Ich bin optimistisch wie lange nicht mehr!!!


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calexa:

Ich bin optimistisch wie lange nicht mehr!!!

 
17.10.02 15:31
Angesichts der günstigen Bewertungen und des niedrigen Zinsniveaus sieht der renommierte Vermögensverwalter Frank Lingohr gute Chancen für die Aktienmärkte.

mm.de: Lassen Sie uns mit einem Einzelwert anfangen. Als wir Mitte 2001 miteinander sprachen, warnten Sie dringend vor der T-Aktie . Damals lag der Kurs noch bei 25 Euro, heute 60 Prozent darunter. Sind Sie immer noch pessimistisch für die Deutsche Telekom?

Frank Lingohr, 54, ist einer, der es immer schon ganz genau wissen wollte. Seine Aktienauswahl trifft er, indem er per Computer mit einem aufwändigen Kennzahlen- System über 12.000 Unternehmen beobachtet. Anschließend unterzieht er die besten Papiere einem strengen Qualitätscheck. Im Jahr 1993 machte er sich selbstständig und verwaltet heute ein Vermögen von etwa 500 Millionen Euro.

Lingohr: Nun ja, Ron Sommer ist inzwischen weg, dadurch ist die Situation schon etwas besser geworden. Aber davon abgesehen ist die Telekom immer noch zu teuer. Derzeit sehen wir ein Kursziel von 5,85 Euro, und das bei einem aktuellen Kurs von 10,20 Euro. Auch viele andere Werte im Telekom-Sektor sind aus unserer Sicht zu teuer, daher halten wir uns eher zurück. Die Aktien, die wir im Portfolio haben, sind Qualitätstitel wie Telefonica , Cable & Wireless  und Tele Danmark .

mm.de: Falls aber die Telekom nun einen geeigneten Nachfolger für Ron Sommer präsentiert? Es werden ja seit Wochen immer wieder neue Namen von hochkarätigen Managern gehandelt ...

Lingohr: Ob das sehr viel ändern würde, ist fraglich. Die ganze Branche hat ein massives Problem. Wenn man sich die Entwicklung bis Anfang 2000 ansieht, muss man feststellen, dass sich die Leute im Kaufrausch reich gerechnet haben, ohne auf die Zahlen zu achten. Für mich war das damals schon unverständlich. Vor allem auf dem Handymarkt wurden Prognosen ausgegeben, die völlig unrealistisch waren.

mm.de: Um von den Einzelwerten auf die allgemeine Situation zu kommen - wie ist ihre aktuelle Einschätzung der Finanzmärkte? Ist das Gröbste überstanden?

Lingohr: Ich halte es für durchaus möglich, dass wir jetzt den Beginn eines Aufschwungs und den Start eines zyklischen Bullenmarktes sehen. Wir haben gute Chancen, dass das Finanzjahr 2003 freundlich wird.

mm.de: Worauf stützen Sie diese Bewertung?

Lingohr: Auf eine ganze Reihe von Beobachtungen. Die Markttechniker von Merrill Lynch  beispielsweise weisen darauf hin, dass die technischen Indikatoren alle gut aussehen. Die amerikanische Vereinigung der Kleinanleger hat eine "Bären-Quote" von 54,9 Prozent, das ist der höchste Stand seit rund zehn Jahren. Am vergangenen Donnerstag und Freitag lag die Put-Call-Ratio in den USA bei über 90 Prozent. Das alles signalisiert ein hohes Maß an Pessimismus bei vielen Anlegern, und das ist - wie wir wissen - eine Voraussetzung für nachhaltig steigende Kurse.

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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calexa:

Teil 2

 
17.10.02 15:35
mm.de: Das klingt, als seien Sie sehr zuversichtlich.

Lingohr: So ist es. Ich bin so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Man ist ja als Anleger immer zwiegespalten: Der Bauch schreit "Panik" und "Alles in Deckung", und der Kopf sagt "Hurra, so billig konnte man lange nicht mehr kaufen". In solchen Situationen kommt es darauf an, dem Kopf zu folgen. Man kann sich nicht wohl fühlen und gleichzeitig gute Kaufkurse haben. Das eine schließt das andere aus. Viele Anleger vergessen das immer.

mm.de: Ist diese Einschätzung nicht etwas zu optimistisch?

Lingohr: Das glaube ich nicht. Wenn ich mir beispielsweise unseren Fonds ansehe, stelle ich fest, dass wir bei unseren deutschen Werten im Schnitt eine Dividendenrendite von fünf Prozent haben. Für das gesamte Welt-Portfolio liegt dieser Wert bei 3,5 Prozent, und das bei einer Fünfjahres-Bundesanleihe mit 3,9 Prozent Rendite. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist so niedrig wie lange nicht mehr, während das Zinsniveau - zumindest in den USA - auf dem tiefsten Stand der letzten 40 Jahre liegt.

mm.de: Welche Einzelwerte würden Sie favorisieren?

Lingohr: Da sehe ich zunächst mal die Sachversicherer. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen: Ein Versicherer, der in seinem Stammgeschäft keine Verluste macht, bekommt von seinen Kunden praktisch ein langfristiges zinsloses Darlehen, mit dem er an der Börse spekulieren kann. Dieser Effekt kommt natürlich vor allem dann zum Tragen, wenn man an den Finanzmärkten günstige Einstiegskurse hat.

Zum anderen muss man feststellen, dass durch die Attentate im September 2001 und andere Vorfälle eine Menge Kapital aus dem Versicherungsmarkt abgezogen wurde. Gleichzeitig sind die Einnahmen auf der Investmentseite wegen der Flaute an den Finanzmärkten derzeit sehr niedrig. Infolgedessen müssen die Unternehmen noch stärker darauf achten, dass sie keine Verluste machen. Der Zwang zur Preisdisziplin, der sich daraus ergibt, wird erheblich dazu beitragen, dass die großen Unternehmen wie der US-Rückversicherer Renaissance Re, Berkshire Hathaway  oder Ace Limited (WKN 886024) jetzt umso mehr verdienen.

mm.de: Was ist mit deutschen Versicherern wie Münchener Rück , Allianz  oder Hannover Rück ?

Lingohr: Die Münchener Rück zum Beispiel hat es in der Krise mehr erwischt als die anderen Werte. Da ist eine Menge Kapital abgeschmolzen, das wirkt sich jetzt negativ aus. Bei anderen einheimischen Versicherern sieht es etwas besser aus, aber nicht so gut wie bei den oben erwähnten Konkurrenten im Ausland, die zum großen Teil ein deutlich besseres Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben haben.

So long,
Calexa
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calexa:

Teil 3

 
17.10.02 15:37
mm.de: Welche weiteren Werte halten Sie derzeit für attraktiv?

Lingohr: Wenn der Markt wieder anspringt, auf jeden Fall Citigroup  und Merrill Lynch . Es gibt auch Technikwerte, die hochgradig spannend sind. Zum Beispiel Celestica  aus Kanada, ein führender Zulieferer für die PC-Industrie mit vier Milliarden Dollar Umsatz, der trotz der Krise immer noch mit Gewinnen arbeitet und einen hohen freien Cashflow hat. Ein kerngesundes Unternehmen, für das wir ein Kursziel von 36,50 Dollar sehen.

mm.de: Wie sieht es bei den deutschen Unternehmen aus? Zum Beispiel bei den Autobauern?

Lingohr: In Deutschland haben wir jetzt DaimlerChrysler  ins Portfolio genommen. Die verdienen zwar immer noch nicht besonders gut, aber sie sind billig.

mm.de: Porsche  ist nicht dabei?

Lingohr: Ich bin zwar großer Fan von Porsche, aber die Aktie ist schon recht teuer. Interessanter ist da schon ein französischer Konkurrent wie Peugeot , derzeit ausgesprochen billig. Gut bewerten wir auch Volkswagen , aber ansonsten sehe ich im Bereich der Autowerte wenig kaufenswertes.

mm.de: Sind Bankwerte ein Thema für Sie?

Lingohr: Wir haben die Commerzbank  im Portfolio. Bei den anderen wird es schon schwierig. Die HypoVereinsbank  ist eher ein Kauf als die Deutsche Bank . Die ist zwar unterbewertet, aber andere Werte sind einfach billiger.

mm.de: Welche wären das?

Lingohr: Im Bereich des Dax 100 vor allem Metro , obwohl der Kurs schon etwas angezogen hat und jetzt bei rund 20 Euro liegt. Unser Kursziel liegt klar über 40 Euro. Ein weiterer Wert, den wir gekauft haben, ist Hochtief  - zwar mit einigen Bauchschmerzen, aber die Aktie nach unseren Berechnungen durchaus preisweit. Klare Kaufkandidaten sind für mich auch Lufthansa , MAN , Fresenius Medical Care , Merck  und RWE .

mm.de: Wie sieht es bei den US-Unternehmen aus?

Lingohr: Klarer Favorit ist Philip Morris , ein Dauerbrenner und eine der billigsten Aktien im Anlage-Universum. Spannend sind auch Eigenheimwerte wie Centex oder im Konsum-Finanzierungsbereich Equifax  und Household International . In den Investitionsgüterbereich würde ich eher nicht investieren, lieber in Kreditkartenwerte wie American Express  oder Broker wie Merrill Lynch .
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By the way, warum kauf er Aktien "mit Bauchschmerzen". Dann sollte er es doch lassen....

So long,
Calexa
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calexa:

Teil 4

 
17.10.02 15:38
mm.de: Was ergibt sich nach Ihrem Bewertungsmodell für die amerikanischen Hightechs, die bei dem Platzen der Börsenblase so stark unter die Räder gekommen waren?

Lingohr: Da sehe ich wenig Interessantes. Lucent Technologies  zum Beispiel ist extrem billig und hat - an den Kriterien klassischer Bewertung gemessen - jede Menge Kurspotenzial. Die Aktie ist aus meiner Sicht aber trotzdem absolut unattraktiv. Die würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen. Ein Wert, der sich langsam qualifiziert, ist Cisco . Die Aktie ist dicht davor, auf unsere Kaufliste zu kommen. Ähnlich ist es mit Electronic Data Systems . Der Wert ist regelrecht zertrümmert worden, aber dadurch hat man die Chance, die Aktie nun deutlich unter Buchwert zu kaufen.

mm.de: Was ist mit den "modernen Klassikern" im Hightech-Bereich, zum Beispiel AOL  und Amazon.com ?

Lingohr: AOL haben wir im Portfolio, die Aktie ist effektiv unterbewertet. Mit Amazon befasse ich mich seit geraumer Zeit, aber die Aktie ist immer noch zu teuer.

mm.de: Ein Blick auf die deutschen Wachstumswerte – bislang waren diese ja im Neuen Markt versammelt, der nun abgeschafft werden soll. Viele Fachleute hatten diesen Schritt seit Monaten erwartet und begrüßen die Entscheidung der Deutschen Börse . Sie auch?

Lingohr: Über das Thema Neuer Markt kann man öffentlich kaum noch sprechen. Das ist ja ein einziges Desaster. Was da stattgefunden hat, war ein organisierter Raubzug, an dem sich alle beteiligt haben. Eine Riesensauerei. Was die Deutsche Börse jetzt beschlossen hat, hätte man schon mindestens drei Jahre früher machen müssen. Die meisten der Unternehmen hätte man gar nicht für den Handel zulassen dürfen.

mm.de: Pannen gab es aber auch an anderen Finanzmärkten, wenn man sich die Skandale um Worldcom  und Enron  ansieht.

Lingohr: Der Vergleich hinkt. Das waren zumindest große, gestandene Unternehmen, die ein echtes Geschäft hatten, auch wenn dann im großen Maßstab Bilanzen gefälscht wurden. Wenn man sich dagegen die Buden am Neuen Markt ansieht, muss man feststellen, dass da überwiegend nichts als heiße Luft war. Es war unglaublich, zu beobachten, wie sich auf institutioneller Seite Überheblichkeit mit Dreistigkeit paarte. Wenn man jetzt großkotzig sagt: "Wir stellen den Neuen Markt ein", dann ist das ungefähr so, als würde ein Arzt für eine Leiche den Totenschein ausstellen.
(Quelle: www.manager-magazin.de)

So long,
Calexa
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terz:

Teil 5

 
17.10.02 15:40

Weil - meine Süße hat mich wieder angerufen!
Grüße ...

           



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calexa:

Teil 6

 
17.10.02 16:38
Weil ich Bijou-Aktien habe!

So long,
Calexa
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Speculator:

Teil 7-10

 
17.10.02 16:48
Ich habe das gleiche von verschiedene Analysten Ende 2000 und Ende 2001 gehört, immer das gleiche, nächstes Jahr wird es besser. Vielleicht hat er ja Recht, irgendwann muss es ja wieder nach oben gehen, ich wäre aber sehr vorsichtig. Der Bärenmarkt dauert nun schon so lange, dass wir gute charttechnische Trendlinien ableiten können, also Auge sei wachsam!


mfG: Speculator
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calexa:

Aber der Trend wird sich irgendwann ändern

 
17.10.02 16:53
meistens dann, wenn es keiner erwartet....

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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mod:

calexa, was wäre mit einer langjährigen Seitwärts-

 
17.10.02 17:07
bewegung bei hoher Volatibilität?
Antworten
calexa:

Und, was soll sein?

 
17.10.02 17:10
Auch der wird sich ändern.

So long,
Calexa
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gut-buy:

Lange Seitwärtsbewegung schließt hohe Vola aus.

 
17.10.02 17:14
Kurzfristig ist seitwärts bei hoher Vola möglich.
Langfristig jedoch ausgeschlossen.
Seitwärtsbegungen haben zur Folge, dass die vorher
hohe Vola fällt und OS durch Zeit- und Vola-Verluste
zwangsläufig immer weniger wert werden.
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mod:

Das war Vergangenheit, allerdings wie weit

 
17.10.02 17:59
reicht da Dein Zeithorizont?
Langfristig heisst  > 4 bis 5 Jahre.
Ich spreche von "langjährig", besser
wäre "mittelfristig".
Was heisst "hohe Vola"?
Besser wäre vielleicht "relativ hohe V.".

Daneben, es kommt immer anders als es
die Lehrbücher sagen.
Keiner der alten Hasen hat z.B. mit der Nachhaltigkeit
der Baisse 2000/02 gerechnet.

Viele Grüsse
m.
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