Hat die FAZ Angst vor positiven Nachrichten?

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Hat die FAZ Angst vor positiven Nachrichten? Happy End

Hat die FAZ Angst vor positiven Nachrichten?

 
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...vor der Wahl? Hat die FAZ Angst vor positiven Nachrichten? 2065201

"Damit setzen sich der Regierungschef und Minister mindestens zwei Verdächtigungen aus, wobei die der unerlaubten Produkwerbung vernachlässigbar scheint. Schwerer wiegt der Vorwurf, die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland beschönigen zu wollen."

 

Muskelprotz vor laufender Kamera
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Von solch einem Auftritt können Werbefachleute nur träumen. Als die Moderatorin Maybrit Illner im Zweiten Deutschen Fernsehen die Frage nach Deutschlands wirtschaftlicher Talfahrt stellte, wurde ein bis dahin eher müde wirkender Gerhard Schröder plötzlich munter. Der Bundeskanzler zog vor laufender Kamera ein Papier aus der Tasche: „Deutschlands überraschende Wirtschaft” titelt die renommierte britische Wirtschaftszeitschrift „The Economist” in ihrer aktuellen Ausgabe, und das Titelbild ziert ein muskelprotzender Bundesadler.
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Hat die FAZ Angst vor positiven Nachrichten? 2065201Deutschland habe sich durch seine Reformpolitik einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen europäischen Nachbarn erarbeitet. Wenn die Binnennachfrage anziehe, werde Deutschland auch zu alter wirtschaftlicher Kraft zurückfinden - so kann Kanzler Schröder die Fachpresse zum Anwalt in eigener Sache zur besten Sendezeit machen.

Geistige Urheberrechte bei Wolfgang Clement

Die geistigen Urheberrechte für dieses Manöver kann allerdings Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement für sich beanspruchen. Schröders Parteifreund zitierte schon vorher gerne aus einem anderen Artikel des Economists, um die Erfolge seiner Arbeitsmarktgesetze zu belegen. Aus der Sicht des Marsmenschen, stand dort geschrieben, sei eine Investition in Deutschland derzeit lukrativer als in den Vereinigten Staaten. Damit setzen sich der Regierungschef und Minister mindestens zwei Verdächtigungen aus, wobei die der unerlaubten Produkwerbung vernachlässigbar scheint. Schwerer wiegt der Vorwurf, die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland beschönigen zu wollen.

Denn tatsächlich gibt es allenfalls erste Anzeichen für eine moderate Erholung. Zum Beispiel stieg der Anteil der aktiv am Arbeitsmarkt teilnehmenden Personen um 0,4 Prozent. Zusammen mit dem reduzierten Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt und den moderaten Lohnabschlüssen der jüngeren Vergangenheit führte dies dazu, daß sich Deutschland im Standortcheck der Bertelsmann-Stiftung um drei Plätze auf Position 17 (von 21) verbesserte.

Gleichzeitig bemängeln die Autoren jedoch die weiterhin hohe Steuern- und Abgabenbelastung sowie die Staatsverschuldung auf Rekordniveau. Ein wenig positiver sieht das Ergebnis des Weltwirtschaftsforums aus, das 104 Länder in den Kategorien „makroökonomische Stabilität”, „technischer Fortschritt” und „öffentliche Institutionen” verglichen hat. Insgesamt landete Deutschland auf Rang 13 - hinter den skandinavischen Ländern und den Vereinigten Staaten, jedoch vor vielen anderen europäischen Volkswirtschaften. Nur für die Effizienz des Unternehmenssektors belegte Deutschland einen Spitzenplatz.

„Gespaltene Konjunkturentwicklung”

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rät zwar in seinem jüngsten Bericht zu einer gewissen Skepsis gegenüber den Ergebnissen solcher Studien. Dennoch stellen die Autoren ebenfalls fest, daß es in den vergangenen Jahren eine tendenzielle Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen gegeben habe. Dies erkläre zumindest zum Teil den ungewöhnlich dynamischen Export.

Allerdings weisen die Gutachter darauf hin, daß die preislichen Wettbewerbsvorteile auch durch einen höheren Anteil von Vorleistungen aus dem Ausland zu Stande gekommen sei: Im Export sank der inländische Anteil an der Bruttowertschöpfung zwischen 1991 und 2002 um 12 Punkte auf 60 Prozent. International sei Deutschland wettbewerbsfähig, stellen die Wirtschaftsweisen fest. Damit sei jedoch die Herausforderung der „gespaltenen Konjunkturentwicklung” - florierender Export bei lahmender Binnennachfrage - nicht zu bewältigen. Vielmehr seien weitere Reformen im Inland nötig, etwa im Gesundheitswesen oder in der Bildung. Doch diese Seite hat der Kanzler bisher nicht in die Kamera gehalten.


Text: svs. , F.A.Z., 20.08.2005


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