"Ich bedauere den Sturz der Saddam-Statue"

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lassmichrein:

"Ich bedauere den Sturz der Saddam-Statue"

16
19.03.07 14:31
#1

SPIEGEL ONLINE - 19. März 2007, 14:17
URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,472473,00.html

TV-DOKUMENTATION AUS IRAK

"Ich bedauere den Sturz der Saddam-Statue"

Das Bild ging um die Welt: Gemeinsam mit Dutzenden von Mitstreitern brachte Kadhim al-Jubouri im April 2003 in der Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft die Saddam-Statue in Bagdad zu Fall. Vier Jahre später bereut er das zutiefst - denn die Besatzung sei schlimmer als die Hussein-Diktatur.

Hamburg - Es war der Augenblick, auf den viele Iraker gewartet hatten: Am 9. April 2003 wurde auf dem Firdos-Platz in Bagdad die massive Saddam-Statue zu Fall gebracht. An vorderster Front war damals Kadhim al-Jubouri zu sehen - die Bilder, wie er einen Vorschlaghammer in den Betonsockel wuchtete, um den Bronze-Diktator zum Wackeln zu bringen, gingen um die Welt. Zu Tränen gerührt hatte er westlichen Medien gegenüber anschließend seinem Glücksgefühl Ausdruck verliehen.

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Ende des Diktators: Iraker stürzen am 9. April 2003 eine Saddam-Statue in Bagdad

Inzwischen, vier Jahre nach Kriegsbeginn, bedauert al-Jubouri seine damaligen Freudenausbrüche. In der Dokumentation "Regrets of the Statue Man", die heute im britischen Fernsehsender ITV ausgestrahlt wird, ist von Optimismus nichts mehr zu sehen.

Seine Lagebeschreibung des heutigen Irak könnte düsterer kaum aussehen: "Ich bedauere zutiefst, dass ich damals die Statue gestürzt habe. Die Amerikaner sind schlimmer als die Diktatur. Jeder Tag ist schlechter als der vorige Tag."

Nach einer Beschwerde bei Saddam-Sohn Udai, nicht für die Reparatur von dessen Motorrad bezahlt worden zu sein, habe er die ganze Brutalität des Saddam-Regimes am eigenen Leib erfahren. "Viele aus meinem Stamm mussten damals ins Gefängnis oder wurden gehängt. Nachdem dann die Statue gebaut worden war, war es immer mein Traum, sie zu stürzen."

Doch jetzt sehne er sich nach der Zeit unter Saddam. "Lieber der Teufel, den Du kennst, als der, den Du nicht kennst. Wir können Freund und Feind nicht mehr unterscheiden. Die Situation wird immer gefährlicher. Eine Besserung ist nicht in Sicht, die Menschen sind arm, und die Preise schießen in die Höhe. Saddam war wie Stalin. Aber es stellt sich heraus, dass die Besatzung noch schlimmer ist", so al-Jubouri in der Dokumentation.

Tatsächlich blicken viele Iraker vier Jahre nach dem Einmarsch der US-geführten Truppen im Irak immer pessimistischer in die Zukunft. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage unter mehr als 2000 Irakern, die im Auftrag von WDR/ARD, ABC News, BBC und der Zeitung "USA Today" durchgeführt wurde.

Nur noch eine Minderheit von 42 Prozent der Befragten glaubt demnach, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Etwas mehr als ein Drittel rechnet kurzfristig mit einer Besserung der Lage. Als dringlichstes Problem erleben die Iraker die fehlende Sicherheit im Land. Gerade einmal ein Viertel aller Befragten gab an, dass sie sich in ihrem Stadtteil sicher fühlen. Auch um die Grundversorgung mit Wasser und Strom scheint es schlecht zu stehen: Neun von zehn Befragten sagten in der Umfrage, dass die Stromversorgung "ziemlich schlecht" oder "sehr schlecht" sei - siebzig Prozent kamen bei der Frage nach sauberem Wasser zu einer ähnlichen Einschätzung.

Viele Tote bei Anschlagserie

Bei früheren Umfragen in den Jahren 2004 und 2005 hatten noch rund 80 Prozent der Befragten zuversichtlich in die Zukunft geblickt.

Bei einer Anschlagserie im Nordirak sind heute nach offiziellen Angaben 18 Menschen ums Leben gekommen und 37 weitere verletzt worden. Nach Angaben der Polizei explodierten in der Stadt Kirkuk an verschiedenen Orten fünf Sprengsätze. Bei einem Anschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad starben drei Menschen. Morgen jährt sich der Einmarsch der US-geführten Truppen im Irak zum vierten Mal.

vm/anr/AFP/AP/Reuters



@MOD:

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Quelle: JP

lassmichrein:

Mal UP, da interessant... o. T.

 
19.03.07 18:13
#2
jungchen:

hmm

 
19.03.07 18:18
#3
ich versuche grad, das in meinem fernsehprogramm zu finden... ohne erfolg.

"Dokumentation "Regrets of the Statue Man", die heute im britischen Fernsehsender ITV ausgestrahlt wird"
Go2Bed:

Sind jetzt die Amis schlimmer oder

 
19.03.07 18:27
#4
die Idioten, die meinen, sie müßten wahllos Menschen auf Märktplätzen oder sonstwo in die Luft jagen? Zu denen sagt der Typ komischerweise gar nix??

Und wie schlimm sieht's da unten eigentlich aus, wenn die Amis erst mal weg sind?
lassmichrein:

Ich denke mal, dass die meisten Idioten die

 
19.03.07 18:31
#5
Leute in die Luft sprengen eben WEIL die Amis da sind, und sich das wohl bessern würde, wenn diese weg wären.... MEINE Meinung...
Go2Bed:

Ich kann ja verstehen, daß einige gegen die Amis

 
19.03.07 21:47
#6
kämpfen. Ich kann auch noch verstehen, daß sie gegen irakische Soldaten kämpfen. Ich kann aber nicht verstehen, daß sie wahllos eigene Landsleute, darunter Frauen, Kinder und Alte in die Luft jagen!
Obwohl doch, es wird den Menschen so viel Angst gemacht, daß alle nur noch wollen, daß es so (schön!?) wird wie vorher.
Depothalbierer:

tja, einmal arsch, immer arsch.

 
19.03.07 22:26
#7
go2bed, das mit dem wahllos in die luft jagen habense von den amis gelernt.

schon vergessen, wieviele tonnen bomben die vor der kleinen invasion abgeworfen haben?

der brontalste gewinnt.

wird noch sehr vile nachahmer finden.

lang lebe saddam!

lassmichrein:

Saddams Stellvertreter heute morgen hingerichtet

 
20.03.07 07:49
#8

20. März 2007

Ehemaliger irakischer Vizepräsident Ramadan hingerichtet

Saddams Stellvertreter gehenkt

Auf den Tag genau vier Jahre nach Beginn des Irakkrieges und knapp drei Monate nach der Exekution Saddam Husseins ist auch der frühere Stellvertreter des Ex-Diktators hingerichtet worden. Der ehemalige irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan starb am Dienstagmorgen in Bagdad durch den Strang, berichtete der staatliche Fernsehsender Al-Irakija unter Berufung auf Regierungsbeamte. Ramadan war am 5. November vergangene Jahres wegen seiner Beteiligung an der Hinrichtung von 148 Schiiten 1982 zunächst zu lebenslanger Haft, später dann aber zum Tode verurteilt worden.

Ramadan will neben Saddam beigesetzt werden

Nach Angaben aus der Provinz Salaheddin soll Ramadan auf eigenen Wunsch neben Saddam Hussein in dessen Heimatdorf Audscha bei Tikrit beigesetzt werden. Eine entsprechende Vereinbarung mit Saddams Stamm sei schon getroffen worden, hieß es. Wegen der Hinrichtung der 148 Schiiten aus der Kleinstadt Dudschail waren bereits Saddam, dessen Halbbruder Barsan al-Tikriti und der frühere Richter Awad al-Bandar zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.

Erst lebenslang, dann Todesurteil

Ramadan hatte zunächst eine lebenslange Haftstrafe erhalten. Anschließend entschied das Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes jedoch, dass die Strafe zu "milde" sei, und wandelte sie in ein Todesurteil um, das ein Berufungsgericht am vergangenen Donnerstag bestätigt hatte. Die Hinrichtungen Saddams, seines Bruders und des Richters waren international kritisiert worden. Die EU protestierte dagegen, weil sie die Todesstrafe generell ablehnt. Andere Staaten wie die USA und mehrere arabische Länder hatten die Art und Weise der Hinrichtung kritisiert.

(dpa, N24.de)

 

Q: http://www.n24.de/politik/...php?articleId=108553&teaserId=110075


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Quelle: JP

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lassmichrein:

Irak: Ein Volk verliert die Hoffnung

 
20.03.07 08:40
#9

Irak: Ein Volk verliert die Hoffnung

Vier Jahre nach Beginn des Irakkriegs lehnt die Mehrzahl der Iraker die Präsenz der USA und ihrer Verbündeten im Land ab. 86 Prozent der Befragten hätten kein Vertrauen in das ausländische Militär, und 78 Prozent würden die Truppen am liebsten nach Hause schicken, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie, die von den Sendern ARD, BBC, ABC und der Zeitung "USA Today" in Auftrag gegeben wurde.

Die meisten Befragten haben demnach auch wenig Hoffnung, dass die Lage erträglicher wird. Lediglich 42 Prozent der Befragten glaubten, dass es ihre Kinder einmal besser haben würden, hieß es. Kurzfristig rechne sogar nur etwas mehr als ein Drittel der Iraker damit, dass sich ihre Situation verbessere.

Dramatische Veränderung

Bei Umfragen in den Jahren 2004 und 2005 hatten noch rund 80 Prozent der Befragten mit Optimismus in die Zukunft geblickt. Als dringlichstes Problem erleben die Iraker die fehlende Sicherheit im Lande. 74 Prozent der Befragten fühlen sich in ihrem eigenen Viertel nicht sicher - mehr als doppelt so viele wie bei der letzten Umfrage im November 2005. 30 Prozent der Befragten würden am liebsten den Irak verlassen. (dpa)

 

Q: http://www.n24.de/politik/...php?articleId=108344&teaserId=109861


@MOD:

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Quelle: JP

Ami, don't go home!

 
#10

SPIEGEL ONLINE - 24. April 2007, 18:35
URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,479108,00.html

IRAK-DEBATTE

Ami, don't go home!

Von Yassin Musharbash

Die US-Demokraten fordern einen Abzug der US-Armee aus dem Irak bis April 2008 - was unter den herrschenden Umständen das Rezept für eine Katastrophe wäre. Dieser Plan eignet sich nicht mal als Druckmittel. Stattdessen muss die US-Armee besser werden.

Berlin - Herr Keuner begegnete Herrn Wirr, dem Kämpfer gegen die Zeitungen. "Ich bin ein großer Gegner der Zeitungen", sagte Herr Wirr, "ich will keine Zeitungen." Herr Keuner sagte: "Ich bin ein größerer Gegner der Zeitungen: Ich will andere Zeitungen."

 

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REUTERS

Iraker, US-Soldat: Retten, was zu retten ist

Zugegeben, man kann die US-Armee nicht einfach mit einer Zeitung vergleichen. Trotzdem sollten sich gerade die Gegner der US-Invasion und die Kritiker der US-Praxis im Irak ein Vorbild an der Reaktion des Herrn Keuner in dieser Brecht-Geschichte nehmen. Keine US-Armee ist derzeit nicht die Lösung für den Irak - sondern eine bessere.  

Eine, die sinnvoller agiert. Auf gar keinen Fall jedoch eine, die wegrennt und das Land sich selbst überlässt.

Sicher, der erzwungene Abzug als gedemütigte Armee wäre ein Triumph für alle, die den USA und George W. Bush nachweisen wollen, dass sie sich verzettelt haben. (Als wäre das noch nötig.) Aber er hätte Folgen, die die gegenwärtige Tragödie im Nachhinein wahrscheinlich wie ein blasses Vorspiel erscheinen lassen würden. Niemand kann das wollen, auch der größte USA-Hasser nicht.

Denn es steht mehr auf dem Spiel als das Image der USA.

Wenn die USA tatsächlich abziehen würden, weil eine Deadline dies vorsieht und nicht weil die Zustände im Irak es erlauben - was würde dann passieren? Als erstes würde buchstäblich jeder im Irak das Verdienst dafür reklamieren: von Premierminister Nuri al-Maliki über den Schiitenprediger Muktada al-Sadr und die irakischen Aufständischen bis zur irakischen Qaida-Filiale. Und sodann würde jeder weitermachen wie bisher, weil dieses triumphale Ereignis ja den eingeschlagenen Weg rechtfertigt.

Die Anwesenheit der USA ist momentan das kleinere Übel

Würde der Irak dadurch demokratischer, friedlicher, sicherer, vereinigter? Nein. Im Gegenteil. Denn noch dient die US-Armee bei allen Problemen, die ihre Präsenz schafft, auch als Puffer. Anders gesagt: In der Situation, in die sie den Irak gebracht haben, ist die Anwesenheit der USA momentan noch das kleinere Übel.

Ungehindert durch US-Soldaten fiele es Militanten aller Seiten viel leichter, einander abzuschlachten. Der Bürgerkrieg würde wahrscheinlich vollends eskalieren. Und ohne Druck der USA würde al-Malikis Regierung den schiitischen Militanten noch mehr Freiraum für Racheakte gegen Sunniten lassen.

Das Vakuum, das der US-Abzug zur Unzeit hinterließe, würde umgehend von Nachbarstaaten gefüllt, die nur bedingt aufrichtige Motive haben. Saudi-Arabien hat kein Interesse, einen schiitisch dominierten Irak entstehen zu sehen, der sich an den Erz-Konkurrenten Iran anlehnt. Es würde deshalb die sunnitischen Gruppen unterstützen und den Irak damit weiter destabiliseren. Die Türkei würde sich vermutlich endlich so weit unbeobachtet fühlen, um im Nordirak die Separationsversuche der Kurden zu torpedieren - das könnte zu einer neuen Front führen. Nicht auszuschließen ist außerdem, dass in kurzer Zeit eine schiitische Diktatur light im Irak entsteht. Denn wer würde einen solchen Prozess stoppen? Der einzige Gewinner wäre möglicherweise: Iran.

Ja, der Irak-Krieg war ein Fehler. Aber ein überstürzter Abzug macht ihn nicht wieder gut und ist kein absoluter Wert an sich. Nur konsequente Schadensbegrenzung hilft jetzt, und das bedeutet: Bleiben, bis der Irak auf eigenen Füßen stehen kann.

Zu wenig Finger und kein Flickzeug

Leider sind die gegenwärtig angewandten Rezepte nicht erfolgreich. Im Moment agiert die US-Armee wie jemand, der nicht genug Finger hat, um all die Löcher zuzuhalten, aus denen Luft entweicht. Aber noch schlimmer ist: Sie hat kein Flickzeug.

Hier müsste der policy change ansetzen - es müssen andere Rezepte ausprobiert werden. Die US-Armee muss im Irak besser werden, so wie Herr Keuner es sich von den Zeitungen wünscht.

Und besser heißt zum Beispiel: sich nicht in den Bürgerkrieg hineinziehen lassen, wie es jetzt droht, falls tatsächlich Mauern um Bagdads Stadtteile gezogen werden. Dieser Plan mag zwar zunächst einleuchtend klingen, kann sich aber schnell als selbst gebaute Falle entpuppen. Der Plan sieht vor, dass US-Soldaten an befestigten Checkpoints Ein- und Ausgänge kontrollieren. Natürlich werden sie das erste Ziel von Militanten sein. Und die US-Soldaten würden darauf "mit massiver Feuerkraft reagieren - was dann genau die Gegenden zerstört, die 'beschützt' werden", warnt schon jetzt ein US-Offizier laut "Independent".

Die USA haben schwere Fehler gemacht, die sie heute nicht mehr korrigieren können. Die Auflösung der irakischen Armee zum Beispiel, von Abu Ghuraib ganz zu schweigen. Aber die Alternative heißt jetzt nicht Abzug auf Teufel komm raus, weil der sonst wirklich rauskommt. Sondern retten, was zu retten ist.

"Die Amerikaner werden sich Sache nicht ewig ansehen"

Zum Beispiel: Mit viel mehr Aufwand, Geld und Energie als bisher die "neue" irakische Armee aufbauen und trainieren. Und sie nicht halbausgebildet ins Gefecht schicken, wo die Soldaten dann desertieren.

Oder: Dafür sorgen, dass die Einnahmen aus dem irakischen Öl gerecht verteilt werden, um den Sunniten eine wirtschaftliche Perspektive aufzuzeigen, die sich auch für sie aus dem "neuen Irak" ergeben kann.

Oder: Sich weniger wie eine brutale Besatzungsarmee aufführen und deutlicher machen, dass man den Irakern helfen möchte, ihre ärgsten inneren Feinde, die Terroristen, die sich gar nicht um den Irak scheren, auszuschalten.

Oder: Bei der Irak-Konferenz Anfang Mai dafür sorgen, dass diese ein Erfolg wird - ohne dies durch übertrieben aggressive Rhetorik gegen Iran gleich wieder in Frage zu stellen.

Der "New York Times"-Kolumnist Thomas Friedman pries kürzlich die US-Demokraten für ihr Beharren auf einem konkreten Abzugstermin. Dieser Druck erlaube es dem Irak-Kommandeur, General Patraeus, zu den Irakern zu sagen: "Nancy Pelosi ist zwar total verrückt, aber sie hat viele Anhänger. Ich will nicht abhauen, doch die Amerikaner werden sich Sache hier nicht ewig mit ansehen. Ich habe nur noch ein paar Monate."

Fall in die totale Finsternis

Aber diese rhetorische Figur verfängt nicht, weil für jeden offensichtlich ist, dass es ein Bluff wäre. Die USA können es sich schlicht nicht leisten, einen ruinierten Irak zu hinterlassen. Was sollte denn dann die Botschaft an die Iraker und die "arabische Straße" sein: Manchmal stürzen wir eure Führer, manchmal nicht, manchmal bombardieren wir euch, manchmal nicht, manchmal versprechen wir euch Demokratie und Freiheit - aber eigentlich ist es uns egal, was danach bei euch passiert?

Es gibt eine einfache Formel, nach der man bestimmen kann, wann der Zeitpunkt für einen US-Abzug akzeptabel ist: Der Irak darf nicht in einem Zustand zurückgelassen werden, in dem alles schlimmer ist, als es auch sonst im schlimmsten Fall gekommen wäre (natürlicher Tod Saddam Husseins, interne Revolte, Weiter-so). Das ist das Mindeste.

Wenn das bis April 2008 gelingt: Ami, go home! Wenn nicht: Please stay! Und zwar nicht im Interesse der USA - sondern im Interesse des Irak, der es nicht verdient hat, das ihn niemand vom Fall in die totale Finsternis zurückhält.


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