Kartenharz

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Kartenharz AbsoluterNeuling
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Kartenharz

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26.09.08 21:48
#1
KH / Knöllchen-Horst / Kartenhai

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Warum ein parkender Rettungshubschrauber angezeigt wurde

Es ist ein Spätsommertag, mittags, ein Viertel vor eins, als Horst-Werner Nilges auf der B 243 durch die Stadt Herzberg fährt. Er ist auf dem Heimweg, im Kopf formuliert er bereits Anzeige 5017, die er zu Hause schreiben will, denn Anzeigen schreiben ist ein Hobby von ihm. Da sieht er den Rettungshubschrauber, halb auf dem Gehweg an der vierspurigen B 243 landet er, die Rotorblätter rattern noch nach, eine Arztpraxis hat den Hubschrauber angefordert, ein Mann hatte einen Herzstillstand erlitten, muss schnellstmöglich in die Klinik nach Göttingen geflogen werden. Etwa 15 Minuten ist die Straße in Richtung Osterode abgesperrt.

Nilges steigt aus seinem Wagen, zieht seine Digitalkamera, eine Ricoh Caplio R4, macht ein knappes Dutzend Fotos.

Drei Tage später setzt er sich an seinen Computer und schreibt ein Fax an den Leiter der Straßenverkehrsabteilung, Herrn Bündge. Er schreibt Anzeige 5017, es geht dabei eigentlich um einen Lieferwagen im Halteverbot, und weil er so gut dabei ist, gleich darunter: "Der Hubschrauber mit der Kennung D-HDRM 'parkte' zwischen 12:46 und 13:00 Uhr 'behindernd' im eingeschränkten Halteverbot / auf dem Gehweg und auf der B 243."

Dann klickt er auf "Senden" und macht sich im Bruchteil einer Sekunde zum unbeliebtesten Mann im Südharz. Das geschieht am 17. August 2008.

(...)

Rund 20.000 Osteroder Falschparker, Gehwegblockierer und Telefonierer hat Nilges in den vergangenen vier Jahren zur Anzeige gebracht, heute kommt er im Schnitt auf zehn Anzeigen pro Tag. Nilges führt einen Privatkrieg für Recht und Ordnung, für das Große und Ganze, die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung.

(...)

Sie nennen ihn nur noch "Knöllchen-Horst", und sie meinen es böser, als es klingt. 20.000 Anzeigen in vier Jahren, das macht einsam. (...) Er ist Frührentner, er hat Zeit. Früher ist er mal Taxi gefahren. Er kennt sich aus im Straßenverkehr. "Dem Nilges geht es bei seinen Anzeigen um das Recht", beteuert Nilges. Er halte sich doch auch an die Regeln, weshalb sollten sie für die anderen nicht gelten? "Ich will die Menschen zu mehr Gesetzestreue erziehen", sagt er.

So begann die Osteroder Knöllchen-Spirale: Nilges hat angezeigt, die Osteroder haben auf dem Markt getratscht. Nilges hat wieder angezeigt, die Osteroder haben ihn in Karnevalsreden verspottet. Nilges hat immer noch angezeigt, die Osteroder haben wütende Leserbriefe in der Lokalzeitung geschrieben. Braunschweig und Göttingen haben Theater, Osterode hatte Knöllchen-Horst.

Doch dann kommt der 17. August, Nilges schreibt die Zeilen über den Hubschrauber im Halteverbot. Und damit ist er endgültig zu weit gegangen.

Bündge kann kaum glauben, was er da in diesem Fax liest, und leitet es an seinen Vorgesetzten, den Landrat, weiter. Der gibt die Meldung an die Presse, Knöllchen-Horst hat den Bogen überspannt, und die Welt soll es wissen. Und die Welt bekommt es zu wissen: Zeitungen und Fernsehteams berichten über "Knöllchen-Horst" als Phänotyp des deutschen Spießers, des unerträglichen Pedanten, für den Regeln mehr bedeuten als Menschlichkeit.

Für die Osteroder ist der Spaß vorbei. Anonyme Anrufe gehen bei Nilges ein, Jugendliche bewerfen sein Haus mit Eiern, ein Leser schreibt an die Lokalzeitung "Harz Kurier", man solle Nilges in ein Entwicklungsland schicken. Die Osteroder, für die Zusammenhalt so wichtig ist, haben die Höchststrafe verhängt: Knöllchen-Horst wird verstoßen.

(...)

www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-579622,00.html
...only the good can judge me...
Kartenharz gruenelinie

Das wärn Mann für n Rekordsräd.Tolle Ausdauer

 
#2
Ein "informativ" ist immer politisch korrekt


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