Herzlich Willkommen zur Abschiebung

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Herzlich Willkommen zur Abschiebung

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07.05.06 00:48
#1

Rundfunk Berlin Brandenburg

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Beitrag vom 04.05.2006

Herzlich Willkommen zur Abschiebung – wie ein junger Mann trotz Integration an der Willkür der Behörden scheitert

Quais Kamran stammt aus Afghanistan. Er lebt mit seinen Eltern und Geschwistern seit 16 Jahren im hessischen Friedberg. Nach seinem Schulabschluss will er Polizist werden. Doch ausgerechnet als er sich um die Ausbildung zum Polizeibeamten bewerben will, wird die Ausländerbehörde auf ihn aufmerksam: Jetzt will sie ihn und einen Großteil seiner Familie abschieben. Über das Thema „Abschiebung von Altfällen“ diskutiert seit heute die Innenministerkonferenz. Susanne Opalka und Steffen Mayer berichten über gedankenlose und inhumane Ausländerpolitik.

Können Sie alles außer Hochdeutsch? Wenn nicht, dann muss Sie das nur dann beunruhigen, wenn Sie keinen deutschen Pass haben. Heute und morgen wollen die Innenminister neue Einbürgerungsregeln schaffen. Da wird das Wort ‚Integration’ wieder häufig – häufiger – am häufigsten benutzt werden. Gut integriert soll sein, wer Deutscher werden will. Nun – wir hätten jetzt ein Beispiel. Ein junger Mann; der ist so gut integriert, dass er sogar für den deutschen Staat arbeiten könnte. Das wird aber nicht gehen. Denn selbst dieser Musterbürger schafft nicht die Hürde unseres Zuwanderungsgesetzes. Steffen Mayer und Susanne Opalka über einen jungen Mann, der in Hessen Polizist werden will, doch seinen Berufswunsch ohne die Ausländerbehörde gemacht hat.


Zehn vor sieben am Morgen, Qais Kamran ist auf dem Weg zur Schule in Gießen. Er stammt aus Afghanistan, ist 22 Jahre alt und in Deutschland aufgewachsen. Seit 16 Jahren lebt er im hessischen Friedberg. Und Qais Kamran hat einen Traum:

Qais Kamran
„Natürlich Polizist werden. Ich hoffe, dass es auch gelingt.“

Eine gute Berufswahl. Das finden auch die Ordnungshüter der örtlichen Polizeidienststelle. Der Einstellungsberater wartet förmlich auf Menschen, die aus dem Ausland kommen. ‚Migrationshintergrund’ nennt sich das im Amtsdeutsch.

Erich Müller, Polizeioberkommissar, Einstellungsberater hessische Polizei
„Die hessische Polizei hat ein großes Interesse an Bewerbern mit Migrationshintergründen, weil wir nach wie vor gerne junge Menschen einstellen würden, die diese Voraussetzungen erfüllen.“

Was einen guten Polizisten ausmacht, das bringt Quais Kamran mit. Nur eines fehlt ihm: die Aufenthaltserlaubnis.

Erich Müller, Polizeioberkommissar, Einstellungsberater hessische Polizei
„Er hat erfüllt, dass er mindestens fünf Jahre in der Bundesrepublik Deutschland sein muss, er hat auch erfüllt, dass er die deutsche und seine Muttersprache beherrscht, er hat jedoch nicht erfüllt, dass er eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis vorzuweisen hat.“
KONTRASTE
„Also kann er sich nicht bewerben?“
Erich Müller, Polizeioberkommissar, Einstellungsberater hessische Polizei
„Also dann kann er sich nicht bewerben, das ist richtig.“

Quais Kamran wollte sich aber bewerben. Und so hat er eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis beantragt, damit er diese wichtige Vorraussetzung für den Polizeidienst erfüllen kann. Den Herren von der Ausländerbehörde ist es aber völlig egal, dass er Polizist werden will.

Ernst Meiss, Leiter Ausländerbehörde Friedberg
„Wenn die Polizei, also das Land Hessen in dem Fall, bestimmte Vorraussetzungen für das Ergreifen des Polizeibeamtenberufes formuliert, dann kann es nicht Sache des Ausländerrechts sein, die Vorraussetzungen dafür beim einzelnen Antragssteller zu schaffen.“
KONTRASTE
„Das ist natürlich eine Falle, das ist ja ein Teufelskreis, da kommt er ja gar nicht raus.“
Ernst Meiss, Leiter Ausländerbehörde Friedberg
„Dann kann der Herr Kamran im Zweifel kein Polizeibeamter werden!“

Und auch sonst geht für ihn in Deutschland vielleicht nichts mehr. Denn jetzt soll Quais Kamran abgeschoben werden. Begründung: Quais Kamran beziehe staatliche Hilfe zum Leben, er habe ja keine ordentliche Arbeit - so die Behörde.

Qais Kamran
„Sie hat mir geantwortet, dass ich mich nicht um einen Arbeitsplatz bemühe, obwohl sie mich nie kontaktiert hat. Und ich habe den Antrag überhaupt nur gestellt, weil ich bei der Polizei eine Ausbildung machen wollte, deshalb ist das so schwer nachvollziehbar.“

Im Klartext: ohne Aufenthaltserlaubnis gibt’s keine Ausbildung, aber ohne einen Ausbildungsplatz bekommt Qais Kamran auch keine Aufenthaltserlaubnis. Statt dessen kriegt er eine Abschiebung.

Die Schule darf er noch beenden und dann soll er nach 16 Jahren Leben in Deutschland zurück nach Afghanistan. Seine Mitschüler und Lehrer sind fassungslos, sie haben Unterschriften für ihn gesammelt.

KONTRASTE
„Hofft ihr, dass es noch eine Wirkung bringt?“
Mitschüler
„Wir hoffen schon, aber die Leute da oben, die die entscheiden, die müssten ihn kennen, die müssten ihn kennen lernen so wie wir, dann würden die bestimmt anders entscheiden.“
Mitschülerin
„Ich finde man sollte langsam unterscheiden, wer hier wirklich die Guten sind und wer die Bösen sind. Die Bösen sind meistens hier noch und die Guten werden rausgeschickt.“

Der Schuldirektor hat sich persönlich bei der Ausländerbehörde, beim Innenminister und beim hessischen Landtag für ihn eingesetzt. Einsicht hatte noch keiner.

Reinhard Kwetkus, Schulleiter Max-Weber-Oberschule
„Einerseits erklären die Politiker die Notwendigkeit zur stärkeren Integration von Ausländern, hier tut das ein Schüler in hervorragender Weise, übernimmt die Verpflichtung, einen Abschluss hier zu erreichen, der ihm dann einen Einstieg in den öffentlichen Dienst sogar ermöglicht und gleichzeitig versucht man, ihn abzuschieben. Das passt nicht zusammen.“

Passend machen müssten das heute und morgen die Innenminister der Länder bei ihrer Konferenz in Garmisch-Partenkirchen. Sie müssten einstimmig eine klare Regelung für ein Bleiberecht verabschieden um den Aufenthaltsstatus von fast 200.000 Menschen zu klären. Der Grund: das Gesetz ist unklar formuliert. Und so legt jede Ausländerbehörde die Paragraphen anders aus. Die Betroffenen sind dem Ermessen der Beamten ausgeliefert.

Deswegen sind Menschen wie die Kamrans jetzt von der Abschiebung bedroht. Vater Naim und Mutter Fauzia. Sie flohen mit ihren vier Kindern - vor dem endlosen Krieg und den Russen. Vor 16 Jahren kamen sie am Ende einer langen Flucht in Deutschland an. In ein fast fremdes Land soll Qais Kamran zurück. Er war sechs Jahre alt, als er herkam.

Qais Kamran
„Für mich heißt Heimat nun mal hier Deutschland. Es war schon ein bisschen komisch, wenn man lange genug in einem Land lebt, dann vergisst man einfach, also für mich, ich habe einfach vergessen, was davor war.“
Ernst Meiss, Leiter Ausländerbehörde
„Wir schätzen durchaus das Maß der Integration, das der Herr Kamran erreicht hat. Aber unbeschadet dessen, müssen wir natürlich auch berücksichtigen, dass ihm Afghanistan nicht gänzlich fremd ist und sechs Jahre in Afghanistan, zwar als Kind, sind sechs Jahre in Afghanistan.“

Keine Erinnerung an das ferne Land hat die Jüngste der Familie, Laili Kamran. Die 18jährige möchte diesen Sommer die Schule abschließen und Arzthelferin werden. Auch für sie haben die Mitschüler Unterschriften gesammelt.

Die große Schwester Mariam studiert noch an der Universität Gießen. Ob sie bleiben darf, ist ungewiss.

Qais Kamrans älterer Bruder Omar hat erfolgreich eine Lehre gemacht, Arbeit gefunden, und so konnte er Deutscher werden. Heute ist er auf dem Frankfurter Flughafen beschäftigt. Wenn seine Familie abgeschoben wird, will er mit ihr gehen.

Qais Kamran macht sich jetzt Vorwürfe. Denn er glaubt, dass er mit seinem Antrag auf Aufenthaltserlaubnis die Ausländerbehörde erst auf seine Familie aufmerksam gemacht habe. Er gibt sich die Schuld an der drohenden Abschiebung.

KONTRASTE
„Machst du dir Vorwürfe?“
Qais Kamran
„Ja, da denke ich öfters drüber nach, dass es wahrscheinlich alles meine Schuld sein kann, dass jetzt die ganze Familie davon betroffen ist.“

Qais Kamran klagt gegen die Abschiebung, hat eine Petition eingereicht. Er will mit seiner Familie hier bleiben. Denn er fühlt sich als Deutscher – daran können auch Bescheide der Behörden nichts ändern.

Qais Kamran
„Das was ich bin, das weiß ich, das steckt in mir. Da kann auch ein Stück Zettel oder ein Brief nichts sagen, das ändert nichts.“
KONTRASTE
„Willst Du immer noch Polizist werden?“
Qais Kamran
„Ja.“

Beitrag von Susanne Opalka und Steffen Mayer

Herzlich Willkommen zur Abschiebung Happy End
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07.05.06 11:23
#2
„Wir schätzen durchaus das Maß der Integration, das der Herr Kamran erreicht hat. Aber unbeschadet dessen, müssen wir natürlich auch berücksichtigen, dass ihm Afghanistan nicht gänzlich fremd ist und sechs Jahre in Afghanistan, zwar als Kind, sind sechs Jahre in Afghanistan.“  
Herzlich Willkommen zur Abschiebung 54reab
54reab:

Ich finde auch, dass er bleiben

 
07.05.06 11:32
#3
können sollte und auch eingebürgert werden sollte. Dazu müssten wir allerdings die Rechtslage ändern. Die USA könnten teilweise als Vorbild dienen. Dort können Illegale, die sich integriert haben und ausreichend lange straffrei im Land zugebracht haben, sich einbürgern lassen (sportliche Fairness).

allerdings kann man das Ganze nicht einklagbar machen und muss den betreffenden Beamten urteilen lassen. Ob wir sowas allerdings mental verkraften, wage ich zu bezweifeln.

MfG 54reab

Herzlich Willkommen zur Abschiebung Matzelbub
Matzelbub:

Schlimm ist

 
07.05.06 11:45
#4
dass so mancher Verbrecher hier bleiben darf, weil er zB. seine Papiere vernichtet hat oder solche Kandidaten wie der Berliner Libanesenclan. Armer deutscher Rechtsstaat.
Herzlich Willkommen zur Abschiebung Energie

ja klar, es geht ja jetzt um Verbrecher o. T.

 
#5


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