen Union und FDP die Steuern kräftig senken und eine weitere Erhöhung der Ökosteuer verhindern. Auch die SPD setzt auf Steuererleichterungen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie Schwarz-Gelb. Die zweite Stufe der rot-grünen Steuerreform, die wegen der Hochwasserkatastrophe um ein Jahr verschoben wurde, soll im Januar 2004 kommen.
Der Schub ist wichtig für Konsum-Aktien wie Metro oder KarstadtQuelle, die noch unter der Verbraucherzurückhaltung leiden. Auch die Autobranche wartet sehnsüchtig auf die Steuererleichterungen. "Das verfügbare Einkommen ist neben dem Verbrauchervertrauen ein wichtiger Impulsgeber für die Autoindustrie", sagt Wolfgang Albrecht, Autowerte-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Er rechnet damit, dass speziell Premiummarken wie Porsche, BMW, Audi und Mercedes mehr absetzen können, wenn der Spitzensteuersatz sinkt.
Quelle: Finanzen.net
BUNDESTAGSWAHL 2002 - Keine Wahl mehr (EurAmS)
Deutschland ist ein Sanierungsfall. Wer die Probleme lösen will, muss nach der Bundestagswahl vieles radikal verändern.
Welche Unternehmen als erste von Reformen profitieren
von Peter Gewalt und Julia Groß.
Neun Monate Rollenspiele, neun Monate so genannter Wahlkampf sind vorbei. Denn ob nun Kanzler Gerhard Schröder oder Herausforderer Edmund Stoiber heute abend feiern darf, ist eigentlich egal. Sicher ist, der künftige Regierungs-Chef sollte das Champagnerglas schnell wieder beiseite stellen und sich an die Arbeit machen.
Jürgen Kluge, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, bringt die Aufgabenstellung auf den Punkt: Sollte es keine schnellen politischen Reformen geben, droht der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt der Abstieg in die Armut. "Von Jahr zu Jahr wird es uns schlechter gehen. Die Deutschland AG arbeitet mit zu hohen Kosten, ihre Leistungsfähigkeit ist zu schwach", klagt Kluge.
Ob beim Wirtschaftswachstum, der Neuverschuldung oder der Arbeitslosigkeit - der einstige Musterknabe Deutschland schmückt seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit die hinteren Plätze der Ranglisten in Europa.
Die Liste der Ursachen für die Misere ist lang. Neben Bürokratie und Bildungsnotstand verhindert vor allem die seit Jahrzehnten wachsende Steuer- und Sozialabgabenlast mehr Wachstum und Beschäftigung. Seit 1962 haben sich die Beitragssätze zur Sozialversicherung um 50 Prozent erhöht. Kein Wunder, dass der einzige boomende deutsche Wirtschaftszweig die Schwarzarbeit ist, bei der schmerzhafte Abzüge entfallen.
Erkannt haben auch die Politiker die Probleme. So unterscheiden sich die Aussagen der Parteien mit Ausnahme der PDS nicht in der grundsätzlichen Zielrichtung. Beispiel Steuern: Einigkeit herrscht darüber, dass die Steuerlast gesenkt werden muss. Gestritten wird über Zeitpunkt und Ausmaß der Entlastungen. Beispiel Krankenkassen: Die Ausgaben wollen alle Parteien zurückfahren, umstritten ist nur das Wie.
Roland Berger, Deutschlands bekanntester Unternehmensberater, weist im Gespräch mit EURO allerdings darauf hin, dass die Zeit für den politischen Streit ums Detail abgelaufen ist. Die neue Regierung müsse so schnell wie möglich schmerzhafte Einschnitte vornehmen. In der Krankenversicherung muss sofort gehandelt werden. Die Strukturen der Arbeits- und Rentenversicherung müssen möglichst schnell modernisiert werden. "Der Reformdruck nimmt zu", sagt Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburger Wirtschaftsinstituts HWWA.
Die USA, England und die Niederlande haben vorgemacht, dass in schwierigen Zeiten unpopuläre Reformen wie die Liberalisierung des Arbeitsmarktes durchgesetzt werden können. Mit Erfolg: Die Wirtschaft und der Aktienmarkt boomten. Auch in Deutschland werden einige Branchen und Unternehmen von den Reformen profitieren, andere nicht. EURO stellt Gewinner und Verlierer der Sanierung Deutschlands vor.
Sanierungsfall Krankenkassen: Die Kosten im Gesundheitssystem explodieren. Seit 1992 sind die Ausgaben für das Gesundheitswesen um fast 40 Prozent auf mehr als 200 Milliarden Euro im Jahr gestiegen. Eine Erhöhung der Beiträge von derzeit 14 auf mindestens 14,4 Prozent des Bruttolohns ist für 2003 wahrscheinlich. Gleichzeitig lässt die Qualität der Versorgung im internationalen Vergleich zu wünschen übrig. Der Mehrheit der Bundesbürger ist klar, dass das ganze System umgekrempelt werden muss. In einer Umfrage unter Krankenversicherten sprachen sich 52 Prozent der Befragten für eine grundlegende Reform aus. Wenn die neue Bundesregierung es tatsächlich schafft, konsequente Korrekturen durchzusetzen, wird das weit reichende Folgen haben. "Auf die Versicherten kommt eine höhere Selbstbeteiligung zu", ist Stefan Eitenmüller vom Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos sicher. Prognos untersuchte im Deutschland-Report 2002-2020 die Auswirkungen zu erwartender Wirtschaftsreformen für unterschiedliche Branchen. Weiteres Ergebnis dieser Studie: Das Gesundheitssystem muss effizienter werden.
Dieser Vorwurf trifft vor allem die Krankenhäuser. Dort versickern mehr als 40 Prozent der Gesundheitsausgaben. Immerhin: Ab 2004 werden Krankenhäuser nach so genannten Fallpauschalen bezahlt. Anstatt einzelner Posten wie Liegedauer, Untersuchungen, Operationen können sie dann nur noch auf das Krankheitsbild abgestimmte, einheitliche Pauschalen abrechnen. Ein Krankenhaus bekommt dann beispielsweise für eine Blinddarmoperation einen festgesetzten Betrag, egal ob der Patient schon nach zwei Tagen oder erst nach einer Woche entlassen wird.
Das zwingt zu effizienterer Organisation - ein Ziel, das sich private Krankenhäuser schon lange auf die Fahnen geschrieben haben. Sie werden von einer Gesundheitsreform profitieren. Auch weil sich Möglichkeiten zum Wachstum bieten: Schon jetzt können sich viele Kommunen und Länder ihre Krankenhäuser nicht mehr leisten. Sie verkaufen an private Betreiber. Aussichtsreich: die Aktie des Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum, der seit Jahren Gewinn bringend arbeitet.
Einen weiteren Angriffspunkt für Reformen sieht Prognos-Spezialist Eitenmüller bei den Arzneimittelpreisen. "Diese exorbitanten Preissteigerungen werden so nicht weitergehen." Als mögliche Gegenmaßnahmen bieten sich zum Beispiel die Wiedereinführung der Budgets für Ärzte und niedrigere Festbeträge für Medikamente an. Oder ein Umsteigen auf Generika, billigere Nachahmerprodukte für Medikamente, deren Patentschutz ausläuft. Davon dürften Generika-Hersteller wie Stada profitieren.
Auch Pharma-Unternehmen mit echten Innovationen, für die auch weiterhin hohe Preise bezahlt werden, zählen zu den Gewinnern. Doch gerade der Nachschub an wirklich neuen Medikamenten bereitet zurzeit vielen, gerade auch den US-Pharmariesen Probleme. Da sind einige deutsche oder europäische Werte wie Schering, Altana und Aventis besser aufgestellt. Und
der Gesundheitsmarkt an sich bleibt schließlich ein Wachstumsmarkt, schon allein weil der Anteil der Älteren an der Bevölkerung ständig steigt.
Sanierungsfall Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur für die direkt Betroffenen dicke Einbußen. Die direkten und indirekten Belastungen der Sozialkassen summieren sich jährlich auf über 75 Milliarden Euro.
Den Arbeitsmarkt flexibilisieren, heißt daher die neue Zauberformel, die die meisten Parteien wie auf einem Banner vor sich hertragen. Profiteur des Umdenkens ist die Zeitarbeitsbranche. Zwar führen die Vorschläge der Hartz-Kommission, die unter anderem Zeitarbeitsfirmen als Vermittler von Erwerbslosen vorsieht, nicht allein zu sprunghaft steigenden Gewinnen. So gilt die bisher angedachte staatliche Vermittlungsprämie als wenig attraktiv.
Das Hartz-Model gilt aber dennoch als Meilenstein bei der Flexibilisierung der Vermittlungs- und Verleihgesetze, die den Zeitarbeitsfirmen in Deutschland bis heute ein starres Korsett angelegt haben. Im Gegensatz zum Nachbarland Niederlande ist es Zeitarbeitsfirmen etwa in Deutschland verboten, Arbeitskräfte für einen einzigen Einsatz anzustellen. Vermittlungen für die Baubranche sind ebenfalls tabu.
Ergebnis: Arbeitsvermittler wie Adecco, Randstad oder Manpower, die international aktiv sind, führen hier zu Lande ein Schattendasein. Gerade 0,9 Prozent aller Erwerbstätigen sind in Deutschland bei den Jobvermittlern unter Vertrag, in den Niederlanden schon knapp fünf Prozent.
Stephan Lipfert, Analyst bei der K1F Knowledge Fonds AG, erwartet nach der Bundestagswahl einen weiteren Abbau gesetzlicher Beschränkungen: "Sobald die hohe Arbeitslosigkeit wieder verstärkt in das Blickfeld gerät, steigt der Druck, den Markt weiter zu deregulieren."
Zusätzlicher Pluspunkt der Hartz-Kommission für die Vermittler: "Das Image der Branche hat sich drastisch verbessert. Früher wurden Angestellte der Zeitarbeitsfirmen belächelt. Nun sind die Unternehmen für gut ausgebildete Arbeitnehmer attraktiver, was sich auszahlen wird", so Lipfert. Die stark konjunkturabhängige Branche dürfte laut Lipfert bei einer Wirtschaftserholung überdurchschnittlich profitieren.
Sanierungsfall Rentenkasse: Trotz Milliardenzuschüssen durch die Ökosteuer und trotz Abbau der Leistungen wird der Beitrag zu den Rentenkassen 2003 um 0,2 Prozentpunkte auf 19,3 Prozent des Bruttolohns zunehmen und müsste ohne Reform - aus demographischen Gründen - bis 2020 auf über 50 Prozent steigen. Weitere Rentenkürzungen sind deshalb unausweichlich.
Die als Ausgleich für sinkende Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführte Riester-Rente ist gleichwohl kein Renner. Experten sind aber zuversichtlich, dass sich dies ändert. Grund: Ab 2003 erhalten die Bundesbürger von den Rentenversicherungsträgern schwarz auf weiß, wie groß ihre Rentenlücke sein wird.
Gewinner sind die großen Versicherungskonzerne. "Allianz, AMB Generali und Ergo haben das Know-how und die Finanzkraft, um sich gegen kleinere Mitbewerber durchzusetzen," sagt Analyst Karsten Keil von Helaba Trust. Verstärkt wird dieser Trend, weil die ebenfalls staatlich geförderte betriebliche Altersvorsorge an Bedeutung gewinnt. Nach Schätzungen werden bis 2010 rund 66 Milliarden Euro in die betrieblichen Pensionskassen fließen.
Sanierungsfall Steuersystem: Steuererleichterungen trotz klammer Haushalte? Kein Widerspruch. Sinkende Einkommenssteuersätze bringen dem Einzelnen mehr für den Geldbeutel. Das heizt den Konsum an. Ein
wirksames Mittel, die Wirtschaft
anzukurbeln. Dies hat sich auch bei den Parteien rumgesprochen. So wollen Union und FDP die Steuern kräftig senken und eine weitere Erhöhung der Ökosteuer verhindern. Auch die SPD setzt auf Steuererleichterungen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie Schwarz-Gelb. Die zweite Stufe der rot-grünen Steuerreform, die wegen der Hochwasserkatastrophe um ein Jahr verschoben wurde, soll im Januar 2004 kommen.
Der Schub ist wichtig für Konsum-Aktien wie Metro oder KarstadtQuelle, die noch unter der Verbraucherzurückhaltung leiden. Auch die Autobranche wartet sehnsüchtig auf die Steuererleichterungen. "Das verfügbare Einkommen ist neben dem Verbrauchervertrauen ein wichtiger Impulsgeber für die Autoindustrie", sagt Wolfgang Albrecht, Autowerte-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Er rechnet damit, dass speziell Premiummarken wie Porsche, BMW, Audi und Mercedes mehr absetzen können, wenn der Spitzensteuersatz sinkt.
Quelle: Finanzen.net