Hartz IV!

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Hartz IV! Courtage

Hartz IV!

 
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9.IAB: Makroökonomische Perspektive auf die Hartz-Reformen: Die Vorteile überwiegen
Makroökonomische Forschungsergebnisse zeigen, dass die Hartz-Reformen zur Verbesserung am Arbeitsmarkt beigetragen haben und dass der Effekt strukturell und permanent ist. Gestützt wurde die Reformwirkung durch konjunkturelle Effekte und die jahrelangen moderaten Lohnabschlüsse.
Allerdings gingen mit den Arbeitsmarktreformen auch negative Wohlfahrtseffekte einher; Lohnungleichheit und atypische Beschäftigung haben zugenommen.
… höhere Flexibilität seitens der Arbeitgeber verringert nicht das Gesamtrisiko, ein Teil verschiebt sich lediglich auf die Arbeitnehmerseite, insbesondere auf einzelne Personengruppen, z. B. Geringqualifizierte. Atypische Erwerbstätigkeit wie Leiharbeit, befristete Beschäftigung oder Minijobs hat deutlich zugenommen und geht oft – obwohl sie mehr Teilhabe sichert als Arbeitslosigkeit – mit Abstrichen bei Umfang, Dauer und Entlohnung einher…
Der Reallohn-Index des Statistischen Bundesamts, der sich auf Bruttomonatsverdienste bezieht, ist zwischen 2003 und 2007 um 4 Prozent gesunken – nicht nur weil Teilzeitbeschäftigung stieg, sondern auch wegen niedriger Lohnabschlüsse. Auf dem Arbeitsmarkt ist die gestiegene Nachfrage auch das Spiegelbild des gesunkenen Preises. Die Kehrseite sind mehr Personen bzw. Bedarfsgemeinschaften, die ihr Gehalt oder Arbeitslosengeld I mit Grundsicherungsleistungen aufstocken oder einen Nebenjob annehmen müssen. Darüber hinaus verstärkte sich die bereits seit Jahrzehnten zunehmende Einkommensungleichheit durch einen überproportionalen Rückgang der Löhne der unteren Lohngruppen während und in den ersten Jahren nach den Hartz-Reformen…
Quelle: IAB [PDF - 635 KB]

Anmerkung WL: Da hat der wissenschaftliche Schreibtisch der Bundesagentur für Arbeit mal wieder eine Auftragsarbeit erfüllt, um die Hartz-Reformen, auf deren gesetzlicher Basis Nürnberg zu arbeiten hat, zu rechtfertigen. Das war dringend nötig geworden, da eine andere Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen war, nämlich:
Im Ergebnis hätten Hartz & Co weder das Wachstum noch die Beschäftigung erkennbar beeinflusst.
Erwerbstätigenzahl gestiegen, doch Arbeitsvolumen stagniert
41,6 Millionen Menschen waren im Jahresdurchschnitt 2012 als Arbeitnehmer oder Selbständige erwerbstätig. Das waren knapp 2,7 Millionen mehr als 2003. Doch der Wachstumstrend begann keineswegs in den Agenda-Jahren, sondern schon viel früher, zeigen die Forscher. Schaut man auf die gesamte Phase seit der deutschen Vereinigung, so war der Tiefststand bereits im Jahr 1994 mit rund 37,5 Millionen Erwerbstätigen erreicht. Seitdem stieg die Zahl – mit konjunkturellen Schwankungen – an. Gleichzeitig veränderte sich aber die Struktur der Erwerbstätigkeit: Die Vollzeitbeschäftigung ging spürbar zurück, Teilzeitstellen und selbständige Tätigkeiten nahmen zu.
Folge dieses Wandels: Das Arbeitsvolumen, also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden, lag 2012 kaum höher als 1994. “Gesamtwirtschaftlich fand also eine Umverteilung der Arbeit auf eine deutlich größere Anzahl von Erwerbstätigen durch Arbeitszeitverkürzung statt”, so Horn und Herzog-Stein. Unter dem Strich erweise sich der Einfluss der Strukturreformen auf die Erwerbstätigenentwicklung damit als klein, fassen die Ökonomen zusammen. Zudem relativiere die Stagnation beim Arbeitsvolumen die eindrucksvolle Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen ganz erheblich…
Horns Fazit: “Der zweite Blick enthüllt, dass die gute Beschäftigungsentwicklung in Deutschland primär das Ergebnis einer guten Konjunktur und von flexiblen Arbeitszeiten ist.” Die Reformen der Agenda 2010 hätten wahrscheinlich die Effizienz der Arbeitsvermittlung verbessert und den Druck auf Arbeitslose, sich eine neue Beschäftigung zu suchen, erhöht. Dies reiche aber nicht, um das “Arbeitsmarktwunder” zu erklären. “Die Apologeten der Agenda 2010 verfallen bei ihren Feiern einer großen Illusion”, sagt der Ökonom.
Siehe auch noch einmal „Altkanzler Schröder: „Wer sich vorm Arbeiten drückt, muss mit Sanktionen rechnen”.

Ergänzende Anmerkung unseres Leser J.A.: “Die Funktionsweise des Arbeitsmarkts hat sich verbessert” – und was ist mit Kleinigkeiten wie dem Konjukturverlauf und dem Wirtschaftswachstum, sind die unwichtig für die Arbeitslosigkeit? Selbst wenn die Vollbeschäftigung seit 2009 zugenommen hat: 40 Stunden pro Woche in was für mies bezahlten Stellen? Es geht doch nur darum, die Leute “vollbeschäftigt” zu halten, auf die Qualität oder die Bezahlung der Stellen wird überhaupt nicht geachtet


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