Insolvenz von Enron zieht weite Kreise


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zombi17:

Insolvenz von Enron zieht weite Kreise

 
07.12.01 22:19
Insolvenz von Enron zieht weite Kreise (Zus)
In den vergangenen Tagen wurde nach und nach offensichtlich, wie komplex die Geschäftstätigkeit des unter vorläufigem Gläubigerschutz stehenden US-Energiehändlers Enron Corp, Houston, war. Was anfangs aussah, wie ein weitentfernter Konkurs jenseits des Atlantik, hat auch in Europa weite Kreise gezogen. Fragen nach rechtlichen und politischen Schutzmechanismen gegen derartig gigantische Insolvenzen werden nun ebenso rege diskutiert wie das Problem des "creative accounting", und die in engem Bezug zu dieser Praxis stehende Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, die langjährig für Enron tätig war.

In Europa wird das Gesamtengagement von Banken- und Versicherungsgesellschaften sowie sonstigen Konzernen bei Enron nun vorläufig auf 2,2 Mrd EUR geschätzt. "Vorläufig", weil Marktbeobachter davon ausgehen, dass "das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist". So meint Nick Dove, auf Banken spezialisierter Analyst bei UBS Warburg, dass wegen Enron im kommenden Jahr noch einige Unternehmen ihre Gewinnprognosen senken werden. Grund werde entweder eine Anhebung der Rückstellungen für "faule" Kredite oder ein geringerer Umsatz sein, so der Experte. "Es wird noch einige Konzerne geben, die in den kommenden zwölf Monaten für böse Überraschungen sorgen werden", so die düstere Prognose des Fachmanns. Allerdings wird seiner Meinung nach bei diesem Prozess der weitere Verlauf der Konjunktur eine entscheidende Rolle spielen.




In den USA formieren sich unterdessen die unterschiedlichen Interessengruppen, die von der Zahlungsunfähigkeit des Energiekonzerns betroffen sind. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei der am 12. Dezember stattfindenden Versammlung der Gläubiger zu, die unbesicherte Forderungen gegenüber Enron geltend machen können. Aus deren Kreis soll ein sogenanntes "Komitee" gegründet werden, dem im weiteren Verlauf des Verfahrens ein umfassendes Mitspracherecht eingeräumt wird. Allerdings glauben Insolvenzexperten nicht, dass es bei einem Komitee bleiben wird. Denn angesichts des Geflechts von Gläubigern seien wohl für die unterschiedlichen Interessengruppen mehrere derartige Komitees notwendig.




So seien die Aktionäre neben den Inhabern unbesicherter Forderungen, eine Gruppe, die hart von einem möglichen Konkurs betroffen wäre. Den größten Anteil von Anteilseignern bilden bei Enron nämlich Mitarbeiter und Pensionäre, die einen Teil ihrer Altersvorsorge über Aktienprogramme ihres ehemaligen Arbeitgebers finanzieren. Einer Abteilung des Department of Justice kommt nun die Rolle zu, Gläubiger und Geschädigte für das Komitee oder die Komitees auszusuchen, die als "repräsentativ" anzusehen sind. Und bei dieser Auswahl sei der Streit schon vorprogrammiert, fürchten Juristen.




Zwar stehe fest, dass zum Beispiel Bank of New York oder Citigroup mit jeweils mehr als zwei Mrd USD unbesicherter Forderungen zu den "Großen" in diesem Fall gehörten, jedoch hänge deren Verhalten nun auch von strategischen Erwägungen ab, ist aus Finanzkreisen zu hören. So antwortete Douglas Bartner von der Sozietät Shearman & Sterling, die Citigroup betreut, auf die Frage, ob das Finanzinstitut einen Sitz im Gläubigerkomitee beanspruchen werde, mit einem kargen: "Wir werden sehen". Auch der Sprecher der Bank of New York wollte sich nicht zu dieser Frage äußern. Denn neben der Schwierigkeit, die wahre Höhe des Engagements zu bestimmen, ständen auch Fragen des Images zur Diskussion, meinen Beobachter.




Eines steht allerdings nach Meinung von Insolvenzexperten jetzt schon fest: Das Gläubigerkomitee oder die Gläubigerkomitees werden vor einer gigantischen Aufgabe stehen. Denn ihnen komme die Pflicht zu, sämtliche Finanztransaktionen des Energiehändlers kurz vor seiner Insolvenz zu durchforsten und das Knäuel zu entwirren.




Der ehemalige Übernahmeinteressent von Enron, Dynegy Inc, hat zwischenzeitlich beantragt, das Mammutverfahren nicht in New York, sondern am Handelsgericht Houston anzusiedeln. Dies werde die Kosten des Verfahrens für alle Beteiligten vermindern, lautet die Begründung des Antrags. Dies allerdings bezweifeln Beobachter. Es sei absurd in einem solchen Fall in hergebrachten ortsbezogenen Zuständigkeitskategorien zu denken, argumentieren sie. Da Enron einen großen Teil ihrer Handelsaktivitäten in New York abwickelte, habe der Dynegy-Antrag ohnehin nur eine geringe Chance auf Erfolg, meinen sie mit dem Verweis auf die internationale Gläubigerkartei, die dem Vernehmen nach allein 50 Seiten umfasst.


vwd/DJ/7.12.2001/ip

7. Dezember 2001, 20:39

Enron Corp: 851914


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