"Katholische Folklore mit öffentlichem Geld"

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"Katholische Folklore mit öffentlichem Geld"

 
22.07.05 19:04
#1
Papst-Event in Köln wird vorwiegend vom Steuerzahler finanziert. Zahlreiche Gegenveranstaltungen geplant. Ein Gespräch mit Michael Schmidt-Salomon

* Dr. Michael Schmidt-Salomon ist Geschäftsführer der »Giordano-Bruno-Stiftung« zur »Förderung des evolutionären Humanismus«. Er ist Mitorganisator der Gegenveranstaltungen zum katholischen Weltjugend in Köln (15. bis 21. August)

F: Der Papst und zahllose Pilger werden in drei Wochen zum Weltjugendtag in Köln erwartet. Religionskritische Organisationen machen mobil und rufen zu Gegenveranstaltungen auf. Was ist geplant?

Unter dem Motto »Religionsfreie Zone – Heidenspaß statt Höllenqual« bieten wir Lesungen, Diskussionen und Filmvorführungen an. Es wird auch eine lustige Demonstration geben. Die Kirche erwartet ja Heerscharen von Pilgern – und wir wollen mit unseren religionsfreien Zonen all jenen Asyl gewähren, die sich von dieser staatlich geförderten Frömmelei verfolgt fühlen.

F: An wen richten sich die Aktionen – an Nur-Gläubige oder an Kirchenmitglieder? Oder läuft das Ganze eher auf die Selbstbestätigung von Atheisten hinaus?

Die Veranstaltungsreihe hat vor allem das Ziel, eine kritische Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Es gibt ja in Deutschland mittlerweile mehr Konfessionslose als Katholiken. Das nehmen aber weder Politiker noch Medien wahr. Und die Kirche nutzt solche Events, um zu zeigen: Hallo, wir sind auch noch da. Wir hingegen wollen vorwiegend jene Menschen ansprechen, die keinen archaischen Mythen anhängen, sondern von Humanismus und Aufklärung ausgehen.

F: Aber warum lassen Sie die Katholiken nicht einfach feiern?

Sie nutzen öffentliche Gelder dazu, um ihre Folkloreveranstaltung zu finanzieren. 7,5 Millionen Euro kommen vom Bund, drei Millionen vom Land Nordrhein-Westfalen, 1,2 Millionen von der EU, und die Stadt Köln gibt zusätzlich drei Millionen Euro für Infrastruktur aus. Der Vatikan selbst zahlt nichts, die deutschen Bistümer sind mit Darlehen beteiligt. Das heißt: Die Konfessionslosen müssen für diese Veranstaltung mit aufkommen.

Aber das ist in Deutschland nichts Neues, es gibt ja hier die »hinkende Trennung« von Staat und Kirche. Z. B. bekommt der Kölner Kardinal Meisner seine 11000 Euro im Monat ja nicht aus den Kirchensteuern, sondern aus dem allgemeinen Steuertopf. Das heißt, jeder Konfessionslose muß seinen Beitrag zu Meisners Gehalt leisten.

F: Ihre Veranstaltungen stehen unter dem Motto »Heidenspaß statt Höllenqual« – wie muß man das verstehen?

Wir schließen mit diesem Motto an die altgriechische Kultur an, vor allem an den Philosophen Epikur. Dem ging es darum, nach dem guten Leben zu suchen – im Diesseits und nicht im Jenseits. Natürlich haben auch sprachliche Gründe eine Rolle gespielt. »Heide« wurde schon immer zur Verstärkung benutzt: Heidenärger oder Heidenspaß etwa.

F: Sie proklamieren eine religionsfreie Zone. Es werden aber bis zu eine Million Pilger erwartet, wo bleibt noch Platz dafür?

Die Zahlen wurden ja schon heruntergeschraubt. Erst hieß es eine Million, dann 800000. Mittlerweile werden 350000 geschätzt. Und das bringt die Weltjugendtag GmbH in arge Nöte – deren Finanzplan geht ja nur dann auf, wenn genügend Pilger kommen.

F: Das Spektakel kostet rund 100 Millionen Euro. Von dieser Summe könnten 23 000 ALG-II-Empfänger ein Jahr lang leben. Wie rechtfertigt die Kirche diesen Aufwand?

Wir leben in einer erlebnisorientierten Gesellschaft, also muß die Kirche Events schaffen. Das hat sie in diesem Jahr schon erfolgreich vorgeführt: Der Tod des alten Papstes, die Wahl des neuen. Und wenn Benedikt XVI. jetzt nach Deutschland kommt, ist es ein weiteres Event, um sich in das Bewußtsein der Menschen hineinzudrängeln. Allerdings glaube ich, daß der Effekt hierzulande nicht besonders stark sein wird – Deutschland ist ein weitgehend unchristliches Land.

F: Sie haben ein breites Spektrum an Aufklärungs- und Gegenaktionen geplant – wie ist die Resonanz bisher?

Unsere Veranstaltungen werden erst seit kurzem im Internet beworben, in ein, zwei Wochen haben wir auch Flugblätter. Das »heute«-Journal hat schon einen Bericht mit unserer Kritik an der Finanzierung des Weltjugendtags gebracht. Wie wir hörten, haben sich Kirchenvertreter hinterher heftigst beschwert.

* Info: www.religionsfreie-zone.de


quelle: www.jungewelt.de

Schaulustige heißen jetzt Pilger?

 
#2
Oh Gott oh Gott.


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