Horst Köhler macht es spannend

Beiträge: 24
Zugriffe: 585 / Heute: 1
Horst Köhler macht es spannend gamblelv
gamblelv:

Horst Köhler macht es spannend

 
21.07.05 09:15
#1
Mittwoch, 20. Juli 2005
Neuwahl oder nicht?
Viele Bürger sind dafür

Der Bundespräsident hat noch einen Tag Zeit, über eine Auflösung des Bundestages zu entscheiden. Spätestens am Freitag muss Horst Köhler sagen, ob er dem Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) folgt und den Bundestag vorzeitig auflöst. Dann endet der Zeitraum von 21 Tagen, den die Verfassung dem Präsidenten nach einer für den Bundeskanzler verlorenen Vertrauensabstimmung einräumt. Offen ist, in welcher Form der Bundespräsident seine Entscheidung bekannt gibt.

73 Prozent der Bevölkerung halten eine Neuwahl für richtig. Dies ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv (18. und 19. Juli/1001 Befragte). 81 Prozent der Befragten prognostizieren einen Regierungswechsel im Anschluss an die Wahl. Eine CDU/CSU-geführte Bundesregierung werde jedoch keine bessere Arbeit machen als Rot-Grün, glauben 76 Prozent der Bevölkerung. Zufrieden mit dem Wahlprogramm der Unionsparteien sind nur 27 Prozent, 43 Prozent zeigten sich enttäuscht.

Trotz der Unsicherheit ist der Wahlkampf schon weit voran geschritten. In der Union hat Kanzlerkandidatin Angela Merkel einen speziellen Ost-Wahlkampf abgelehnt. "Wir führen einen Wahlkampf für ein Land", sagte die CDU-Vorsitzende der "Financial Times Deutschland". Angesichts hoher Umfragewerte für die Linkspartei im Osten war in der CDU zuvor ein Streit über das Für und Wider eines mehr auf Ostdeutschland abgestimmten Wahlkampfs ausgebrochen.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag): "Jede Absonderung sollten wir vermeiden." Es gehe darum, die Vorzüge des CDU-Programms zu verdeutlichen. "Das müssen wir in Brandenburg anders vermitteln als in Niedersachsen, aber die Botschaft bleibt die gleiche."

Parteienforscher haben die Union vor einem Sonderwahlkampf in Ostdeutschland gewarnt. "Es wäre nicht klug, wenn die CDU in Ost und West mit unterschiedlichen Programmen Wahlkampf führen würde", sagte der Bremer Politikwissenschaftler Prof. Max Kaase dem "Münchner Merkur". Stattdessen müsse die CDU in Ostdeutschland ihre Präsenz erhöhen. "Das funktioniert jedoch nicht über die Herausstellung von Angela Merkel. Sie ist inzwischen eine gesamtdeutsche Politikerin."

Die SPD-Linke schließt indes eine große Koalition nach der Bundestagswahl nicht aus. "Regieren ist immer besser", sagte Fraktionsvize Michael Müller, der Sprecher der Parlamentarischen Linken, der "Berliner Zeitung". Er habe keinerlei Sehnsucht nach Opposition. "Natürlich ist es so, dass eine Koalition immer mit Kompromissen verbunden ist", fügte er hinzu. "Aber der Maßstab für alle in der SPD sollte sein, ob es wenigstens schrittweise in die richtige Richtung geht."
Horst Köhler macht es spannend DarkKnight
DarkKnight:

Von einem intelligenten Menschen sollte man

 
21.07.05 11:26
#2
eigentlich erwarten können, daß er keine 21 Tage braucht, um eine Entscheidung zu fällen.

Zugegeben, es ist bedeutsam und schwerwiegend, was gerade ansteht, denn, und ich wundere mich, warum ich diese Frage noch nie in einer öffentlichen Diskussion gehört habe, denn: die Frage ist: was passiert eigentlich, wenn es Schwarz-Gelb nicht schafft?

Dann haben wir künftig einen aufgelösten Bundestag mit dem Argument "Wir haben ja keine Mehrheit im Bundesrat und sind regierungsunfähig" und vielleicht wieder ne regierungsunfähige Regierung.

Das ist Affentheatermäßig und einer Nation nicht würdig, die als Exportweltmeister bezeichnet wird und abgesehen von Jan Ullrich auch auf anderen Gebieten dominiert/dominieren will.

Jetzt das Horstele da, der einsame Entscheider, ganz oben an der Spitze der Gesellschaft, so wie damals der Kommandeur vom Raumschiff Orion, und er geht in sich, er windet sich in Krämpfen und weiß um seine Verantwortung, aber keiner kann ihm helfen, aber es geht um die Nation, um das Volk, um ... um den Studienplatz seiner Enkel. Himmelnochmal, was muß der Mann leiden angesichts dieser Verantwortung.

Beim Kohl war das anders. Der ist einfach zur Bildzeitung gegangen und hat die Wiedervereinigung verkündet. Frei nach dem Motto "Mal schauen, was dabei rauskommt".

Die Amis und die Russen sind aus den Latschen gekippt, aber er hats einfach gemacht.

Vielleicht ist es doch besser, Gechichte gemeint studiert zu haben als sich mit einem Jura-Examen schmücken zu wollen.

In diesem Sinne als Zusammenfassung: wenn der Mann nach 20 Tagen noch keine Meinung hat, dann hat er überhaupt nichts, was ihn zum Bundespräsidenten qualifizieren könnte.
Horst Köhler macht es spannend Scontovaluta
Scontovaluta:

Alles Show und zwar eine ziemlich

 
21.07.05 11:30
#3
schlechte. Warum das alles so aufgezogen wurde, hat viel mit Eitelkeit zu tun. Absolut unglaubwürdig!
Da kann er sich nur blamieren.
Horst Köhler macht es spannend SAKU
SAKU:

Also..

 
21.07.05 11:34
#4
Horst Köhler macht es spannend 54reab
54reab:

wenn ich durch die stadt fahre

 
21.07.05 11:36
#5
und überall die wahlplakate sehen, haben die parteien den bundespräsidenten längst zum kasperle abgestempelt. jetzt bis zum letzten augenblick zu schmollen, bringt ihn auch nicht weiter. nur wenn er ein mannsbild ist und die auflösung ablehnt, kann er seine reputation, trotz allem dann aufbrausenden parteiengeschrei, wieder erlangen. das parlament sollte endlich auch den mut haben und sich im grundgesetz ein selbstauflösungsrecht geben. dann bleiben uns zukünftig derartige peinlichkeiten erspart.


 Horst Köhler macht es spannend 2022075

Horst Köhler macht es spannend kiiwii
kiiwii:

ein Mist, der hier wieder verzapft wird...

 
21.07.05 11:37
#6
Wenn Köhler auflösen will und Neuwahlen ermöglichen will und wenn die nicht
(repeat: n i c h t ) in den bayerischen Schulferien stattfinden sollen, dann kann er frühestens am 20.07.05 auflösen; löst er früher auf, sind die Bayern noch in den Sommerferien.

Klaro ?



MfG
kiiwii

Horst Köhler macht es spannend 2022077
Horst Köhler macht es spannend Happy End
Happy End:

@kiiwii

 
21.07.05 11:40
#7
Er könnte aber wneigstens mal den Zeitpunkt sagen, wann er gedenkt, seine Entscheidung kundzutun...
Horst Köhler macht es spannend .Juergen
.Juergen:

ist doch alles nur showtime

 
21.07.05 11:42
#8
die entscheidung stand doch schon am 1. tag fest
nur will er damit deutlich nach aussen zeigen
"das er es sich nicht leicht gemacht hat"
und sehr gründlich über das für und wider nachgedacht hat..showtime..*ggg*
Der ARIVA.DE Newsletter
Bleiben Sie informiert mit dem
wöchentlichen Marktüberblick
von ARIVA.DE!
E-Mail-Adresse
Ich möchte Benachrichtigungen von ARIVA.DE erhalten.
Ja, ich habe die Datenschutzhinweise gelesen und akzeptiert (Pflichtfeld).
Horst Köhler macht es spannend kiiwii
kiiwii:

und ausserdem hätte der Bundestag immer noch einen

 
21.07.05 11:43
#9
neuen Kanzler vermittels konstruktiven Mißtrauensvotums wählen  k ö n n e n.
Dann wäre Köhler ohnehin aus der Klemme gewesen.

Bei sehr frühzeitiger Auflösung hätte er sich möglicherweise den Vorwurf eingehandelt, er habe dem Parlament dieses Recht sozusagen "abgeschnitten".


Geduld!


MfG
kiiwii

Horst Köhler macht es spannend 2022090
Horst Köhler macht es spannend kiiwii
kiiwii:

H.E.: Bin eigentlich ziemlich sicher, daß

 
21.07.05 11:46
#10
der Zeitpunkt heute noch bekannt wird; tippe sogar auf Fernsehansprache um 20:00 Uhr.


MfG
kiiwii

Horst Köhler macht es spannend 2022092
Horst Köhler macht es spannend Scontovaluta
Scontovaluta:

Die Bayern sind unwichtig, Kiiwii,

 
21.07.05 11:47
#11
und auch wieviele da wählen gehen.
Es kommt sowieso immer wieder nur das gleiche Ergebnis raus, prozentual gesehen.
Horst Köhler macht es spannend kiiwii
kiiwii:

ich sach mal: jeder einzelne Wähler ist genauso

 
21.07.05 11:50
#12
wichtig wie Du. Und das gilt auch für die bayerischen ...

Deshalb wählt man nicht in den Ferien, ganz einfach.
Würde evt. sogar Klagen nach sich ziehen.


MfG
kiiwii

Horst Köhler macht es spannend 2022097
Horst Köhler macht es spannend Scontovaluta
Scontovaluta:

Ist die Ansprache schon aufgezeichnet, Kiiwii?

 
21.07.05 11:54
#13
Nicht, dass die das wieder verwechseln wie bei Kohls legendärer Neujahrsansprache!
Horst Köhler macht es spannend bernstein
bernstein:

affentheater

 
21.07.05 12:23
#14
und diese "bananenrepublik" will einen ständigen sitz in der uno.legen dann vielleicht
ihr veto ein wenn in indien ein furz grün angemalt werden soll.oh man!
dann noch die klagen von frustrierten abgeordneten vor dem verfassungsgericht.oh man
mir wird übel.
überall laufen die wahlen auf hochtouren und der horsti macht einen auf show.lachhaft.
Horst Köhler macht es spannend chefvonsganze
chefvonsganze:

hier schon mal ein exklusiver Ausschnitt

 
21.07.05 12:36
#15
aus der Rede von Hotte Köhler:

"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, in den letzten 3 Wochen hatte ich eine schwierige Entscheidung zu treffen, die für das weitere Schicksal unseres Landes...bla bla bla...." Dabei schaut er noch total wichtig in die Kamera, welche 67-jährige Rentnerin könnte da schon widerstehen?
Horst Köhler macht es spannend AbsoluterNeuling
AbsoluterNeul.:

@chef: ich glaube, das ist eine Fehlinformation.

 
21.07.05 12:43
#16

Der Redetext lautet natürlich:

Liebe Deutschinnen und Deutsche,

der Noch-Bundeskanzler Herbert Schröder hat mich gezwungen zu arbeiten und mich vor ein kaum einzuhaltendes Ultimatum gestellt. Das steht so nicht in meinem Anstellungsvertrag als Bundespräsident. Die ersten Tage der drei Wochen sah ich mich schweren seelischen Qualen ausgesetzt, bis ich endlich die liebe Frau Merkel auf ihrem Handy erreichen konnte. Angeblich war der Akku leer. Sie hat mir dann gesagt, was ich zu tun habe.

Und dann kommt die Stelle mit der "schweren Entscheidung".

Mehr verrate ich nicht - Ihr sollt das ja morgen alle kucken!


A.N.
(vincit sedendo)

geschichtsunterricht ist das eine, die wahrheit oftmals eine andere. war in meck/pomm und es gab nur einen, der bei diesem lehrer je eine 1+ in der mündl. prüfung bekam.

Horst Köhler macht es spannend Karlchen_I
Karlchen_I:

Juristen - braucht man sowas?

 
21.07.05 12:46
#17
Unklarheit über Köhlers Frist

Berlin (dpa) - Unmittelbar vor Ablauf der Frist ist unter Juristen strittig, bis zu welchem Zeitpunkt der Bundespräsident seine Entscheidung über eine mögliche Auflösung des Bundestages bekannt geben muss.

«Die Berechnung der Frist nach Artikel 68 Absatz 1 des Grundgesetzes ist Sache des Bundespräsidenten», sagte am Donnerstag in Berlin eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, das zugleich das Verfassungsministerium ist.

Artikel 68 gibt dem Bundespräsidenten 21 Tage Zeit, um nach einer verlorenen Vertrauensfrage über das Begehren des Kanzlers nach einer vorzeitigen Auflösung des Bundestages zu entscheiden. Diese Frist endet an diesem Freitag, wobei allerdings der genaue Zeitpunkt unklar ist.

Zahlreiche Juristen vertreten die Auffassung, dass der sicherste Weg wäre, vom Zeitpunkt der Vertrauensfrage an zu zählen. Das Abstimmungsergebnis über die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gestellte Vertrauensfrage wurde am 1. Juli um 12.12 Uhr bekannt gegeben. Nach dieser Rechtsmeinung müsste Bundespräsident Horst Köhler seine Entscheidung bis spätestens am 22. Juli, 12.12 Uhr, kundtun.

Andere Verfassungsjuristen sind allerdings der Auffassung, dass es bei der Berechnung nicht auf Stunden und Minuten ankommt, sondern die Frist am Ende des letzten Tages endet. Das wäre Freitag um 24.00 Uhr. Diese Frist entspräche den Gepflogenheiten im normalen Rechtsleben. Unklar ist aber, ob dies auch für einen Verfassungsartikel gilt. Eine Rechtsprechung zu diesem seltenen Fall gibt es nicht.


Als Bundespräsident Karl Carstens 1983 nach dem Begehren von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) den Bundestag auflöste, hielt er sich an die sichere Variante. Das Ergebnis der verlorenen Vertrauensfrage wurde am 17. Dezember 1982 gegen 13.00 Uhr bekannt gegeben. Die Entscheidung Carstens wurde 21 Tage danach, am 7. Januar 1983, 9.58 Uhr zugestellt.

Horst Köhler macht es spannend 54reab
54reab:

was wäre, wenn köhler erst am

 
21.07.05 12:49
#18
samstag auflösen würde? wäre die auflösung dann ungültig?
Horst Köhler macht es spannend AbsoluterNeuling
AbsoluterNeul.:

Er wird dann auf Schadensersatz verklagt und...

2
21.07.05 12:50
#19
...muss den Bundeshaushalt 2006 aus seinem Privatvermögen bezahlen.
A.N.
(vincit sedendo)

geschichtsunterricht ist das eine, die wahrheit oftmals eine andere. war in meck/pomm und es gab nur einen, der bei diesem lehrer je eine 1+ in der mündl. prüfung bekam.

Horst Köhler macht es spannend kiiwii
kiiwii:

Laut Zeitung könnte Köhler noch heute Entscheidung

 
21.07.05 13:32
#20
Focus


Laut Zeitung könnte Köhler noch heute Entscheidung ...

Passau (dpa) - Bundespräsident Horst Köhler gibt möglicherweise noch heute seine Entscheidung über eine Auflösung des Bundestages bekannt.

Die Passauer Neue Presse berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Gerhard Schröder werde noch heute aus Hannover nach Berlin zurückkehren.

Der Bundeskanzler wolle sich am Nachmittag für eine Stellungnahme im Kanzleramt bereithalten.

Köhler werde entgegen ursprünglicher Berichte einen Termin bei einer Modenschau in Berlin am Abend nicht wahrnehmen.



MfG
kiiwii

Horst Köhler macht es spannend 2022313
Horst Köhler macht es spannend 54reab
54reab:

heute 20.15

 
21.07.05 15:16
#21
NEUWAHLEN

Köhler kündigt TV-Ansprache für 20.15 Uhr an

Bundespräsident Horst Köhler wird heute Abend in einer ARD-Fernsehansprache um 20.15 Uhr seine mit Spannung erwartete Entscheidung für oder gegen vorgezogene Neuwahlen verkünden. Das teilte das Bundespräsidialamt in Berlin mit.

In Kürze mehr dazu auf SPIEGEL ONLINE.
Horst Köhler macht es spannend kiiwii
kiiwii:

na also, um 20:15 Uhr heute Abend

 
21.07.05 15:18
#22
(sry., hab ich mich um 15 min. vertan in P.10))



MfG
kiiwii

Horst Köhler macht es spannend 2022626
Horst Köhler macht es spannend Dr.UdoBroemme
Dr.UdoBroem.:

Rede zum Volk kann ja nur Neuwahlen bedeuten.

 
21.07.05 17:16
#23
Ansonsten hätter er das zuerst mit den Parteivorsitzenden besprochen und danach per Pressekonferenz bekanntgegeben.

Horst Köhler macht es spannend 2022811
Never argue with an idiot -- they drag you down to their level, then beat you with experience.
Horst Köhler macht es spannend onestone

Der Donnerstag der Erlösung

 
#24
 
21.07.2005   18:08 Uhr
Horst Köhler

Foto: AP

 

Köhlers Entscheidung

Der Donnerstag der Erlösung

Das Wort des Bundespräsidenten kommt zu einem Moment, da in Berlin die Spannung kaum mehr auszuhalten ist. Oder: Wie aus einer Modenschau ein politisches Ereignis wird - dann doch wieder eine Modenschau.
Von Nico Fried und Christoph Schwennicke

Horst Köhler macht es spannend 2022960
 
mehr zum Thema

Verlaufsdiagramm
Was passiert, wenn Horst Köhler... weiter
 
Das Warten auf den Bundespräsidenten
Komme gleich. Köhlerweiter
 
Mögliche Neuwahl
"Ein Wahlkampf für das ganze Land"weiter
 

 

Eine Uhrzeit macht Geschichte, jedenfalls ein bisschen: Um 15.05 Uhr am Donnerstag flackerte auf den Bildschirmen der Berliner Redaktionen die Nachricht auf, Horst Köhler werde am Abend im Fernsehen, gleich nach der Tagesschau, seine Entscheidung über die Neuwahl bekannt geben.

Endlich Klarheit, eine Nachricht wie eine Erlösung. Denn die Frage, wann der Präsident sich ans Volk wenden werde, war im naturgemäß ungeduldigen politisch-publizistischen Komplex der Hauptstadt mittlerweile fast schon wichtiger geworden als die Frage, was er wohl zu verkünden habe.

Und mit einem Mal erwachte das politische Berlin, das zuvor so leer und verlassen gewirkt hatte wie eine Baustelle ohne Bauarbeiter. Der Bundestagspräsident meldete sich für 20.25 Uhr an, der Bundeskanzler für 20.35 Uhr, und Werner Schulz, der grüne Rebell, der vor dem Verfassungsgericht gegen die Neuwahl klagen will, lud für Freitag 10.30 Uhr zu einer Pressekonferenz.

Die Sphinx vom Tiergarten

Oh ja, natürlich hatten alle Gelassenheit gemimt, die in Berlin verbliebenen Politiker und auch jene, die von den Fernsehteams zwei Tage lang in ihren Wohnzimmern oder an ihren Urlaubsorten heimgesucht wurden. Nun müsse man eben abwarten, analysierte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Gernot Erler messerscharf.

Und sein Gegenüber in der Unions-Fraktion, Wolfgang Schäuble, meinte, die ein, zwei Tage werde man schon auch noch überstehen.

Eine eigentümliche Stille lag über dem sonst so schrillen Politikbetrieb, und regiert wurde schon gleich gar nicht mehr, sieht man von einem Spaziergang der Bundesministerin Ulla Schmidt ab, mit dem sie am Mittwoch dafür warb, zum Zwecke der Gesundheitsvorsorge täglich 3000 Schritte zu gehen.

Es war die Ruhe vor dem Sturm. Wo sonst das Handy ausgeschaltet wird, weil man in Ruhe reden will, blieb das Telefon diesmal an und klingelte in jedes Gespräch mit jedem noch so banalen Anruf hinein. Es hätte ja der Anruf sein können.

Das zermürbende Warten begann am Mittwoch, dem Tag, an dem Köhler frühestens seine Entscheidung verkünden konnte, um den Wahltermin 18. September zu ermöglichen.

Doch je länger die Sphinx vom Tiergarten die Spannung aufrecht hielt, umso genervter reagierte das politische Berlin auf die Horst-Köhler-Show. Mittwoch war die Stimmung noch einigermaßen gut, und man vertrieb sich die Zeit mit Indizien, Vermutungen, Wahscheinlichkeiten. Ruhig bleiben, Gerhard Schröder noch zu Hause in Hannover.

Man verließ sich im Kanzleramt auf die Info-Achse zwischen Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier und Michael Jansen, Chef des Bundespräsidialamts, dem Mann Köhlers am Kabinettstisch.

In angemessenem Abstand

Vereinbart worden war, dass Jansen rechtzeitig Bescheid geben werde, um Schröder die Anreise nach Berlin zu ermöglichen. Ziel des Kanzleramts war stets, dass Schröder in „angemessenem Abstand“ auf die öffentliche Ansprache Köhlers reagieren wolle.

Und dies vor der blauen Regierungswand im Kanzleramt, nicht vor dem Reihenhaus in Hannover. Später sollten aus dem angemessenen Abstand dann 15 Minuten werden.

Die Redenschreiber des Kanzlers arbeiteten am Mittwoch noch in aller Ruhe und ohne jeden Zeitdruck an der Entgegnung des Kanzlers auf eine Erklärung, die man noch gar nicht kannte. Ernsthaft, so hieß es, und mit der Nagelfeile sei nur an Version A, also der Entgegnung auf ein Ja des Präsidenten gearbeitet worden.

Was weiß man schon?

Entspannen konnte man als politischer Beobachter am Mittwoch nur in dem Augenblick, als es hieß, Sigrid Krampitz verlasse für mehrere Stunden das Kanzleramt. Wenn Frau Krampitz, die Büroleiterin Schröders, die Brücke verlässt, dann weiß sie, dass in den nächsten Stunden nichts passiert.

Andererseits: Was weiß man schon? Auf alle Eventualitäten mussten sich auch die Parteizentralen einrichten, um ihren Dienstherren für alle Fälle einen Platz zu sichern, an dem sie umgehend in eine Kamera sprechen können. Gar nicht so einfach zu einer Zeit, in der Spitzen wie SPD-Chef Franz Müntefering das bisschen Sommerpause nutzen, um wenigstens ein paar Tage auf Norderney auszuspannen.

Insel ist immer schlecht bei einer Notwendigkeit, schnell reagieren zu müssen, also war für Freitag anlässlich einer Trauerfeier für den früheren Postgewerkschaftschef Knut van Haaren in Delmenhorst ein Statement-Platz für Müntefering vorbereitet. „Das kann uns jederzeit Knall auf Fall erwischen“, bimste Müntefering-Sprecher Lars Kühn seinen Leuten immer wieder ein. Er sollte Recht behalten.

Ein zelebriertes Drama

Der Mittwoch verstrich und auch der Donnerstag, jedenfalls 15 Stunden und vier Minuten lang, ohne dass das Präsidialamt auch nur einen Wink gegeben hätte, wann sich Köhler äußern werde, geschweige denn wie.

Man kann nicht ganz sicher sein, dass sich der Präsident und seine Mitarbeiter damit einen Gefallen getan haben. Vor allem am Donnerstag mehrten sich die Gespräche von Journalisten mit Politikern und ihren Helfershelfern, in denen die Geheimniskrämerei immer einvernehmlicher als lächerliche Wichtigtuerei des Staatsoberhauptes qualifiziert wurde.

Schon möglich, dass es eine ideale Regie für die Bekanntgabe einer solchen Entscheidung nicht gibt in einer Mediendemokratie, in der das Wartenkönnen zu einer verlernten Tugend geworden ist. Sicher aber ist, dass sich Bundespräsident Horst Köhler keine Freunde gemacht hat mit seinem zelebriert wirkenden Drama.

Weil es auch über die Information des Bundespräsidenten durch den Bundeskanzler am Nachmittag des 22.Mai, also dem Wahltag von Nordrhein-Westfalen und der Neuwahl-Entscheidung des Bundeskanzlers Missstimmungen zwischen Kanzleramt und Präsidialamt gab, stöhnte freilich keiner aus der Regierung zu vernehmlich über das Schweigen des Bundespräsidenten.

Aber dennoch: So manche Stirn legte sich spätestens am Donnerstagnachmittag in Falten, ob das denn alles so sein müsse. Als die Pressemitteilung aus dem Präsidialamt um 15 Uhr einlief, war das bestenfalls gerade noch rechtzeitig, bevor die Genervtheit in offene Wut umschlug.

Zumal da keiner mehr daran zweifelte, dass Köhler sich der Neuwahl nicht in den Weg stellen werde.

Wenigstens der Bundeskanzler bot am Donnerstag Nachrichtenstoff. Gerhard Schröder werde am Nachmittag von seinem Heimat- und Urlaubsort Hannover nach Berlin kommen, war zu erfahren. Mit dem Zug – für alle, die es genau wissen wollten. Ansonsten versicherten auch die Kanzleristen ziemlich glaubwürdig, dass sie keine Ahnung von den Absichten des Präsidenten hätten.

Weil es außer Mutmaßungen und Spekulationen kaum etwas zu berichten gab, blickten viele Journalisten wie gebannt auf einen für Donnerstagabend angekündigten Termin, den Auftritt Köhlers bei einer Modenschau zugunsten der Aktion „Gemeinsam für Afrika“.

Köhler werde kommen, sich aber nicht zur Innenpolitik äußern, hatten die Veranstalter zunächst mitgeteilt. Am Mittwochabend plötzlich war der Termin dann von Köhlers Internet-Seite verschwunden. Am Donnerstagmittag wurde gemeldet, Köhler habe den Termin abgesagt, wovon der Veranstalter aber nichts wusste und worauf das Präsidialamt erklärte, der Präsident habe zugesagt und zu Spekulationen der Medien äußere man sich nicht.

Mit der Ankündigung der Fernsehansprache teilte das Amt schließlich mit, Köhler habe den Termin mit Bedauern abgesagt. Es war schon eine ganz eigene Geschichte, wie aus einer Modenschau einmal ein politisches Spitzenereignis wurde. Und dann wieder eine Modenschau.

Aber wen interessiert das jetzt noch?

(SZ vom 22.7.2005)



Talkforum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--