Ich investiere weiter in Zeit, denn die wird knapp

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Ich investiere weiter in Zeit, denn die wird knapp Hartz5
Hartz5:

Ich investiere weiter in Zeit, denn die wird knapp

 
24.08.04 12:45
#1
Traum vom „kollektiven Freizeitpark“ ist ausgeträumt

Freizeitforscher: Keine Zeit für Freizeit


Zeit für Freizeit - für viele Deutsche ist es ein Luxus. Jeder dritte Bundesbürger (34 Prozent) hat täglich weniger als drei Stunden Freizeit zur Verfügung, ergab eine am Dienstag in Hamburg veröffentlichte Befragung des B.A.T.- Freizeitforschungsinstituts. Für etwa die Hälfte aller berufstätigen Frauen (55 Prozent) und Männer (46) beginne der Feierabend frühestens gegen 19 Uhr.

HB. HAMBURG. „Der Traum vom „kollektiven Freizeitpark“ ist endgültig ausgeträumt. Und auch die vielfach prognostizierte „Freizeitgesellschaft“ muss auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden“, sagte Institutsleiter Prof. Horst Opaschowski. „Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich und der Trend zur 40- Stunden-Woche können folgenreich sein.“ Die Jobsicherung koste ein Stück Privatleben.

Vor allem für Selbstständige wird „Zeitwohlstand“ zum Luxus: Fast die Hälfte der Arbeiter (45 Prozent), Angestellten und Beamten (je 49) haben nach eigener Einschätzung keine drei Stunden freie Zeit pro Tag, bei den Selbstständigen und Freiberuflern sind es hingegen fast zwei Drittel (64), wie die repräsentative Befragung von 2000 Menschen ab 14 Jahren ergab. „Wer heute die Selbstständigkeit im Beruf wählt, hat wenig Freizeit, kaum Urlaub und mitunter 70-Stunden-Wochen bis an die Grenze der Selbstausbeutung“, sagte Opaschowski. Oft würden berufliche Probleme auch in die eigene Freizeit mit hineingenommen.

Insgesamt habe für Berufstätige mit dem Verlassen des Arbeitsplatzes der Feierabend noch längst nicht begonnen. Übergangsaktivitäten wie Nachhauseweg, Besorgungen, Erledigungen und Einkäufe, Hausarbeiten, Kinderbetreuung sowie soziale Verpflichtungen in Familie, Nachbarschaft und Gemeinde kosten demnach zunächst einmal Zeit und gehen der ganz persönlichen Freizeit verloren.

Unter den Berufstätigen nehmen die Auszubildenden eine privilegierte Stellung ein: Die meisten Jugendlichen (54) haben täglich sogar mehr als vier Stunden persönliche Freizeit.

„Hinter der neuen Sehnsucht nach Zeitwohlstand verbirgt sich der alte Traum vom guten Leben - jenseits von Onlineshopping, Telebanking und Last-Minute-Reisen“, meinte der Freizeitforscher. Insbesondere Familie und Kinder setzten dem „persönlichen Freizeithunger“ enge Grenzen. „Deshalb unterscheiden vor allem Frauen deutlich zwischen Familienfreizeit und „persönlicher Freizeit“, die sie für sich ganz allein haben wollen und nicht nur mit Partner und Kindern teilen müssen“, ergab die Studie.

„Das 20. Jahrhundert ging als Jahrhundert der Freizeit in die Geschichte der modernen Arbeit ein“, sagte Opaschowski. Zwischen 1950 und 2000 habe sich etwa die Urlaubsdauer der Arbeitnehmer von 9 auf rund 30 Tage mehr als verdreifacht. Im 21. Jahrhundert sei dagegen „mehr Arbeitsproduktivität als Arbeitszeitverkürzung gefragt“, hieß es.


HANDELSBLATT, Dienstag, 24. August 2004, 12:15 Uhr
Ich investiere weiter in Zeit, denn die wird knapp Schmus
Schmus:

gut so,

 
24.08.04 13:19
#2
aber es bleibt immer noch genug zeit für z.b. hobby-gärtnern, riesenrad-fahren und bei-polizei-anscheissen:

Riesenrad vor Balkon wird Hanf-Züchter zum Verhängnis

Wilster (dpa) - Ein Riesenrad vor seinem Balkon mit Pflanzen ist
einem Hanf-Züchter in Wilster (Schleswig-Holstein) zum Verhängnis
geworden. Eine Frau hatte in einer Gondel aus luftiger Höhe den mit
«ungewöhnlichen Pflanzen» bewachsenen Balkon des 37-Jährigen gesehen,
teilte die Polizei am Dienstag mit. Bei einer Wohnungsdurchsuchung
fanden die Beamten 275 Hanf-Pflanzen, die bis zu 2,10 Meter hoch
gewachsen waren. Der Mann will die Drogen für den Eigenbedarf
angebaut haben. Es wurde ein Strafverfahren eingeleitet.
Qualle: dpa
Ich investiere weiter in Zeit, denn die wird knapp 007Bond
007Bond:

Wenn da mal das Handelsblatt

 
24.08.04 13:33
#3
nicht irrt! Wenn wir in 5 - 10 Jahren eine Arbeitslosenquote hier in Deutschland von annähernd 30 - 40 % haben, wird aus dem Traum vom "kollektiven Freizeitparkt" mehr oder weniger bittere Realität werden.  
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Weitere hochwichtige Erkenntnisse

 
#4
„Datenreport 2004“

Lebensqualität in Deutschland sinkt


In Deutschland müssen sich viele Menschen auf eine schwindende Lebensqualität einstellen. Das geht aus dem am Montag in Berlin vorgestellten „Datenreport 2004“ hervor. Mitautor Heinz-Herbert Noll sagte: „Es ist bemerkenswert, wie viele Indizien auf eine Trendumkehr der Lebensqualität in Deutschland hinweisen.“

Lebensbedingungen sind in Deutschland gesunken

HB BERLIN. Die Forschungsergebnisse des Statistischen Bundesamtes und anderer Institute deuteten auf eine Verschlechterung der Lebensbedingungen und des subjektiven Wohlbefindens hin. Nicht nur die Zufriedenheit mit dem Leben allgemein, sondern auch mit verschiedenen Lebensbedingungen sei zuletzt bundesweit fast durchgängig leicht gesunken. „Nach wie vor sind die Ostdeutschen allerdings weniger zufrieden als die Westdeutschen, mit der Ausnahme bei der Kinderbetreuung.“ Auch im internationalen Vergleich sei das Wohlbefinden der Bundesbürger nicht besonders groß.

Eine Chancengleichheit im deutschen Bildungswesen gibt es nach Ansicht der Forscher nicht. Die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Bildungswegs hänge nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab.

Die Daten, die bis 2002 reichen, berücksichtigen dabei noch nicht die Folgen der Gesundheitsreform, die Änderung bei der Rentenversicherung oder die Debatte um die Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Mitautor Noll erwartet, dass geringere staatliche Transferleistungen künftig zu einer noch ungleicheren Einkommensverteilung und mehr Armut führen. Auch das subjektive Wohlbefinden werde sich durch die so genannten Hartz-IV-Reformen nicht verbessern. „Man kann davon ausgehen, dass die Unzufriedenheit eher steigen wird“, sagte Noll.

Während der Bevölkerungsanteil, der unter der Armutsgrenze lebt, in Westdeutschland über mehr als ein Jahrzehnt stabil war und im Osten nur sehr langsam anstieg, deutet sich den Angaben zufolge nun eine Trendwende an. 2002 hätten 13,1 Prozent der Menschen in Deutschland in Armut gelebt nach 12,5 Prozent im Jahr davor. Im Westen sei die Quote auf 12,4 Prozent gestiegen und im Osten sogar auf 16,1 Prozent. Zudem habe sich insgesamt auch die Schere der ungleichen Einkommensverteilung vergrößert. „Einzeln betrachtet ist das nicht dramatisch, aber in der Summe der Indikatoren zeichnet sich die Tendenz zu einer durch zunehmende Ungleichheit und Armut gekennzeichneten Gesellschaft ab“, sagte Noll.

Ungleich sind auch die Chancen für eine gute Ausbildung in Deutschland. „Die soziale Herkunft ist nach wie vor ein Katalysator, was die Bildungschance in der Bundesrepublik betrifft“, sagte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Thomas Krüger. Die Chance für Kinder aus einem Elternhaus von Beamten, Akademikern, Managern oder leitenden Angestellten, ein Gymnasium zu besuchen, ist den Forschern zufolge neun Mal höher als für Arbeiterkinder.

Die zunehmende Sorge der Deutschen um ihre Zukunft zeigt sich auch im internationalen Vergleich. „Es trifft nicht mehr länger zu, dass es den Deutschen besser geht als den meisten anderen Europäern“, sagte Noll. Vielmehr sei Deutschland inzwischen in vielen Bereichen - wie dem materiellen Lebensstandard - im europäischen Vergleich auf mittlere Ränge abgerutscht und finde sich nicht selten sogar auf hinteren Plätzen der früheren 15 EU-Staaten wieder. Weniger zufrieden mit ihrem Leben insgesamt seien nur noch Italiener, Franzosen, Griechen und Portugiesen.

Der Datenreport erscheint seit 1983 etwa alle zwei Jahre und stellt eine Kombination aus statistischen Daten und Ergebnissen der Sozialforschung dar. Vorgelegt wird er vom Statistischen Bundesamt, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), dem Mannheimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) und von der bpb.


HANDELSBLATT, Montag, 23. August 2004, 16:02 Uhr



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