Partywütige kommen auf ihre Kosten. Von Freitag an wird in den Berliner Discos zehn Tage lang durchgetanzt. Bizarrer Höhepunkt: Der «Carneval Erotica».
BERLIN. In den Berliner Clubs startet am Freitag die wohl längste Party-Woche in der Geschichte der Szene. Bei der ersten Love Week soll zehn Nächte lang auf mehr als 150 verschiedenen Partys getanzt und gefeiert werden. Höhepunkt wird die 13. Love Parade am 21. Juli sein.
Zu dem Techno-Umzug erwarten die Veranstalter wegen der endlosen Termin-Querelen allerdings ein Drittel weniger Teilnehmer als im vergangenen Jahr. Beim letzten Mal tanzten noch 1,3 Million Raver durch den Tiergarten. Statt auf einen Liebes-Tag der Superlative setzen die Berliner Party-Macher jetzt auf eine entspannte Liebes-Woche.
«Carneval Erotica» auf dem Kudamm
Eine der größten Opening-Partys findet im eigens für die Love Week wieder geöffneten E-Werk im Stadtteil Mitte statt. Weitere Party-Orte sind u. a. der Technotempel Tresor und der für seine sexuelle Freizügigkeit berüchtigte KitKat-Club. Die Fans vom KitKat-Club verlassen am Samstag dann ihre «Lasterhöhle» und demonstrieren beim ersten «Carneval Erotica» auf dem Kudamm für «mehr gegenseitige Toleranz und Genussfreudigkeit» sowie die «Anerkennung der Sub- und Clubkultur».
Rund 5000 Vertreter aller nur denkbaren sexuellen Strömungen seien bei dem Umzug dabei, kündigten die Veranstalter, der Verein zur Förderung Hedonistischer Lebenskultur, an: «Ob schwul, transsexuell, fetischistisch, sadomasochistisch oder heterosexuell.»
Umweltschützer sind auch dabei
Im Tiergarten demonstriert am Samstag die Bürgerinitiative «Rettet den Tiergarten» gegen die Love Parade. Die Umweltschützer hatten die Raver von ihrem ursprünglichen Love-Parade-Termin am 14. Juli vertrieben, weil sie ihre Gegen-Demo früher angemeldet hatten. Eine zweite Bürgerinitiative, die «Aktion 2000», wollte auch den 21. Juli als Love-Parade-Termin vereiteln und meldete eine Gegen-Demonstration an. Doch die Versammlung wurde von der Innenbehörde verboten. Jetzt planen die selbst ernannten Retter des Tiergartens eine «Überraschungsparty».
Keine Politik
Love Parade und Fuck Parade haben nun endgültig verloren. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe lehnte am Donnerstag einen Antrag auf einstweilige Anordnung ab, mit dem die Parademacher die Bewertung des Techno-Spektakels als politische Versammlung erreichen wollten. Das gleiche gilt für die Gegenveranstaltung Fuck Parade am 14. Juli.
Die Bundesverfassungsrichter bestätigten mit ihrer Entscheidung Beschlüsse des Berliner Oberverwaltungsgerichts. Diese seien verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Damit können die beiden Musikumzüge nur als kommerzielle Veranstaltung organisiert werden. Für die Organisatoren bedeutet dies, dass sie sich auch an den anschließenden Straßenreinigungskosten beteiligen müssen.
Für den Schutz einer Veranstaltung als Demonstration reiche es nicht aus, dass die Teilnehmer durch irgendeinen Zweck miteinander verbunden sind, hieß es in der Karlsruher Entscheidung. Auch Volksfeste und Vergnügungsveranstaltungen seien keine Demonstrationen. Das gleiche gelte für Veranstaltungen, die der «bloßen Zurschaustellung eines Lebensgefühls dienen oder die als eine auf Spaß und Unterhaltung ausgerichtete öffentliche Massenparty gedacht sind».
Aber die Party steigt auf jeden Fall. Und die Teilnehmer der Fuck Parade wollen eine neue Versammlung anmelden und statt mit Lautsprecher-Wagen mit Transparenten und Megafonen auf die Straße gehen. (dpa)